Schäfer stehen im Sonnenuntergang am 31.03.2017 auf einer Wiese während einer Wolfs-Wache, einer Aktion vom Forum Natur dem Bauernbund und dem Bauernverband, nahe Dolgelin im Landkreis Märkisch-Oderland (Brandenburg) (Quelle: dpa / Patrick Pleul).
Video: Brandenburg Aktuell | 01.04.2017 | Ludger Smolka | Bild: dpa-Zentralbild

Wolfswachen in Brandenburg - Rund 800 Menschen wachen - Wölfe bleiben weg

Die Hälfte der Wolfsrudel in Deutschland lebt in Brandenburg. Viele Bauern und Schäfer fürchten um ihre Tiere, rund 300 wurden im vergangenen Jahr gerissen. Am Freitagabend haben rund 800 Menschen für besseren Schutz demonstriert - sie wachten an Lagerfeuern.

Nein, böse ist der Wolf nicht, nur hungrig - und satt wird er in Brandenburg ganz gut. Die Zahl der Wolfsrudel in dem Bundesland steigt, etwa die Hälfte der bundesweit 46 Rudel lebt in Brandenburg. Damit steigt auch die Zahl der gerissenen Tiere: Rund 300 wurden vergangenes Jahr auf den Weiden gerissen, mehr als doppelt so viele wie noch 2015. Die Bauern, Schäfer und Tierhalter sorgen sich.

Am Freitag versammelten sie sich deshalb in ganz Brandenburg zu Wolfswachen an Lagerfeuern - es war auch als Demonstration gemeint. "Als ein Zeichen, dass wir unsere friedlichen Tiere gegen den Räuber verteidigen wollen. Aber auch als Zeichen der Ohnmacht, denn mit einem Feuer werden wir unsre Tiere nicht dauerhaft schützen können", sagte Marco Hintze vom Bauernbund Brandenburg. Er hielt in Krielow Wolfswache, einem Dorf im Havelland. Auch in acht anderen Dörfern der Region wurde demonstriert, insgesamt waren es rund 800 Menschen im ganzen Bundesland.

Landwirte wollen jeden Wolf abschießen dürfen, der sich auf 1.000 Meter nähert

Die Demonstranten sind der Ansicht, dass der Wolf zu stark geschützt werde. Die Landwirte in Krielow fordern, dass sie jeden Wolf abschießen dürfen, der sich ihrem Hof auf 1.000 Meter nähert. Ausgerechnet Ökobauern mit Weidehaltung seien besonders betroffen. "Irgendwann wird das so schlimm werden, dass die Wildtierrisse und Nutztierrisse überhand nehmen und irgendwann wird es auch an den Menschen rangehen", sagt der Jäger Werner Gendritzki. Im vergangenen Jahr zahlte die Landesregierung rund 45.000 Euro Entschädigungen an Tierhalter.

Wolfsschützer entgegnen, die Tiere würden sich nicht stark vermehren. Und an vielen Rissen seien nicht Wölfe, sondern Hunde schuld. Auch der Landwirtschaftsminister Jörg Vogelsänger (SPD) kam zu einer Wolfswache, in Dolgelin (Märkisch-Oderland). Er hat bereits einen Antrag für eine Lockerung des Schutzstatus' in die Agrarministerkonferenz eingebracht. Doch aus Sicht des Bauernbundes reicht das nicht aus. "Wir brauchen eine Wolfsverordnung, die den Abschuss von Wölfen erlaubt, die eine Gefahr darstellen", sagte der Geschäftsführer Reinhard Jung. Dazu gehörten Wölfe, die Schafe und Lämmer reißen. In einigen Gegenden nähmen Bauern und Jäger das schon selbst in die Hand.

Naturschutzverbände kritisieren Wolfswachen

2007 wurde ein Wolfspaar in Südbrandenburg angesiedelt. Seitdem ist die Zahl der Tiere auf knapp 200 angewachsen. Anstatt sie zum Abschuss freizugeben, fordern Naturschutzverbände und die Grünen Geld vom Land für Schutzmaßnahmen wie Zäune und Herdenschutzhunde. Sie demonstrierten am Freitag vor dem Landtag in Potsdam - die Wolfswachen bezeichneten NABU und BUND als falsches Signal. Nicht der Wolf sei das Problem, sondern die Politik, die bislang den Wolfsmanagementplan nicht konsequent umgesetzt habe. "Das ist ja alles da! Es muss nur umgesetzt werden", sagte Axel Kruschat, der Landesgeschäftsführer des BUND.

Am 26. April hat die Landesregierung die Beteiligten zu einem Wolfsplenum nach Potsdam eingeladen. Zum 1. Mai sollen zwei Wolfsbeauftragte ihre Arbeit aufnehmen. Für die Wächter an den Lagerfeuern wurde es von Freitag auf Samstag übrigens keine lange Nacht - die Wölfe müssen Lunte gerochen haben. Kein Tier kreuzte auf.

Kommentar

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11 Kommentare

  1. 11.

    Diese Diskussion um den Wolf sollte auf wissenschaftlicher Ebene mit Fakten aus Forschungsergebnisse sowie Ergebnissen aus langjähriger Erfahrung im Zusammenleben mit dem Wolf geführt werden. Natürlich sind Sorgen und Ängste von Tierhalten ernst zu nehmen. Entschädigungsleistungen und finanzielle Unterstützung zum Schutz der Weidetiere sollten problemlos in angemessener Höhe geleistet werden.
    Unwissenheit, Halbwissen/Halbwahrheiten und Stammtischparolen bringen uns bei der Diskussion um unsere Natur nicht weiter. Wir sollten mittlerweile klüger sein!!!

