Interview | Dominik Graf - "Für Fabian geht es in der Liebe um alles, um das es auch heute geht"

Saskia Rosendahl, Dominik Graf und Tom Schilling bei Dreharbeiten zum Kinofilm 'Fabian - Der Gang vor die Hunde' (Quelle: dpa/Wehnert/Geisler)
Audio: Inforadio | 10.06.2021 | Interview mit Dominik Graf | Bild: dpa/Wehnert/Geisler

Im Rahmen der Sommerberlinale feiert Dominik Grafs Erich-Kästner-Verfilmung "Fabian oder der Gang vor die Hunde" Weltpremiere auf der Leinwand, bevor er im August regulär in die Kinos kommt. Was hat Graf an dem Stoff gereizt? - ein Interview.

 

rbb: Herr Graf, nach sieben Monaten Lockdown für die Kinos kehrt mit der Sommerberlinale die große Leinwand zurück. Wie fühlt es sich an, jetzt mit "Fabian oder der Gang vor die Hunde" endlich eine wirkliche Weltpremiere feiern zu können?

Dominik Graf: Ich bin kein großer Freund des Streamings und finde, dass ein Film wie "Fabian" ins Kino gehört. In den dunklen Raum, in dem das einzig helle die Leinwand ist. Dafür haben wir ihn ja auch gemacht. Ob das jetzt das Comeback des Kinos ist, das sich hier abzeichnet, das muss man erstmal noch sehen. Es ist ja immer noch nicht alles geöffnet. Für mich und für mein Team ist das nach der Arbeit an diesem Film erstmal ein wirklich großes Erlebnis, dass der Film in Berlin seine Premiere hat und dass er auf der großen Leinwand läuft. Das ist noch mal ein großer Unterschied zur Online-Berlinale im März, die ja im Grunde unter Ausschluss der Öffentlichkeit stattfand.

dominik graf

Regisseur des Films "Fabian oder Der Gang vor die Hunde", Dominik Graf. Berlinale Wettbewerb 2021. (Quelle: Caroline Link)
Caroline Link

Jahrgang 1952, studierte von 1974 bis 1980 an der HFF München. Im Lauf seiner Regie- und Autorenkarriere wurde Graf vielfach ausgezeichnet. Zu seinen bekanntesten Arbeiten zählen unter anderen die Filme "Die Katze", "Die geliebten Schwestern", die Serien "Der Fahnder" und "Im Angesicht des Verbrechens".

Drehschluss für ihren Film war schon 2019, also vor Beginn der Pandemie. Hat sich der Film danach noch verändert oder ist er genauso geworden, wie Sie ihn sich vorgestellt haben?

Es bleibt eigentlich nie aus, dass sich Filme auch in der Bearbeitung noch verändern, als seien sie selbst lebende Wesen. Nicht nur im Schnitt, wo wir mehrmals auf verschiedene Filmlängen kamen, bis wir dachten, dass wir die Endfassung für alle Beteiligten gefunden haben. Spannend war hier auch die Tonmischung, die Hintergrund- und Straßengeräusche des Berlins der frühen 30er-Jahre, die natürlich im Studio entstanden sind. Die Stimmen, die Zeitungsjungs, fahrende Autos und all die Dinge, die so eine Großstadt ausmachen. Das war zwar kompliziert bis zu einem gewissen Grad, aber es hat einem auch die Freiheit gegeben diese Welt akustisch neu entstehen zu lassen.

Am Anfang des Films wandert Tom Schilling vom heutigen Berlin die Treppen des U-Bahnhofs Heidelberger Platz hoch in das Berlin der frühen 30er. Und nicht nur dadurch wird klar, dass der Blick zurück gleichzeitig auch ein Blick aufs Jetzt ist. Dieses Jetzt hat sich durch die Pandemie nochmal deutlich gewandelt. Hat das auch noch eine Rolle gespielt?

Nein, dafür war es dann doch auch zu spät, das wirklich inhaltlich in irgendeiner Form aufzugreifen.

Was genau hat Sie daran gereizt, "Fabian oder der Gang vor die Hunde" machen zu wollen?

Ich hatte eine gewisse Verbindung zur "Fabian"-Verfilmung von Wolf Gremm von 1980. Ein Freund von mir war Regieassistent damals, und ich habe zu der Zeit auch in Berlin gelebt und den "Fabian" begeistert gelesen. Das war vielleicht so eine Art Grundstein dieses Projekts. Vor ein paar Jahren kam dann ein Produzent mit der Idee auf mich zu und ich hatte in meiner Erinnerung an das Buch das Gefühl, dass das etwas mit mir zu tun haben könnte. Dieser Produzent hat dann zwar aufgegeben, aber bald darauf kam der Produzent Felix von Boehm auf mich zu und seine Idee hat mich völlig überzeugt.

Natürlich erzählt man die Zeit, das bleibt nicht aus, aber nicht mit diesem Aufwand und so wie man es auch vielen anderen Darstellungen kennt, sondern eher ein Hinterhof-Berlin: Wilmersdorf, Charlottenburg, Wohnungen, kleine Straßen, eine kleinbürgerlichere Welt und dazu junge Künstler, abgesehen von dem Millionär La Bode, und eine gewisse Intimität.

Sie sagen, die Geschichte könnte etwas mit Ihnen zu tun haben. Was genau ist das?

Es ist nicht die erste Dreiecks-Geschichte, die ich gemacht habe. Das hat mich immer schon angesprochen. Unwägbare Liebesgeschichten zwischen zwei Frauen und einem Mann oder zwei Männern und einer Frau. Das hat für mich etwas Ewiges, Sommerliches und auch Tragisches. Hier ist es aber vor allem auch die Beziehung zwischen Fabian und Cornelia, ohne La Bode. Das ist eine Beziehung, in der es um alles geht, worum es auch heute für junge Menschen geht, wenn sie versuchen, einen gemeinsamen Weg zu finden. Solche Fragen wie: Was wird aus mir, welchen Beruf will ich, verzichte ich für uns auf etwas oder nicht und was ist mir wichtig? Und all das in einer unglaublich komplizierten Zeit, die man zwar nicht wirklich mit dem Heute vergleichen kann, aber die Fragen sind sich durchaus ähnlich.

Kästners autobiografisch angelehnter Roman zeigt den jungen, zweifelnden und strauchelnden Fabian in einer Welt, die vor die Hunde geht. Gleichzeitig ist aber auch Kästner als weiser Erzähler mit Überblick zu spüren. Welcher der beiden wären Sie?

Den Überblick habe ich glaube ich auch noch nicht. Am ehesten, auch wenn das vom Alter nicht hinkommt, kann mich mich dann schon mit dem Fabian identifizieren. Mit seinen Zweifeln, Sehnsüchten. Mit seinem Versuch, nicht hineingezogen werden zu wollen, aber trotzdem fasziniert und doch nicht ganz unbeteiligt zuzugucken. Ich muss aber auch sagen, dass ich den Fabian immer als Kästner gesehen habe, schon beim ersten Lesen. Für mich war das ein komplett autobiographischer Roman und deswegen habe ich mir auch die Freiheit genommen, bestimmte Beschreibungen aus dem Buch aus dem Off zu erzählen, so als wäre der Erzähler doch auch ein Teil dieses Fabians und umgekehrt.

Vielen Dank für das Gespräch.

Mit Dominik Graf sprach Alexander Soyez für Inforadio. Das vollständige Interview können Sie mit Klick auf das Audiosymbol oben im Artikel nachhören.

Sendung: Inforadio, 10.06.2021, 07:00 Uhr

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