72. Berlinale ist eröffnet - "Toll, dass ihr da seid - klasse"

Do 10.02.22 | 22:32 Uhr
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Video: Abendschau | 10.02.2022 | A. Breitfeld | Bild: dpa

Roter Teppich, Blitzlicht, Stars, vor allem jedoch viel Begeisterung für das Kino: So enthusiastisch ist wohl selten eine Berlinale eröffnet worden. Prominenz und Politiker feierten ausdrücklich die Rückkehr des Festivals in die Kinosäle - trotz Pandemie.

Die Galagäste trugen Maske und saßen im Schachbrettmuster verteilt im Berlinale Palast, als Schauspielerin Meret Becker Filmstars, Jury-Mitglieder und Politikerinnen zum ersten großen europäischen Filmfestival des Jahres begrüßte.

Die Entscheidung der Berlinale-Chefs Carlo Chatrian und Mariette Rissenbeek, das Festival trotz gestiegener Inzidenzen in Präsenz zu veranstalten, hatte im Vorfeld zu einigen Debatten und Kritik geführt. Geradezu enthusiastisch feierte man nun auf der Bühne die Rückkehr des Festivals in die Kinosäle.

"Wir sind zurück auf der Bühne", erklärte Carlo Chatrian. Beide dankten der Berliner Bürgermeisterin Franziska Giffey (SPD), die das Filmfestival durch ein Pandemie-Konzept möglich gemacht habe. "Ich habe gespürt, wie wichtig das Festival für Filmemacher ist, und das hat mir den Mut und die Kraft gegeben, weiterzumachen", ergänzte Rissenbeek.

Berlinale steht für Freiheit und Offenheit

Sie sei "dankbar" und "glücklich, dass diese Berlinale stattfinden kann als das internationale Filmfestival, das sie immer war", sagte Kulturstaatsministerin Claudia Roth (Grüne). Die Berlinale setze "ein Zeichen der Ermutigung, ein Zeichen der Hoffnung, ein starkes Signal über Berlin hinaus: Wir lassen uns von Corona nicht unterkriegen", so Roth unter Applaus. "Wir brauchen das Kino, wir brauchen den Film."

"Manchmal ist es auch schön, wenn man ein bisschen berlinert und sagt 'Toll, dass ihr da seid - klasse'", erklärte die Regierende Bürgermeisterin Franziska Giffey. Die Berlinale stände für Freiheit und Offenheit. Sie wolle auch künftig die Kultur und speziell die Filmindustrie in der Stadt unterstützen.

Keine Parties, aber roter Teppich

Den Auftakt zum Festival gab am Donnerstagabend die Weltpremiere des neuen Werks des französischen Regisseurs François Ozon "Peter von Kant", nach Rainer Werner Fassbinders "Die bitteren Tränen der Petra von Kant". Die satirische Innenansicht destruktiver Beziehungen mit Stars wie Isabelle Adjani, Denis Ménochet und Hanna Schygulla ist im Künstlermilieu angesiedelt.

Partys und Empfänge fallen pandemiebedingt aus - auch nach der Gala am Donnerstagabend. Geplant sei ein "gesetztes Dinner" mit Jurys, Eröffnungsfilmteam, Politik und Festivalleitung, hieß es seitens des Festivals.

Staraufgebot wird wahrscheinlich weniger üppig ausfallen

Zur Eröffnung zeigte sich vor allem deutsche Filmprominenz auf dem roten Teppich: Heike Makatsch, Maria Furtwängler, Andreas Dresen, dessen Drama "Rabiye Kurnaz gegen George W. Bush" im Wettbewerb konkurriert. Natürlich waren Jury-Präsident M. Night Shyamalan da und François Ozon als Regisseur des Eröffnungsfilms. Seine Stars Isabelle Adjani und Hanna Schygulla wurden jedoch beim Schaulaufen vor dem Berlinale-Palast vermisst.

Zwar haben internationale Filmteams zugesagt, zu kommen, darunter Emma Thompson, Juliette Binoche, Charlotte Gainsburg und natürlich Isabelle Huppert, die in diesem Jahr den Goldenen Ehrenbär des Festivals für ihr Lebenswerk erhält. Doch es zeichnet sich ab: Das Staraufgebot wird wohl deutlich geringer ausfallen als in früheren Jahren.

