Dirigent Simon Rattle probt am 12.11.2014 mit den Berliner Philharmonikern für ein Konzert in Warschau zum Jubiläums des Falls der Berliner Mauer 25 Jahre zuvor. (Quelle: dpa)

Berliner Philharmoniker und ihre Dirigenten - Ein Orchester mit Selbstbewusstsein

Die Berliner Philharmoniker bestimmen nicht nur den Nachfolger ihres Chefdirigenten Rattle - sie entscheiden auch ganz alleine darüber, wo und wann sie spielen, oder wer als Mitglied aufgenommen wird und wer nicht. Sie sind ein selbstbewusstes Orchester. Am Ende aber dienen all ihre grandiosen Musiker und Solisten nur der Musik. Von Maria Ossowski

Die Berliner Philharmoniker sind unbestritten grandiose Musiker und Solisten - vor allem aber sind sie selbstbewusst. Ganz allein bestimmen sie, mit wem sie wann und wo spielen.

"Wir entscheiden selbst über Aufnahme neuer Mitglieder oder über die Vergabe einer Probezeit. Geht es um die endgültige Aufnahme, ist eine geheime Wahl mit Zweidrittelmehrheit erforderlich", erklärt der Geiger Helmut Mebert. Auch auf die Auswahl der Gastdirigenten und der Solisten, auf die Gestaltung der Programme und auf die Spielorte hat das Orchester entscheidenden Einfluss.

Der Klang ist geprägt von Wagner und Brahms

128 Vollzeitstellen gibt es bei den Berliner Philharmonikern, alle spielen noch in Kammermusikformationen oder geben als Solisten weltweit Konzerte. Das Orchester hat einen sehr spezifischen Klang, der sich seit 1882 entwickelt hat. Geprägt ist er vor allem durch die Musik von Wagner und Brahms.

"Tatsächlich war das Parsival-Vorspiel Teil des allerersten Abonnement-Konzerts. In der zweiten Saison haben wir dann die dritte Symphonie und in der fünften Saison die vierte Symphonie von Brahms gespielt. All diese Stücke liegen uns sehr am Herzen", sagt der jetzige Chefdirigent Simon Rattle. "Sieht man sich das frühere Orchesterrepertoire genauer an, ist genau das unser Fundament. Diese Charakteristik bleibt bestehen."

Jeder Chefdirigent prägt den Klang des Orchesters

Jeder der bislang sechs Chefdirigenten des Orchesters hat den Klangkörper neu und weiter geformt. Ein typisches Beispiel: Claudio Abbado, der 1989 gewählt wurde.

"Claudio Abbado hat sehr viel am Klang verändert. Nach der Karajan-Ära klang das Orchester mehr von unten und war geprägt von Kontrabässen und Celli. Der Klang war sehr breit", erklärt Konzertmeister Daniel Strabawa. "Abbado hat sehr viel Transparenz in den Klang gebracht. Klar, durchsichtig und leicht: Für ihn ist die Melodie das allerwichtigste."

Vergleicht man die Berliner Philharmoniker mit anderen Orchestern, so fällt auf, dass die Berliner noch lebendiger und viel emotionaler wirken als beispielsweise die Wiener Philharmoniker. Sie gehen viel gefühlvoller mit der Musik mit, auch körperlich.  

Die Wahl zum siebten Chefdirigenten beschäftigt alle

Es ist eine besondere Ehre für jeden, dieses Orchester zu dirigieren, sagt Alan Gilbert, der Chef der New Yorker Philharmoniker: "Der Grund ist: Sie sind als Musiker so unglaublich engagiert, fast mehr als jedes andere Orchester. Sie haben große Persönlichkeiten, enormes Selbstvertrauen, enorme Ausstrahlung. Aber letztlich versuchen sie alle, auf sehr bescheidene Weise der Musik zu dienen."

Die Wahl zum siebten Chefdirigenten dieses Ausnahmeorchesters beschäftigt alle Musiker und ihre Zuhörer. Denn für jeden gilt das Credo eines besonders treuen Besuchers, der bis ans Ende seines Lebens nur wenige Konzerte versäumt hat: Ex-Bundespräsident Richard von Weizsäcker. Für ihn waren die Stunden in der Berliner Philharmonie die Mitte der Welt.

Die bisherigen Dirigenten: Sechs Weltstars in Berlin

Die bisherigen Dirigenten: Sechs Weltstars in Berlin

Beitrag von Maria Ossowski