"Die große Stille" steht auf der Anzeigentafel des Yorck-Kinos Capitol in Berlin-Dahlem
Bild: imago images/Uwe Steinert

Interview | Lage der Kinos in der Pandemie - "Dass man das Hin und Her nicht versteht, macht es schwieriger"

Seit Monaten müssen Berliner Kinos leer bleiben. Auch Mitte April gibt es noch keine Öffnungsperspektive. Christian Bräuer, Geschäftsführer der Yorck-Kinogruppe, schildert im Interview den damit verbunden Frust der Betreiber - und äußert Unverständnis.

rbb|24: Herr Bräuer, was begegnet Ihnen, wenn Sie mit den Kinobetreibern über die momentane Situation sprechen?

Christian Bräuer: Die Stimmung unter den Kinobetreibern ist wahnsinnige Ernüchterung. Jeder sieht und weiß, dass wir nicht sofort öffnen können. Dafür sind die Zahlen zu hoch. Wir wissen nicht, wie lange es noch dauern wird. Wir wissen nicht, wann der Impfzug an Fahrt aufnimmt, wann daraus endlich ein echter Schnellzug wird.

Das alles ist schwer vorherzusehen und dieses permanente Warten ist extrem anstrengend. Seit Mitte, Ende März sind wir alle sehr frustriert, genauso wie die Stimmung in der gesamten Bevölkerung ist. Man versteht dieses ganze Hin und Her nicht - und dass man es nicht versteht, macht es noch schwieriger.

Das Saarland-Modell, das den Kinos im kleinsten deutschen Bundesland die Öffnung erlaubt hätte, wurde leider auch nicht zum Lichtblick. Nicht weil der Versuch gescheitert ist, sondern weil die Kinos diesem Experiment eine Absage erteilt haben...

Das wäre nicht machbar gewesen für die Kollegen im Saarland und das lag auch von vornherein auf der Hand. Abstand plus Maske plus Testen - das sind Auflagen, die einen Kinobesuch nicht wirklich möglich machen, zumal man dann nicht mal Süßwaren und Getränke verkaufen kann.

Das nimmt einem den Spaß, wenn ich mich erst testen lassen muss und dann, obwohl alle Leute getestet sind, trotzdem Abstand einhalten und die Maske auflassen muss. Dazu kommt, dass es ja auch keine neue Filme gibt, solange keine bundesweite Öffnung der Kinos in Sicht ist.

Auch die Ausgangssperren-Notbremse bei drei Tagen über einer Inzidenz von 100 wird jetzt zur weiteren Barriere von Öffnungsszenarien. Die Notbremse könnte zum Beispiel jederzeit Abendvorstellungen aushebeln...

Ja, das ist ein weiterer Punkt. Eine Perspektive, bei der man jederzeit, jeden Tag damit rechnen muss, dass die Häuser wieder zumachen müssen, ist keine Perspektive. Wenn wir öffnen, dann muss klar sein, dass wir auch offen bleiben dürfen, außer natürlich bei einem lokal begrenzten Super-Spreader-Event. Aber wir können nicht ständig im Umfeld der 100er Inzidenz auf und zu machen. Anders bringt das für uns nichts, Kino braucht verlässliche Rahmenbedingungen, nicht zuletzt weil ohne diese Verlässlichkeit auch gar keine neuen Filme herausgebracht werden.

Worauf kommt es noch an, wenn die Kinos irgendwann wieder öffnen können?

Rein technisch erfüllen wir schon längst alle Voraussetzungen. Für uns ist im Moment entscheidend, dass wir bei einer Öffnung nicht mit drei- und vierfach gemoppelten Sicherheitszenarien an den Start gehen müssen. Wir können sichere Orte bieten, wir könnten sofort öffnen und das Infektionsgeschehen würde sich dadurch kaum ändern, dafür gibt es internationale Beispiele und auch genug Studien.

Die Schließung der Kultur hat eher symbolischen Charakter, weil sie für gesellschaftliche Begegnung steht, die im Augenblick unterbunden werden soll. Wir haben Lüftungsanlagen, wir haben Buchungssysteme, kontaktloses Zahlen, Kontaktnachvollziehbarkeit und wir können im Kino Abstandsregeln einhalten und damit ein sehr sicheres Erlebnis bieten.

