Ein Fischadler (Pandion haliaetus) schaut am 18.05.2016 aus seinem Nest nahe Storkow (Brandenburg) (Quelle: Patrick Pleul/dpa).
Video: Brandenburg aktuell | 05.03.2017 | Konstanze Schirmer | Bild: dpa-Zentralbild

Vorerst kein Privatflugplatz erlaubt - In Groß Leuthen hebt statt Hobbyfliegern nur der Fischadler ab

Ein privater Flugplatz in Groß Leuthen - davon träumen zwei Anwohner. Einer der beiden ist der Berliner Flughafen-Betriebsleiter. Nun aber entschied die Luftfahrtbehörde: Die Flugzeuge bleiben erstmal am Boden - weil in Pisten-Nähe Fischadler leben.

In Groß Leuthen (Dahme-Spreewald) nisten Fischadler, ganz in der Nähe von dem Ort, an dem Elmar Kleinert einen kleinen Privatflugplatz haben möchte. Nun entschied die Luftfahrtbehörde: Der Vogel darf dort abheben, der Hobbypilot Kleinert und ein befreundeter Flieger dürfen es bis auf Weiteres nicht. 

Das Landesumweltamt habe einen möglichen Probebetrieb bis 15. März beschränkt, weil es nahe der geplanten Graspiste den Horst des besagten Fischadlers gebe, sagte die parteilose Bürgermeisterin des Amts Märkische Heide, Annett Lehmann, am Montagabend nach einer Sondersitzung der Gemeindevertretung.

Dort wurde hitzig diskutiert, auch Kleinert stellte sich den Bedenken der Anwohner und Umweltschützer. Mit Furcht vor Fluglärm kennt er sich aus: Er arbeitet als Betriebsleiter der Flughafengesellschaft FBB, also der beiden Flughäfen Tegel und Schönefeld.

Archiv-Bild: Elmar Kleinert als Geschäftsführer des Flughafen Paderborns (Quelle: Imago)
Betriebsleiter der Flughäfen Tegel und Schönefeld: Elmar Kleinert

Kleinert und ein Freund hatten beantragt, mit ihren kleinen Oldtimer-Maschinen auf einer 370 Meter langen Wiese neben Kleinerts Ferienhaus in Groß Leuthen starten und landen zu dürfen. Die Scheune daneben wollen die beiden zum Hangar ausbauen. Zunächst sollte es einen auf zwei Jahre befristeten Probebetrieb mit zwölf Flügen pro Jahr geben. In einem weiteren Antrag bei der Luftfahrtbehörde Berlin-Brandenburg war von 300 Flügen pro Jahr die Rede.

Kritisiert wurde Kleinert in Groß Leuthen dafür, dass er statt mit der Gemeinde zu reden, direkt an höchster Stelle angefragt habe. Diese Kritik wies er im rbb von sich. "Wir möchten nichts bebauen oder verändern, wir möchten auf einer Agrarfläche einen Rasen einsähen und auf diesem Rasen starten und landen dürfen", sagte Kleinert. Dafür müsse man diesen Antrag eben dort stellen.

Testflüge für die Anwohner - Gegenwind vom Campingplatz

Um die Anwohner in Groß Leuthen davon zu überzeugen, dass die Lautstärke ihrer "Piper PA-18"-Flugzeuge keine Lärmbelästigung darstellt, hatten die beiden Hobbypiloten am Sonntag zu einem Testflug auf dem Gelände des geplanten Flugplatzes eingeladen. Etwa 150 Groß Leuthener besuchten die Veranstaltung - und die meisten zeigten sich nach der Vorführung zufrieden.

"Es war leiser als ein Motorrad", sagte eine Anwohnerin über die 64 Jahre alte, einmotorige Maschine. Und ein anderer: "Hier wird schon genug kaputt gemacht. So'n Flugzeug? Da gibt's andere Dinge, die uns stören".