Die Hollywoodgrößen Sigourney Weaver und Elizabeth Banks aus Phyllis Nagys Abtreibungsdrama "Call Jane", dem einzigen US-amerikanischen Wettbewerbsbeitrag, werden nicht nach Berlin reisen. Nick Cave wird ebenfalls nicht da sein. Auf der Berlinale feiert Andrew Dominiks Dokumentarfilm "This Much I Know To Be True" über den Musiker Premiere.

"Ein Festival muss ein Format in Corona-Zeiten finden"

Im vergangenen Jahr fand das Festival wegen der Pandemie in zwei Teilen statt, einem für Fachbesucher und einem späteren Publikumsteil. Das zweistufige Verfahren von 2021 war für das Leitungsduo bei der 72. Berlinale keine Option. Nur ein Präsenzfestival könne, so Rissenbeek, den "Kern der Berlinale" bewahren - eine Entscheidung, die angesichts der Pandemielage im Vorfeld auch auf Kritik stieß.

"Ein Festival muss ein Format in Corona-Zeiten finden, weil wir alle nicht wissen, wie die Pandemie sich weiter entwickeln wird", sagte die Festival-Leiterin am Donnerstag im rbb. Man habe alles getan, um den Kinobesuch sicher zu gestalten. Dabei verwies sie auf die Masken- und Testpflicht - auf der Berlinale gilt die 2G-plus-Regel. Außerdem dürften die Kinos nur zu 50 Prozent besetzt werden. Zudem gebe es weniger Vorführungen und größere Abstände zwischen den Vorführungen, damit der Ein- und Auslass sicher gestaltet werden könne. Tickets gibt es nur online, um das Schlangestehen an den Ticketcountern zu vermeiden. "Wir haben wirklich alle Sicherheitsmaßnahmen getroffen", so Rissenbeek.

Zwei deutsche Filme im Wettbewerb

Nach der Eröffnung beginnt am Freitag der Festivalbetrieb. Wegen der Pandemie wurde allerdings das Programm deutlich reduziert: Insgesamt werden vom 10. bis 20. Februar 256 Filme aus 69 Ländern zu sehen sein, fast 25 Prozent weniger als 2020.

Beim diesjährigen Wettbewerb der Berlinale werden insgesamt 18 Filme aus 17 Produktionsländern um den Goldenen und die Silbernen Bären konkurrieren. Es dominieren Produktionen aus Asien und Europa, auch zwei deutsche Beiträge sind dabei. "Rabiye Kurnaz gegen George W. Bush" von Berlinale-Dauergast Andreas Dresen ist eine von insgesamt acht rbb-Koproduktionen auf dem Festival. In dem Drama kämpft die türkische Hausfrau Rabiye Kurnaz, gespielt von der deutsch-türkischen Komödiantin Meltem Kaptan, um die Freilassung ihres Sohnes Murat (Alexander Scheer) aus dem Gefangenenlager Guantanamo. Einer ungewöhnlichen Beziehung widmet sich Nicolette Krebitz im zweiten deutschen Beitrag "AEIOU – das schnelle Alphabet der Liebe" mit Sophie Rois in der Hauptrolle. Die Schauspielerin, Regisseurin und Musikerin Krebitz wurde zuletzt vielfach ausgezeichnet für "Wild", eine verstörend schöne Liebesgeschichte zwischen einer jungen Frau und einem Wolf.

Goldener Ehrenbär für Isabelle Huppert

Ein besonderes Highlight ist die Verleihung des Goldenen Ehrenbären für das Lebenswerk an Isabelle Huppert, der "Grande Dame" des französischen und internationalen Kinos. Im Rahmen der Preisverleihung zeigt die Berlinale am 15. Februar ihren neuen Film "À propos de Joan (About Joan)" von Laurent Larivière.

Die Berlinale gehört neben Cannes und Venedig zu den wichtigsten internationalen Filmfestivals. Der beste Wettbewerbsbeitrag wird mit dem Goldenen Bären geehrt. Silberne Bären gibt es unter anderem für die beste Regie und das beste Drehbuch. Auch die besten schauspielerischen Leistungen werden ausgezeichnet. Über die Vergabe der Preise entscheidet eine internationale Jury, der in diesem Jahr der Drehbuchautor, Horrofilm-Regisseur und Produzent M. Night Shyamalan ("The Sixth Sense") als Präsident vorsitzt.

