Eine Flasche Preußischer Whisky (Bild Juliane Matthey)

rbb-Film über Whisky-Destillerien in Brandenburg - Single Malt statt Spreewaldgurke

Ein richtig guter Whisky muss aus Schottland kommen, lautet das Klischee. Doch inzwischen entsteht hochwertiger Single Malt auch in Brandenburg. Der "Sloupisti" aus dem Spreewald ließ sogar den schottischen Whisky-Papst jubilieren. Der rbb-Film "Preußischer Whisky" gibt Einblicke in märkische Destillerien.

Feierabend auf dem Obstbauernhof - und Zeit für ein Gläschen Single Malt Whisky, den Michael Schultz hier in Werder an der Havel brennt. Über Jahre hinweg in Eichenfässern gereift, hält dieser edle Tropfen jedem Vergleich mit seinen berühmten Brüdern aus Schottland oder Irland stand.

Schultz verwendet Gerste vom eigenen Feld und lagert in Eichenfässern aus der Region. Doch sein Whisky hat längst über Brandenburg hinaus seine Liebhaber.

Werder an der Havel ist berühmt für seinen Obstanbau und den Wein, der hier auf fruchtbaren Böden gedeiht. Ideale Voraussetzung auch für die Gerste, den Rohstoff für jeden echten Single Malt. "Der Boden friert im Winter schön durch", sagt Schultz. Die hochwertige Gerste wird im Spätsommer von den Feldern geholt. Brennmeister Schultz schwört auf das eigene Getreide, 200 Tonnen vom Acker gleich hinter dem Haus.

Wie Bierbrauen fängt es an

Mehrmals im Monat lässt er seine Gerste in einer der ältesten Brandenburger Mühlen mahlen. In Bensdorf wird vor allem Mehl für die Bäckereien der Umgebung gemahlen. Schultz braucht für seinen Whisky allerdings eine besonders grobe Mischung, Gerstenschrot genannt. "Als ich zum ersten Mahl dem Müller mein Anliegen vortrug, hat er in dem Moment erst einmal kurz mit den Augen gezuckt und mit den Ohren geklappert", erinnert Schultz sich.

Bis zu 400 Säcke Gerstenschrot braucht Michael Schultz pro Jahr als Rohstoff. Eine gute Gerste und ihre schonende Vermahlung sind wichtig für einen guten Whisky.  Gebrannt wird das ganze Jahr hindurch. Um Aromaverluste zu vermeiden, wird das Gerstenmalz  erst kurz vor dem Brennprozess gemahlen.

Die Whisky-Herstellung ist im ersten Schritt in etwa mit dem Bierbrauen vergleichbar. Das geschrotete Gerstenmalz wird in einem Maischebottich mit  Wasser und Hefe vermischt. Bei großer Hitze wandelt sich während der Gärung die Stärke im Gerstenschrot in Zucker um. Dann beginnt der eigentliche Brennvorgang - von High Tech überwacht. "Wir können Alkohol produzieren, wann wir es möchten, aber wir kommen nicht ran, sondern wir müssen dann unseren Zollbeamten rufen", sagt Schultz. "Der kommt dann zu uns, schließt auf, entnimmt mit uns zusammen aus dem Verschlussraum den Alkohol."

Wenn er Alkoholstärke und Alkoholgehalt genau gemessen hat, werden die entsprechenden Steuerbeträge fällig. Auf jeden Liter reinen Alkohols entfallen mehr als 13 Euro. Erst wenn die Steuer bezahlt ist, darf der Brenner abfüllen. "Der Alkohol wird dann runtergesetzt auf etwa 60-63 Prozentvolumen und kommt dann ins Whiskyfass zur Reifung", erklärt Schultz.

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Bild: rbb/Hans Sparschuh

Der Whisky reift in traditionellen märkischen Holzfässern

Für die Mitarbeiter des kleinen Familienbetriebes in Werder ist der Whisky allerdings nur eines von vielen Produkten. Sie sind vor allem mit der Obst- und Gemüseverarbeitung beschäftigt. Michael Schultzes Eltern haben den Beginn der Whiskyproduktion noch in guter Erinnerung. "Männer haben ja immer so Träume", erzählt Mutter Schultz. "Micha hat, nachdem wir Getreide angebaut haben, davon geträumt, irgendwann mal Whisky herzustellen." Als erste Reaktion, erinnert sie sich, habe sie ihm erst mal einen Vogel gezeigt. Doch als er sie dann den ersten Whisky probieren ließ, war sie überzeugt. "Da hab ich gesagt: Boah, das schmeckt ja gut! Soll er mal weitermachen, dass wird wohl Zukunft haben." Und der Erfolg wurde mit jedem Whiskyfass größer.

