05.05.2020, Berlin: Die Baustelle rund um das Humboldt-Forum im Bezirk Mitte. (Quelle: dpa/Wolfgang Kumm)
Audio: Inforadio | 12.05.2020 | Maria Ossowski | Bild: dpa/Wolfgang Kumm

Kommentar | Humboldt-Forum - Reset-Knopf drücken und erst nächsten Sommer eröffnen!

Das Humboldt-Forum im Berliner Stadtschloss wird nicht wie geplant im September eröffnet. Corona sei schuld, heißt es. Jetzt soll es eine Eröffnung von Teilbereichen zum Jahresende geben. Keine wirklich gute Idee, kommentiert Maria Ossowski.

Es wäre echt peinlich geworden: ein Festakt im wichtigsten Prestigeobjekt der deutschen Kulturpolitik, eine glanzvolle Eröffnung des rekonstruierten Stadtschlosses  - jedoch in weitgehend leeren Räumen und mit zu vielen leeren Plätzen.

Hätten in diesem Spätsommer unseres Missvergnügens hunderte Würdenträger bei Champagner und Schnittchen über anderthalb Meter plaudern und abstandskonform Elefantenzähne in Vitrinen im neuen Humboldt-Forum bestaunen sollen? Nein, Corona hat die Feierlaune gründlich verdorben, so wie Corona auch den Kulturaustausch über die Grenzen hinweg zum Erliegen brachte.

Der zweite Eröffnungstermin scheitert an höherer Gewalt

Das Humboldt-Forum soll außereuropäische Kulturen beherbergen. Die Elfenbeinausstellung wäre maßgeblich mit Kenia entstanden - Corona macht es unmöglich. Zudem kehrten Facharbeiter nach Ostern nicht aus ihren Heimatländern zurück, Materialien blieben in Lieferketten stecken.

Ein halbes Jahr nach dem ersten Eröffnungstermin ist damit der zweite geplatzt. Höhere Gewalt, da gibt es kein Vertun, da sind weder falsche Kühlmittel in Klimaanlagen noch problematische Belüftungsschächte schuld. Klar: Hinter den Kulissen der Großbaustelle hat es in letzter Zeit noch häufiger als ohnehin schon gekracht. Der Zeitplan geriet immer enger, alle Puffer waren aufgebraucht, eine Teileröffnung sollte die verständliche Ungeduld der Kulturstaatsministerin und aller Verantwortlichen besänftigen.

Ermöglicht Corona jetzt eine kurze Verschnaufpause? Nicht wirklich. Die Verzögerung macht den Bau täglich teurer. Generalintendant Hartmut Dorgerloh hat als Ersatz für September eine Art Schnuppereröffnung mit Gastronomie und kleinen Sonderausstellungen zum Jahresende hin versprochen. Donnerstag tagt der Lenkungsausschuss und berät.

Lieber eine Riesenparty nächsten Sommer

Mein Vorschlag: Auch wenn ein paar Eintrittsgelder verloren gehen sollten - drückt für den gesamten Start des Projekts den Reset-Knopf! Häppcheneröffnungen und monatelang geschlossene Stockwerke werden dem bedeutendsten Kulturzentrum des Landes nicht gerecht. Jetzt wäre die Chance, die Termine neu zu ordnen.

Die Menschen haben momentan eh andere Sorgen, ein Besüchlein in einem kleinen Teilchen des Riesenbauwerks tröstet auch nicht. Wäre es nicht vernünftiger, jetzt alle Energie in die Einrichtung des gesamten Humboldt-Forums zu stecken? Dann könnten wir mit Pomp und Tamtam und Riesenparty das gesamte fertig ausgestattete Schloss im nächsten Sommer eröffnen. In Zeiten, die hoffentlich vergnüglichere sein werden als jene, die uns grad beuteln.

Sendung: Inforadio, 12.05.2020, 07:55 Uhr

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Beitrag von Maria Ossowski

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Antwort auf [Helmut Krüger] vom 12.05.2020 um 15:45
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22 Kommentare

  1. 22.

    Von einer Stellungnahme der UNESCO zum Landtagsgebäude in äußerer Gestalt des früheren Stadtschlosses steht in meinem Beitrag mit keiner Silbe etwas. Wohl aber stand in meinem Beitrag etwas zur Beziehung zwischen dem geschützten Welterbe der Potsdam-umgebenden Kulturlandschaft und der Gestalt der Stadt als solches, insbesondere der Innenstadt.

