Valeria Golino, Laura Bispuri, Sara Casu, Alba Rohrwacher (Quelle: dpa)
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Filmkritik | "Figlia mia" - Der Weg zum Showdown ist gepflastert mit Klischees

Ein Mädchen erfährt, dass die Frau, die sie aufzog, nicht ihre leibliche Mutter ist – und ist nun hin- und hergerissen zwischen den beiden Frauen. Laura Bispuris "Figlia mia" hat tolle Landschaftsaufnahmen aus Sardinien - bleibt aber über weite Strecken klischeehaft. Von Fabian Wallmeier

Ein heißer Sommertag in Sardinien. Vittoria (Sara Casu) läuft hektisch den Strand entlang. Etwas hat sie verstört, doch sie sagt nicht, was. Sie findet ihre Mutter Tina (Valeria Golino), die bei einem Rodeo am Gatter steht, und umarmt sie fest von hinten. Vittoria wird allmählich erfahren, was bisher allenfalls ein diffuses Gefühl der Irritation ist: Dass sie feuerrote Haare hat und ihre Eltern beide schwarzhaarig sind, hat einen Grund - sie sind nicht ihre leiblichen Eltern.

Ihre biologische Mutter ist Angelica (Alba Rohrwacher). Doch die hat gleich nach der Geburt einen Deal mit Tina gemacht - und ihr Vittoria überlassen, weil sie selbst nicht in der Lage ist, sich um ein Kind zu kümmern. Nun taucht Angelica wieder auf. 28.733 Euro braucht sie, damit ihr nicht Haus und Hof gepfändet werden - und dabei will sie Unterstützung von Tina.

Die Schauspielerinnen Alba Rohrwacher und Valeria Golino am 18.02.2018 auf der Berlinale. Der Film "Meine Tochter" ("Figlia mia") läuft im Wettbewerb der 68. Internationalen Filmfestspiele Berlin. (Quelle: dpa/Ralf Hirschberger)
Alba Rohrwacher und Valeria Golino 2018 auf der 68. Berlinale.Bild: dpa/Ralf Hirschberger

Geschichte einer Emanzipation

Laura Bispuri hat vor drei Jahren im Wettbewerb der Berlinale mit "Vergine giurata" die Geschichte einer jungen Frau erzählt, die sich aus der ewigen Jungfräulichkeit befreit, die ihr die Tradition in ihrem albanischen Bergdorf auferlegt hatte. Dieses Mal geht es auch um eine Emanzipation: die der fast zehnjährigen Vittoria, die sich nun zwischen zwei Müttern behaupten muss. Bispuri setzt sie am Ende als große Siegerin in Szene, die beiden Müttern überlegen ist.

Die Hitze des sardinischen Sommers

Einen Trumpf weiß Bispuri in ihrem neuen Film auszuspielen: Die Hitze der sardinischen Sommers, das staubige Rot der Berglandschaft, Angelicas verlottertes Haus - all das sieht toll aus. Doch ansonsten gelingt ihr mit "Figlia mia" nur wenig.

Die Handkamera ist oft ganz nah bei den drei Hauptfiguren, so auch am Ende bei Viittoria: In einer Umkehrung der Eingangsszene geht sie nun wieder den Strand entlang, doch diesmal nicht hektisch-verzagt, sondern in geradezu heroischer Pose.

Filmstill aus "Figlia mia" | Bild: Guy Ferrandis

Zwischen zwei Klischees

Den Weg zum Showdown pflastert Bispuri mit Klischees. Angelica ist so durch und durch verantwortungslos, dass es weh tut. Sie ist ständig betrunken, gibt sich den Männern hin, nennt ihren Hund "meine kleine Hure". An Vittoria bemängelt sie, dass sie "noch keine Titten" habe, nutzt sie für lebensgefährliche Aktionen aus - und sagt ihr rundheraus, dass sie sie nicht haben wollte. Natürlich kommt es dennoch zu einer Annäherung zwischen den beiden - und selbstverständlich auch zur Enttäuschung.

Genauso grob skizziert ist Ziehmutter Tina. Sie ist ein echtes Muttertier, liebt die Tochter heiß und innig, ist ihr immer nah - oft ein bisschen zu nah. Tinas Welt stürzt ein, als Vittoria sich auf einmal zu Angelica hingezogen fühlt - was wiederum ungeahnte Kräfte in ihr freisetzt.

Toll gespielt, schwaches Drehbuch

Zwischen diesen beiden Polen bewegt sich nun Vittoria. Sie ist hin- und hergerissen zwischen der Liebe und Sicherheit, die Tina ihr gibt, und dem wilden, unangepassten Wesen Angelicas, das sie nun auch in sich selbst zu entdecken glaubt. Sara Casu spielt Vittoria erstaunlich facettenreich und sicher - man kann sie sich im bislang auf fast jeder Ebene dramatisch schwachen Wettbewerb durchaus als würdige Gewinnerin des Darstellerbären vorstellen. Doch gegen die Klischees von Drehbuch und Inszenierung kommt auch sie letztlich nicht an.

Fazit: Laura Bispuri erzählt vom Erwachsenwerden eines Mädchens zwischen zwei konträren Mutterfiguren. Doch weder die junge Darstellerin noch die schönen Naturaufnahmen retten den Film vor dem Versinken in Klischees.

Sendung: Inforadio, 18.02.2018, 15 Uhr

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Beitrag von Fabian Wallmeier

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1 Kommentar

  1. 1.

    Bad written reviews always start with a summary.

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