Solo-Selbständige in der Corona-Krise - Lederer kündigt "Wieder-Anfahr-Hilfe" für Berliner Kulturschaffende an

Umgebaute Sitzreihen zur Einhaltung der Abstandsregeln im Berliner Ensemble (Bild: imago images/Florian Gaertner)
Audio: Radioeins | 24.02.2021 | Klaus Lederer im Interview | Bild: imago images/Florian Gaertner

Solo-Selbständige und Freiberufler in der Berliner Kulturszene fallen in der Corona-Krise besonders schnell durch das soziale Netz. Senator Lederer sagt ihnen jetzt weiter Hilfen zu. Und der Landesmusikrat warnt: Nahezu jeder dritte Kulturschaffende steht vor dem Aus.

Das Land Berlin will Freiberufler und Solo-Selbständige auch über Juni hinaus finanziell unterstützen. Am Dienstag hatte der Senat mitgeteilt, dass die Hilfen für diese Berufsgruppen bis Ende Juni verlängert werden. Auch danach werde man weitere Maßnahmen ermöglichen, kündigte Kultursenator Klaus Lederer (Linke) am Mittwoch im rbb an.

"Wir bereiten jetzt schon wieder die nächste Runde an Unterstützungsmaßnahmen vor, die auch das Wiederanfahren ermöglichen sollen", sagte Lederer auf Radioeins. Man versuche "alles, um die mangelnde Resilienz, die im Kulturbereich herrscht, abzufangen", so Lederer. Konkret kündigte er eine "Wieder-Anfahr-Hilfe" an, zudem werde man Kulturbetrieben bei der Tilgung von Krediten helfen – "damit sich dann die Insolvenz nicht in die Zeit nach Corona verschiebt, weil sie die Lasten einfach nicht mehr tragen können", so der Kultursenator.

Seine Verwaltung helfe zudem mit, Kulturschaffenden zur Überbrückung andere Tätigkeiten zu beschaffen, dabei insbesondere bei der Pandemiebekämpfung: "Wir haben Kontakt hergestellt zum DRK-Impfzentrum Arena. Da arbeiten ganz viele Menschen, die normalerweise im Kultur- und Veranstaltungsbereich unterwegs sind. Und von denen hoffe ich, dass - wenn die Impfungen durch sind - wir auch wieder etwas machen können und sie dann auch wieder dabei sind."

Jeder zehnte Kulturschaffende hat schon aufgegeben

Derweil fordert der Landesmusikrat Berlin, freischaffende Musiker und Musikerinnen in der Corona-Pandemie stärker zu unterstützen. Die Präsidentin des Rates, Hella Dunger-Löper, sagte dem rbb, die Situation sei dramatischer denn je: "Fast 30 Prozent erwägen ganz ersthaft auszusteigen, und zehn Prozent hatten es Ende Januar schon realisiert - also sie sind nicht mehr berufsmäßig im Bereich von Kunst und Kultur tätig", so Dunger-Löper im rbb-Inforadio. "Das ist ein Aderlass, den wir im Grunde genommen gar nicht verkraften können, wenn man dem nicht ganz massiv entgegensteuert, wenn die Pandemie zu Ende ist."

Dünger-Löper forderte, Kulturschaffende auch nach der Corona-Krise besser abzusichern: "Wir fordern einerseits eine bessere soziale Absicherung: Künstlersozialkasse und auch Zugang zur Arbeitslosenversicherung. Wir fordern ein Kulturfördergesetz auf Landesebene - und da geht es darum, dass wir herauskommen aus der Situation, dass Kultur immer hin und her geschoben wird und gesagt wird: 'Das ist ein Luxus, den wir uns leisten, in guten Zeiten.' Aber wir haben es in der Verfassung stehen, dass der Staat Kunst und Kultur fördert und schützt. Und deswegen müssen wir das auch gesetzlich umsetzen."

Die Kultur wird noch einen langen Atem brauchen

Wann derweil die Kultur wieder ihren Betrieb aufnehmen kann, ist ungewiss. Lederer sieht gute Chancen, in nicht allzu weiter Ferne wenigstens unter freiem Himmel Kulturveranstaltungen durchführen zu können. "Auch die Expertinnen und Experten bestätigen, dass draußen sehr viel schneller Dinge gehen als drin", sagte er im Radioeins-Interview.

Im Berliner Entwurf für einen Stufenplan, der am Dienstag bekannt wurde, taucht die Kultur erst in "Cluster 2" auf. Soll heißen: Erst wenn in Berlin die Sieben-Tage-Inzidenz drei Wochen am Stück stabil unter 35 liegt, können Theater, Opernhäuser und Kinos mit Zugangsbeschränkungen und Hygienekonzepten öffnen. Der Berliner Entwurf soll in die bundesweiten Modelle für Lockerungsmöglichkeiten miteinfließen. Am 3. März will die nächste Bund-Länder-Runde über Öffnungsperspektiven entscheiden.

Sendung: Radioeins, 24.02.2021, 7:10 Uhr

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3 Kommentare

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  1. 3.

    Das lässt hoffen, Herr Lederer! Danke!

  2. 2.

    Sehr Gut Hr. Lederer ! Da können sich Ihre Kolleginnen in Bildung und Gesundheit und der Regierende Bürgermeister eine dicke Scheibe von abschneiden. Wo bleiben die Lohnerhöhungen für Alten- und Krankenpfleger, für Erzieher und Reinigungspersonal ? ... von wegen wirtschaftlich-prekär und so ...

  3. 1.

    Es gibt eine "einfache" Lösung: Zugang zur Künstlersozialkasse für alle Selbständigen im Bereich Kultur, Wissenschaft, Presse etc.

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