Liv Lisa Fries (Mitte, l) als Charlotte Ritter in einer Szene der historischen Krimiserie «Babylon Berlin» (Foto: Filme Creative Pool Entertainment/Frederic Batier)
Audio: Kulturradio | 16.08.2018 | Friedemann Beyer | Bild: Filme Creative Pool Entertainment/Frederic Batier

Drehorte der TV-Serie - Wo sich Berlin in das wilde "Babylon Berlin" der 20er verwandelt

Politische Unruhen und wildes Nachtleben: Die Serie "Babylon Berlin" zeigt das Berlin des Jahres 1929. Ab 30. September läuft sie im Ersten. Die rbb|24-Karte enthüllt erstmals, an welchen Orten das Serien-Spektakel gedreht wurde - und mit welchem Aufwand.

Ein Jahr Schnitt und Postproduktion, drei Regisseure, 200 Drehtage, 400 Darstellerinnen und Darsteller, fast 8.000 Komparsen und 40 Millionen Euro Gesamtkosten: Die 16 Folgen der ersten beiden Staffeln von "Babylon Berlin" sind die aufwändigste Produktion, die je für das deutsche Fernsehen gedreht wurde. Das Berlin des Jahres 1929 wird in der Serie im großen Stil zum Leben erweckt.

Eine Kriminalgeschichte um den frisch nach Berlin gekommenen Kriminalkommissar Gereon Rath (Volker Bruch) und die angehende Kriminalassistentin Charlotte Ritter (Liv Lisa Fries) ist der Ausgangspunkt. Als Zuschauer nähert man sich der Stadt vor allem durch die Augen des Berlin-Frischlings Gereon Rath. " Wir kommen mit ihm nach Berlin, lernen mit ihm auch Berlin kennen", sagt Rath-Darsteller Volker Bruch im rbb-Interview, "bis Berlin ihn dann mehr und mehr schluckt."

Zur Protagonistin wird dabei auch Berlin selbst. Themen sind das ausufernde Nachtleben der Metropole, aber auch die politischen Umwerfungen der Zeit: die als "Blutmai" in die Geschichte eingegangenen Unruhen vom 1. bis 3. Mai, bei denen die Berliner Polizei hart gegen Demonstrationen der KPD vorging - und der aufziehende Nationalsozialismus.

Originalschauplätze und umfunktionierte Orte

Für die Serie, die nach der Premiere auf dem Bezahlsender Sky nun frei empfänglich im Ersten ausgestrahlt wird, wurde teilweise an Originalschauplätzen in Berlin gedreht – allerdings mussten einige Drehorte umfunktioniert werden. Denn nicht nur Berlin sieht heute natürlich ganz anders aus als im Jahr 1929, sondern manche Orte von damals existieren schlicht nicht mehr.

Wenn Kommissar Gereon Rath (Volker Bruch) im Film etwa aus dem Hauptquartier der Berliner Polizei kommt, dann ist dabei nicht die "Rote Burg" zu sehen, wie das riesige Gebäude am Alexanderplatz damals genannt wurde. Die nämlich wurde im Zweiten Weltkrieg weitgehend zerstört – an ihrer Stelle steht heute ein ebenfalls rotes Einkaufszentrum. Die Außenkulisse wurde für die Serie aber nicht komplett nachgebaut, sondern ein anderer markanter Bau in ähnlicher Farbe und nur einen Steinwurf vom Alexanderplatz entfernt wurde zum Drehort: das Rote Rathaus, Amtssitz des Regierenden Bürgermeisters.  

Oder wenn im Film im "Moka Efti" gefeiert und getanzt wird, dann sind die Darstellerinnen und Darsteller nicht am Originalschauplatz an der Ecke Friedrichstraße / Leipziger Straße in Mitte, sondern rund sechs Kilometer weiter nordöstlich: Drehort war das ehemalige Stummfilmkino Delphi in Weißensee.

Andere Szenen entstanden dagegen an den Orten, wo sie auch spielen: Der U-Bahnhof Hermannplatz zum Beispiel, an dem Gereon Rath einen Informanten trifft, wurde für die Dreharbeiten nur tagsüber ein bisschen entmodernisiert, nachts wurde dann am Originalschauplatz gedreht.

Karte liefert Hintergründe zum Dreh und zur Geschichte der Orte

Die Karte von rbb|24 zeigt die Drehorte der Serie und erzählt ausführlich, was sie ausmacht: die historischen Hintergründe – und was dort in der Serie zu sehen ist. Dabei blickt der Nutzer am Beispiel der Orte zum einen tief in die Berliner Geschichte. Zum anderen erhält er Einblicke in die Dreharbeiten – und kann in Filmausschnitten sehen, wie die Orte dann schließlich in der Serie aussehen. Das geht natürlich nicht ganz ohne Spoiler - wer also die Serie noch gar nicht kennt, wird hier und da Dinge erfahren, die er vielleicht noch nicht wissen wollte.

Nicht nur in Berlin wurde gedreht, sondern auch im angrenzenden Brandenburg. Der wichtigste Drehort war dabei das Filmstudio Babelsberg. Dort wurde auf 15.000 Quadratmetern eine neue Berliner Straße gebaut. "Sie deckt dann eigentlich vier Bezirke ab, weil es ein ganzer Straßenblock mit vier Straßen ist", sagt Tom Tykwer, neben Achim von Borries und Henk Handloegten einer der drei Drehbuchautoren und Regisseure von "Babylon Berlin".

Die "Neue Berliner Straße" in Aktion

Rath ist drogensüchtig, Ritter noch tougher

An der Romanvorlage von Volker Kutscher, "Der nasse Fisch", haben die Autoren der Serie einiges verändert. Gereon Rath zum Beispiel hat in der Serie ein Kriegstrauma und ist drogensüchtig. Kriegstraumata, sagt Regisseur und Autor Tykwer, würden auch bei Kutscher verhandelt, "aber wir fanden, wenn wir so ein bedeutendes Thema auf einem Nebenschauplatz unterbringen, wird das nicht die erhoffte Wirkung haben, die uns davon versprechen. Wenn man etwas so bedeutend findet, verlagert man es in den Helden." Auch Charlotte Ritter wird anders gezeigt als im Roman. In der Serie wird ihre Herkunft aus dem Arbeitermilieu verhandelt. "Das verändert die Figur natürlich", sagt Volker Kutscher über die Veränderungen. "Sie muss noch tougher sein, sich noch mehr durchbeißen. Aber tatsächlich ist die Figur schon ähnlich gelagert: eine Frau, die es wissen möchte und die Möglichkeiten der neuen Zeit nutzen möchte."

Eine dritte Staffel der Serie ist schon in Planung – und Stoff gibt es noch reichlich: Volker Kutscher hat schon fünf weitere Romane um Gereon Rath veröffentlicht, der siebte erscheint Ende Oktober. Sie alle spielen in Berlin – aber nicht mehr im Jahr 1929. Jeder Band spielt ein Jahr später. Mit dem sechsten Band ist Gereon Rath im Jahr 1935 angelangt, zwei Jahre nach der Machtergreifung der Nationalsozialisten.

Babylon Berlin im Ersten: So, 30.9. | Do, 4.10. | Do, 11.10., jeweils 20:15 Uhr

Beitrag von rbb|24