Kulturstaatsministerin Monika Grütters in ihrem Büro im Dezember 2019 foto: dpa/Jörg Carstensen
Audio: rbbKultur | 07.11.2020 | 06:20 Uhr | Bild: dpa/Jörg Carstensen

Überbrückungsgeld für Selbstständige - Not in der Kulturszene

Der Shutdown im November trifft die Kulturschaffenden besonders hart. 75 Prozent des Vorjahresmonatsverdienstes sollen sie deswegen erhalten. Doch manche Jobcenter stellen sich quer. Nicht wenige fragen sich: Wann kommt das Geld? Von Maria Ossowski

Sarah Krispin ist eine junge Berliner Sängerin, in Chören, in Oratorien, seit acht Jahren lebt sie von ihrer Kunst. "Ich kann nicht auftreten. ich kann zwar zu Hause singen oder ein Video aufnehmen und irgendwo posten. Aber es ist nicht annähernd die gleiche Qualität", sagt Krispin dem rbb. Es fehle die Lebendigkeit, die Freude.

Wie alle Künstlerinnen hat auch sie seit neun Monaten quasi Berufsverbot. Für diesen November kann sie nun 75 Prozent des durchschnittlichen Einkommens eines Monats des vergangenen Jahres beziehen. Eine einmalige Überbrückungshilfe, die Kultur-Staatsministerin Monika Grütters (CDU) mit Kollegen im Kabinett durchgesetzt hat.

Einige Jobcenter zahlen, andere machen Ärger

Diese Hilfen sollen möglichst unkompliziert und schnell verteilt werden. Bis 5.000 Euro ohne Steuerberater. Die entsprechenden Stellen in den Bundesländern sollen das Geld auszahlen. Genau da aber hakt es noch. Diese Liste mit Ansprechpartnern gibt es nicht.

"Ich kann nicht sagen an welchem Tag, jedes der 16 Bundesländer seine Stelle benannt hat", erklärte Grütters dem rbb. Im Moment werde das Antragsformular gefertigt so die Kulutrpolitikerin. "Ich gehe davon aus, dass wir im Verlauf der kommenden Woche öffentlich gehen können."

Alle Solo-Selbständigen können die Grundsicherung beantragen. Das sollte eigentlich flott funktionieren, ohne große Prüfung der Altersrücklagen, mit Übernahme der vollen Miete. Allein, genau daran hakt es ebenfalls. Einige Jobcenter zahlen, andere machen Ärger. Das läßt Künstlerinnen und Künstler noch mehr verzweifeln.

Grönemeyer ruft zu Spenden auf

"Tatsächlich liegt das daran, dass nicht alle Jobcenter dem Bundesministerium unterstellt sind", erklärt Grütters das Ungleichgewicht. "Ich bedauere das sehr, weil in der Corona-Krise einfach zugunsten dieser Ausnahmesituation einheitlich geregelt werden müßte.“

Grütters wirbt zusätzlich für bürgerschaftliches Engagement und Spenden. Herbert Grönemeyer hat Millionäre aufgefordert, Künstler zu unterstützen. Die Deutsche Orchesterstiftung hat zweieinhalb Millionen eingeworben.

Grütters: Harte Maßnahmen sind unsweichlich

Grütters fände es sympathisch, wenn der "gutverdienende Herr Grönemeyer" in seinen Kreisen für eine solche Solidaraktion werben würde. "Ich möchte mich gerne werbend daran beteiligen und mal gucken, welche Millionäre sich angesprochen fühlen", so die Staatsminsiterin.

Aber das kann nur ein Tropfen auf dem heißen Stein sein. Sozialpsychologisch, so die Kulturstaatsministerin, sei es notwendig, dass die Menschen in Deutschland wenigstens arbeiten könnten. Nur die Künstlerinnen betrifft dies nicht, sie gehören zur Freizeitaktivität.

"Ich leide sehr mit den Kreativen", betont Grütters. Aber die Regierung sei nicht schuld an dem Virus. Sondern müsse die Verantwortung übernehmen, dass sich das Virus nicht ausbreitet. "Wenn es eine Priorität gibt die Schullen offen zu lassen und man trotzdem 75 Prozent Kontakte reduzieren muss, damit wir Weihnachten feiern können, dann sind harte Maßnahmen unsweichlich."

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Beitrag von Maria Ossowski

11 Kommentare

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  1. 11.

    Linke und Grüne sind da auch nicht besser! Der Vollständigkeit wegen auch die FDP und AfD.

  2. 10.

    Fitnessstudios sind auch geschlossen.
    Die fehlen uns allen sehr.
    Sport hält übrigens selisch und körperlich gesund.
    Genauso wie Musseen, Opern, Theater und Ausstellungen.

  3. 9.

    Man kann es drehen und wenden wie man will und noch so viel schönreden: Für diese Bundesregierung, für CDU, CSU und SPD, stehen Theater, Konzertsäle, Kinos, Bibliotheken als Orte, an denen man nicht nur schnell ein Buch abholen kann, und alle anderen Kultureinrichtungen auf einer Stufe mit Nagelstudios, Fitnesscentern, Spaßbädern und Bordellen. Und Baumärkte sind ihr wichtiger.