    Zwei Verfahren gibt es nun, damit umzugehen: Sich das Geschriebene noch einmal in Ruhe durchzulesen, das in Ruhe auf sich wirken zu lassen und darüber den Dialog zu suchen oder aber demjenigen, den man im Sinne eines Kampfes niederzuringen versucht, Motive anzudichten, die dieser garnicht vorgebracht hat.

    Das Vorgehen im zweiten Sinne betrachte ich als vertane Lebenszeit. Der letzten Satz meines eben geschriebenen Beitrages gilt somit auch für Sie.

  2. 21.

    Für Kampf stehe ich nicht zur Verfügung, für Dialog jederzeit. Das ist eben der Unterschied.

    Grüße von Mensch zu Mensch.

  3. 20.

    Was wollte Sie mit ihren eigenartigen Worten nur sagen. Frage: Hat sich die Mehrheit der Teilnehmer an der Befragung für die Schloss-Attrappe / Rosa Klotz ausgesprochen oder nicht? Eine klare ja oder nein Frage.

    Nun kommt es bei Ihnen noch besser. Sie geben mit ihrer Sternchen-Erklärung zu, dass die Bürgerbefragung absichtlich vorab so manipuliert wurde, dass das Ergebnis pro Stadtschloss / Rosa Klotz ausfallen musste, da den Bürger es nicht zu stehe über die Frage Bau oder Nicht-Bau vom Rosa Klotz zu entscheiden.

    Falsch ist des weiteren ihre Darlegung die UNESCO hätte gewollt, dass die Schloss-Attrappe / Rosa Klotz errichtet wird.

    Zu diesen ihrer wirren Worten " Keine umgebende Kulturlandschaft, ohne dass die Stadtstrukturen im Wesentlichen erkennbar wären. " fällt mir nur ein Wort ein "Blödsinn".

  4. 19.

    Ihre erneute Nicht-Antwort bestätigt nur zu gut meine Einschätzung über ihre geringen argumentativen Grundlagen für ihre wirren Einschätzungen. Alisa haben Sie auch nicht widerlegt. Die Stadtschlosses-Attrappe, der Rosa Klotz wurde in der dubiosen und auch vielen anderen Umfragen abgelehnt. Sie sagen der Landtag tage dort nach dem Gesetz. Bürger Krüger dies hat niemand bestritten. Dass es der Demokratie wohl nicht nützt, wenn sich das Volk hintergangen fühlt, können wohl selbst sie nicht bestreiten. Die Linke ist Potsdam bei vielen wegen dieser Kungelei und anderer nicht mehr wählbar. Es wäre mir neu das uns die UNESCO auferlegt hat komische Stadtschlosses-Attrappe zu erbauen. Da sie sich weder für das DDR-Erbe und auch nicht für das architektonische Erbe davor einsetzten belegt nur erneut wie unlogisch ihre argumentativen Grundlagen sind. Das Gutshaus in Satzkorn ist echter barock und das Kellergewölbe sogar aus dem 15-Jahrhundert. Solche Erbe verfällt leider.

  5. 18.

    Es gab in Potsdam eine Bürgerbefragung - mit Absicht kein Volksentscheid* - über drei unterschiedliche Standorte des Landtages. Die relative Mehrheit hat sich dafür ausgesprochen, ihn dort einzurichten, wo er sich jetzt befindet: In einem Bau in der Kubatur des vorherigen Stadtschlosses. Die anderen beiden Alternativen erhielten klar weniger Stimmen.

    *Bekanntlich ist ein großer Teil der Potsdamer Kulturlandschaft eingetragenes WeltERBE. Ich betone die zweite Silbe deshalb, weil es irgendeiner Mehrheit oder Minderheit der jetzigen Generation schlichtweg nicht zusteht, daran Wesentliches zu ändern. Erbe ist wohlbehalten weiterzugeben bzw. dort, wo es abhanden gekommen ist, zu besorgen. Genau das geschieht hier. Keine umgebende Kulturlandschaft, ohne dass die Stadtstrukturen im Wesentlichen erkennbar wären.

    Man muss Könige nicht mögen, sie gehören aber untrennbar zur Potsdamer Stadtgeschichte, auch wenn heute mit Fug und Recht die repräsentative Vertretung sich dort versammelt.

  6. 17.

    In der Nichtbasis eines Austausches bin ich mit Ihnen vollkommen einig. In den von Ihnen angeführten Gründen nicht. Das dürfte Sie keineswegs verwundern.

