Potsdamer Platz - Mitgründer fordert Abriss des "Boulevard der Stars" in Berlin

Fr 11.02.22 | 18:32 Uhr
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Sterne auf dem Star-Boulevard am Potsdamer Platz. (Quelle: rbb/S. Priess)
rbb/S. Priess
Video: rbb|24 | 11.02.2022 | Stefan Oberwalleney | Bild: rbb/S. Priess

2010 Glamour, 2022 Verwahrlosung: Der "Boulevard der Stars" am Potsdamer Platz sollte die Stars des deutschen Films würdigen. Einer der Initiatoren hat heute keine Hoffnung mehr für die Anlage. Dabei war ihr von vornherein kein langes Leben beschieden.

Der "Boulevard der Stars" am Potsdamer Platz in Berlin-Mitte sieht trostlos aus: Die Sterne sind stumpf, teilweise kaputt oder fehlen, quer über den Boulevard verläuft ein Kabelkanal. Der "Rote-Teppich"-Belag ist eingerissen.

Der verwahrloste Boulevard sei nicht mehr zu retten, sagt der einstige Mitgründer des Denkmals, Fred Breinersdorfer, rbb|24 am Freitag. "Ich würde sagen: abreißen. Nicht mehr Geld reinstecken und das ganze Ding neu anfangen." Er sei traurig und beschämt über die Entwicklung. Zu lange sei das Denkmal vernachlässigt worden, jetzt sieht er nur noch eine Lösung im Neuanfang.

Von vornherein nur eine temporäre Einrichtung

Dabei ist die Eröffnung des Boulevards noch gar nicht so lange her: Im September 2010 trafen sich hier deutschsprachige Künstler, Musikerinnen, Politiker, um das Denkmal feierlich einzuweihen. Die ersten goldenen Sterne bekamen verstorbene Ikonen des deutschen Films, aktuelle Entertainer und Shootingstars. Geehrt wurden unter anderem Till Schweiger, Diane Krüger, Katharina Thalbach, Thomas Gottschalk und Marlene Dietrich.

Der "Boulevard der Stars" sollte nach dem Vorbild des "Walk of Fame" in Hollywood alle Stars und Sternchen aus Deutschland auszeichnen. "Eine Stadt wie Berlin als Filmstadt braucht so etwas. Sie braucht einen 'Walk of Fame', weil wir ja eine unglaublich lange über hundertjährige Geschichte im Film haben", so Breinersdorfer.

Allerdings war von Anfanf an klar, dass die Metallsterne an dieser Stelle nicht für alle Ewigkeit funkeln werden. "Der Boulevard der Stars (BdS) war von vornherein als temporäre Einrichtung geplant", heißt es aus der Pressestelle des Bezirksamts Mitte, "bis die seit Jahren geplante Straßenbahnplanung für den Potsdamer Platz in konkrete Baumaßnahmen mündet". Mittlerweile sind die Pläne recht konkret. Die verblassten Sterne müssen in ein paar Jahren Kies und Stahlschienen weichen.

Bezirk befindet sich in Rechtsstreit wegen möglicher Sanierungsmängel

Die letzte Ehrung fand 2016 statt, damals wurden unter anderem Iris Berben und Matthias Schweighöfer mit einem Stern ausgezeichnet. Das letzte Mal saniert wurde hier 2018, seitdem ist nichts mehr passiert. Die gemeinnützige Gesellschaft "Boulevard der Stars", die für den Boulevard zuständig war, existiert seit 2019 nicht mehr. Seit Jahren verwahrlost die Anlage zunehmend.

Wegen des desolaten Zustands befindet sich der zuständige Bezirk derzeit in einem Rechtsstreit mit den verantwortlichen Architekt:innen und ausführenden Firmen. "Das Bezirksamt Mitte ist seit Jahren bemüht, die Baumängel auf dem Boulevard der Stars zu beseitigen." Der Bezirk geht davon aus, dass während der Instandssetzung 2018 für den roten Bodenbelag mangelhaftes Material verwendet wurde. Seit Mai 2021 warte man auf ein entsprechendes Gutachten, heißt es.

Sendung: rbb|24 Social, 11.02.2022, 12 Uhr

28 Kommentare

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  1. 28.

    Berlin bleibt Provinz, auch wenn man seit Jahr und Tag verzweifelt versucht, Weltstadt zu werden. Diesen albernen Hollywood-Abklatsch kann man daher gerne abräumen.

  2. 27.

