Hinter einer Ampel, die grün zeigt, hängt eine Videokamera an einer Wand (Quelle: dpa/Martin Gerten)
Bild: dpa/Martin Gerten

Kommentar zur Videoüberwachung - Bilder helfen, die Freiheit zu verteidigen

Der mutmaßliche Räuber aus dem Mauerpark wurde mittels Videobildern gefasst. Die öffentliche Fahndung hilft der Polizei im Kampf um die Freiheit der Berliner, denn wir dürfen keine Orte der Angst in der Stadt dulden. Ein Kommentar von Olaf Sundermeyer

Es ist eine gute Nachricht, dass die Berliner Polizei den dringend der Tat verdächtigen jungen Räuber aus dem Mauerpark gefasst hat. Sie macht den brutalen Angriff auf sein Opfer nicht ungeschehen. Aber sie wird der Frau helfen, mit dem Überfall umzugehen. Anderen Menschen wird sie die Angst nehmen, durch den Park zu laufen. Und Kriminellen nimmt sie etwas von dem sicheren Gefühl der Straflosigkeit, von denen viele von ihnen leider erfüllt sind.

Es ist ein Erfolg, der ohne die Veröffentlichung der Videobilder des Täters aus einer Supermarktkamera nicht möglich gewesen wäre - schon gar nicht ohne die Mithilfe derjenigen, die ihn nach der Öffentlichkeitsfahndung erkannt haben. Wer angesichts dieses Falls immer noch durch die ideologische Brille auf das Thema Videoüberwachung blickt und durch sie die Freiheit der Berliner ernsthaft bedroht sieht, argumentiert zynisch.

Unerträglich, wenn Bürger Orte meiden müssen

All jene, die durch ihr kriminelles und gewalttätiges Auftreten Parks und Plätze, U- und S-Bahnen in Orte der Angst verwandeln, bedrohen schließlich die Bewegungsfreiheit der Menschen in dieser Stadt. Wenn Bürger den Mauerpark meiden, den Alexanderplatz, die U8, das Kottbusser Tor oder das RAW-Gelände, dann ist das ein unerträglicher Zustand in einer Stadt, in der zahlreiche Menschen leben wollen, genau weil sie wie keine andere für das Gefühl der Freiheit steht. Dieses Gefühl müssen wir verteidigen, mit demokratischen Mitteln, zu denen auch der gesetzlich geregelte zügige Einsatz der Öffentlichkeitsfahndung über Videoüberwachung gehört.

Dass der Innensenator diese Videoüberwachung weiter ausweiten will, ist sinnvoll. Zumal angesichts des mehrfach erwiesenen raschen Fahndungserfolgs - etwa nach den brutalen Überfällen am U-Bahnhof Herrmannstraße, wo eine Frau die Treppe heruntergetreten wurde, oder im Fall des Obdachlosen, der von einer Gruppe junger Männer angezündet wurde.

Sozialer Frieden in Gefahr

Leider gibt es zahlreiche junge Männer (auch Frauen, die aber wesentlich weniger häufig) in dieser Stadt, die sich rücksichtslos über die wichtigsten Regeln des menschlichen Miteinanders hinwegsetzen. Längst werden solche Männer von vielen Berlinern als regelrechte Plage im öffentlichen Raum wahrgenommen, die geeignet ist, den sozialen Frieden in der Stadt nachhaltig zu stören. Um diesen Frieden zu wahren, helfen eben auch Videobilder.

Wer die Ausweitung der Videoüberwachung kategorisch ausschließt, mit dem Argument, die Videoüberwachung bedrohe die Freiheit in der Stadt, hat ein falsches Verständnis von Freiheit. Jedenfalls unterscheidet es sich deutlich von dem Verständnis derjenigen, die sich nicht mehr trauen, mit der U8 zu fahren, abends über den Alex zu laufen. Oder durch den Mauerpark zu joggen.

Beitrag von Olaf Sundermeyer

Kommentar

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15 Kommentare

  1. 15.

    Also: Ich war vor ca. einem halben Jahr in Berlin. Ich HATTE Angst am Kotti, nicht am Alex. Was bei dieser ganzen beschissenen Debatte doch so gerne unter den Tisch gekehrt wird, ist doch, meines Erachtens, dass es sich bei den meisten Kriminalitätsdelikten um Armutskriminalität handelt, was die Herkunft des Täters zweitrangig macht. Und zu der Frage der Kameraüberwachung: Die würde mir mehr Angst machen, als ein Marsch durch die Bronx.

  2. 14.

    Ihr Verweis auf das AfD-Programm hinsichtlich --> Videoüberwachung.
    Gefunden habe ich im AfD-Programm unter diesem Suchbegriff --- > NICHTS !!!
    Dafür fand ich unter
    ... Punkt 3.4 "Opferschutz statt Täterschutz";
    ... Punkt 3.6 "Kein Datenschutz für Täter".

  3. 13.

    wäre die Tat mit Kameraüberwachung nicht geschehen? ;-)Und wenn, hätte die Kamera eingreifen können?

  4. 12.

    Der links/rot/grüne Senat wird die Sicherheitserwartungen durch Videoüberwachung schon zu verhindern wissen.
    Schließlich haben die schützenswerten Persönlichkeitsrechte der Täter allerhöchste Priorität.
    Außerdem ist ja schon jetzt die Justiz ausgelastet. Es kann also davon ausgegangen werden, dass niemand ein ernsthaftes Interesse daran hat, die Aufklärungsquote zuerhöhen.
    Berlin ist ja nicht Bayern!
    Berlin ist arm, aber multikulturell.

