Robert Pattinson, Hauptdarsteller von "Damsel" (Quelle: dpa/Chesnakova)
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Filmkritik | "Damsel" - Wenn die Dinge auf faszinierende Weise beschissener werden

Robert Pattinson mit Goldzahn, Gitarre, Kleinpferd und wild verliebt in die schöne Penelope. Im Western der Zellner Brüder ist vieles möglich - und doch fügt sich das Ganze nicht zu einer wirklich guten Geschichte. Von Ula Brunner

Über der Prärie, hinter den Bergen, geht die Sonne in leuchtendem Orange auf (oder unter) - das ist allerschönste Wild-West-Romantik. Damit endet jedes Lucky-Luke-Heft und damit beginnt "Damsel". Schnitt und Prolog. In einem gottverlassenen Canyon in der sprichwörtlichen "Middle of Nowhere" sitzen zwei Männer auf einem schmalen Balken und warten auf die Postkutsche. Wir sind in der Pionierzeit der Vereinigten Staaten. Der jüngere der beiden ist auf dem Weg nach Westen, auf der Suche nach einem Neuanfang. Der Alte ist Priester und kommt gerade von dort zurück, weil er genug davon hat, die "Wilden'" zu missionieren. Ein absurder Dialog über Indianer, Gott und die Frontier entwickelt sich. Und es fällt ein Satz, der die Geschichte von "Damsel" auf den Punkt bringt: "Die Dinge werden beschissener auf eine ganz neue faszinierende Weise".

16.02.2018, Berlin: Berlinale, Fototermin, "Damsel": Der britische Schauspieler Robert Pattinson und die australische Schauspielerin Mia Wasikowska. (quelle: dpa/Gambarini)
Robert Pattinson und Mia Wasikowska auf der Berlinale. | Bild: dpa/Gambarini

Ein Mann mit Goldzahn und Kleinpferd

Die ersten Filmminuten sind vielversprechend, mit staubtrockenem Humor, einer Szenerie, die nicht umsonst an "Warten auf Godot" erinnert und einem wirklich wunderbaren Robert Forster in seinem Fünfminuten-Auftritt als Priester. Im Hauptplot kreuzt der junge Samuel Alabaster (Robert Pattinson) mit Goldzahn, Gitarre und dem Kleinpferd Butterscotch, dem Brautgeschenk für seine Liebste, in einer Präriestadt auf. Hier will er einen zwielichtigen Priester (David Zellner) treffen, der ihn zu Penelope (Mia Wasikowski) begleitet und beide dann vor Ort verheiratet, so der Plan. Doch es kommt natürlich alles ganz anders.

Alter Stoff, neu erzählt

Es ist ein klassischer Westernplot, aus dem sich die Ereignisse entwickeln, aber eben in völliger unvorhergesehener Weise. In "Damsel" nimmt sich das Genre selbst aufs Korn. Hier ist - fast - alles Zitat. Trapper, Greenhorn, Indianer, Lagerfeuer, Pfeilspitze, Westernlady - wir kennen sie aus John-Ford- und John-Wayne-Western - setzt der Film in ungewohnte Kontexte, spielt mit Verfremdungseffekten, überzeichnet Figuren und Motive. Deswegen führen uns die Filmemacher auch in die Kulisse einer Westernstadt, mit einer Handvoll Häusern, einem Saloon und jeder Menge schräger Typen, von denen man einem sogar ein Fass umhängt, damit er am Galgen schwerer fällt.

Endstation: Sackgasse

Doch der weitere Filmverlauf hält nicht, was die Anfangssequenzen versprechen. Es ist der erste Western der Independentfilmer David und Nathan Zellner, überhaupt ihr erstes gemeinsames Projekt seit "Kumiko, the Treasure Hunter". Dass die Zellner Bros., wie sie sich nennen, eine Vorliebe für das klassische US-amerikanische Filmgenre haben, auch den Willen es neu zu erfinden, ist "Damsel" anzusehen. In manchen Szenen scheint Jim Jarmuschs "Dead Man" Vorbild gewesen zu sein. Aber der Erzählfluss wird irgendwann schleppend. Ab der zweiten Hälfte gerät die die Geschichte eine Sackgasse.

"Honeybun, oh honeybun"

Das liegt auch an der spröden Präsenz von Nathan Zellner. Als Priester ist er zwar über den Hauptplot hinweg die einzige konsistente Figur, wird aber darstellerisch von Pattinson und Wiakowska glatt an die Wand gespielt. Robert Pattinson ist ein wunderbarer Samuel Alabaster, eitel und sehr verliebt, wenn er immer wieder mit der Zungenspitze seinen goldenen Schneidezahn berührt, das Medaillon mit Penelopes Konterfei aus dem Hemdkragen fummelt oder auf der Gitarre am nächtlichen Lagerfeuer "honeybun, honeybun, honeybun" mehr seufzt als singt. Dass er später als kompletter Trottel dasteht, legt Pattinson mit einem ausgesprochenen komödiantischen Gespür schon früh in der Figur an. Mit dieser in sich stimmigen Performance ist der Vampir-Star einen Schritt mehr aus dem Schatten der "Twilight"-Serie heraus getreten.

Alles andere als "Damsel"

Die zweite Filmhälfte gehört vor allem Penelope, von Mia Wasikowska mit viel Verve und
Energie verkörpert, und die alles andere ist als eine "Damsel", ein junges Fräulein, das darauf wartet von ihrem Helden gerettet und geheiratet zu werden. Für die "feministische" Wendung ist es ein bisschen schade, dass die Rolle vor allem als wütende und trauernde Frau angelegt ist und damit vergleichsweise eindimensional bleibt. Gleichzeitig hat der Film hier einige seiner emotional berührenden und authentischsten Momente.

"Damsel" ist manchmal herrlich schräg und selbstironisch, er hat Spaß an Überzeichnung und eine ausgesprochene Affinität für das Genre, das er liebevoll zerlegt. Doch trotz Groteske, witziger Details und überraschender Twists trägt die Handlung nicht über die gesamte Spielfilmlänge. Der Film steckt halt auch in seiner Zitathaftigkeit fest, die einzelnen Erzählfragmente fügen sich nicht zu einer stimmigen Geschichte, die mehr ist als die Summe ihrer Einzelteile.

Fazit: "Damsel" ist manchmal frech, schön anzuschauen, hat aber über einige Strecken hinweg deutliche Hänger in der Story.

Sendung: Berlinale Studio, 16.02.2018, 22.15 Uhr

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