    Berlin ist an so vielen Ecken schmuddelig und verwahrlost. Da passt diese Ruine des "Walk of Fame" gut dazu. Ein Wunder, dass noch keine Graffiti-Schmierereien drauf sind.

  3. 26.

    So einen Boulevard braucht kein Mensch.
    Weg damit.
    Mal ehrlich Til Schweiger ist einfach nur peinlich und schlecht.
    Weil es so einen Boulevard in den USA gibt, brauchen wir doch sowas nicht.
    Wie wäre es diesen hässlichen Potsdamer Platz mal mit etwas Grün aufzuhübschen?

  4. 25.

    Da geht doch was - zwischen dem Grün wetterfeste Aufsteller mit guter Streetart - gern wechselnd und auch bissig.
    Na? Deal?

  5. 24.

    Wenn dann schon mal der Abriss ansteht macht den peinlichen "Potsdamer Patz" gleich mit platt.

  6. 23.

    Ich glaube ich hab lieber ein rotziges Grafitti-Berlin, als den verzweifelten Abklatsch eines unbezahlbaren Hollywoods...

  7. 22.

    Also einen schicken Grünstreifen, so mit drei bis fünf Baümchen, um diese Zeit mit Schneeglöcken, austreibenden Krokussen und anderen netten Farbklecksen stelle ich mir in dieser Betonwüste angenehmer vor. Der Walk of Shame kann eigentlich weg.

  8. 21.

    Definitiv schrecklich aus, aber passt zum Rest der Stadt.

  9. 20.

    Es nahm mit dem Untertitel seinen Anfanf und endete im Absatz 5. ;-))

  10. 19.

    Wer zu Stars hoch- oder eben rein praktisch niederschauen will, sollte sich jenen Orten widmen, bei denen auch die Gelegenheit zu derlei besteht. Das war an der autoverkehrsumtosten Potsdamer Straße niemals der Fall gewesen, ohne selbst dabei Gefährdungen in Kauf zu nehmen.

    Vielleicht setzen sich die einschlägig Engagierten einmal hin und machen eine Sammlung von Orten, die besser geeignet sind als besagter Abschnitt der Potsdamer Straße. Einige Vorschläge wurden ja hier schon genannt.

  11. 18.

    Das ist prinzipiell das Verhängnis von sehr vielen, behauptet nur temporären Maßnahmen: dass sie nach eingeschliffener Praxis irgendwann entgegen aller vorherigen Absicht zur festen Einrichtung werden.

    Es fehlt eine Empfindung für Vorläufigkeit: Wer einen Finger reicht, muss riskieren, die ganze Hand zu verlieren. Wundert es da jemanden, dass so Vieles ungenutzt bleibt, obwohl geplante Bauten noch etliche Jahre auf sich warten lassen?

    Bei derlei vorhandener Mentalität wäre ich mit temporären Nutzungen auch vorsichtig. Lieber etwas brach liegen lassen, als überzogene Erwartungen zu schüren.

  12. 16.

    Zitat:"2010 Glamour, 2022 Verwahrlosung: Der "Boulevard der Stars" am Potsdamer Platz sollte die Stars des deutschen Films."
    War das jetzt ein themenbezogenen Fehler oder sind die Verben in der Redaktion ausgegangen? ;-))

  13. 15.

    Ich kenne solche Walk-of-Fames auch von anderen Orten als Hollywood, etwa aus Hongkong. Und überall war das ein wichtiger, zentraler Ort für die jeweilige Stadt. Schlimm und beschämend, dass man so etwas in der Berliner Provinz einfach nicht hin bekommt.

  14. 14.

    Um Gottes Willen, bloß nicht. Der Kudamm ist so schon so verranzt und runter gekommen. Da kann man es auch da lassen und weiter verwahrlosen lassen. Straße des 17. Juni wäre der geeignete Ort. Da gibt es auch keine Anwohner, die das stören könnte. Und zwischen Brandenburger Tor und Goldelse könnte man durchaus den Weg damit attraktiver machen, so man es denn richtig macht.

  15. 13.

    Diese Sternengasse war doch eh nur als Zwischennutzung bis zur Straßenbahnlinie gedacht. Von da aus... kann weg.
    Der Unterschied zum "Walk of Fame" in Hollywood ist auch, dass das Original mit besseren Materialien und qualitativ hochwertiger ausgeführt ist. Billig nachgemacht ist eben nicht gut genug und dauerhaft.

  16. 12.

