Filmbranche in der Corona-Pandemie - "Wie viel gedreht wird, finde ich wirklich beeindruckend"

Dreharbeiten zur 4. Staffel von "Babylon Berlin" finden am Rolandufer statt. (Quelle: dpa/Jörg Carstensen)
Audio: Inforadio | 05.05.2021 | Alexander Soyez | Bild: dpa/Jörg Carstensen

Trotz Corona-Pandemie ist die Filmbranche in Berlin und Brandenburg derzeit erstaunlich produktiv. Auch ein Schwenk auf digitale Technik und die Produktion von Serien hilft dieser Sparte durch die Krise. Von Alexander Soyez

Fördermitteilungen, Auszeichnungen, technische Produktions-Innovationen: Die Filmbranche in Berlin und Brandenburg erweist sich in der Corona-Krise als erstaunlich robust. Es wird auch deutlich mehr gedreht, als man unter Pandemie-Bedingungen erwarten würde. "Es ist ja erstaunlich, wie hoch organisiert diese Branche ist und wie schnell da seit dem letzten März eine Anpassung stattgefunden hat", sagt Kirsten Niehuus, Geschäftsführerin der Filmförderung des Medienboard Berlin-Brandenburg. "Wie viel gedreht wird, das finde ich wirklich beeindruckend." Den Einsatz von Hygiene-Maßnahmen habe man "hervorragend hinbekommen. Das war eine irre Leistung."

Rasante Anpassung an Pandemie-Bedingungen

Die Filmbranche hat sich mit rasanter Geschwindigkeit an die Anforderungen der Pandemie angepasst. Die Kosten sind zwar höher geworden, durch Testungen, getrennte Gruppen am Set oder auch durch mögliche Dreh-Unterbrechungen bei auftretenden Corona-Fällen - aber von einer Schockstarre kann nicht die Rede sein.

Die schon geförderten Projekte wurden abgeschlossen und warten zum Teil nur noch auf einen Kinostart. Auch der beeindruckende Reigen neuer geförderter Projekte aus allen Sparten ist eher eine Erfolgsgeschichte, insbesondere die gerade begonnenen Dreharbeiten zur neuen Serie der DARK-Macher "1899", durch die es nebenbei eine mehr als bemerkenswerte Aufwertung im Studio Babelsberg geben wird: einen digitalen Filmset, eine hochmoderne LED Bühne - einzigartig in dieser Größe in Europa - mit der man virtuell fast jeden beliebigen Hintergrund für Filmaufnahmen erzeugen kann. So wurde auch die Star Wars-Serie "The Mandalorian" in Hollywood aufgenommen und diese Technik ist ein enormer Zugewinn für den Film- und Serienstandort Berlin-Brandenburg.

Deutlich höher dotierte Preise für Programmkinos

"Wir haben das Projekt gefördert, nicht die Technik, in diesem Jahr erstmalig mit Mitteln aus Brandenburg für Produktionen mit internationaler Auswertung und hohem digitalen Anteil", sagt Kirsten Niehuus. Für die Jahre 2021 und 2022 seien Mittel im Haushalt vorgesehen und die hochkarätigen Netflix-Serie "1899" sei nun das erste Projekt gewesen, das davon profitiert habe. "Dieses neuartige digitale Studio wird dann aber auch in Babelsberg bleiben und wenn es dann für die Dreharbeiten von '1899' nicht oder nicht mehr gebraucht wird, kann man das mieten."

Mehr digitale Technik, die nicht nur in einer Pandemie für mehr Freiheit sorgt, der Drehstart von "1899", dazu Anstrengungen was Diversität angeht sowie ein Unterstützungsprogramm, um das Drehen von erotischen Szenen sicherer und planbarer zu gestalten, sind die wichtigsten Neuigkeiten, die das Medienboard in den letzen Tagen bekanntgegeben hat - all das mehr oder minder unabhängig von den Folgen der Corona-Pandemie.

Um die für Kinos zumindest etwas abzumildern, wurden zudem vor Kurzem schon zum zweiten Mal deutlich höher dotierte Preise für Programmkinos in Berlin und Brandenburg vergeben. Auch bei den geförderten Projekten im letzen und im neuen Jahr engagiert sich das Medienboard um eine Abfederung der finanziellen Risiken. Eine weitere Folge der Corona-Krise spiegelt sich dagegen auf eine andere Art und Weise wieder: weniger Kino, mehr Serien.

Rückblick auf die 20er Jahre als Trend?

