Filmstill aus dem Film "Yocho", der im Wettbewerb der Berlinale 2018 läuft. (Quelle: YOCHO Project Partners)
Bild: YOCHO Project Partners

Filmtipps - Die leichtere Seite der Berlinale

Ein gängiges Vorurteil über die Berlinale: Dort gebe es fast nur düsteres Kunstkino zu sehen. Das ist natürlich großer Quatsch. Wer leichter verdauliche Filme sucht, muss nicht lange suchen. Vier Tipps von Fabian Wallmeier

Yocho (Kiyoshi Kurosawa; Panorama)

Männer fangen auf einmal an, Dinge fallen zu lassen. Eine Frau glaubt, Geister zu sehen. Ein Arzt verhält sich zunehmend rätselhaft. Kiyoshi Kurosawa erzählt seine Geschichte mit den Mitteln des Arthouse-Kinos. Auf seinem Film liegt ein Grauschleier, die beige-braune Tristesse seiner Welt korrespondiert mit den leergesaugten Menschen, die ihn bevölkern: Es geht im Kern um Aliens, um Körperfresser, die den Menschen einzelne so genannte "Konzepte" stehlen - das Verständnis des Prinzips Familie zum Beispiel. Kurosawa gibt seiner Geschichte immer neue Wendungen. Aus dem zunächst sogar nur angedeuteten Geister-Plot wird ein ziemlich verqueres, immer spannenderes und  zunehmend ironisch gebrochenes Superheldinnenepos. Mit "Yocho" hat die Berlinale einen unterhaltsamen Genre-Mix aus Horror, Splatter und Science Fiction im Programm.

17.02. 16:00 Uhr Zoo Palast 2

21.02. 19:30 Uhr Zoo Palast 1

22.02. 11:00 Uhr CinemaxX 7

23.02. 16:00 Uhr Cubix 9

24.02. 12:30 Uhr CinemaxX 7

Filmstill aus dem Film "Supa Modo ", der im Wettbewerb der Berlinale 2018 läuft. (Quelle: One Fine Day Films / Enos Olik)
Bild: One Fine Day Films / Enos Olik

Supa Modo (Likarion Wainaina; Generation KPlus)

"Um ein Kind aufzuziehen, braucht es ein ganzes Dorf", besagt ein nigerianisches Sprichwort. Der Kenianer Likarion Wainaina zeigt in seinem Film nun: Auch um ein schwer krankes Kind aus dem Leben zu verabschieden, braucht es ein ganzes Dorf. Die kleine Jo in "Supa Modo" hat nur noch zwei Monate zu leben. Ihre Mutter nimmt sie mit nach Hause. Aus diesem traurigen Setting macht Wainainia einen warmen, witzigen Kinderfilm, produziert von Jury-Präsident Tom Tykwer. Jo ist Superhelden-Fan – und das ganze Dorf legt sich ins Zeug, um ihr ihren letzten Wunsch zu erfüllen: einen Action-Film mit ihr in der Rolle der Superheldin zu drehen. Rasant, liebevoll - und natürlich auch traurig, aber dabei nie kitschig oder deprimierend.

18.02. 10:00 Haus der Kulturen der Welt

19.02. 11:00 Uhr CinemaxX 3

21.02. 12:30 Uhr Filmtheater am Friedrichshain

22.02. 13:30 Uhr CinemaxX 1

Filmstill aus dem Film "Kad budem mrtav i beo", der im Wettbewerb der Berlinale 2018 läuft. (Quelle: Yugoslav Film Archive)
Bild: Yugoslav Film Archive

Kad budem mrtav i beo (Živojin Pavlović; Forum Special Screening)

Jimmy Barka (der eigentlich Janko heißt) stromert rastlos durch die Welt. Er glaubt an das Leben, an die Frauen - und an sich selbst. Jimmy ist überzeugt davon, ein guter Sänger zu sein - und lässt sich von diesem Glauben nicht abbringen. Nicht vom Publikum eines Gesangswettbewerbs, das ihn von der Bühne buht, nicht von einer Sängerin, die ihn nach dem Schäferstündchen für sein schiefes Gekrächze auslacht. Das Forum zeigt diesen Klassiker des jugoslawischen Kinos von 1967 in einer restaurierten Fassung. Er atmet genau wie Jimmy einen auch aus heutiger Sicht noch frisch wirkenden Freiheitsdrang, eine Wildheit. Zugleich ist er aber auch tief in seiner Zeit verankert: Regisseur Pavlović zeigt ärmliche Vororte von Belgrad, Militärparaden und Volksfeste, der Film ist getrieben von, jugoslawischen Schlagern, englischem Beat - und traditionellen Polka-Kapellen.

18.02. 22:00 Uhr Akademie der Künste

23.02. 19:00 Uhr Zoo Palast 2

Filmstill aus dem Film "Grass", der im Wettbewerb der Berlinale 2018 läuft. (Quelle: JEONWONSA Film Co.)
Bild: JEONWONSA Film Co.

Grass (Hong Sangsoo; Forum)

Eine Frau (Kim Minhee) sitzt im Café und beobachtet die anderen Gäste. Vor allem belauscht sie ihre Gespräche. Sie tippt in ihren Laptop, was die anderen sich erzählen und kommentiert die zumeist traurigen Geschichten wie eine allwissende Romanerzählerin. Oder entstehen diese vermeintlich abgelauschten Gespräche, vielleicht sogar die Gäste selbst, erst in ihrem Schreiben? Hong Sangsoo ist der koreanische Meister der doppelbödigen Beziehungs- und Gesellschaftskomödie. Schauspielerin Kim Minhee gewann 2017 den Silbernen Bären als beste Schauspielerin in seinem Film "On the Beach at Night Alone". Sein aktueller Film "Grass", der nun im Forum läuft, ist ein kleiner, aber nur auf den ersten Blick simpler Film. Hong verwebt mit leichter Hand die Dialogszenen und Gesprächsthemen und wirft im Vorbeigehen zentrale Fragen nach Autorenschaft und Verlust. Dazu gibt es dieses Mal etwas weniger von dem koreanischen Schnaps Soju als sonst in seinen Filmen, aber reichlich Kaffee.

16.02. 21:30 Uhr Delphi Filmpalast

17.02. 22:00 Uhr CineStar 8

18.02. 20:00 Uhr Cubix 9

25.02. 12:00 Uhr CineStar 8

Sendung: rbb aktuell, 14.02.2018, 21.45 Uhr

Kommentar

Bitte füllen Sie die Felder aus, um einen Kommentar zu verfassen.

Kommentar verfassen
*Pflichtfelder

Bitte beachten Sie unsereKommentar-Regeln und Hilfe zu Kommentaren zum Kommentieren von Beiträgen.

Das könnte Sie auch interessieren

Gäste beim Medienboard-Empfang (Quelle: rbb)
rbb

Medienboard-Empfang - Frauen auf High Heels, Til Schweiger auf Krücken

Rund 5.000 Drehtage hat es im vergangenen Jahr in Berlin gegeben - für Filme, die oftmals vom Medienboard Berlin-Brandenburg gefördert wurden. Am Samstag feierte das Medienboard mit 1.800 geladenen Gästen die größte Party auf der Berlinale. Frauke Gust berichtet vom Pflichttermin der Filmbranche.