Um die Besucherströme zu entzerren, findet die Bären-Preisverleihung bereits am Mittwoch, dem 16. Februar statt, danach werden die Filme an vier weiteren Tagen dem Publikum präsentiert.

Promis und Stars sind zurück auf dem roten Teppich

Sendung: Inforadio, 10.02.2022, 08:55 Uhr

16 Kommentare

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  1. 16.

    An die Kritiker: Die Berlinale ist keine geschlossene Veranstaltung für Promis, sondern ein PUBLIKUMSFESTIVAL, das von vielen BerlinerInnen und Filmfans aus dem ganzen Land besucht wird. Das ist auch die Bevölkerung! Ich - weder Promi, noch Politiker - freue mich drauf, mit 2G+-Regel, FFP2-Maske und Abstand die beiden Filme zu sehen, für die ich Karten gekauft habe. (Es gibt für manche Vorstellungen am Wochenende übrigens noch Karten.) Wenn Fußballspiele, andere Sportveranstaltungen und auch Kneipen besucht werden können, warum nicht ein Filmfestival, bei dem die Leute mit Abstand ruhig dasitzen?

  2. 15.

    Ich empfinde die Präsenz-Berlinale ähnlich, wie die großartige Iris Berben gestern auf dem roten Teppich formuliert hat: zwiegespalten. Und in diesem Dilemma sind wohl viele der Mitwirkenden. Ein Richtig oder Falsch kann ich deswegen nicht erkennen.

  3. 14.

    Diese Veranstaltung braucht kein Mensch. Promis und Sternchen und solche die sich dafür halten bekommen Privilegien und Ausnahmen. Das Volk wird kleingehalten. Wie im alten Rom. Aber ich habe von einer SPD geführten Stadt nix anderes erwartet.

  4. 13.

    Herzlichen Glückwunsch Frau Dr. Roth und Frau Dr. Giffey, eine Veranstaltung an der Prominente und Politiker teilnehmen dürfen ist genau das was unser Land jetzt braucht. Viel Spaß beim feiern und bitte nicht böse sein wenn nicht alle Bürger ( wie ein normaler Mensch in Deutschland von Politikern gerne genannt wird) ihre Freude teilen. Ich werde morgen früh um 5 Uhr aufstehen und zur Arbeit fahren, meinen Kollegen mit eigener Meinung eine Kanne Kaffee vor die Bürotür stellen , weil sie sich testen müssen und meinen Job machen, pünktlich meine Steuern zahlen und einfach den Mund halten. Vielleicht dürfen ja bald wieder alle Menschen an der Kultur teilhaben. Aber das wäre zuviel verlangt, oder? Erstmal nur die Besten und dann der Pöbel.... Eigentlich habe ich bis jetzt die Politiker während der Pandemie in Schutz genommen, aber alles hat ein Ende, nur die Wurst hat 2. Die Berlinale sollte den Leuten überlassen werden die sie zu dem gemacht haben, was sie heute ist. Den Künstlern.

  5. 12.

    Für so einen Schwachsinn lässt man also Zuschauer zu, aber der Breitensport, kleine Läden die auf jeden Kunden/zahlenden Zuschauer angewiesen sind lässt man kaputt gehen, abartig wie hier mit zweierlei Maß entschieden wird !!!

  6. 11.

    Wir lassen uns von Corona nicht unterkriegen hat Claudia Roth emotional gesagt. Im Bundestag hat sie für die Einschränkung der Besucherzahlen bei Kulturveranstaltungen gestimmt. Welch eine Heuchelei

  7. 10.

    Ein grosser Teil der Berlinale ist ein Jahrmarkt der Eitelkeit. Sich ablichten lassen, Häppchen essen, sich,- zur Zeit von wenigen, bejubeln lassen...bedauerlicherweise wurden wenig Partys angesetzt, aber das hat nichts zu sagen, privat geht alles. Ach ja, es werden auch Filme gezeigt.

