Symbolbild: Eine Schutzmaske liegt auf dem Klavier neben einem Musiker. (Quelle: dpa/Sina Schuldt)
Video: Abendschau | 27.03.2021 | A. Breitfeld | Bild: dpa/Sina Schuldt

Pilotprojekt des Berliner Senats - Am Holzmarkt gibt es Samstag ein echtes Konzert ... echt jetzt

Im "Säälchen" am Berliner Holzmarkt findet am Samstag ein echtes Konzert statt: im Sitzen mit Maske, Abstand und Schnell-Test. Ist das die Berliner Clubkultur der näheren Zukunft? Nein, ist es nicht, sagt die Clubcommission. Von Jakob Bauer

Die Clubkultur wird zur Sitzkultur: Während Menschen in Theatern und bei klassischen Konzerten feste Sitzreihen gewohnt sind, kann man sich das Berliner Nachtleben so gesittet nur schwer vorstellen.

Ausprobiert wird das trotzdem - am Wochenende im "Säälchen" am Berliner Holzmarkt. Das Konzert mit den Bands Bison Rouge und Reecode am Samstagabend ist Teil des Pilotprojekts "Perspektive Kultur" des Berliner Senats. 60 Leute dürfen rein, die Tickets waren schnell weg.

Das soll also ein Konzept für die Clubkultur der Zukunft sein? Nein, soll es nicht, sagt Lutz Leichsenring aus dem Vorstand der Clubcommission. "Es geht nicht darum, Indoor-Veranstaltungen zu testen. Wir hätten das Konzert theoretisch auch nicht stattfinden lassen können und trotzdem unseren Test durchführen können", so Leichsenring.

Für manche Konzertlocations seien solche Sitzkonzerte zwar eine Option, aber eigentlich geht es der Clubcommission darum, das ganze technische und organisatorische Prozedere rund um die Schnelltests einmal durchzuspielen. Wie verlässlich und schnell geht es mit den Tests, sind überhaupt genug vorhanden, läuft das organisatorisch vor Ort alles glatt und verhält sich das Publikum verantwortlich?

Pilotprojekt heißt "Schnelltest" und nicht "Indoor-Konzert"

Das Pilotprojekt im "Säälchen" ist für die Clubcommission also nur ein Puzzlestück in einem größeren Bild. Denn allen ist bewusst, dass Sitzkonzerte mit Maske und Abstand kein reales Szenario für einen großen Teil des Berliner Nachtlebens ist. "Jede Location", so Lutz Leichsenring, "muss ihr eigenes Konzept für die Übergangszeit entwickeln, in der wir uns befinden".

Das könne bei den einen ein Biergarten sein, bei anderen eine Ausstellung und bei wieder anderen auch Tanzveranstaltungen im Freien. "Wir möchten mit diesem Schnelltestmodell eine zusätzliche Möglichkeit bieten, eine Veranstaltung sicherer zu machen", so Leichsenring.

Die Hoffnung liegt: in der Luft

Und dabei stehen auch Open Air Veranstaltungen weiterhin ganz oben auf der Prioritätenliste der Clubcommission. Letztes Jahr mit Maske und Abstand erprobt. Jetzt, wenn beim Pilotprojekt alles gut geht, noch sicherer, mit Test und Nachverfolgung.

Leichsenring verweist auf Studien, die aussagen, dass das Ansteckungsrisiko unter freiem Himmel sehr gering ist. "Vielleicht gibt es da auch ein Restrisiko, das wir eingehen können. Wenn wir dafür gesorgt haben, dass die vulnerablen Gruppen, also die Risikogruppen, erstmal geimpft sind, dann muss man ja wieder an den Punkt kommen, dass man so etwas hat wie die Selbstverantwortung des Einzelnen. Und ich möchte auch weiterhin entscheiden können, ob ich den Berg runterfahre mit den Skiern und mein Leben riskiere oder nicht." sagt Leichensenring. "Aber natürlich aber nur, wenn andere nicht dadurch gefährdet werden."

Kulturelle Patenschaft für Freiflächen

Dabei helfen soll auch der Sechs-Punkte-Plan, den die Clubcommission erarbeitet hat. Mit dessen Hilfe will die Organisation weiterhin als zentrale Know-How-Plattform für Clubs und Veranstalter agieren. Und bei der Erarbeitung von Veranstaltungs-Konzepten helfen, Wissen anzusammeln und dann zu teilen. Zum Beispiel über sichere Technologien, die bei der Kontaktverfolgung eingesetzt werden können, die den Datenschutz sicherstellen und Informationen dezentral speichern.

Oder über neue wissenschaftliche Erkenntnisse, die in die Hygienekonzepte der Veranstaltungsorte eingearbeitet werden können. Und ganz praktisch sind auch hier Open Air Pilot-Veranstaltungen erwähnt. Die Bezirke haben sich schon seit letztem Sommer sehr offen gezeigt, erzählt Leichsenring, 30 Veranstalterkollektive haben sich dafür beworben, Außenflächen zu bespielen, sozusagen eine Art kulturelle Patenschaft zu übernehmen. Natürlich aber erst dann, wenn die Inzidenzen es wieder zulassen.

Sendung: Inforadio, 27.03.2021, 06:50 Uhr

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Beitrag von Jakob Bauer

4 Kommentare

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  1. 4.

    Wenn die letzten Corona Patienten von den Beatmungsmaschinen befreit werden konnten, werde ich auch wieder am Kulturleben teilnehmen.
    Bis dahin ist für mich Sendepause ...

  2. 3.

    Das stimmt. Kann auch nicht verstehen, dort mit Maske zu sitzen und trallala. Das ist so spassbremsend. Da hat mancher doch gar kein Vergnügen. Aber Hauptsache da hin

  3. 2.

    Toll, jetzt werden sich alle ungeimpften Risikopatienten freuen, dass sie endlich, mitten in der 3. Welle, Hoffnung schöpfen können und endlich am kulturellen Leben Teilhabe haben. 40% der Menschen im Land gehören zu dieser Gruppe.

  4. 1.

    Der Senat von Berlin ? Morgens Fango, abends Tango ! Experimente mit menschlichem Leben ? Mitten in der Stillstandsdebatte ? Nur noch zum Weglaufen, PUNKT

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