Berlinale Series 2022 - Tränen und Lachen liegen in diesem Jahr nah beieinander

So 13.02.22 | 19:31 Uhr | Von Anna Wollner
Audio: Inforadio | 13.02.2022 | Anna Wollner

Das Serienformat ist endgültig auf der Berlinale angekommen: Über 200 Serien sind in diesem Jahr bei der Berlinale eingereicht worden - doppelt so viele wie im Vorjahr. Ausgewählt hat das Festival sieben davon. Anna Wollner stellt sie vor.

Über 200 Serien sind für die diesjährige Berlinale eingereicht worden. Damit hat sich die Zahl im Vergleich zum Vorjahr verdoppelt. Der Serien-Hunger sei ungebrochen, sagt Programmleiterin Julia Fidel.

Ausgewählt haben sie und ihr Team für das offizielle Programm sieben Serien. Trends waren schon in der Vorab-Sichtung erkennbar. "Also wir hatten sehr viel Serien, in denen Morde geschehen, auch Krankenhaus-Serien, also alles, was in irgendeiner Form wiedererkennbar ist. Aber erfreulicherweise ist es dabei nicht geblieben. Man merkt schon, dass gerade die Serien, die wir jetzt ausgewählt haben, diese Genre-Grenzen doch sehr eigen austesten und ausloten und da ihre eigenen Geschichten unterbringen", sagt Fidel.

Vielfältige Themen, emotionale Umsetzung

Es ist eine sehr diverse Welt, eine emotionale Auswahl, die in die Tiefe geht: die argentinische Agenten-Serie "Iosi" (bei uns im Frühjahr auf Amazon), die kanadische Serie "Le temps des framboises" über eine Frau, die sich nach dem Tod des Mannes neu orientieren muss, oder die dänische Produktion "The Shift". Das Seriendebüt der Filmregisseurin Lone Scherfig spielt im Krankenhaus, hat aber so gar keine Ähnlichkeit mit Formaten wie "Emergency Room" und "Grey's Anatomy". Im Mittelpunkt steht das Team einer Entbindungsstation. Leben und Tod liegen hier nah beieinander, die Mitarbeiter:innen sind immer am Rande der Überlastung.

"Wir lernen diese einzelnen Figuren sehr gut kennen über die verschiedenen Episoden, und es ist alles wahnsinnig bewegend. Also, wir haben auch sehr geweint in unserer Auswahl", sagt Fidel.

"Make Sweden Sexy Again" - weibliche Sexualität im der Serie "Lust"

Tränen und Lachen liegen in diesem Jahr eng beieinander. Die achtteilige schwedische Comedy-Serie "Lust", hat das Motto "Make Sweden Sexy Again". Es geht um eine Frau in den Vierzigern, die sich gemeinsam mit ihren Freundinnen über die eigene Lust Gedanken macht. Eine Serie, die sich freimütig, humorvoll, ehrlich und feministisch mit der weiblichen Sexualität im besten Alter auseinandersetzt.

Düsterer geht es in der Mystery-Serie "The Rising" zu (ab Mitte März auf Sky), in der die weibliche Hauptfigur, ein Teenager, nach ihrem Tod in der Zwischenwelt feststeckt und herausfinden muss, wer sie getötet hat.

Im Mittelpunkt der ersten osteuropäischen Serie wiederum, dem tschechischen Vierteiler "Suspicion", steht eine introvertierte Krankenschwester, die verdächtigt wird, für den Tod einer Patientin verantwortlich zu sein.

Doch die Serien sind keine klassischen 'Whodunit', also wer war der Mörder, sondern mehr, so Fidel. "Bei unsrer ersten isländischen Serie "Black Sands" zum Beispiel, die ich schon allein wegen der unfassbar tollen Bilder aus Island empfehlen kann, tauchen wir in ein Kleinstadtleben ein. Und das macht die Serie einfach auch total spannend, weil wir diese ganzen interpersonellen Konflikte haben und zusätzlich eben herausfinden wollen, warum da ständig Tourist:innen sterben.

Einen Haken gibt es dann allerdings doch: Die Serien werden nie komplett gezeigt. Es gibt aus Zeitgründen immer nur die ersten zwei oder drei Folgen zu sehen. So bleibt für Fans nur zu hoffen, dass die Produktionen von der Berlinale schnell ihren Weg ins heimische Wohnzimmer finden.

Sendung: Inforadio, 13.02.2022, 06:00 Uhr

Beitrag von Anna Wollner

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