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Berlinale 2020 - "DAU" - das umstrittene Mammut-Kunstprojekt

Aus 700 Stunden Drehmaterial hat der russische Regisseur Ilja Khrzhanovskiy 14 Filme und Fernsehserien gemacht. Über drei Jahre lebten Schauspieler, Künstler und Musiker in einer künstlichen Sowjet-Welt, in einer Art "Container" a la Big Brother in der Ukraine. Das Kunstprojekt ist sehr umstritten.

Ist er das neue Enfant Terrible des Films? Einer, der künstlerische Grenzen sprengt und dabei am Filmset zu weit geht? Drei Jahre lang erweckte er dort ein totalitäres Forschungsinstitut zum Leben, mit Hunderten Laienschauspielern, angesiedelt im stalinistischen Russland.

Zusammen mit seiner deutsch-russischen Co-Regisseurin Jekatarina Oertel ist auch der Spielfilm "Natasha" entstanden, der im Wettbewerb bei der Berlinale läuft. Natasha ist die Betreiberin der Kantine des Forschungsgeländes. Ihre Geschichte, ihre Konflikte und Verstrickungen, hat die Laiendarstellerin mit den anderen selbst erfunden und vor der Kamera ausgelebt.

Es wird gefeiert und getrunken, die Grenzen zwischen Spiel und Wirklichkeit verschwimmen. Natasha lässt sich mit einem französischen Wissenschaftler ein, verbringt mit ihm eine Liebesnacht. Daraufhin wird sie von der Staatsicherheit erpresst.

Khrzhanovskiy will mit seiner totalitären Parallelwelt die Abgründe der menschlichen Seele ergründen.

Eigentlich wollte er sein Projekt DAU vor zwei Jahren in Berlin als Kunstinstallation präsentieren, dabei eine Mauer um die Innenstadt ziehen. Das provokative Projekt wurde von vielen Künstlern und Politikern unterstützt. In letzter Minute scheiterte es an Sicherheitsauflagen.

Wegen naturalistischer Sexszenen wird Khrzhanovskiy in Russland "Propaganda für Pornografie" vorgeworfen. Hierzulande sind es die beklemmend realen Verhörszenen, die in die Kritik geraten sind und angebliche Übergriffe auf das Team. 

DAU setzt den Zuschauern zu. Ein aufwühlendes Filmerlebnis, über das sich hoffentlich auch das Kinopublikum bald eine Meinung bilden kann.

Beitrag von Norbert Kron

Moderator Knut Elstermann (Quelle: rbb)
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Berlinale 2020 - Berlinale Studio (6/6)

Film des Tages: "There is no Evil" +++ Gast im Studio: Schauspielerin Maryam Zaree  +++ Berlinale Notizen +++ "DAU" - ein umstrittenes Kunstporjekt +++ Berlinale Fazit +++ Doku: "Saudi Runaway" +++ Bilder des Tages +++ Moderation: Knut Elstermann

Filmstill Berlinale 2020 "Walchensee Forever" Regie: Janna Ji Wonders © Flare Film
© Flare Film

Berlinale 2020 - Berlinale Notizen

Teddy Award für "Futur drei" und für Dokumentarfilm "If it were love" +++ Dokumentarfilm "Walchensee forever" - das Langfilm-Debüt von Janna Ji Wonders +++ Wettbewerbspremiere des Dokumentarfilms "Irradiés" (Irradiated) vom kambodschanischen Filmemacher Rithy Panh +++

Helen Mirren © Julia Vismann
Julia Vismann

Berlinale 2020 - Berlinale Geflüster

Julia Vismann, Reporterin für Radioeins, ist die ganze Zeit auf der Berlinale unterwegs. Sie hat viele Filme gesehen und hat viele Begegnungen, auch mit den ganz großen Stars. Was sie am meisten bei dieser Berlinale beeindruckt hat und welcher Film ihr besonders in Erinnerung geblieben ist, erzählte sie Knut Elstermann.

Maryam Zaree, Bild: imago images / Future Image
imago images / Future Image

Gast im Berlinale Studio - Die Schauspielerin Maryam Zaree

Auf der diesjährigen Berlinale ist Maryam Zaree Mitglied der Amnesty-Jury. Sie wurde 1983 in Teheran (Iran) geboren und wuchs in Frankfurt a.M. auf. Sie studierte an der Filmuniversität Babelsberg Schauspiel. Sie ist dieses Jahr auch in dem Berlinale-Film "Undine" zu sehen. 

Saudi Runaway © Christian Frei Filmproductions
Christian Frei Filmproductions

Berlinale 2020 - Panorama - "Saudi Runaway" von Susanne Regina Meures

Einer von vielen beeindruckenden Dokumentarfilmen bei dieser Berlinale: Ein Film über eine junge Frau aus Saudi Arabien, die vor dem Diktat ihrer Familie und dem repressiven frauenfeindlichen System fliehen will. Mit dem Smartphone filmt sie sich und ihren Alltag in Saudi-Arabien. Wenn Muna in Mekka ein Selfie macht, sieht sie nur Schwarz: ihr Körper, ihr Gesicht sind unsichtbar unter dem Schleier. (Video darf aus rechtlichen Gründen nicht gezeigt werden. Anm. d.Red.)