Berlinale Preisverleihung - Goldener Bär der Berlinale für französischen Dokumentarfilm "Sur L'Adamant"

So 26.02.23 | 09:41 Uhr | Von Ula Brunner
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Nicolas Philibert, Regisseur von "Sur L'Adamant" mit dem Goldenen Bären auf der Berlinale (Quelle: dpa/Schreiber)
Audio: rbb24 Inforadio | 26.02.2023 | Julia Vismann | Bild: dpa/Schreiber

Bei einer glanzvollen Gala sind am Samstagabend die Hauptpreise im Berlinale-Wettbewerb verliehen worden. Dabei hat die Jury für Überraschungen gesorgt. Von Ula Brunner

Mit mehreren kleinen Sensationen wartete die Bärenverleihung am Samstagabend im Berlinale-Palast auf: Der Hauptpreis des Festivals ging an einen Dokumentarfilm. Bei der glanzvollen Gala im Berlinale-Palast wurde der Goldene Bär an die Produzent:innen von "Sur L'Adamant" verliehen. Darin porträtiert der renommierte französische Regisseur Nicolas Philibert ("Sein und Haben") Leben und Alltag in einer schwimmenden Pariser Tagesklinik für psychisch erkrankte Erwachsene.

Beste Hauptdarstellerin ist noch ein Kind

Eine Überraschung, und ebenfalls eine Premiere in der Geschichte der Berlinale, ist es auch, dass ein Kind mit einem Silbernen Bären für die beste darstellerische Leistung in einer Hauptrolle geehrt wurde: Die junge Sofía Otero verkörpert in Estibaliz Urresola Solagurens spanischem Coming-of-Age-Drama "20.000 Species of Bees" einen Achtjährigen, der sich nichts sehnlicher wünscht, als ein Mädchen zu sein. "Danke für diesen wundervollen Preis" erklärte das offensichtlich etwas überwältigte Mädchen – das dann aber doch ganz professionell ihre Tränen unterdrückte und ihre Dankesgrüße in den Saal schickte.

Drei Bären an deutsche Wettbewerbsbeiträge

Dreimal vergab die siebenköpfige Jury unter dem Vorsitz der US-Schauspielerin Kristen Stewart einen Silberner Bären an deutsche Produktionen: An Angela Schanelec für ihren elliptisch erzählten Film "Music" (Bestes Drehbuch), außerdem den Großen Preis der Jury für "Roter Himmel" von Christian Petzold.

Die österreichische Aktrice Thea Ehre wurde mit einem Silbernen Bären als beste Darstellerin in einer Nebenrolle geehrt. "Die Schönheit ihrer Darstellung ist verblüffend", hieß es in der Laudatio von Kristen Stewart. Ehre spielt die Leni, eine Ex-Drogenabhängige in Christoph Hochhäuslers Thriller "Bis ans Ende der Nacht". Mit insgesamt fünf Beiträgen war Deutschland besonders stark in dem diesjährigen Wettbewerb präsent.

Margarethe von Trottas aktuelles Werk über Ingeborg Bachmann sowie die Literaturverfilmung "Irgendwann werden wir uns alles erzählen" von Emily Atef gingen derweil leer aus.

Familien und Fremdenlegionäre

Das Konfliktpotenzial familiärer Beziehung steht im Zentrum von zwei weiteren Preisträgerfilmen. Mit dem Silberner Bären für die Beste Regie wurde der französische Regisseur Philippe Garrel ausgezeichnet. Sein Film "Le Grand Chariot" spielt im Puppenspielermilieu, auch Garrels Kinder haben schauspielerisch mitgewirkt. Um verwandtschaftliche Bande geht es auch in dem portugiesischen Beitrag "Mal Viver" von João Canijo, der den Preis der Jury erhielt.

Über einen Silbernen Bären für eine Herausragende Künstlerische Leistung konnte sich Kamerafrau Hélène Louvart freuen. Sie ist für die spannungsgeladene und kreative Bildgestaltung "Disco Boy" mit Franz Rogowski verantwortlich. In ihrer Rede dankte sie dem Regisseur Giacomo Abbruzzeses, der Film sei als Teamwork entstanden.

