Ein Imker kontrolliert Honigwaben (Quelle: imago/blickwinkel)
Bild: imago stock&people

Über den Winter - Jedes fünfte Bienenvolk in Berlin gestorben

Keine Pestizide, dafür ein breites Blütenangebot auf Balkonen und in Parks: Die Stadtbiene hat es im Vergleich zu ihrer Schwester auf dem Land eigentlich ganz gemütlich. Doch jetzt schlagen auch die Berliner Imker Alarm: Über den Winter starben mehr Völker als sonst.

Etwa ein Fünftel der Berliner Bienenvölker ist nicht über den Winter gekommen. Die Mitglieder des Imkerverbands hätten damit höhere Verluste als üblich hinnehmen müssen, sagte der Verbandsvorsitzende Benedikt Polaczek der Deutschen Presse-Agentur. In der Vergangenheit hätten die Werte deutlich niedriger gelegen - bei zehn bis 13 Prozent.

Auch Brandenburger Imker hatten kürzlich heftige Verluste beklagt - dort starben laut Angaben 40 Prozent der Bienenvölker. Als Hauptursachen wurden die Varroamilbe, die Ausbreitung von Mäusen und der Klimawandel genannt.

Gründe unklar

Genaue Gründe konnte Polaczek für das Bienensterben in Berlin nicht nennen. Pestizide seien in der Stadt aber weniger ein Problem als auf dem Land, sagte er. Umweltschützer geben dem Einsatz von Pflanzenschutzmitteln und dem Anbau in Monokulturen eine Mitschuld am Rückgang von Insektenarten.

Laut Imkerverband sind hier die Voraussetzungen für die Bienen in der Stadt nicht schlecht: Städter hätten eher ein Verständnis für bunte Landschaften, so Polaczek. Blumenvielfalt an Baumscheiben und auf Balkonen etwa seien genau das, was Insekten brauchen. Die Artenvielfalt könne deshalb in der Stadt höher sein als in Gebieten mit intensiver Landwirtschaft.

Dennoch begrüßt der Berliner Imkerverband, dass die Stadtreinigung BSR kürzlich den Verzicht auf den umstrittenen Unkrautvernichter Glyphosat angekündigt hat. "Es gibt keine Chemie ohne Nebenwirkungen", so Polaczek. Weitere für Bienen schädliche Stoffe wie Insektizide aus der  Gruppe der Neonikotinoide kämen allerdings auch in Produkten vor, die Anwender für harmlos halten, betont er. Die Stoffe könnten etwa in Mitteln zur Entflohung von Haustieren enthalten sein.

Weniger Hobby-Imker in der Stadt

Neben dem Imkerverband mit rund 1.200 Mitgliedern, vor allem Hobby-Imkern, gibt es in Berlin zahlreiche nicht organisierte Halter - der ganz große Stadtimker-Boom ist aus Sicht Polaczeks aber vorbei. "Die Leute haben begriffen, dass Imkerei Arbeit ist und auch Geld kostet." Rund 1.000 Euro müssten Interessierte für den Start der ersten eigenen Bienenvölker aufbringen. "Es ist auch eine Verpflichtung, dann für die Bienen zu sorgen", sagte Polaczek. Er misst das Interesse an der Nachfrage nach kostenlosen Einführungskursen in die Imkerei, die er an der Freien Universität gibt. Der Höhepunkt sei vor etwa drei Jahren mit bis zu 165 Teilnehmern an manchen Kurstagen gewesen. Seitdem sei die Interessentenzahl wieder rückläufig.

Mit dem ersten Schwärmen der Stadtbienen rechnet Polaczek in diesem Jahr erst in diesen Tagen, Anfang Mai. Das sei etwas später als zuletzt. "In früheren Jahren war es im April schon viel wärmer", so der promovierte Agraringenieur und Imkermeister. Zu dieser Jahreszeit vergrößert sich das Bienenvolk. Es versucht mit dem Schwarmtrieb, sich zu teilen und so seine Staaten zu vermehren. Imker versuchen, dies kontrolliert zu lenken.

Sendung: Abendschau, 30.04.2017, 19.30 Uhr

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Antwort auf [Corches ] vom 01.05.2017 um 21:39
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3 Kommentare

  1. 3.

    Ich lebe aufs Land. Habe Bienen , und bin täglich mit dem Hund in der Natur unterwegs. Sehe überall auf den Feldern Weizen, Spargel, Mais, da und wieder gespritzte Raps. Für die Bienen geht es hoch und runter, dazu schlechtes Wetter. Ich habe richtig Mitleid zu diesen liebe Wesen.

  2. 2.

    Ich sage nicht, daß Sie unrecht haben, fürchte aber, Sie müssen sich auf einen gaaanz langen Atem einstellen: Kommentare wie den Ihren konnte man schon vor vierzig Jahren lesen. Und noch in den Achtzigern wurde, falls sich nicht schleunigst etwas ändere, die totale globale Ökokatastrophe vorausgesagt (die den Menschen dann auch die Augen öffnen würde) - und zwar spätestens fürs Jahr 2000.

    Damals gab es übrigens gut sechs Milliarden Menschen, jetzt sind es bald acht und demnächst zehn. Aber über diese Umweltbelastung reden wir ja lieber nicht - und auch das aus ideologischen Gründen.

  3. 1.

    Wenn Mensch es immer noch nicht rafft, warum die Bienen sterben, dann ist ihm kaum noch zu helfen. So naiv kann Mensch nicht sein. Es sind übrigens nicht nur die Bienen, die gehen... wer genau hinschaut, der kann ohne weiteres einen massiven Rückgang fast aller Arten, egal, ob Insekten, Vögel oder Säugetiere beobachten. Doch wen interessiert das heute in der Konsumwelt noch wirklich ? Wahrscheinlich kommt das Interesse erst dann zurück, wenn das Kind bereits in den Brunnen gefallen ist und dann wird es teuer und aufwändig, die Fehler wieder rückgängig zu machen. Darauf wette ich !!

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