Szenenbild aus "Die Einzelteile der Liebe" von Miriam Bliese (Quelle: Berlinale/dffb/Markus Koob)
Bild: Berlinale/dffb/Markus Koob

Filmtipps für Berlin-Fans - Zwischen Beziehungskrisen und Weltuntergang

Der Himmel über Berlin strahlt oft in einem herrlichen Blau. Aber unter ihm passieren manchmal seltsame Dinge - mehr noch, es droht sogar ein Weltuntergang. Zumindest im einen oder anderen Berlinale-Film. Von Anna Wollner

Eine Beziehung durch die Gegensprechanlage

Berliner Beziehungsfilme pendeln in der Regel zwischen Kottbusser Tor, Oberbaumbrücke und einem stylischen Loft in Berlin Mitte – im Idealfall mit Blick über die Spree. Miriam Bliese hat sich für ihr Langfilmdebüt für den Bezirk Tiergarten entschieden. Um genau zu sein für das Hansaviertel.

"Die Einzelteile der Liebe" (Perspektive Deutsches Kino) über die zerbrechende Patchworkfamilie von Sophie, Georg und (Stief-)Sohn Jakob spielt nahezu komplett vor der Klopstockstraße 14/18. Das von Pierre Vago 1957 gebaute "Zeilen"-Hochhaus wird zum vierten Hauptdarsteller.

Über sechs Jahre zeigt Miriam Bliese das zerbrechliche Konstrukt Familie. Immer wieder verhandeln die beiden Erwachsenen ihre Beziehung und ihren Status vor der Haustür. Mal durch die Gegensprechanlage, mal zwischen den Pfeilern der Betonträger und mal auf dem Parkplatz. Das traute Heim wird zur Durchgangsstation. Berlin kann auch (emotional) kalt sein. Trotz schöner Architektur im Hintergrund.

12.02., 19.00 Uhr, CinemaxX 3

13.02., 12.00 Uhr, Colosseum 1

13.02., 17.30 Uhr, Blauer Stern

13.02., 20.00 Uhr, CinemaxX 1

Szenenbild aus "Cleo" von Erik Schmitt (Quelle: Berlinale/Johannes Louis)
Bild: Berlinale/Johannes Louis

Rasanter Trip durch eine pulsierende Großstadt

Wo liegt die Seele der Hauptstadt? Der Kurzfilmer Erik Schmitt schickt die Protagonisten in seinem Langfilmdebüt "Cleo" (Generation Kplus) auf eine abenteuerreiche Schnitzeljagd durch Berlin. Eine Schatzsuche der besonderen Art - vom Urknall bis in die Gegenwart. Denn da sucht die junge Cleo nach einer Möglichkeit, in die Vergangenheit zurückzureisen und ihr eigenes Schicksal zu ändern. Mit Hilfe einer magischen Uhr, die die Brüder Sass einst in den zwanziger Jahren bei einem spektakulären Raub erbeutet haben – und die seither verschollen ist.

"Cleo" ist ein rasanter Trip durch die pulsierende Großstadt. Eine Begegnung mit verwunschenen Orten, verschrobenen Gestalten und Berliner Legenden. Der Ideenreichtum von Erik Schmitt ist ungebrochen. Scherenschnitt, Stop-Motion, Fotomontagen, Basteleinlagen -  wer braucht schon teure Computer-Special-Effects wenn es auch so geht. Michel Gondry lässt grüßen.

08.02., 15.30 Uhr, HKW

13.02., 15.30 Uhr, Filmtheater am Friedrichshain

15.02., 09.30 Uhr, Zoo Palast 1

17.02., 20.15 Uhr, Cubix 8

Szenenbild aus "8 Tage" von Rafael Parente, Peter Kocyla, Stefan Ruzowitzky und Michael Krummenacher (Quelle: Berlinale/Stephan Rabold/NEUESUPER/Sky)
Bild: Berlinale/Stephan Rabold/NEUESUPER/Sky

Weltuntergang am U-Bahnhof Britz-Süd

Der Berliner Himmel strahlt in einem herrlichen Blau. Es ist die Ruhe vor dem Sturm. Oder besser gesagt die Ruhe vor dem Untergang. Auf dem Parkplatz vor der U-Bahn Station "Britz-Süd" türmen sich ineinander verschachtelte Einkaufswagen, zerfetzte Müllsäcke werden vom Wind durch die Lüfte getragen. Gähnende Leere. In Berlin Mitte hingegen brennen die Mülltonnen. Die Leute gehen auf die Barrikaden, es sind bürgerkriegsähnliche Zustände im Regierungsviertel. Jeder ist sich selbst der Nächste.

In der achtteiligen Sky-Serie "8 Tage" (Berlinale Series) lassen Showrunner, Rafael Parente und die beiden Regisseure Stefan Ruzowitzky und Michael Krummenacher die Welt untergehen. In acht Tagen wird ein Asteroid mitten in Europa einschlagen und den Kontinent in Schutt und Asche legen. Mittendrin ist eine Berliner Familie, die ausloten muss, ob es eine Überlebenschance gibt oder nicht. So schön und ohne Moral wie hier ist Berlin noch nie untergegangen.

13.02., 16.45 Uhr, Zoo Palast 1

13.02., 17.30 Uhr, Zoo Palast 3

15.02., 13.00 Uhr, Zoo Palast 3

Sendung: Berlinale 2019, 13.02.2019, 01.30 Uhr

Beitrag von Anna Wollner

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