Daniel Barenboim PK Staatsoper 2015 (Quelle: imago)
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Absage an Philharmoniker - Barenboim will Rattle nicht nachfolgen

Nicht wenige Berliner hätten ihn gerne gesehen als Nachfolger von Sir Simon Rattle und neuen Chefdirigenten der Philharmoniker - Daniel Barenboim aber will nicht. "Ich bin kein Kandidat", sagte der 72-Jährige am Montag. Stattdessen hängt er sich lieber bei der Staatsoper rein.

Vier Premieren, mehr als ein Dutzend Konzerte und Klavierabende, dazu noch zweimal "Der Ring des Nibelungen": Berlins Staatsoper setzt in der kommenden Spielzeit verstärkt auf
Generalmusikdirektor Daniel Barenboim. "Wie man's macht, macht man's falsch", sagte der Dirigent und Pianist (72) am Montag bei der Vorstellung des Saisonprogramms 2015/16. "Entweder man wird dafür kritisiert, dass man angeblich zu selten da ist - oder zu oft."

In der kommenden Saison werde er nun häufiger in Berlin sehen sein. Und wenn die Gesundheit mitmacht, wird Barenboim der Staatsoper auch über 2018 hinaus erhalten bleiben. Denn Ambitionen auf eine Nachfolge von Sir Simon Rattle als Chefdirigent der Berliner Philharmoniker - Rattle will seinen Mitte 2018 auslaufenden Vertrag nicht verlängern - wies Barenboim zurück. "Ich bin kein Kandidat", betonte er auf eine entsprechende Frage. Die 124 Orchester-Mitglieder der Philharmoniker wählen am 11. Mai in geheimer Wahl ihren neuen Chef.

Barenboim lag auf Rang 4 der Wunschkandidaten

Dabei hätte ein Teil der Berliner Barenboim gerne als Rattle-Nachfolger gesehen. Das geht aus einer nicht-repräsentativen Umfrage unter mehr als 1.300 Besuchern der Philharmonie hervor, die der rbb in Kooperation mit der Berliner Morgenpost am vergangenen Freitag und Samstag befragte.

Demnach favorisierten 448 der Befragten den lettischen Dirigenten Andris Nelsons, der mit 36 Jahren halb so alt ist wie Barenboim. Fairerweise muss allerdings gesagt werden, dass das Publikum bei seiner Wahl nicht ganz unvoreingenommen gewesen sein könnte.  Die Umfrage fand am Rande von zwei Philharmoniker-Konzerten statt, die Nelsons dirigierte. Barenboim lag mit 125 Stimmen auf Rang vier der Wunschkandidaten. Gustavo Dudamel (229) und Christian Thielemann (223) erhielten allerdings deutlich mehr Stimmen als Barenboim.

1990, nach dem Tod von Herbert von Karajans, hatte Barenboim die Philharmoniker bei ihrer ersten, weltweit beachteten Israel-Tour dirigiert. Bei der Wahl des neuen Chefdirigenten im selben Jahr zog er aber den Kürzeren, die Musiker gaben Claudio Abbado den Vorzug. Auch 1999 wählten sie nicht Barenboim, sondern Simon Rattle. Ein drittes Mal will Barenboim nun offenbar nicht übergangen werden, sondern zieht lieber von sich aus zurück.

Mögliche neue Chefdirigenten

  • Christian Thielemann

  • Andris Nelsons

  • Gustavo Dudamel

  • Mariss Jansons

  • Riccardo Muti

  • Ricchardo Chailly

  • Yannick Nézet-Séguin