ARCHIV - Bienen sind am 12.05.2016 auf einer Bienenwabe in Alt Zeschdorf im Landkreis Märkisch-Oderland (Brandenburg) zu sehen. (Quelle: dpa / Patrick Pleul)
Bild: dpa / Patrick Pleul

Viele Völker haben Winter nicht überlebt - 40 Prozent der Brandenburger Bienen gestorben

Mehr als 40 Prozent der Bienenvölker Brandenburgs haben nach Angaben des Imkerverbands den Winter nicht überlebt. Die Hauptursachen seien die Varroamilbe, die Ausbreitung von Mäusen und der Klimawandel, sagte Verbandssprecher Holger Ackermann am Sonntag der Deutschen Presse-Agentur. "So ein großes Sterben hat es in Brandenburg seit mindestens zehn Jahren nicht mehr gegeben." Normal sei ein Verlust von etwa 10 bis 15 Prozent der Völker im Winter.

Im Landesverband Brandenburgische Imker mit Sitz in Teltow sind rund 100 Vereine mit zusammen etwa 2000 Imkern organisiert, die die Imkerei überwiegend als Hobby oder Nebenerwerb betreiben. Sie hatten vor dem Winter zusammen rund 22.000 Bienenvölker. Im Mai oder Juni teilen sich viele Völker, so dass der Bestand auch bei Ausfällen aufrechterhalten bleibt. Bei mehr als 40 Prozent Verlust sei das aber in Gefahr, sagte Ackermann.

Imkerverband fordert finanzielle Unterstützung

Viele Imker vernachlässigten die empfohlene Bekämpfung der Varroamilben mit Ameisensäure. Die Milben können Viren und Bakterien übertragen. Zudem kämen die Bienen, die seit 125 Millionen Jahren praktisch unverändert auf der Welt verbreitet seien, nicht gut mit steigenden Temperaturen zurecht, so der Verbandssprecher.

Der Imkerverband fordert von der Politik eine finanzielle Unterstützung beispielsweise für Bauern, die Grünstreifen für Insekten anlegten und dafür Flächen brach liegen ließen. Schließlich seien die Insekten die wichtigsten Nutztiere des Menschen. Ohne die Bestäubungsleistung der Bienen würden viele Obstsorten nicht wachsen.

Das Interesse an der Imkerei, das nach der Wende jahrelang sank, steige seit 2012 wieder, berichtete Ackermann. "Der Imkerverband verjüngt sich", sagte er. Problematisch sei aber, dass junge Imker meist nur mit zwei bis drei Völkern anfingen, während ältere mehr als 20 Völker abgäben, wenn sie ihr Hobby aufgäben.

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7 Kommentare

  1. 7.

    Respekt - nicht jeder Imker traut sich dann auch noch über seine Verluste zu sprechen! ( aber so - würde sich auch nie etwas an der Situation ändern )

  2. 6.

    Sehr interessanter Artikel des SWR. Lesenswert !! Grüße aus Freiburg im Breisgau http://www.swr.de/swraktuell/bienensauna-gegen-varroa-milbe-bienen-moegens-heiss/-/id=396/did=17805546/nid=396/1bajpyn/index.html

  3. 5.

    Sie haben das sehr gut beschrieben! Nicht umsonst wird vor den Chmiekeulen in der Landwirtschaft gearnt.
    Ich habe dazu noch einen Link, der vielleicht direkt den Zusammenhang zeigt:
    http://www.deutschlandfunk.de/singvoegel-im-winter-die-futterhaeuser-bleiben-leer.697.de.html?dram:article_id=374414

  4. 4.

    Ich habe in meinem Verein die Imker über die Verluste befragt. Von den 28 Imkern die geantwortet haben haben von 204 Völkern 40 überlebt. Deren Völker stehen in der Nähe von Rapsfeldern. Diese wurden im Herbst gegen den Erdfloh gespritzt. Es liegt nahe zu denken, das es da einen Zusammenhang gibt. Leider hatten die Untersuchungen im Julius-Kühn-Institut keine Ergebnisse gebracht.
    Die Verluste tragen deshalb die Imker alleine.

  5. 3.

    Für mich ist "das Bienensterben" nur ein Beleg dafür, dass hier etwas aus dem Gleichgewicht geraten ist. Ohne Frage trägt die Varroamilbe eine große Schuld an den aktuellen Verlusten. Leider verschwinden aber auch andere Insektenarten und die meißten davon still und leise. Diese Arten haben keinen Betreuer oder "Anwalt" so wie unsere Honigbienen. Wir merken das verschwinden erst wenn Vögel und andere Lebewesen, die auf "Insektennahrung" angewiesen sind, ihren Nachwuchs nicht mehr ausreichend ernähren können. Hier bedarf es einer unabhängigen Forschung! Als eines der reichsten Länder dieser Welt sind wir m.E. in der Pflicht, in diesem Bereich eine Schlüsselposition einzunehmen. Die derzeitige Situation ist in großen Teilen unserer Gesllschaft angekommen. Von unseren politischen Entscheidungsträgern müssen sofort die Weichen für eine neue Förderpolitik in der Landwirtschaft mit begleitender Forschung gestellt werden.

  6. 2.

    Ich habe in Polen Imkerfreunde deren Verluste liegen z. Zeit bei etwa 10 % und dort herrschen die gleichen Klimatischen Bedingungen. Im Juni 2016 hat Dr. Ritter auf den erhöhten Milbenbefall hingewiesen, leider haben unsere Imker diese Warnung ignoriert und jetzt haben sie die Quittung. Wenn ich schreibe zur Zeit, dann will ich damit ausdrücken es können noch weitere Bienvölker den Geist aufgeben. So um den 20. April kann abschliessend sagen wie hoch die Winterverluste waren. Ich kann nur sagen, vielles haben die Imker auch selbst verschuldet, weil sie nicht zum richtigen Zeitpunkt ihre Völker behadelt haben. Ich habe täglich Anrufe von Imkern die Bienenvölker suchen, frage ich wann hast du die Völker behandelt, dann höre ich nach der Lindenschleuderung bin ich erst einmal im Urlaub gefahren und danach. Diesen Zeitpunkt hat die Milbe genutzt sich in der Brut zu entwickeln. Weiterhin sind es Imker die nur 3-5 Bienenvölker betreuen. Ich habe 3,2 % Verluste und imkere schon 66 Jahre.

  7. 1.

    Mit Glyphosat hat das (weltweite) Bienensterben bestimmt nix zu tun ;) Wieviele Bienenvölker sind in Berlin, wo kaum Pestizide gesprüht werden, gestorben?

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