Ich war im letzten Jahr im Sommer bei einer Anhörung von Experten der Charité und der Technischen Universität im Roten Rathaus. Das Ergebnis war, dass Kinos und Kulturorte sehr sicher sind im Vergleich zu Büros. In den Kulturorten hat man sich noch und noch was überlegt, wie man sie noch sicherer macht. Doch sie wurden dann ganz geschlossen, während in den Büros wenig passierte und sie nicht geschlossen wurden. Das ist aus unserer Sicht schon sehr frustrierend.

Auch wenn die Situation natürlich sehr unüberschaubar ist: Wann, glauben Sie, könnte es wieder Kino geben?

Im Moment bin ich da wirklich eher pessimistisch. Ich hoffe, dass wir zur Sommer-Berlinale im Juni wieder dabei sind. Das ist aber auch eher eine Best-Case-Hoffnung, wenn die weiteren Maßnahmen zu einer Senkung der Zahlen führen und die Impfung an Fahrt aufnimmt. Wenn beides nicht zusammenkommt, ist die Gefahr groß, dass wir nicht mal dann wieder aufmachen können.

Ich hoffe aber sehr, dass wir auf jeden Fall die Freiluftkinos aufmachen können, dort hat man Abstand und ist an der frischen Luft. Und die Menschen sehnen sich wirklich nach Abwechslung,

Vielen Dank für das Gespräch!

Das Interview führte Alexander Soyez, Inforadio.

Sendung: Inforadio, 14.04.2021, 15:55 Uhr

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16 Kommentare

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  1. 16.

    Also die Kinobesitzer sollen sich Gedanken machen wie kommen die Besucher auch sicher hin und zurück.... als Beispiel könnten sie ja die Baumärkte, Media Markt usw. nehmen.
    Sarkasmus off

  2. 15.

    Glaubst du ernsthaft die Menschen treffen sich nicht,nur weil sie nicht ins Kino dürfen? Naja..

  3. 14.

    Respektlosigkeit? LOL. Warum sollte ich die respektieren? Die Kinobesitzer*innen gehen mit Scheuklappen durchs Leben und sind nur darauf bedacht, möglichst bald wieder Kohle mit überteuerten Kinokarten und Popcorn zu machen. Es reicht eben nicht sich nur um ein Konzept zu kümmern, das in den eigenen vier Kinowänden gilt. Was bringt es, wenn es im Kino einigermaßen sicher ist wenn sich die Menschen vor und nach dem Kino mit Corona anstecken? Überhaupt nichts. Sie mögen gerne spontan ins Kino gehen wollen aber ich möchte mich nicht spontan mit Corona anstecken. Vielleicht sollten Sie Ihre Lebenseinstellung und Prioritäten überdenken, von mimimimi Trotzanfällen absehen, erwachsen werden und realisieren, dass wir uns in einer Pandemie befinden mit mittlerweile fast 80000 Toten in Deutschland allein. Ihre Vergnügungssucht ist fehl am Platz.

  4. 13.

    Und "Miteinander" heißt denn, die einen werden geimpft, die anderen nicht - die einen dürfen wieder alles machen, die anderen nicht...

  5. 12.

    Die Gesellschaft, zu der auch Sie gehören, ist nicht in Erwartungshaltung, sie muss in sich funktionieren und das verlangt auch von Ihnen ein Miteinander, sonst klappt es nicht und dauert ewig.

  6. 11.

    Was für ein Unfug. Der Kommentar ist einfach nur peinlich. Reflektieren Sie manchmal oder geht an Ihnen die Realität völlig vorbei?

  7. 10.

    Es reicht völlig aus, wenn Sie mit Vernunft durch diese Krise kommen, natürlich solidarisch.

  8. 9.

    Mit diesem Ihrem Kommentar zeigen Sie größte Respektlosigkeit gegenüber Argumenten der Kinobetreiber!! Diese versuchen nur darauf hinzuweisen, dass in ihrem Rahmen & Möglichkeiten alle Regeln eingehalten werden!
    Ich schließe mich da mit vollem Herzen Maik p an, welcher sagte,
    "Es werden auf 10-15 Jahre Sicht mehr Menschen an den Folgen der rechtswidrigen Maßnahmen sterben als bislang durch das Virus selbst. Aber daran denkt niemand, weil die Politik nur von 12 bis Mittags handelt."

  9. 8.

