Hans-Joachim Kulenkampff (l) und Peter Frankenfeld (Foto vom 30.11.1952). (Bild: dpa)

"Frankfurter Wecker" und "Schlagerrevue" - Die Zeit der großen Unterhaltungsshows

Spätestens in den 50ern entwickelte sich das Radio zum Alltagsmedium - in den meisten Haushalten gehörte es zur Standard-Ausstattung. Und damit beginnt die glamouröse Zeit der Radiounterhaltung - mit großen Unterhaltungs-Shows, Quiz-Sendungen und Hörspielkrimis. Von Vanessa Loewel

Es ist eine halbe Stunde jeden Sonntag, die die Eltern in der arbeitsreichen Wirtschaftswunderzeit ganz für sich haben. Die Kinder kleben vor den Lautsprechern der Radiogeräte, wenn der 12-jährige Nachwuchsdetektiv Kalle Blomquist auf Spurensuche geht.

Für die Erwachsenen ermittelt abends der Privatdetektiv Paul Temple. Die Hörspielkrimis von Francis Durbridge waren in den 50er und 60er Jahren wahre Straßenfeger, mit Millionen von Hörern. Jede Folge endet mit einem Cliff-Hänger. Den WDR erreichen verzweifelte Leserbriefe, den Fall doch bitte vorzeitig aufzuklären. Die Spannung sei ja nicht mehr auszuhalten!

Frühstücksradio mit Tusch und Orchester

Während der Abend dem Krimi gehört, beginnt der Tag heiter: Mit Tusch und Orchester wecken Peter Frankenfeld, Hans Joachim Kulenkampff und Hans-Otto Grünefeld ihre Hörer. Der "Frankfurter Wecker" wird von 1952 bis 1967 jeden morgen um 6:30 Uhr live aus dem Funkhaus und vor Publikum gesendet. Es ist die Zeit der großen Radio-Shows - in West und Ost.

Heinz Quermann (Quelle: dpa)
Der "Kulenkampff des Ostens": Heinz Quermann moderierte 35 Jahre lang die DDR-"Schlagerrevue". | Bild: Zentralbild

In der DDR touren die Moderatoren Manfred Uhlig und Günter Hansel für die Unterhaltungssendung "Alte Liebe rostet nicht" 24 Jahre durchs Land. Jede Folge kommt aus einer anderen Stadt, 1970 aus Eisenach.

In den 70er Jahren bestimmt der Schlager das Radio. Auf DDR 1 stellt die "Schlagerrevue" die Neuproduktionen des staatlichen Plattenlabels Amiga vor. Im Westen verkündet Dieter Thomas Heck die Hitparaden im Saarländischen Rundfunk. 

Das Radio wird zum Nebenbei-Medium, das man beim Arbeiten hört, Kochen oder Auto fahren. Am Abend allerdings versammelt man sich immer häufiger vor dem Bildschirm: Die großen Shows produziert jetzt das Fernsehen - mit Stars wie Hans Rosenthal, der, wie viele andere auch, lange vor seiner Fernsehzeit im Radio moderiert hat.

Beitrag von Vanessa Loewel

Mehr zum Thema

"Achtung, Achtung!" - Die Geburtsstunde des Radios

Die Einführung des Rundfunks war mit einer Menge Bastelarbeit und Experimentieren verbunden. Vor 90 Jahren konnten sich die Ergebnisse erstmals öffentlich hören lassen. Das damals völlig neue Unterhaltungsmedium sorgte für Aufregung, Begeisterung und schließlich für einen Ansturm auf die Empfangsgeräte. Von Sabrina Wendling

Das RIAS-Gebäude in der Kufsteiner Straße (Bild: DPA)
dpa

Rundfunk in Ost und West - Kalter Krieg im Radio

Nicht einmal eine Woche nach dem Kriegsende können die Deutschen wieder Radio hören. In den folgenden Jahren entwickelte es sich schnell zum Massenmedium. Auch der Kalte Krieg wurde im und mit dem Radio ausgetragen. Zentraler Schauplatz war Berlin. Von Vanessa Loewel

Wie alles begann - Radiogeschichte in Bildern

Die erste deutsche Rundfunksendung spielte nur Live-Musik und hatte kaum Zuhörer. Das änderte sich jedoch rasch, ebenso wie das Programm und die technischen Möglichkeiten der Radioanstalten. Hier einige Aufnahmen aus der "Kinderzeit" des neuen Mediums.

Röhrenradio mit Korbgehäuse (Foto: picture alliance/dpa/dpaweb)
dpa

Medienwissenschaftler Wolfgang Ernst - "Das Radio entlastet unseren Alltag"

Am 29. Oktober 1923 wurde der tägliche Radiosendebetrieb aufgenommen, der Tag gilt als Geburtsstunde des Rundfunks in Deutschland. Revolutionär zum Zeitpunkt seiner Erfindung hilft uns das Radio auch heute noch bei der Strukturierung unseres Alltags, sagt der Medientheoretiker Wolfgang Ernst von der Humboldt-Universität zu Berlin. Im Interview mit Kulturradio erklärt er auch, warum der Apparat Radio immer mehr an Bedeutung verliert, während das Format auch in Zukunft weiter Bestand haben wird.