Kultursommer 2021 - "Irgendwas wird gehen"

Archivbild: Der Schauspieler Bozidar Kocevsk am 09.06.2020 bei der Generalprobe zum Stück "Die Pest" am Deutschen Theater auf der open-air-Bühne vor dem Haus. (Quelle: dpa/Paul Zinken)
Audio: Kulturradio | 10.05.2021 | Oliver Kranz | Bild: dpa/Paul Zinken

Die Berlinale soll im Sommer als Open-Air-Festival stattfinden, doch hinter dieser und anderen Veranstaltungen stehen noch Fragezeichen. Das wurde am Montag im Kulturausschuss deutlich. Kultursenator Lederer versuchte, Optimismus zu verbreiten. Von Oliver Kranz

Die Berlinale prescht vor, die Kulturverwaltung wartet ab. Dass das Filmfestival im Juni als Open-Air-Veranstaltung stattfinden soll, habe nichts mit einem Politikwechsel zu tun, sagte Kultursenator Klaus Lederer (Linke) bei der Tagung des Kulturausschusses im Berliner Abgeordnetenhaus. Es gelte die Bundes-Notbremse. Die Sieben-Tage-Inzidenz müsse an fünf aufeinander folgenden Werktagen unter 100 liegen, bevor Lockerungen möglich seien. Trotzdem gab sich der Kultursenator optimistisch. "Ich freue mich auf den Kultursommer in Berlin", sagte er. "Irgendwas wird gehen."

Umsonst und draußen

Realistisch betrachtet kommen vor allem Veranstaltungen im Freien in Frage. Klaus Lederer verwies darauf, dass das Land Flächen dafür zur Verfügung stellen wird. "Wir werden das Draußenstadt-Programm, das wir im Herbst pandemiebedingt ausgesetzt haben, demnächst wieder ausschreiben. Da geht es um Veranstaltungen im Stadtraum - umsonst und draußen."

Zehn bis zwölf Open-Air-Bühnen möchte der Kultursenator ins Leben rufen, die permanent Programme anbieten. Es werde Administratoren geben, bei denen sich Künstler um Auftrittsmöglichkeiten bewerben könnten. Zusätzlich könnten auch Freiluftkinos genutzt werden. "Ich habe mit einigen Betreibern gesprochen. Da gibt es eine große Offenheit. Die Voraussetzung ist natürlich, dass diese Kinos wieder öffnen dürfen."

Drinnen nur mit Test

Auch Veranstaltungen in Innenräumen soll es wieder geben. "Wir werden die Pilotprojekte fortsetzen, die wir zu Ostern unterbrechen mussten." Lederer meint Vorstellungen vor getestetem Publikum. Auch die Berlinale darf im Juni nur stattfinden, da sie als Pilotprojekt eingestuft wurde. In Innenräumen komme es zudem auf die Leistungsfähigkeit der Lüftungsanlage an. Gebäude mit einer fest verbauten Anlage, hätten bessere Chancen, doch auch mobile Lüftungsgeräte kämen in Betracht.

Wann Corona-Restriktionen zurückgenommen werden, wollte der Kultursenator aber nicht sagen. Er möchte kein Hin- und Herpendeln zwischen Öffnungen und Schließungen, je nachdem ob die Sieben-Tage-Inzidenz über oder unter 100 liegt. Da bis zum 30. Juni die Bundes-Notbremse gelte, könnte es durchaus noch einige Wochen dauern. "Wir beobachten die Situation genau und hoffen, dass die Infektionszahlen nach unten gehen. Es gibt keinen Grund für übertriebene Leichtsinnigkeit."

Auch Gorki-Theater war Thema

Doch die Pandemiesituation war nicht das einzige Thema, das im Kulturausschuss diskutiert wurde. Es ging auch um die Situation am Gorki-Theater. Einige Mitarbeiterinnen hatten der Intendantin Shermin Langhoff vorgeworfen, übergriffig zu sein und am Haus ein Klima der Angst zu schaffen. Die Kulturverwaltung wusste davon. Trotzdem hatte Lederer den auslaufenden Vertrag der Intendantin um zwei Jahre verlängert. Dafür musste er sich nun kritische Nachfragen gefallen lassen.

In seiner Verteidigung betonte er, am Haus habe schon vor dem Bekanntwerden der Vorwürfe ein Reformprozess eingesetzt. Es gebe nun eine hausinterne Beschwerdestelle und ein "Artistic Advisory Board", das Langhoff in künstlerischen Fragen berate. Ein Direktorium solle sich um Verwaltungsfragen kümmern. Die Macht der Intendantin wurde also schon beschnitten. Zudem versprach Lederer, die Situation weiter im Blick zu behalten.

Neue Leiterin für Haus der Wannseekonferenz

Einmütig begrüßt wurde im Kulturausschuss die Berufung einer neuen Leiterin für das Haus der Wannsee-Konferenz. Die österreichisch-israelische Politikwissenschaftlerin Deborah Hartmann war zuvor die Leiterin des deutschsprachigen Bildungsbereichs der Gedenkstätte Yad Vashem in Jerusalem. Sie will auch in Berlin den Bildungs- und Forschungsbereich stärken. "Wir wollen unser Gelände mehr als Campus verstehen", sagte sie im Kulturausschuss.

Der schon unter ihrem Vorgänger geplante Neubau eines Seminarhauses kommt ihr dabei sehr entgegen. "Das gibt uns die Möglichkeit, die Bibliothek neu zu gestalten und ein innovatives Lern- und Medienzentrum zu entwerfen." Das Haus solle weiterhin ein Gedenkort sein, sich aber auch in aktuelle gesellschaftliche Debatten einmischen und Gegenwartsbezüge suchen. Die gegenwärtige Diskussion über den Kolonialismus liefere gute Ansatzpunkte, so Deborah Hartmann. Rassismus und Antisemitismus hätten viel miteinander zu tun.

Sendung: Kulturradio, 10.05.2021, 18:10 Uhr

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Beitrag von Oliver Kranz

2 Kommentare

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  1. 2.

    Also an den offenen Kinos letzten Sommers kann der dann erfolgte erneute Ausbruch ganz sicher nicht gelegen haben!
    Ich war tatsächlich, soweit es ging, im Kino & sogar beim FantasyFilmfest in der Kulturbrauerei, wo sich sonst alles gedrängt hat. Die Sicherheitsvorkehrungen wurden aber sowas von penibel eingehalten! Aufsehermäßig durchgeführt & vom Publikum brav befolgt!!

  2. 1.

    Also hat man die folgende Lehre aus den letzten Sommer gezogen....
    Offene Kinos ohne Test und Maske waren ein Fehler denn im letzten Sommer stiegen die Infektionszahlen.
    Gastro draußen ohne Test ist viel zu gefährlich.
    Ironie off !

    Es sieht doch eher danach aus … was man hat benutzt man auch und wer es nicht freiwillig macht wird verpflichtet.
    Also immer und überall testen, dann bleiben die Zahlen auch hübsch oben.
    https://www.n-tv.de/panorama/B-1-1-7-ist-das-Beste-was-uns-passieren-konnte-article22530941.html?utm_source=pocket-newtab-global-de-DE

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