    Ich war noch nicht fertig, Verzeihung!
    Es macht auch einfach keinen Spaß, auf diese (Corona-zu-verantwortende) reglementierte Weise ins Kino zu gehn!
    Kino war immer der Ort, spontan durchaus! eine Welt zu finden, welche den Menschen für eine kurze, sehr wertvolle Zeit, von den Sorgen des Alltags befreite und wichtigeren Fragen zuwandte! "Film ist keine Illusion!" hat einer unserer größten Filmemacher Rainer Werner Fassbinder gesagt!
    Nicht nur durch Corona, aber verstärkt durch Corona! wird diese kleine Freiheit wahrscheinlich demnächst ausgemerzt sein & der Mensch nur noch viel besser in der (gar nicht!) schönen neuen Welt funktionieren.

  10. 7.

    Kino ist nicht mehr das, was es einmal war! Als leidenschaftliche Filmliebhaberin & regelmäßige Kinogängerin, sehe ich schmerzlichst! das Aussterben dieses gesamten Freizeit-&Unterhaltungszweigs!
    Auch vor Corona gingen Frequenz& Einnahmen zurück. Die Schließung des wunderbaren Sony-Kinos am Potsdamer Platz, & damit Deutschlands größtem IMAX, war bereits Ende 2019 ein totaler Schlag in die Magengrube!
    Im Nachhinein kann man feststellen, dass die das erstaunlich richtig gemacht haben, weil 1 1/2 Monate später Corona kam.
    MIt Corona sind Kinos, wo sie es zuvor schon nur sehr knapp waren, überhaupt nicht mehr rentabel! Wenn die Hälfte der verfügbaren Plätze, wegen der Abstandsregel, nicht belegt werden dürfen, fallen die notwendigen Einnahmen bei Start eines Films weg und lassen sich auch nicht mehr aufholen, weil eh die meisten Menschen mittlerweile, verstärkt durch Corona! auf Streaming eingespielt sind!

  11. 6.

    Sie wollten wohl schreiben "Was kann man noch alles verbieten und bebußen" .
    Gibt noch keine Maskenpflicht am Altglascontainer und in Kellerräumen oder auf Dachböden, das wär nochmal was.

  12. 5.

    Was will man da auch anders erwarten wenn eine inkompetente und völlig überforderte "Gurkentruppe" Entscheidungen trifft ohne Sachverstand, langfristiges Konzept, Strategie und smarten Zielen - die ein dreijähriger vermutlich mit mehr Weitblick treffen könnte?

    Man muss sich doch nur mal das Vokabular zu Gemüte führen: Osterruhe, Ausgehbeschränkungen, Maskenpflicht, Brückenlockdown, Kraftansträngung,

    Was ist das nur für ein Kindergarten? Das wird dem Ernst der Lage kaum gerecht.

    Es werden auf 10-15 Jahre Sicht mehr Menschen an den Folgen der rechtswidrigen Maßnahmen sterben als bislang durch das Virus selbst. Aber daran denkt niemand, weil die Politik nur von 12 bis Mittags handelt.

  13. 4.

    "Wir können sichere Orte bieten, wir könnten sofort öffnen und das Infektionsgeschehen würde sich dadurch kaum ändern, dafür gibt es internationale Beispiele und auch genug Studien."
    Können hier bitte diese interlationalen Beispiele verlinkt werden in denen steht, dass sich die Menschen weder beim Fahren mit dem ÖPNV zum Kino, noch beim Treffen, Quatschen und Essen mit Bekannten und Freunden die man ja lange nicht mehr gesehen hat vor dem Kino noch nach dem Kino mit Corona infiziert haben? Denn das wird bei den besagten "sicheren Orten" von den Kinobetreibern ja bestimmt mitgedacht, oder? Danke!

  14. 3.

    Es ist doch so einfach. Wir haben ein Virus. Dieses Virus interessiert sich nicht für Politik. Es will einfach viele Menschen kontaktieren. Nun ist die Frage, lassen wir es zu oder nicht. Diese intime Frage sollte sich jeder stellen.

  15. 2.

    Es ist doch so einfach. Wir haben ein Virus. Dieses Virus interessiert sich nicht für Politik. Es will einfach viele Menschen kontaktieren. Nun ist die Frage, lassen wir es zu oder nicht. Diese intime Frage sollte sich jeder stellen.

  16. 1.

    "Ich hoffe aber sehr, dass wir auf jeden Fall die Freiluftkinos aufmachen können, dort hat man Abstand und ist an der frischen Luft. Und die Menschen sehnen sich wirklich nach Abwechslung,"
    Also wie in der Aussengastro… die zu ist und wenn sie öffnen.... mit Test... nur weil essen+Maske nicht klappt auf die selbigen verzichten dürfen.
    Über den Punkt was Sinn macht ist man doch schon längst hinaus.... es zählt nur was kann man noch alles machen.

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