Szenenbild aus "The Operative" von Yuval Adler (Quelle: Berlinale/Kolja Brandt)
Berlinale/Kolja Brandt
Audio: Kulturradio | 11.02.2019 | Andrea Handel | Bild: Berlinale/Kolja Brandt

Berlinale-Filmkritik | "The Operative" (Außer Konkurrenz) - Plotdienlich abgefilmt

Ein Agentenfilm mit Liebesgeschichte, der Mossad und eine geheime Operation in Teheran. Das klingt nach einem potenziell interessanten Film, doch "The Operative" mit Diane Kruger ist leider weitgehend reiz- und spannungslos. Von Fabian Wallmeier

"Mein Vater ist gestorben", sagt eine Frauenstimme. Dann ist die Verbindung unterbrochen. Der mysteriöse Anruf steht am Anfang von "The Operative". Doch mysteriös bleibt er nicht lange - und auch der restliche Film ist für einen Agententilm an Mysterien und Geheimnissen eher arm.

Den Satz "Mein Vater ist gestorben" vereinbarten Mossad-Agentin Rachel (Diane Kruger) und ihr Verbindungsmann Thomas (Martin Freeman) einst als geheimen Code, als ihre Operation in Teheran wegen Gefahr abgebrochen werden musste. Doch weder Rachel noch Thomas sind noch beim Mossad aktiv - und der will nun wissen, was Rachel im Schilde führt. Also kehrt Thomas noch einmal zurück. Doch vor allem erzählt der Film in Rückblicken von der Langzeit-Operation in Teheran und von den Treffen der beiden in - die föderale deutsche Filmförderung macht es möglich: Köln und Leipzig.

Nur in Israel zu Hause

Rachel ist eine Getriebene, ihre Mutter ist tot und ihren Vater meidet sie. Sie hat eine internationale Herkunft, spricht Englisch, Deutsch und Französisch. Viel mehr gibt sie nicht über ihren Hintergrund preis - und es ist sogar fraglich, ob selbst dieses Wenige, das sie Thomas verrät, stimmt. "Zu Hause habe ich mich nur einmal kurz in Israel gefühlt", sagt sie. Eine so heimatlose, dabei anpassungsfähige und blitzgescheite Frau, die auch noch Israel liebt, ist wie geschaffen für den israelischen Geheimdienst.

Nach einigen kürzeren Einsätzen haben Thomas und der Mossad Größeres mit Rachel vor: Sie soll längerfristig nach Teheran gehen, getarnt als Englischlehrerin - und dem Geschäftsmann Farhad (Cas Anvar) näher kommen. Denn über ihn und seine Technologie will der Mossad den iranischen Geheimdienst anzapfen. Doch entgegen dem Plan geht Rachel mit Farhad ins Bett und beginnt eine Beziehung mit ihm. Das bringt sogar den stoischen Thomas kurz aus der Bahn, als dieser davon erfährt.

Filmausschnitt

Diane Kruger während der Pressekonferenz zum Film "The Operative (Die Agentin")
dpa

      

Weitgehend spannungsloser Agentenfilm

Yuval Adler inszeniert die Geschichte routiniert, aber leider weitgehend spannungslos. Das ist bemerkenswert für einen Agentenfilm, zumal auch nur wenig diese Lücke füllt. Rachel bleibt als Figur so konturenlos, wie ihre Anpassungsfähigkeit als Agentin es erfordert. Die Liebesgeschichte knistert nicht, kann auch aus der Frage, wieviel davon echt ist und wieviel gespielt im Sinn des Mossad, keine Funken schlagen.

Diane Kruger spielt für ihre Verhältnisse dezent - Heulkrampf-Geprotze wie in Fatih Akins "Aus dem Nichts", der ihr in Cannes den Darstellerinnenpreis bescherte, wäre in "The Operative" auch fehl am Platze. Kruger ist angemessen zurückhaltend, ihr Spiel zweckdienlich unterkühlt, ohne eindimensional zu werden. Sie trägt den Film - auch wenn es da leider wenig zu tragen gibt. Cas Anvar dagegen hätte ihrem Spionageobjekt und späterem Liebhaber Farhad schon etwas mehr Leben einhauchen können, gerade im Kontrast zu ihr.

Grau in Grau

"The Operative", der im Wettbewerb außer Konkurrenz läuft, legt wenig Wert auf visuelle Impulse. Die Geschichte wird nur plotdienlich abgefilmt. Den Film durchzieht ein tristes Grau, selbst das prächtige Wetter in Israel, von dem Rachel so schwärmt, hat keine visuelle Pracht. So ein Agentinnenleben ist nun mal nicht voll Sonnenschein.

Grau in Grau kommt auch Martin Freeman daher, dessen Thomas als Mann ohne Eigenschaften konzipiert ist. Wann immer Rachel ihn nach seinem Privatleben fragt, blockt er ab. Freeman macht diese Figurenschablone mit seinem subtilen Spiel aber erstaunlich lebendig. Er lässt mit seinen Blicken erahnen, dass dieser Thomas Geheimnisse hat und dass ihm Rachel tatsächlich am Herzen liegt. Das ist kein geringes Verdienst. Ein sonderlich bemerkenswerter Film ist "The Operative" trotzdem nicht.

Fazit: "The Operative" ist als Agentenfilm zu spannungsarm, als Liebesfilm zu reizlos. Hauptdarstellerin Diane Kruger spielt die heimatlose Mossad-Agentin aber angemessen zurückhaltend.

Sendung: Berlinale Studio, 11.02.2019, 01.15 Uhr

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1 Kommentar

  1. 1.

    Langweilig und sinnfrei. Zeitverschwendung!

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