Das eigentliche Geheimnis eines Single Malts liegt in seiner Reifung - und die ist ohne das traditionelle Holzfass undenkbar. Jedes dieser Fässer ist ein Unikat- und in Handarbeit hergestellt. Michael Schultz hat dafür eine kleine Böttcherei bei Erkner gefunden. Den Böttcher kennt er schon seit Jahren. "Man kann die Fässer natürlich anliefern lassen von sonst wo, aber da musst du nehmen, was du bekommst", sagt Schultz. "Hier kann ich bis ins kleinste Detail mit unserem Böttchermeister besprechen, wie zum Beispiel die innere Beschaffenheit des Holzfasses sein soll, bis auf den letzten Punkt genau."

Die alten Handwerkstechniken haben auch in Brandenburg wieder Konjunktur. Fässer werden hier wie vor 200 Jahren hergestellt. Von besonderer Bedeutung ist das sogenannte Toasten eines Fasses.  Dabei wird mit Sägespänen das Fass von innen ausgebrannt.  So erhält der Whisky bei der Reifung sein besonderes Aroma. Es ist eine Technik, die vor allem schottischem Whisky oder dem Kentucky-Bourbon  Geschmack verleiht.

Auch der Spreewald profitiert vom Whisky- Boom. Hier steht Brandenburgs erste Whisky-Brennerei. Der "Sloupisti" war in Brandenburg Vorreiter in Sachen Single Malt. Das wendische Wort "Sloupisti" steht übrigens für Schlepzig, eine Gemeinde im Landkreis Dahme-Spreewald.

Standorttypisch erfolgt die Whiskyverkostung hier bei einer Kahnfahrt. Ein Highlight für Whiskykenner aus Ost und West. "Die Ostdeutschen trinken genauso viel Whisky wie die Westdeutschen, würde ich mal vermuten", sagt Brennereibetreiber Torsten Römer. "Die ostdeutsche Whiskykultur hat sich rasant entwickelt."

Römer kommt ursprünglich aus Bremen - ein Norddeutscher, den es in den Spreewald verschlagen hat und der hier heimisch wurde. "Als die Grenze fiel, hat mich so ein bisschen der Pioniergeist gejuckt, muss ich sagen. Und da lag es irgendwie in der Luft, hier aufs Land zu gehen." Sein Wochenendhaus im Spreewald wurde erst zur Gaststätte, dann zum Hotel und zur Brauerei "Da war es eigentlich eine logische Entwicklung, das dann bis zur Brennerei zu treiben."

Geadelt vom schottischen Whisky-Papst

Auch in Schlepzig ist vieles traditionelle Handarbeit. In mehr als 80 Fässern lagert das flüssige Gold. Das Gerstenmalz kommt aus dem sächsischen Heidenau, die Maische aus der Klosterbrauerei Neuzelle.Ein Teil wird hier in Schlepzig angesetzt. 600 Liter fasst der riesige Kupferkessel. Am Ende bleiben 30 Liter verwertbarer Alkohol.

"Ich glaube, das Geheimnis von Whisky ist, dass er so mythenumrankt ist. Dass eigentlich niemand so richtig definieren kann, was Whisky eigentlich ist", sagt Torsten Römer. "Mir macht es mittlerweile Spaß, aber das Whisky- Trinken hab ich immer noch nicht gelernt. Ich schnuppere ganz gern mal dran, halte auch den Finger rein und lutsche ihn ab. Aber richtig einen Schluck Whisky hab ich ganz selten getrunken."

Von der Whisky-Herstellung, gibt er unumwunden zu, habe er anfangs keine Ahnung. Zusammen mit seinen Mitstreitern habe er sich diese Ahnung erarbeitet.   Heraus kam dennoch ein edler Tropfen - geadelt vom Whisky-Papst Jim Murray aus Schottland, mit 94 von 100 Punkten. "Das war schon eine kleine Sensation, dass ein kontinentaler Whisky, und dann auch noch aus Ostdeutschland und auch noch aus dem Spreewald, so eine gute Bewertung bei Jim Murray bekommen hat. Das hat schon stolz gemacht. Aber ich habe nichts Besonderes dafür getan."

Der Text besteht aus Auszügen aus dem Film "Preußens Whisky" von Rainer Burmeister und Hans Sparschuh. Die gesamte Dokumentation läuft am Samstag, 27. Dezember um 18:32 Uhr im rbb Fernsehen.