"Der Anteil hat sich verschoben", sagt Kirsten Niehuus. "Wir sind im Jahr mittlerweile bei vier bis fünf Millionen, die wir für Serien ausgeben und die dann nicht mehr für die Filmförderung zur Verfügung stehen. Wir haben im letzten Jahr vier oder fünf Serien gefördert und wir sehen, dass das mehr wird." Sehr viel mehr könne es nicht werden, weil dafür auch extrem viele Profis aus der Branche benötigt würden. "Viel mehr als sieben Serien können wir meiner Einschätzung nach gar nicht stemmen in der Region, weil es gar nicht so viele Mitarbeiter gibt, die das umsetzten können."

Die Auswirkungen der Pandemie auf die Produktionen und auch auf die Förderentscheidungen sind auf jeden Fall erkennbar, inhaltlich dagegen zeigen sie sich noch nicht wirklich, so Kirsten Niehuus: "Wir können nicht sagen, dass wir mehr Pandemie-Geschichten haben. Wir haben keine Stoffe, die sich direkt mit der Pandemie auseinandersetzen." Auch vorher habe es einige dystopische Weltuntergangsszenarien gegeben. Allerdings habe es ein paar Anträge gegeben, bei denen es um einen Blick zurück auf die 1920er Jahre geht und damit einen Blick aufs Heute. "Vielleicht ist das ein Trend."

Kirsten Niehuus, Geschäftsführerin Filmförderung des Medienboards Berlin-Brandenburg, vor der Pressekonferenz vor der Berlinale zum "Filmland Brandenburg“. Quelle: dpa/Soeren Stache
Bild: dpa/Soeren Stache

Debatte über die Untiefen des Fördersystems

Nicht zuletzt liegt das natürlich auch daran, dass die Wege des deutschen Fördersystems nicht wirklich die schnellsten sind und sich die Pandemie wahrscheinlich erst mit Verzögerung in geförderten Projekten abzeichnen wird. Außerdem erscheinen die Tiefen der Filmförderung ohne Pandemie schon ziemlich unergründlich - das Thema hat sich gerade auch Jan Böhmermann in seiner letzten Sendung spöttisch vorgeknöpft und Niehuus im "Neo Magazin Royale" satirisch als "Alleinherrscherein" gewürdigt. Inklusive Seitenhieb auf die mittlerweile schon 17 Jahre dauernde Geschäftsführung des Medienboards durch Kirsten Niehuus, die zumindest auf dem Papier das letzte und alleinige Wort hat, was und wer hier gefördert wird.

"Ich hätte mir auf jeden Fall ein besseres Foto in der Sendung gewünscht", sagt Niehuus und lacht. "Es hat alles Vor- und Nachteile. Böhmermann hat sich ja gleichzeitig gegen Jury-Entscheidungen beim Fördern ausgesprochen wie dagegen, wenn eine Person das übernimmt", so Niehuus weiter. "Ich glaube: Der Filmstandort Berlin und Brandenburg hat sich hervorragend entwickelt. Da haben wir von vielen tollen Produktionen in der Region profitiert und ich sage bewusst wir, denn wir sind ja acht Leute, die wir immer erreichbar und ansprechbar sind. Das heißt, da ist nicht nur eine Person."

Sendung: Inforadio, 05.05.2021, 7 Uhr

Was Sie jetzt wissen müssen

Beitrag von Alexander Soyez

4 Kommentare

Wir schließen die Kommentarfunktion, wenn die Zahl der Kommentare so groß ist, dass sie nicht mehr zeitnah moderiert werden können. Weiter schließen wir die Kommentarfunktion, wenn die Kommentare sich nicht mehr auf das Thema beziehen oder eine Vielzahl der Kommentare die Regeln unserer Kommentarrichtlinien verletzt. Bei älteren Beiträgen wird die Kommentarfunktion automatisch geschlossen.

  1. 3.

    Seit wann sind Private, Kinos, Netflix, Appletv vom Gebührenzahler finanziert? Quelle??
    Komparsen,Statisten sind Laiendarsteller ohne die eine Produktion nicht möglich ist.
    Dies macht selbst der ÖR.
    Die diffarmiernde Äußerung gehört eigentlich gelöscht.

  2. 2.

    Das sehe ich auch genauso, das will keiner sehen, selbst beim 88.8 wird ständig von Netfl*x geschwärmt...

  3. 1.

    ABM für drittklassige Darsteller auf Kosten der Gebührenzahler bei niedrigem Qualitätsanspruch, hoher Diversität und Weltfremdheit. Danke dafür!

Nächster Artikel

Das könnte Sie auch interessieren