Um die Filmpreise konkurrierten in der Kategorie Wettbewerb 19 Produktionen aus 19 Ländern. Diese decken eine große Bandbreite ab: Komödien, Historienfilme, Coming-of-Age und Animationen sind unter anderem dabei. 16 Filme davon feierten zudem in Berlin ihre Weltpremiere. Im vergangenen Jahr gewann das spanische Drama "Alcarràs" den Hauptpreis im Wettbewerb.

Preise, Preise, Preise …

Der Ehrenbär für das Lebenswerk wurde bereits vergeben - der US-Regisseur Steven Spielberg nahm ihn am Dienstag entgegen.

Auch die Preisträger in anderen Sektionen wurden zum Teil bereits im Laufe der Woche bekannt gegeben. Die Panorama-Publikumspreise werden am Sonntag verliehen, dabei geht die Auszeichnung für den besten Spielfilm an "Sira" der burkinischen Regisseurin Apolline Traoré. In der Kategorie "Panorama Dokumente" war "Kokomo City" von D. Smith Publikumsliebling.

In der innovativen Wettbewerbs-Sektion Encounters erhielt die belgische Produktion "Here" von Bas Devos den Preis für den Besten Film. Für die Beste Regie in "El Eco" wurde die Mexikanerin Tatiana Huezo ausgezeichnet. An den Film ging zudem der Berlinale-Dokumentarfilmpreis, den der rbb stiftet.

Berlinale zeigt Solidarität

Auch in diesem Jahrgang positioniert sich die Berlinale dezidiert politisch. Bereits bei der Eröffnungsgala hatte der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj unter dem frenetischen Applaus der geladenen Gäste per Video einen starken Appell an Filmschaffende und Künstler gerichtet, sein Land zu unterstützen. "Kann sich die Kunst aus der Politik heraushalten?" mahnte er. Mit zahlreichen Filmen, etwa Sean Penns Doku "Superpower", und Veranstaltungen zeigt sich das Festival solidarisch mit der Ukraine, aber auch mit den Protestierenden im Iran. Eine Solidaritätsdemonstration auf dem Roten Teppich am Berlinale Palast setzte am 24. Februar, dem ersten Jahrestag des russischen Angriffs, ein Zeichen, dass die Menschen in der Ukraine und ihre Filmschaffenden nicht vergessen werden.

Insgesamt sind bei der Berlinale bis zum 26. Februar in verschiedenen Programmsektionen 287 Filme aus 67 Ländern zu sehen. Nach zwei Pandemie-geprägten Jahrgängen findet die Veranstaltung wieder in gewohnter Form statt - ohne Hygienebeschränkungen, mit vollen Kinosälen und feierlichen Empfängen. In einer Zwischenbilanz am 22. Februar verwies die Berlinale-Leitung auf hohe Verkaufszahlen: Bis zum Morgen des 22. Februar seien bereits 267.00 Tickets verkauft worden.

Das Festival ist auch wieder Treffpunkt der internationalen Kino-Prominenz. Neben Hathaway, Sean Penn, Peter Dinklage oder Kristen Stewart zählen Steven Spielberg, John Malkovich und Helen Mirren zu den Festivalgästen.

Am Sonntag enden die Filmfestspiele in Berlin mit dem Publikumstag. In mehreren Kinos der Stadt werden noch einmal zahlreiche Festivalfilme gezeigt. Die Berlinale zählt neben Cannes und Venedig zu den großen Filmfestivals.

Sendung: rbb24 Inforadio, 26.02.2023, 07:55 Uhr

Beitrag von Ula Brunner

15 Kommentare

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  1. 15.

    Mal davon ab, dass ich Sie nicht in eine rechtsextreme Ecke gestellt habe, Sie sich aber dieser Opfermentalität gerne anzunehmen scheinen, behaupten Sie, Ihre "Diagnose" der Hauptdarstellerin beruhe auf "der hiesigen Berichterstattung" und Ihrer "beruflichen Erfahrung". Das halte ich für eine recht gewagte "Konklusion" Ihrerseits. Zumal Sie weder den Film gesehen haben, noch um die Umstände der Produktion wissen.