    Gut gemeint aber schlecht gemacht- sowohl was die Plazierung auf dem vom Verkehr umtobten Mittelstreifen als auch die bauliche Ausführung anlangt, von einer Pflege dieser " Touristenattraktion" durch den Bezirk, oder wen auch immer, einmal ganz abgesehen.
    Aber das alles ist Berlin-typisch - immer erst mal einen auf "dicke Hose" machen und auf lange Sicht nicht dahinter.
    Aber eigentlich auch überflüssig- wer bestaunt eine schlechte Kopie wenn selbst ein Foto aus L.A. besser ist.....

  17. 11.

    Ich finde den Ku'Damm den passenderen Ort, auch wenn da die Bühnen und Kinos zumachen. Von der Länge und Breite der Gehwege ist da auch genug Platz. An vielen anderen Orten in Berlin sehen die Gehwege leider so kaputt aus, wie aktuell am Potsdamer Platz. Was denkt die "IG City West" dazu?!
    Aber das Problem hatte LA vor Ort auch, bis der Walk of Fame 2008 restauriert wurde. Finanziert sich inzwischen übrigens über recht üppige Gebühren: "Grant later recalled that "it was tough to get people to come accept a star" until the neighborhood finally began its recovery in the 1980s. In 1980, he instituted a fee of $2,500, payable by the person or entity nominating the recipient, to fund the Walk of Fame's upkeep and minimize further taxpayer burden. The fee has increased incrementally over time; by 2002 it had reached $15,000, and stood at $30,000 in 2012. As of 2020, the fee is $50,000." ;)
    https://en.wikipedia.org/wiki/Hollywood_Walk_of_Fame#Restoration

  18. 10.

    Lieber eine Tram als diesen Hollywoodabklatsch. Da hat die Stadt mehr von.

  19. 9.

    Berlin saniert nicht, Berlin warte,t, weil der Abriss billiger ist. Die Idee mit der Friedrichstraße finde ich genial, sofern man nicht Radwegen Priorität einräumt.

  20. 8.

    Rien ne va plus.
    Aber dass Berlin nur noch ein Magnet für digital durchgestylte Kampagnen ist, weiß man schon seit Jahren.
    Analog geht alles kaputt.
    Unsere Stadt empfiehlt sich für die Fortsetzung von Ready Player One.
    Kann live abgedreht werden.

  21. 7.

    Wie wäre es zur Abwechslung mal mit einer eigenen Idee? Kopieren und schlecht umsetzen kann Berlin. Aber mal was eigenes aus dem Hut zaubern ist offenbar nicht so unsere Stärke.

  22. 6.

    Der Boulevard war von Anfang an, vielleicht nicht in den Augen von Politikern die keine Tram wollen, eine Zwischennurzung eines eigenen Gleiskörpers. Da fügt es sich gut, daß er gerade jetzt kaputt ist, schauen wir mal ob des zur Baubeschleunigung des Baues der Straßenbahn genutzt wird.
    Gerade mit den geplanten Verkehtsberuhigungen in Mitte, ließe sich sicher ein geeigneter Ort für einen dauerhaften und nicht verkehrsumtosten Boulevard der Stars finden.

    .

  23. 5.

    Sowas gehört vor den Zoo-Palast und nicht in so ein hässliches Retorten-Viertel.

  24. 4.

    Da diese Fläche eh nur eine Art "Trassenfreihaltung" für den nun in greifbare Nähe rückenden Bau einer neuer Tram-Linie ist, ist der Verfall nicht wirklich schade. Der Standort war von Anfang an suboptimal. Die Idee grundsätzlich ist sicher nicht schlecht; vielleicht sollte man sowas aber nicht gerade direkt auf eine vielbefahrene Straße bauen.

    Sofern die Friedrichstraße wirklich dauerhaft echte Fußgängerzone wird (und nicht nur Fahrrad-Highway, auf dem Fußgänger eher im Weg sind), wäre das vielleicht ein würdiger, prominenter Nachfolge-Standort. :-)

  25. 3.

    Das war sowieso totgeboren. Da soll doch irgendwann die Tram von und zum Alex fahren, oder?

  26. 2.

    Gerne abreißen und neu machen, aber bitte nicht mit Steuergeldern.

  27. 1.

    Nicht alles , bzw sogar ziemlich viel was anderswo geht , funktioniert nicht in Berlin. Diese Stadt tickt eben anders. Kann es sein , dass es hier schlicht niemanden interessiert, so einen Sternenhaufen auf dem Mittelstreifen einer stark befahrenen Straße zu „bewundern“?

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