    ;-

  7. 16.

    Eine Basis mit ihnen zu diskutieren wo sie Vergangenheit und Gegenwart nicht auseinander halten und mit falschen Fakten Jahreszahl und architektonische Vergleiche arbeiten wird es nicht geben. Mit den Barockfetischistischen in Potsdam kann auch keiner diskutieren, da deren Meinung auch gegen das Volk immer Vorrang zu haben hat. Sie Bürger Krüger sind auch nicht in der Lage auf sachliche Gründe zu antworten. Ihre Letzte Antwort ist da her typisch. Die Nachäffung des Stadtschlosses, den Rosa Klotz in Potsdam hat Deutschland für Spott gesorgt.

  8. 15.

    Bevor Sie andere diffamieren als Links/Rechts sollten Sie sich informieren. In Potsdam gab es eine Abstimmung und die Mehrheit der Bürger wollte keinen Rosa Klotz, keine Attrappe eines Stadtschlosses. Sie verwechseln da was. Nur weil die gewählten Vertretern was beschließen, ergibt sich nicht daraus dass die Mehrheit dafür ist. Mit dieser Attrappe in Berlin stellt sich Deutschland ein Armutszeugnis aus. Architektonisch scheußlich. Poltisch bedenklich wenn man die Residenz eines Kriegsverbrechers und Völkermörders nach baut. Wie Verlogen diese beiden Attrappen der Stadtschlösser doch sind. Die welche immer den Abriss der unnützen Ruinen der DDR vorwarfen, sind heute noch schlimmer, da Sie Geschichte und intakte Bauten zerstören. Wie wenig die Disney-Bauten vom Volk angenommen werden, kann man in Potsdam feststellen. Am Alten Markt rennen die Besucher nur schnell durch. Voreingier Zeit hat selbst das einzige Restaurant am Alten Markt wegen zu wenig Besucher dicht gemacht.

  9. 14.

    "Gegen den Willen der Bürger"? Hat denn eine Volksabstimmung darüber stattgefunden? Ist mir da etwas entgangen?

    Beschlossen wurde der Bau des Humboldt-Forums von den gewählten Vertretern der Bürger. Wenn "die Bürger" damit so unzufrieden gewesen wären, hätten sie daraus bei den nächsten Wahlen ihre Konsequenzen ziehen oder massenhaft gegen den Bau protestieren und demonstrieren und eine Volksabstimmung anstrengen können.

    Aber "die Bürger" dienen im vorliegenden Falle wohl nur mal wieder dazu, die eigene Meinung zu rechtfertigen und als unangreifbar darzustellen (Motto: "Millionen stehen hinter mir"). Häufig kommt das aus der rechten Ecke, in Ihrem Falle wohl eher aus der linken. Aber dass es zwischen den beiden viele Gemeinsamkeiten gibt, ist ja nichts Neues.

  10. 13.

    " ... folglich hat dies nichts mit Geschichte zu tun, da es sich um Gegenwart handelt."

    Wirkungsmäßig ist alles gegenwärtig, was in der Vergangenheit errichtet eine Bedeutung erlangt hat.
    Sie scheiden hermetisch die Zeiten, ich sehe sie als Einheit.

    Auf welcher Basis soll das diskutiert werden?



  11. 12.

    Ich war von 1960 bis 1962 US Soldat bei der Siebten Armee und kam oft dienstlich nach West-Berlin. Ich will bei der Eröffnung unbedint dabei sein, um das gesamte Inventar zu sehen. Also, der Sommer 2021 wäre grossartig. Prof. Dr. Dr. W. Rainer Kroll

  12. 11.

    Informieren Sie doch bitte die Schloss-Attrappe wird jetzt errichtet und nicht 1950, folglich hat dies nichts mit Geschichte zu tun, da es sich um Gegenwart handelt. Der Hauptgrund für die Rekonstruktion des weniger zerstörte Charlottenburger Schloss ist sicherlich, dass nach dem die Westpropaganda so gegen die DDR hetzte konnte man ja nicht das weniger zerstörte Charlottenburger Schloss abtragen. Ihre Vergleiche sind es guter Beleg wie wenig sie informiert sind, da ihnen weder bekannt ist dass nur ein kleiner Teil der Fassade an der Schloss-Attrappe errichtet wird und sie die vielen auch im Westen nicht wieder errichteten Bauten verschweigen. Es ist erbärmlich wie in der Region echte Denkmäler verkommen und das Schloss-Attrappe für rund eine Milliarde Euro errichtet werden. In Berlin und in Potsdam der Rosa Klotz eine Schloss-Attrappe gegen den Willen der Bürger errichtet.