  4. 8.

    1. Krokodils-Tränen und Ausreden. Die Kultur hätte sehr wohl geöffnet bleiben können. Denn die Menschen bewegen sich wohl eher nicht im überfüllten Berufsverkehr. Übrigens haben die Hygiene- & Abstandskonzepte dort bewährt.
    2. Können wir mal endlich dazu zurückkehren, dass Menschen wieder selbst arbeiten, Kunden wieder Kultur bezahlen und nicht immer weiter staatliche Leistungen in immer größeren Summen verfeuert werden? Das ist doch unverantwortlich.
    3. Die Supermärkte sind zur Zeit sowas von ekelhaft voll, weil die Leute nur noch dort rumkrabbeln und anscheinend nur noch ans Essen denken.
    4. Nach wie vor wird überhaupt nicht diskutiert, was das, was hier gerade verordnet wird, eigentlich für schwere Folgeschäden für Gesundheit, Gesellschaft und Staatsfinanzen hat. Das wird sich noch mit viel schwereren Spätfolgen rächen.

  5. 7.

    Ich habe auch so ein bisschen das Gefühl, dass es Berufe 1. Klasse und 2. Klasse gibt und gerade die Kulturschaffenden einerseits hochgelobt werden und andächtig in die Klassikkonzerte gerannt wird, andererseits aber sie immer so ein bisschen "Ach, na ja, sind halt Künstler, hihi" belächelt werden. (Was natürlich auch daran liegt, dass "Kunst" ein sehr weites Feld ist und sich irgendwer in Folie einwickeln, dabei hüpfen und klingonsch sprechen kann und genauso die Berliner Philharmoniker darunter fallen.)-- Viele Künstler kommen auch in normalen Zeiten gerade mal so über die Runden, da sie auftragsabhänigig arbeiten. Jetzt haben sie gar keine Chancen mehr. Hoffe sehr, dass geholfen wird. Ich hoffe dies auch für die Zirkusse, wo ganze Familien mit Kindern und v.a. oft auch TIere mit dran hängen, die nicht Hunger leiden sollen und am wenigsten dafür können. Wollten dieses Jahr aus Elefantenliebe und Anerkennung der dort guten Haltung zum Weihnachtscircus Waltersdf., fällt jetzt wohl aus.

  6. 6.

    Ich hätte bezgl. der Soforthilfe gern gewusst, nachdem herausgekommen ist, dass im Frühjahr Betrüger sich Geld haben auszahlen lassen, wie man dies dieses Mal zu verhindern gedenkt. Und, wie "groß" der Geldtopf insgesamt ist, denn wenn ich mich recht entsinne, war es damals auch so, dass ruckizucki der Etat ausgeschöpft war und so mancher Bedürftige zu kurz kam.

  7. 5.

    "Ich leide sehr mit den Kreativen", betont Grütters.
    Krokodilstränen ! Soll lieber Regierungsbeschlüsse durchsetzen, dafür ist Sie da!

  8. 4.

    War gerade im IKEA-Lichtenberg. Ab jetzt brauch mir niemand mehr irgendwas erzählen, dass Theater zumachen müssen, weil Leute sich „auf dem Weg dahin“ anstecken könnten. Die politische Elite hat völlig die Kontrolle verloren! Machen Sie sich mal den Spaß und schauen Sie sich an, was da bei IKEA los ist! Lockdown light. Ich komme aus dem Lachen nicht mehr raus...

  9. 3.

    Wie alle Künstlerinnen hat auch sie seit neun Monaten quasi Berufsverbot.

    Da war es wohl egal ob es viele oder wenige Neuinfektionen gab.

  10. 2.

    Sagen und machen sind zwei Seiten einer Medaille. In diesem Artikel wird wieder ganz deutlich wie jedes Bundesland und jedes Jobcenter seine eigene Suppe kocht und leidtragende sind die Betroffenen die von dort Geld bekommen sollen. Frau Grütters kann Viel erzählen Sie hat doch am Monatsende ihr Gehalt pünktlich auf dem Konto diese Frau als Kulturstaatsminiterin hätte sich Viel früher für die Kulturschaffenden stark machen müssen. Auch Kultur gehört zu unserer Gesellschaft.

  11. 1.

    Kulturelle Einrichtungen mit einem guten Hygienekonzept hätten offen bleiben sollen und auch die Speisegaststätten.
    Leider haben unvernünftige Zeitgenossen dafür gesorgt, dass die Politik nun auf Sicherheit geht.
    Es liegt also an uns selbst, wie lange der Lockdown dauert.
    Nach den vorsichtigen Lockerungen im Frühling lief es langsam wieder an. Aber dann haben viele Menschen und viele Landesfürsten die Pandemie für beendet gesehen. Dass das ein fataler Fehler war baden wir jetzt aus.

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