Audio: rbb 88,8 | 24.02.2020 | Roberto Benigni

Berlinale | Interview mit Roberto Benigni - "Mit Geppetto ist für mich ein Traum in Erfüllung gegangen"

Vor 17 Jahren war Oscar-Preisträger Roberto Benigni noch selbst "Pinocchio" - in Matteo Garrones Version spielt er jetzt Pinocchios Vater Geppetto. Zum rbb|24-Interview kommt er in rotem Wollpullover und redet mit Händen und Füßen. Von Anna Wollner

rbb|24: Herr Benigni, Sie haben sich rar gemacht im Kino, lange keinen Film gedreht. Wir haben Sie vermisst!

Roberto Benigni: Ja, da haben Sie wohl recht - ich habe keinen Kinofilm gemacht, aber ich habe Fernsehserien gedreht und viel Theater gespielt. Ich bin getourt, von Japan über Israel, Brasilien und Argentinien. Ich war in ganz Europa unterwegs und natürlich in Italien. Wenn Sie mich nach meinem letzten Film fragen, das war wohl der von Woody Allen "To Rome with Love" (2012, Anm. der Redaktion). Das war eine ganz besondere Erfahrung.

Warum machen Sie sich so rar?

Für mich als Schauspieler ist es wichtig, "ja" zu sagen zu Filmprojekten. Aber genauso wichtig ist es eben auch, "nein" zu sagen. Ich sage öfter nein als ja. Das Ja kriegen Sie als Zuschauer mit. Das Nein eben nicht. Aber mich gibt es noch!

Was hat Sie an Matteo Garrones "Pinocchio" gereizt?

Ich entscheide immer nach dem Drehbuch. Und dann nach dem Regisseur. In diesem Fall hat beides gepasst. Matteo Garrone ist für mich einer der größten Regisseure der Gegenwart. Er versteht es einfach, Filme zu drehen. Große Filme für die große Leinwand. Als er mich gefragt hat, ob ich mir vorstellen könnte, den Geppetto zu spielen, ist für mich ein Traum in Erfüllung gegangen. Wer kann das schon von sich behaupten: Erst Pinocchio zu spielen und dann ein paar Jahre später Geppetto. Das ist doch unglaublich!

Der Film lebt von seinen Effekten. Wie war das für Sie bei den Dreharbeiten?

Phantastisch. Denn wir haben kaum mit Computereffekten gedreht. Fast alles sind Prothesen. Das heißt für die Schauspieler sehr viel Maskenzeit. Ich bin da glimpflich davon gekommen, aber für Federico Ielapi, der den Pinocchio spielt, war es viel schilmmer. Aber die Welt, die Matteo Garrone erschaffen hat, hat mein Spiel sehr leicht gemacht.

Dabei hätten Sie beinahe viel früher schon Pinocchio spielen sollen. Fellini liebäugelte mit einer Verfilmung - zu der es nie gekommen ist. Erinnern Sie sich daran, wie die Version hätte aussehen sollen?

Er hatte seine ganz eigene Vorstellung davon, auch wenn es nie dazu gekommen ist. Er hatte Zeichnungen, Entwürfe - alles. Er hat ständig davon geredet. Für ihn war Pinocchio wie eine Bibel. Er hat das Buch ständig bei sich gehabt und konnte es zitieren. Er liebte fantastische Märchen. Es ist so schade, dass es nie dazu kam. Würde er noch leben, wäre ich sofort dabei, mit ihm noch einen "Pinocchio"-Film zu machen. Nummer drei in meiner Vita.

Erinnern Sie sich daran, wann Sie das erste Mal das Buch gelesen haben?

Ans erste Lesen erinnere ich mich nicht mehr. Aber ich selbst war schon immer Pinocchio. Schon als Kind wurde ich von allen Pinocchio gerufen. Als vierjähriger Steppke war das der Kosename meiner Mutter für mich. Ich war wild, ungestüm und habe mir ständig Geschichten ausgedacht. Ich war wohl damals schon sehr kreativ.

Vor zwanzig Jahren haben Sie den Oscar für "Das Leben ist schön" gewonnen und sind die Stuhlreihen entlang geklettert. Es ist noch immer eines  d e r  Oscar-Bilder der letzten Jahrzehnte. Wie sind Ihre Erinnerungen daran?

Der Oscar war eine Manifestation der Liebe. Nach mehr Anerkennung kann man gar nicht fragen. Ich bedanke mich heute noch bei den Academy-Mitgliedern. Was soll danach noch kommen?

Wo heben Sie die Trophäe auf?

Um ehrlich zu sein: Ich habe keine Ahnung, wo sie ist. Ich habe zuhause kein extra Trophäen-Regal oder so. Ich habe sie in irgendeine Schublade gesteckt - und dann vergessen.

Haben Sie nach den Oscars viele Angebote bekommen?

Ja, aus aller Welt. Aber es hat mich nichts vom Hocker gerissen.

Vielen Dank für das Gespräch, Herr Benigni!

Beitrag von Anna Wollner

Kommentar

Bitte füllen Sie die Felder aus, um einen Kommentar zu verfassen.

Kommentar verfassen
*Pflichtfelder

Mit Nutzung der Kommentarfunktion stimmen Sie unserer Netiquette sowie unserer Datenschutzerklärung (Link am Ende der Seite) zu. Die Redaktion behält sich vor, einzelne Kommentare nicht zu veröffentlichen.

Das könnte Sie auch interessieren

Die Gewinnerin des Silbernen Bären als beste Darstellerin Paula Beer am 29.02.2020 bei der 70. Berlinale. (Quelle: dpa/Juergen Biniasch)
dpa/Juergen Biniasch

Berlinale 2020 | Kommentar - Die Richtung stimmt

Der Berlinale-Wettbewerb war lange nicht mehr so stark wie in diesem Jahr. Auch die von neue Sektion Encounters konnte überzeugen. Also alles gut unter der neuen Leitung? Fast, denn es gibt auch eine empörende Jury-Entscheidung. Von Fabian Wallmeier