Gegenwind in der Gemeinde kommt vom nahegelegenen Campingplatz: ein Flugplatz könne Gäste abschrecken. "Zuerst heißt es: Wir machen nur einen Flug am Tag. Aber wenn erstmal die Flächennutzung geändert wird, dann weiß keiner, was passiert", sagte die Betreiberin Annette Weber dem rbb.

Büroleiter vom Landrat: Schlechte Chancen für Genehmigung

Der  Büroleiter des Landrats Stephan Loge (SPD) hatte die Chancen für Kleinerts Antrag auf den Testbetrieb bereits vorab als schlecht eingeschätzt. "Nach unserem Wissenstand gibt es dafür in der Gemeindevertretung derzeit keine Mehrheit", sagte Heiko Jahn.  

Auch der Bund für Umwelt und Naturschutz Brandenburg ist gegen den privaten Landeplatz. "Viele seltene Vogelarten wie der Weißstorch, der Fischadler, der Kranich und die Rohrdommel haben hier ihren Lebensraum", sagte der Landesvorsitzende Carsten Preuß. "Bau und Betrieb des Landeplatzes würden sich negativ auf die hier vorkommenden Arten und Biotope auswirken."

Nun soll zuerst ein Gutachten klären, welche Arten auf dem Gelände leben und ob diese bedroht sind. Wie lange das dauert, ist noch völlig offen - die Erhebung allerdings ist aufwändig und dürfte mindestens mehrere Monate in Anspruch nehmen. Der Testbetrieb ist seit Montagabend ohnehin vom Tisch. Wenn das Gutachten fertig ist, entscheidet die Gemeindevertretung nur noch über die Frage: Ganz oder gar nicht?  

Mit Informationen von Iris Wussmann und Konstanze Schirmer

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4 Kommentare

  1. 4.

    Dass der Campingplatz dem Ort egal ist kann man nur staunen, wenn der zumacht kann man das Dorf begraben und den Amtssitz gleich mit. Das würde sich ja dann richtig lohnen, dass man für einen funktionierenden und wachsenden betrieb das Hobby von zwei feuchten Männerträumen vor zieht.
    Wenn jeder für sein Hobby solche Ansprüche st ölen würde, bliebe in Groß Leuthen gar nichts mehr über.
    Innerhalb eines Jahres ist alles weg gebrochen und weshalb, weil die hier so erwähnten tollen Bürger weder den Supermarkt oder gar den Bäcker mit ihren Einkäufen unterstützt haben, lieber fährt man in die großen Supermärkte und r gut sich dann aber auf, dass diese Geschäfte schließen müssen.
    Bei soviel Solidarität mit dem Flugplatz kann man nur staunen, jeder dieser solidarischen Typen die sich auf der Versammlung auf niedrigsten Niveau mit buh rufen wie Kleinkinder verhalten haben, ist wohl einig s nicht klar.
    Nämlich weshalb Groß Leuten noch am Leben ist.
    Einfach mal darüber nachdenken

  2. 3.

    Ein Privatflugplatz für Reiche? Wie krank ist das denn? Ist die Welt noch nicht genug vermüllt und vom Auto- und Luftverkehr lärmverseucht? Aber wenn interessiert hier schon Natur, Klima und Tierschutz, wenn jemand mit seinem Geld protzen muß.

  3. 2.

    Die Frage: "Wem nützt dieser private Flugplatz", wurde bei der Sondergemeindevertretung nicht zugelassen, ebenso Film und Tonaufnahmen durch RBB. Ich verstehe auch nicht, warumm man nicht jedem sein Hobby lassen möchte. Den Einwohnern ist es sowieso egal, sie haben nichts davon und nichts dagegen. Beim Umzug der Fischadler könnte man ja behilflich sein, na und der Campingplatz? Wer kann für Unglück?
    Weiter so Groß Leuthener Bürger!

  4. 1.

    Wie kann man denn gegen den (bescheidenen)Wunsch dieses "einzelnen Herrn" sein ?!
    Zur Erinnerung:
    In Schottland und in den südfranz. Pyrenäen ließen die damaligen Adeligen
    ganze Eisenbahnlinien zu ihren Landsitzen bzw. Sommerfrischen anlegen.

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