Blick am 26.04.2014 in Berlin im ehemaligen Vergnügungspark «Spreepark Berlin» im Plänterwald auf den Eingang zum Tunnel der Achterbahn "Spreeblitz" (Quelle: dpa)
Video: Abendschau | 12.08.2014 | Rainer Unruh | Bild: dpa

Erst Kulisse dann Cabrio angezündet - Zwei Verdächtige nach Spreepark-Brandstiftung auf freiem Fuß

Sie wollten nochmal richtig feiern, weil einer von ihnen am nächsten Tag in den Knast musste: Eine Gruppe betrunkener junger Berliner hat gestanden, das Feuer im Berliner Plänterwald gelegt zu haben. Die Polizei hat jetzt Haftbefehl gegen die vier Tatverdächtigen erlassen, zwei von ihnen bekamen Haftverschonung.

Nach dem Brand im Berliner Spreepark ist am Mittwoch Haftbefehl gegen alle vier mutmaßlichen Brandstifter erlassen worden. Zwei der Verdächtigen wurden aber wieder auf freien Fuß gesetzt; wie die "Berliner Zeitung" in ihrer Onlineausgabe unter Berufung auf die Staatsanwaltschaft schreibt, bekamen ein 19- und ein 20-Jähriger Haftverschonung. Als Grund für die Haftverschonung wurde unter anderem die fehlende Fluchtgefahr genannt. Zudem sollen die beiden bislang nicht durch Straftaten aufgefallen sein. Ein 21 und ein 29 Jahre alter Verdächtiger kamen hingegen in Untersuchungshaft.

Drei der Männer haben nach Angaben der Polizei gestanden, in der Nacht zu Montag das Feuer in einem Kulissendorf gelegt zu haben. Die Verdächtigen waren am Montagmorgen in Steglitz nach einer anderen Brandstiftung festgenommen und daraufhin intensiv befragt worden waren.

Nach Angaben der Polizei sollen die vier Männer am Montagmorgen gegen 3 Uhr ein in der Robert-Lück-Straße geparktes Cabrio angezündet haben; Zivilfahnder beobachteten sie dabei. Nach einer Verfolgungsjagd nahmen Polizisten die Verdächtigen fest. Im Fahrzeug der mutmaßlichen Brandstifter fanden die Beamten den Angaben zufolge mehrere Feuerzeuge, Handschuhe und eine Spraydose.

Männer wollten Freund vor Haftantritt verabschieden

In den Vernehmungen kam laut Polizei heraus, dass die vier Männer vor der Kfz-Brandstiftung auch in Pankow und Treptow unterwegs gewesen waren. Drei der Männer hätten schließlich die Brandstiftung im Spreepark gestanden.

Zum Motiv der mutmaßlichen Täter sagte Polizeisprecher Thomas Neuendorf dem rbb, dass sie einen aus ihrer Gruppe hätten verabschieden wollen, der am nächsten Tag eine Haftstrafe antreten sollte. "Man wollte zusammen den letzten Tag der Freiheit genießen." Die Männer hätten Alkohol getrunken und seien dann "auf diese schwachsinnige Idee" gekommen, so Neuendorf.

Alte Häuser und Fassaden abgebrannt

Der Großbrand im Spreepark hatte in der Nacht zum Montag Teile des ehemaligen Vergnügungsparks stark beschädigt. Nach Angaben der Feuerwehr brannten mehrere alte Gebäude und Fassaden nieder. Der Alarm war bei der Feuerwehr ungefähr kurz vor Mitternacht eingegangen.

Bereits am Montag vermutete die Polizei Brandstiftung als Ursache. Bei ersten Untersuchungen seien mehrere Brandherde gefunden worden, hieß es. Ein Feuerwehrsprecher berichtete am Montagmorgen, es habe zwei Einsatzstellen gegeben, die 200 Meter voneinander entfernt gewesen seien.

Ex-Pächter Witte: Plänterwald Arsen-verseucht

Der Freizeitpark im Plänterwald wurde 1969 eröffnet. 1992 wurde er nach Millioneninvestitionen zum Spreepark. Der Pächter Norbert Witte, auch wegen Drogenschmuggel in den Schlagzeilen, ging jedoch pleite. Nach der Schließung vor 13 Jahren verfiel der Park zusehens. Witte betreibt heute einen Vergnügungspark in Marzahn. In den Plänterwald will er nicht mehr zurück, warnt, dass dort alles verseucht sei. Dort liege Hochofen-Schlacke, sagte Witte den rbb. Der gesamte Plänterwald sei mit Arsen verseucht.

Man sei sich durchaus des Problems bewusst, heißt es beim Liegenschaftsfond, der das Gelände nebst Erbbauvertrag im März dieses Jahres übernommen hatte. Ein Gutachten habe 2008 eine Arsen-Kontaminierung auf Teilen des Geländes ergeben, sagte Geschäftsführerin Birgit Möring am Dienstag dem rbb. Unmittelbarer Handlungsbedarf habe nicht bestanden, man habe das aber im Blick.

Im Blick habe man auch das aktuelle Problem, beim Brandanschlag sei nämlich gefährliches Styropor verbrannt, das gelte es jetzt zu entsorgen. Nach der Säuberung des Platzes könne man weitere Pläne angehen. In der näheren Zukunft solle die Bewirtschaftung vernünftig aufgetellt und Zwischennutzungen durchgeführt werden, erklärte Möring.

Die Zukunft des Plänterwalds ist ungewiss

Was mit dem Gelände langfristig geschehen soll  ist derzeit noch ungewiss. Diese Unklarheit schürte auch im Netz kursierende Spekulationen, bei dem Brand handele es sich um einen "heißen Abriss" - also Brandstiftung als Versicherungsbetrug. Politiker des Bezirks weisen diese Spekulationen jedoch entschieden von sich: um auf dem Gelände Wohnungen zu bauen, sei eine Änderung des Flächennutzungsplan nötig, und die sei von niemandem vorgesehen. Vielmehr strebt der Bezirk an, dass auf dem Gelände künftig wieder ein kleiner Freizeitpark entsteht.

Die Höhe des Sachschadens durch das Feuer war auch am Dienstag noch nicht bezifferbar, wie eine Sprecherin des Liegenschaftsfonds Berlin sagte. Es solle nun so schnell wie möglich mit den Aufräumarbeiten begonnen werden, da die abgebrannten Kulissen nicht mehr standfest seien und immer wieder Menschen über den Zaun auf das verlassene Gelände kletterten.

Mit Informationen von David Donschen und Rainer Unruh

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