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Filmkritik | Berlinale-Eröffnungsfilm "Isle of Dogs" - Viele Stars, tolle Details - und trotzdem etwas enttäuschend

Zum Auftakt der Berlinale gibt es den größten Star-Auflauf – zumindest stimmlich. In Wes Andersons Trickfilm "Isle of Dogs" sprechen unter anderem Bill Murray und Tilda Swinton. Der Film ist wieder voller skurriler Ideen, bleibt aber hinter den Erwartungen zurück. Von Fabian Wallmeier

Bill Murray ist ein Hund. Bryan Cranston ist ein Hund. Jeff Goldblum sowieso, Tilda Swinton obendrein - und selbst Scarlett Johansson ist eine Hündin. Wes Anderson hat für "Isle of Dogs" mal wieder eine erstaunliche Reihe von Stars zusammengetrommelt - oder zumindest einzeln ins Tonstudio gelotst. "Isle of Dogs" ist ein Trickfilm, und so randvoll mit Stars besetzt, dass man ihre Stimmen auf die Schnelle kaum noch auseinanderhalten kann.

Auf der "Isle of Dogs" vor der Küste der fiktiven japanischen Metropole Megasaki leben ausgesetzte Hunde. Sie haben die Hundegrippe, eine Seuche, die möglicherweise auch Menschen befallen kann - und deshalb mussten sie verschwinden. Gerupft, schmutzig, lädiert und ständig niesend leben sie auf einer gigantischen Müllhalde.

Bill Murray, Greta Gerwig, Bob Balaban, Bryan Cranston, Wes Anderson, Koyu Rankin, Liev Schreiber, Tilda Swinton und Jeff Goldblum beim Isle of Dogs- Ataris Reise Photocall im Rahmen der 68. Internationale Filmfestspiele Berlinale am 15.02.2018 in Berlin Berlinale 2018 (Quelle: imago)
Wes Andersons Synchron-Crew. | Bild: imago stock&people

Unverkennbar: Die Kopfgeburten des Wes Anderson

Der 12-jährige Atari, Ziehsohn des totalitär herrschenden Bürgermeisters von Megasaki, kracht mit seinem Flugzeug auf die Insel. Er will seinen geliebten Hund Spots finden. Atari schließt sich einer Gruppe von Streunern um den besonders gerupften und lädierten Chief (Bryan Cranston) an, zusammen gehen sie auf die Reise. In Megasaki mehrt sich derweil die Kritik am Vorgehen des Despoten. Speerspitze der Revolution ist eine amerikanische Austauschschülerin, gesprochen von Greta Gerwig.

Wes Anderson liebt es, seine eigenen Universen zu erschaffen. Das Ferienlager in "Moonrise Kingdom", die scheußlich schöne Obere-Mittelklasse-Welt der "Royal Tenenbaums" und erst recht die bis ins kleinste Detail gearbeitete Winterkurort-Dekadenz von "Grand Budapest Hotel" sind unverkennbar die schrägen Kopfgeburten des ewigen amerikanischen Regiewunderkindes - das längst nicht mehr jung ist. Was aber, wenn die Ideen noch abseitiger sind, als dass man sie mit den erfindungsreichsten Kulissenbildnern umsetzen könnte? Dann macht Anderson Ausflüge in den Trickfilm.

Wie hätte es in echt ausgesehen?

"Isle of Dogs" ist, nach der Fabel "The Fantastic Mr. Fox" Andersons zweiter Trickfilm - und er krankt in vielen Details genau daran, dass er eben ein Trickfilm ist. Anderson weiß der Tricktechnik zwar hübsche Ideen abzugewinnen: Die wächsernen Gesichter der Menschen, die Schattenspiele der Hunde vor matt-bunt schimmernder Müllkulisse - all das sieht stylish aus und ist liebevoll gemacht.

Bei manchen der wieder einmal überbordend vielen Details stellt man sich aber vor, wie toll sie wohl ausgesehen hätten, wenn Anderson sie von seinen Set-Design-Künstlern tatsächlich hätte bauen lassen: den ehemaligen Freizeitpark etwa, den Atari und die Hunde schließlich erreichen. Oder die so naturalistisch wie altertümlich anmutenden Übersetzungsmaschinen, mit deren Hilfe das Japanische simultan ins Englische übertragen wird.

Zu simpel konstruiert

Die Sprachebene ist ohnehin der größte Trumpf des Films: Anderson lässt die Hunde Englisch sprechen, die Menschen in Megasaki aber Japanisch, auch der Vorspann besteht aus japanischen Schriftzeichen (allerdings mit englischen Übersetzungen). Nur wenn Fernsehübertragungen über das Geschehen berichten, werden die Übersetzungsmaschinen angeschmissen, sonst bleiben die japanischen Dialoge für den Großteil des Publikums unverständlich.

Die wie immer in den Details hübsch spinnerte Geschichte dagegen ist dieses Mal vom Grundgerüst her zu solide und simpel strukturiert. Der Kampf des Guten gegen das Böse nimmt sich für Andersons Verhältnisse ungewöhnlich ernst - und ist dabei am Ende zu banal. Man ist von Anderson schlicht mehr Doppelbödigkeit, Ironie-Bekenntnis und letztlich Originalität gewöhnt.

Fazit: Als leichter, unterhaltsamer Eröffnungsfilm der Berlinale funktioniert '"Isle of Dogs" gut - auch weil er auf einen Schlag für mindestens so viele Stars auf dem roten Teppich sorgt, wie für den gesamten Rest des Wettbewerbs erwartet werden. Doch ein heißer Bärenkandidat ist dieser nette, aber gemessen an Andersons bisherigem Werk enttäuschende Film nicht.  

Sendung: Berlinale Studio, 15.02.2018, 22.15 Uhr

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