    Und es ist auch nicht nur dieser Beitrag, der mich an Ihrer Objektivität zweifeln lässt. Denn Sie haben sich z. B. auch zur 37. "Teddy Award" Verleihung unvermögend geäussert.

  2. 14.

    Interessant! Sie kritisieren einerseits meine Fern"Diagnose".Kann man machen. Die beruht auf der hiesigen Berichterstattung und meiner beruflichen Erfahrung. Andererseits unterstellen Sie mir anhand eines einzigen Beitrages - durch "Ferndiagnose" - irgendeine ideologische Affinität (wahrscheinlich zum Rechtsextremismus!).
    Ganz großes "Kino" ,, auch weil Sie den Film doch sicher gesehen haben, oder!!

  3. 13.

    Sie sind sicher beruflich Kinder, - Jugend, - und Erwachsenenpsychologin. Dass die immer richtig liegen, sieht man u.a. an der Prognose für den Attentäter von Brokstedt. Ich habe überhaupt nichts gegen Transpersonen, aber um den Hype, der medial um sie veranstaltet wird.

  4. 12.

    So ein Schwachsinn. Kinder haben mit dem Thema absolut kein Problem und das macht auch nichts schlimmes mit der Psyche, weil es nun mal nicht schlimm ist. Sie sind einfach vorurteilsfrei. Der einzige Grund weshalb Sie da so viel rein interpretieren, ist wohl ihr eigenes Problem mit Transpersonen.

  5. 11.

    Zitat: "Genau so ist es!"

    Was?

    Um mal bei Ihrer Kurznachrichtendiktion zu bleiben, "Irmgard".

  6. 9.

    Nun ja, Ihre "Kritik" an dem Film, den Sie nicht gesehen haben, und der Auszeichnung für die Hauptdarstellerin, die Sie aus der Ferne kinderpsychologisch einzuschätzen vermeinen, sowie des "Medienhypes", den Sie anzukreiden vermelden, kann eigentlich nur mit Ihrer grundlegenden Abneigung bzgl. des Themas erklärt werden. Ich würde das mal als ideologische motivierten Beitrag Ihrerseits charakterisieren.

  7. 8.

    Alles Gute kommt aus Frankreich … Der Champagner, die Margarine, die Menschenrechte und die Gewaltenteilung … Und, der große Mut sich immer wieder mit „sehr unbequemen“ gesellschaftlichen, wirtschaftlichen oder politischen Problemen auseinanderzusetzen, um dafür eine Lösung oder wenigstens eine Linderung zu finden … Danke, Nachbar ! =)

  8. 5.

    Das ist NICHT das erste Mal, dass der Goldene Bär an einen Dokumentarfilm geht. 2016 ging der Preis an "Fuocoammare", die italienische Lampedusa-Doku.

  9. 4.

    Ein achtjähriges Mädchen verkörpert im Film einen achtjährigen Jungen, der ein Mädchen sein will... Schon das wäre auf Grund des Alters und des entsprechenden emotional - sozialen Entwicklungsstandes der Kinderpsyche diskutabel. Dass das dann aber noch zusätzlich medial hochgejubelt wird, kann eigentlich nur noch mit dem gehypten Thema des Films erklärt werden.

  10. 2.

    Chatrian ruiniert die Berlinale. Letztlich bestimmen Filmauswahl und Jurybesetzung über die Preisvergaben. Und die waren in diesem Jahr desaströs wie nie. Drehbuch-Bär für "Music"? Jurypreis für "Mal viver"? Goldener Bär für "Sur l'adamant"? Das waren nicht nur langweilige FIlme, das waren schlechte Filme. Und gleichzeitig werden herausragende Werke wie "Suzume" ignoriert. In Zukunft wird es für die Berlinale nicht leichter, starke Regisseure zu überzeugen, ihre Filme im hiesigen Wettbewerb laufen zu lassen. Chatrian ist mit der Berlinale nicht auf dem Weg in die B-Liga der Festivals, er ist dort nach Locarno nie herausgekommen und hat die Berlinale zu sich heruntergezogen.

  11. 1.

    Service-Hinweis: 3sat überträgt Verleihung ab 18:30 Uhr live.

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