  2. 10.

    Ihre Hetze können Sie sich tatsächlich sparen. Menschen wie Sie, die offenbar vom biologischen Kontext keine Ahnung haben und auch sonst eine lebensfeindliche Einstellung hegen, haben in unserer Gesellschaft keinen Platz!

  3. 9.

    Naja, ohne die Grünen "Spinner"gäbe es wohl deutlich weniger Natur/Wald....Aber das passt ja nun wirklich nicht in ihr Feindbild, ähhh, meinte natürlich Weltbild.....

  4. 8.

    Was für ein schmarn, den sie da schreiben. Die bösen Frauen, der böse Wolf, die bösen Grünen.....Haben sie irgendwelche inhaltlichen Argumente?Ich meine solche, die nicht von Jägern und/oder Schäfern stammen? Also schlichte Lobby Interessen?Und was ihre Angst im Wald angeht:Da müssen sie vor Hunden ohne Leine deutlich mehr Angst haben...Aber egal, Hauptsache pöbeln, Unwahrheiten verbreiten und maximale Feindbilder schaffen. Aber das ist ja gerade eh in Mode

  5. 7.

    Ihr Beitrag kann nur ein Aprilscherz sein. Oder aber der Versuch, möglichst viele Klischées und Vorurteile in möglichst wenigen Zeilen unterzubringen. Beste Grüße dennoch von einem männlichen, konservativen Ü50er, der sich über die Rückkehr der Wölfe freut. Und der ohne Schutzausrüstung in den Wald geht.

  6. 6.

    Der Wolf habe keine Lebensberechtigung in unseren Wäldern - was? Er wurde in Mitteleuropa ausgerottet. Und genau dieselbe Gesinnung will ihm nun seine Lebensgrundlage verwehren. Denn Schafsrisse u.ä. halten sich - ins Verhältnis zur Anzahl an gehaltenen Nutztieren gesetzt - doch bei weitem in Grenzen. Bei dem großen Beutespektrum des Wolfs sind besser geschützte Schafe für ihn verzichtbar.

    "Irgendwann wird das so schlimm werden, dass die Wildtierrisse und Nutztierrisse überhand nehmen und irgendwann wird es auch an den Menschen rangehen." "Toll", dass selbst manch ein Jäger keine Ahnung hat und Märchen vom "bösen Wolf" erzählt. Da sind die Wolfsbeauftragten, die vor allem auch aufklären, dringend notwendig - aber eher 200 als nur zwei.

    Dass sich der Landwirtschaftsminister herabließ, an so einem Feuerchen teilzunehmen, ist seines Amtes unwürdig und belegt den wachsenden lobbyistischen Einfluss der Bauernverbände. Dolgelin liegt übrigens außerhalb von Gebieten mit Wolfssichtungen.

  7. 5.

    "2007 wurde ein Wolfspaar in Südbrandenburg angesiedelt. " Falsch! Es siedelte sich selbst an, kommend aus Sachsen.!
    http://www.lfu.brandenburg.de/cms/detail.php/bb1.c.310418.de

  8. 4.

    .... genau, wer hat Angst vor dem bösen Wolf ?! Zwar gab es weder in unseren Breitengraden noch in dicht wolfsbesiedelten Gebieten je einen dokumentierten Vorfall, wo ein Mensch durch einen Wolf zu Schaden kam - aber der intellektuelle Wolfshasser weiß schließlich trotzdem, wie es Rotkäppchen ergangen ist. Und mit erhobenem Zeigefinger stellt sich stets der warnende Jäger an seine Seite - schließlich zahlt der und seine Zunft viel Geld für seinen Spaß am Töten, da geht es gar nicht, das Wolf sich in seinen Blutrausch einmischt. Der Bauer, der seine Tiere schützen möchte, kann dies problemlos durch Herdenschutzhunde tun - und natürlich müssen Bund und Länder hier Förderungen zur Verfügung stellen - aber so richtig lösen will man das mitnichten 'grüne' Thema nicht, lenkt es doch so schön populistisch von unseren wirklichen Problemen und der allgemeinen politischen Desorientierung der ehemaligen Volksparteien ab. Also, macht weiter mit euren sinnbefreiten Wolfswachen - das angeblich so böse Raubtier werdet ihr nie zu sehen bekommen .... und vielleicht nehmt ihr ja sogar mal den Struwwelpeter als politische Vorlage für eine moderne Bildungspolitik ... schreibt Mann ! Politische Richtung: Liberal Konservativ !

  9. 1.

    Es sind ja wohl meist guterhaltene junge Frauen, die die Wölfe hüten wollen. Sie nehmen zusammen mit ein paar Politikern für sich in Anspruch über das Leben der Menschen nicht nur in ländlichen Gebieten bestimmen zu wollen. Als normaler Mensch möchte ich ohne besondere Ausbildung oder Ausrüstung in den Wald gehen können. Der Wolf hat nicht ohne Grund seit Jahrzehnten keine Lebensberechtigung in unseren Wäldern gefunden und das sollte auch so bleiben. Man hat solchen Spinnern schon viel zu lange freien Lauf gelassen. Wir sollten aufstehen und denen, die diese gefährliche Entwicklung betreiben, endgültig das Handwerk legen. Diese grünen Spinner sollen doch da hin gehen, wo sie niemandem weh tun können. Bei uns haben sie keinen Platz.

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