  5. 11.

    Nennen Sie es bitte das nächste Mal einfach "Sundermeyers Kolumne", denn dann ist klar, dass z.B. Logik, Schlüssigkeit, kriminologische Erkenntnisse und Statistiken, Rechtsethik, Soziologie, Demokratieverständnis eher unwichtig sind. Auch ist dann sichergestellt, dass Ihnen niemand vorhalten kann, sich einseitig, parteiisch (!) zu äußern. Ihre Handlungsweise in dieser Form ist eines Journalisten nicht würdig.

    Es wurde absolut passend von vorigen Kommentatoren erwähnt: Ihre Ansicht ist eine Orwellsche - Ihre Denkweise passt in ein totalitäres System. Von Freiheit zu reden, aber sie durch überwachungsstaatliche Maßnahmen abzuschaffen, sollte auch Ihnen irrig vorkommen.

    Alle Andersdenken als zynisch zu diffamieren, das erinnert mich an die postfaktische Haltung, die u.a. Sie so manchen AfD-Wählern zu Recht vorwerfen.

    Und mit dieser vermeintlich größeren Sicherheit die AfD und Co verhindern - ein Witz! Sie kennen nicht einmal das AfD-Wahlprogramm, u.a.: mehr Videoüberwachung.

  6. 10.

    da an Bildung ständig gespart wird, und das Geld für unsere Regierung lieber das Geld, das wir nicht haben, ins Militär stecken will, besteht durchaus die Möglichkeit, dass in Zukunft "falsch" gewählt wird... deswegen bin ich gegen den Ausbau der Überwachung, die nur eine ganz billige und populistische Lösung für die Problematik ist. Wie schon andere geschrieben haben, die Lösung und ECHTE Hilfe ist nur mit gutem (und mehr) Personal bei der Polizei möglich! Kameras schrecken niemanden ab, der etwas anstellen will... und das kann man weltweit beobachten!

  7. 8.

    Wer irgendwann regiert, in Berlin oder im ganzen Land, entscheiden immer noch die Bürger selbst. Also wir alle. Natürlich wäre technische Überwachung ein gefährliches Instrument in den Händen einer totalitären Regierung. Eine solche allerdings bleibt unwahrscheinlich, wenn wir den sozialen Freiden wahren. Und dazu trägt ein starkes Sicherheitsgefühl bei, das zuletzt in Berlin leider drastisch gesunken ist, wodurch u.a. das gute Wahlergebnis der AfD bei den vergangenen Wahlen zum Abgeordnetenhaus in Berlin erst möglich wurde. Mit anderen Worten: Sind und fühlen sich die Menschen sicher, haben die organisierten Angstmacher weniger Zulauf. Und wir bleiben auch weiterhin von totalitären Zuständen entfernt.

  8. 7.

    Freiheit durch Überwachung - was für eine absurde Behauptung! Selbst unwahrscheinliche Tatorte wie den Mauerpark mit Kameras erfassen zu wollen, das bedeutet doch, letztendlich jeden Quadratmeter Berlins zu überwachen. Keiner darf mehr einen Schritt tun ohne aufgezeichnet zu werden. Er könnte ja eine Straftat begehen und davonkommen. Das ist vielleicht eine Art von Gerechtigkeit, aber was hat das mit Freiheit zu tun? Kameras helfen manchmal, Kriminelle zu fassen - aber was passiert, wenn der Staat selbst kriminell handelt? Soll ja schon vorgekommen sein. Vielleicht möchte Herr Sundermeyer seine Geschichtskenntnisse auffrischen?

  9. 6.

    keine einzige Kamera kann jemals im Ernstfall helfen! Natürlich helfen die Bilder u.U. bei der Aufklärung solcher Verbrechen, abschrecken tun diese Kameras allerdings niemanden... warum ich das weiß?! Weil u.a. immer wieder Überfälle auf Juweliere, etc stattfinden, die grundsätzlich videoüberwacht sind. Was wirklich hilft, ist gut geschultes, motiviertes und gut bezahltes Personal. Alles andere ist, auch wenn es immer wieder dementiert wird, der Ausbau des Überwachungsstaates. Vielleicht wird es JETZT noch nicht dafür benutzt, aber wer weiß, wer mal regiert...

  10. 5.

    "denn wir dürfen keine Orte der Angst in der Stadt dulden"

    Richtig. Nur was hat das mit Videoüberwachung zu tun? Übergriffe und damit auch Angst davor gibt es z.B. doch auch regelmäßig in U-Bahnen. Trotz Videoüberwachung.

  11. 4.

    "Überwachung ist Freiheit"

    "Krieg ist Frieden."

    "Freiheit ist Sklaverei."

    "Unwissenheit ist Stärle."

    So gruselig hab ich ja nicht mal die DDR erlebt.

  12. 3.

    Videoüberwachung verhindert wohl kaum Straftaten, siehe U-Bahn-Treter. Wie wäre es denn mal zur Abwechslung mit mehr Polizei auf der Straße, den guten alten Kontaktbeamten? Könnte ja Geld kosten nicht wahr?

  13. 2.

    1984 ich komme

  14. 1.

    Also komplette Massenüberwachung? Wäre ja nur Konsequent. Ist es das, was Sie wollen Herr Sundermeyer? Die technischen Möglichkeiten gibt es ja unterdessen. Und was machen Sie wenn dann doch irgendwann ein neuer Adolf regiert? Mit diesen Mitteln der Überwachung?
    Sorry, ich fühle mich ob der zunehmenden Überwachung deutlich unfreier. Totalitäre Systeme haben nichts mit Freiheit zu tun.

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