  8. 9.

    Danke für die Erläuterung, die mir einen Blick in die Wikipedia erspart.
    Da ich noch nie auf einer cineastischen Veranstaltung war (und sogar die "Rocky Horror Picture Show" nur aus dem Pantoffelkino kenne), bin ich also keiner?
    Schade.
    Pseudo-Intellektueller ist in den letzten Stunden wohl irgendwie wohl Lieblingswort geworden.
    Oder freuen Sie sich einfach nur darüber, ein neues erlernt zu haben?
    Aber viel Spaß (oder was auch immer man beim Betrachten eines sicher sehr anspruchsvollen Filmes hat).

  9. 8.

    Und sie wissen ganz genau, dass dort nicht auch die eine oder andere Virenschleuder rumläuft ?

  10. 7.

    Die wahren Cineasten sind diejenigen, welche sich bei solch einer wichtigen Veranstaltung anstellen um an Karten ranzukommen. Zum anderen geht es auch um Filme die es womöglich gar nicht erst bis in die Kinos schaffen. Und da ich nun mal so einer, der wie Sie es beschreiben Pseudo-Intellektueller u.obendrein einer Minderheit zugehörig bin, habe ich mir 3 Karten online bestellt. Nur so am Rande bemerkt. Einer dieser Filme die mich sehr interessieren heißt: Concerned Citizen.

  11. 6.

    Ich finde auch, dass es noch nicht angebracht ist, Menschen aus der ganzen Welt hier her zu holen. Aber auf jeden Fall ist dort alles hygienisch durchorganisiert und man rennt keinen Virusschleudern und Impfignoranten wie im Einzelhandel über den Weg.

  12. 5.

    Die abgehobenen Filmschaffenden feiern sich in ihrer eigenen Welt wieder selbst.

  13. 4.

    Schwer zu sagen, ob man ein Cineast ist, wenn man Filme mag und auch schon relativ viele gesehen hat.
    Vielleicht wären dazu auch noch irgendwelche anderen Kriterien zu erfüllen.
    Hoffentlich aber keine Einstellung a la "Hauptsache es hat was mit Kino zu tun - das genügt mir".
    Und Personenkulte sind mir eh zuwider. Mich muss die Geschichte eines Films reizen. Beziehungskomödien und -dramen, Drittes-Reich-Aufarbeitungen und die fortwährenden Probleme irgendwelcher Minderheiten finde ich aber normalerweise so unterhaltsam und fesselnd wie eine Steuererklärung.
    Und um noch einen draufzusetzen: M. Night Shyamalan hat meiner Meinung nach die Angewohnheit, überlange Twilight-Zone-Episoden zu drehen. Wer jeden 500-Seiten-Wälzer von Stephen King schon wegen seiner Langatmigkeit für ein Meisterwerk hält, hat also ab und zu was zu bejubeln.

  14. 3.

    Na Sie scheinen schon mal kein Cineast zu sein, wenn Sie vom Pseudo-Intellektuellen Zuschauern, oder von abgehalfterten Schauspielern schreiben. Alleine schon wegen Isabelle Huppert, Juliette Binoche und Emma Thompson würde ich sehr gerne wieder ins Kino gehen. Aber ich gehöre nicht zu denen die am Rand des roten Teppichs stehen, nur um mal einen Blick auf diese wunderbaren Schauspielerinnen zu erhaschen.

  15. 2.

    Hängt wohl mit dem Personenaufkommen zusammen:
    Einzelhandelsläden werden täglich von zig Leuten aufgesucht, die einander sogar körperlich ziemlich nahe kommen.
    Die Berlinale ist hingegen ein einmal pro Jahr stattfindender Ringelpiez, der außer diversen "Weltstars" (= meist abgehalfterte, häufig französische Schauspieler, die beispielsweise in Amerika kaum jemand kennt) hauptsächlich Pseudo-Intellektuelle anlockt, die ihre Anspruchshaltung damit beweisen wollen, dass sie sich Filme anschauen, die andere Zuschauer kaum interessieren, weil sie im Kino wach bleiben wollen.

  16. 1.

    Ist schon interessant, das dieses Fest stattfinden kann, aber noch 2G im Einzelhandel herrscht....

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