  13. 10.

    Ja, vielen Dank!

    Dann möchte ich noch freimütig ergänzen, dass bei nahezu keinem einzigen historischen Bauwerk noch die wesentlichen Originalsteine und -materialien da sind. Im Laufe der Jahrhunderte, manchmal sogar Jahrtausende, hat faktisch eine "Runderneuerung" stattgefunden. Dies betrifft natürlich auch den Einbau elektrischer Anlagen, zumeist auch von Fahrstühlen und dergleichen.

    Im wahrsten Wortsinne merkwürdig ist es, dass Menschen, die historische Bauten aus Überzeugung nicht mögen, sich andererseits wiederum für ein originaleres Original einsetzen als jene Menschen, die um deren stadtbildprägende Wirkung wissen.

  14. 9.

    Ich steuere noch den Hamburger Michel bei: 1906 bei einem Brand nahezu vollständig zerstört. Was heute dort steht und Hamburgs wichtigstes Wahrzeichen ist, ist ein Neubau von 1912. Übrigens errichtet aus modernen Materialien und in moderner Bauweise mit historischem Äußeren. Also ganz so wie beim Berliner Stadtschloss (oder dem Potsdamer).

  15. 8.

    Dann definieren Sie die Berliner Geschichte ab 1950. Sehr aufschlussreich.

    Übrigens, falls Sie es nicht wissen: Das Charlottenburger Schloss hatte einen höheren Zerstörungsgrad aufgewiesen als das Berliner Schloss. Durch den engagierten Einsatz einer einzelnen Frau wurde es gerettet und restauriert. Auch die sieben romanischen Kirchen in Köln, die heute nach wie vor das Bild dieser Stadt prägen, sind restauriert bzw. wieder aufgebaut - trotz mindestens gleichen Zerstörungsgrades wie beim Berliner Schloss. Und genauso verhält es sich beim Markusturm von Venedig. Nicht von irgendeinem Krieg zerstört, sondern einfach in sich zusammengefallen Anfang des 20. Jhs. Und selbstverständlich als stadtbildprägendes Bauwerk wieder errichtet. Kein Mensch hätte da - denunziatorisch - von Kopie geredet.

    Der Selbsthass hat einen Namen. Meinen trägt er nicht.






  16. 6.

    Niemand zwingt Sie, das Bauwerk schön zu finden oder sich gar eingehend mit (Berliner) Geschichte zu beschäftigen. Das aber aus Ihrer persönlichen Abneigung heraus einer Eröffnungsfeier die Begründung fehlen würde, empfinde ich als recht maßlos.

  17. 5.

    Wenn gar nicht absehbar ist, ob wir im nächsten Jahr zur Normalität in unserem Alltagsleben zurückkehren können, macht es auch keinen Sinn, mit der Eröffnung bis nächstes Jahr zu warten. Im Übrigen ist ihr Hinweis auf die Eintrittsgelder Unsinn, da der Eintritt ins HF kostenlos sein wird.

  18. 3.

    ... nein, das kann man den Missvergnügens hunderte Würdenträgern, natürlich nicht zumuten, Champagner und Schnittchen über anderthalb Meter plaudern und abstandskonform zu konsumieren.
    Sie glauben doch nicht im ernst das es im nächsten oder übernächsten Jahr angemessen wäre oder möglich sein wird, Riesenpartys zu feiern. Große Entlassungswellen in allen Bereichen der Wirtschaft, eine Staatsverschuldung die innerhalb weniger Wochen eine Ausmaß angenommen hat das wir uns noch zu Jahresbeginn nicht hätten vorstellen können. Der Bund nimmt Milliardenkredite auf - das Steueraufkommen sinkt maßiv und wird weiter maßiv sinken. Das was hier aktuelle geschieht wird schon seit Wochen mit Ereignissen wie dem zweiten Weltkrieg verglichen (nicht meine Worte sondern die von zb. UN-Generalsekretär A. Guterres und Kanzlerin Merkel)und hier wird eine Riesenparty mit Pomp und Tamtam philosophiert? Ich finde diese Ansinnen mehr als unangebracht. In jeder Hinsicht.

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