Archivbild: Straßenszene vor der Stadthalle in Cottbus (Quelle: imago/F. Berger)
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Audio: Radioeins | 26.04.2017 | Interview mit Anja Kabisch, Studio Cottbus | Bild: imago/F. Berger Download (mp3, 3 MB)

Unfalltod einer ägyptischen Studentin - Unfallopfer in Cottbus soll rassistisch beleidigt worden sein

In Cottbus wird eine ägyptische Studentin bei einem Unfall schwer verletzt und stirbt kurz darauf. Nun sagt eine Frau aus, dass die Beifahrer des Unfallwagens das Opfer rassistisch beleidigt hätten. Die Staatsanwaltschaft ermittelt auch wegen Volksverhetzung.

Nach dem Unfalltod einer ägyptischen Studentin in Cottbus hat die Staatsanwaltschaft ein Ermittlungsverfahren wegen Volksverhetzung und Beleidigung gegen Unbekannt eingeleitet. Das sagte Horst Nothbaum, Sprecher der Staatsanwaltschaft Cottbus, am Mittwoch dem rbb.

Hintergrund ist die Aussage einer Cottbuser Abiturientin, die nach einem Bericht der Lausitzer Rundschau (Dienstag) angegeben hat, am Ostersamstag an der Haltestelle vor der Cottbuser Stadthalle gewartet zu haben, als die 22-jährige Studentin bei dem Zusammenstoß mit einem Auto schwer verletzt wurde. Demnach habe sie beobachtet, wie die Beifahrer des Unfallwagens die schwer verletzte Frau nach dem Zusammenstoß rassistisch beschimpft hätten.

Polizei und Staatsanwaltschaft überrascht von den Vorwürfen

Die Polizei und die Staatsanwaltschaft zeigten sich überrascht von den Vorwürfen. Bisher habe es keine Hinweise auf rassistische Äußerungen gegeben, auch nicht bei den Zeugenaussagen am Unfallort, sagte der Sprecher dem rbb. Die Staatsanwaltschaft werde sowohl die bereits gehörten Zeugen als auch weitere Zeugen vernehmen und dazu befragen, welche Äußerungen sie möglicherweise von wem gehört haben. Die Abiturientin sei am Dienstag von der Polizei vernommen worden.

Der Fahrer und die Beifahrer seien polizeibekannt, sagte Sprecher Nothbaum weiter. Allerdings soll es mehrere Beifahrer gegeben haben, so dass es noch unklar sei, wer genau die junge Ägypterin beleidigt haben soll. Auch müsse geklärt werden, ob es tatsächlich einer der Beifahrer gewesen sei.

Unfallopfer betrat plötzlich die Fahrbahn

Nach bisherigen Erkenntnissen der Polizei stand die junge Frau am Samstag gegen 0:30 Uhr mit einer Gruppe von Menschen zusammen an der Straßenbahnhaltestelle in der Berliner Straße, auf Höhe der Stadthalle. Sie soll plötzlich auf die Fahrbahn getreten sein und wurde von dem Auto eines 20-Jährigen, der aus der Richtung des Altmarkts kam, erfasst. Sie wurde schwer verletzt ins Krankenhaus eingeliefert und starb drei Tage später.

Die Staatsanwaltschaft ermittelt auch nach wie vor zum Unfallhergang. Außerdem wurde ein Gutachten zur Geschwindigkeit des Unfallautos in Auftrag gegeben, das noch aussteht.

Mit Informationen von Anja Kabisch, Studio Cottbus

Kommentar

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3 Kommentare

  1. 2.

    Ich finde die Instrumentalisierung dieses Vorfalls unfassbar. Davon abgesehen das wir in einer Zeit leben, die das Wort vom Rassismus als Kampfmittel mißbraucht, ist dieser Artikel ein weiteres Beispiel dafür, wie politische Interessen bei einem Unglücksfall wie diesem bedient werden. Für die Familie alles Gute.

  2. 1.

    " Unfallopfer in Cottbus soll rassistisch beleidigt worden sein ...Die Staatsanwaltschaft ermittelt auch nach wie vor zum Unfallhergang "
    schlimm genug, die Studentin ist tot , und der Fahrer und die Beifahrer seien polizeibekannt . Beim Lesen des Berichts scheint mir die rassistische Beleidigung u. Volksverhetzung im Vordergrund zu stehen, nicht aber der Tod der Studentin.
    Sollte sie aber tatsächlich unvermittelt auf die Straße getreten sein , könnte es eine für den Fahrer nicht mehr vermeidbare Kollision gewesen sein... könnte , es wird ja noch ermittelt

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