Symbolbild: Deutscher Personalausweis (Quelle: dpa/Karl-Josef Hildenbrand)
Bild: dpa/Karl-Josef Hildenbrand

Nach Einbruch in Friedrichshain - Wenn sich das Bürgeramt die Persos klauen lässt

Reisepässe, Personalausweise und Führerscheine - das war die Beute bei einem Einbruch Ende April im Bürgeramt in der Frankfurter Allee. Die genaue Schadenshöhe ist noch unklar. Klar ist aber: Die eigentlichen Passinhaber haben jetzt einige Probleme. Von Mareike Witte

In der Nacht zum 22. April dringen Unbekannte in das Bürgeramt in der Frankfurter Allee ein. Ihre Beute: fertige Reisepässe, Personalausweise und Führerscheine. Der Schaden liegt nach ersten Schätzungen des Bezirksamts Friedrichshain-Kreuzberg im mittleren fünfstelligen Bereich. Seit Dienstag ist das Bürgeramt wieder geöffnet. Trotzdem steht noch nicht fest, wie viele Personaldokumente genau entwendet worden sind.

Jan Herzog* ist einer der Betroffenen. Für den Sommerurlaub hatte er Reisepass und Personalausweis beantragt. Drei Wochen später kam zunächst das Schreiben, ob er den Personalausweis mit Online-Funktion haben wolle. Dann kann er mit dem integrierten Chip und einem zusätzlichen Kartenlesegerät Behördengänge und Geschäfte digital erledigen. Kurz danach dann die Nachricht: Sein Personalausweis sei bei dem Einbruch gestohlen worden. Telefonisch erfährt er, er müsse einen neuen Termin ausmachen, um den Ausweis ein weiteres Mal zu beantragen.

Schaden auf fünfstellige Summe geschätzt

Nach Angaben der Polizei fiel der Einbruch dem Mitarbeiter einer Sicherheitsfirma am Morgen des 22. Aprils auf. Er entdeckte Einbruchsspuren an einer Tür und alarmierte die Polizei. Vermutlich sind die Diebe über den Notausgang im Hof der Frankfurter Allee 35/37 in das Amt gelangt. Der oder die Täter sind laut Polizei noch unbekannt. Sicher ist bisher nur, was gestohlen wurde: ausschließlich die abholbereiten Reisepässe, Personalausweise und Führerscheine.

Eine Ersatzhandlung, vermutet Knut Mildner-Spindler, Bezirksstadtrat von Friedrichshain-Kreuzberg und Leiter der Abteilung für Bürgerdienste: Die Einbrecher hätten es mutmaßlich nicht auf die persönlichen Dokumente abgesehen, sondern auf die Blanko-Dokumente. Dank neuer Sicherheitskonzepte seien diese aber zusammen mit dem Bargeld und den Dienstsiegeln sicher verwahrt gewesen, sagt Mildner-Spindler. Teuer wird es trotzdem: Eine "mittlere fünfstellige Summe", schätzt er nach dem jetzigen Stand. Denn die Kosten für die neuen Dokumente übernimmt das Amt.

Wartezeit je nach Dringlichkeit

Nach den gestohlenen Dokumenten mit der dazugehörigen Seriennummer fahndet nun die Polizei. Jeder gestohlene Ausweis werde vom Bürgeramt gesperrt und der Polizei gemeldet. Die neuen Pässe und Personalausweise könnten die Diebe nicht mehr fälschen, nur noch missbrauchen, sagt Mildner-Spindler, etwa um unter dem eigenen Namen im Internet Verträge abzuschließen oder Bestellungen zu tätigen. Daher rät das Bürgeramt den Betroffenen, sich an ihre Bank und die Wirtschaftsauskunftsdatei Schufa zu wenden und den Datendiebstahl mitzuteilen.

Die Betroffenen sollen nun nach Dringlichkeit abgearbeitet werden. Jeden Tag gebe es freie Termine und auch die Bürgerämter Mitte, Lichtenberg und Pankow hätten Termine für die von der Schließwoche oder vom Diebstahl betroffenen Kunden angeboten, sagt Mildner-Spindler. Ein endgültiges Ergebnis der Inventur liege ihm noch nicht vor. Eigentlich sollte es schon am vergangenen Freitag feststehen.

"Termine, Aufklärung – das kam zu kurz"

Für Jan Herzog bedeutet der Einbruch: Noch einmal zum Bürgeramt gehen und noch länger auf den neuen Personalausweis warten. Ob er jetzt Angst haben muss, dass seine Daten irgendwie verwendet werden, könne er nicht einschätzen. Die Online-Funktion sei schließlich noch nicht freigegeben gewesen und er denke kaum, dass hinter dem Einbruch ein Schleusernetzwerk steckt. Er hätte sich aber gewünscht, dass sich das Bürgeramt mehr um ihn kümmert: "Termine, Aufklärung – das kam zu kurz."

Sein neuer Termin für die Beantragung des Personalausweises ist nun Ende Mai. Was mit seinem Reisepass ist, weiß er noch nicht. Wenn er Glück hat und sich nicht herausstellt, dass auch der  Reisepass geklaut wurde, müsste er in den kommenden Tagen ankommen. Dann stünde zumindest dem Sommerurlaub nichts mehr im Wege.

* Name von der Redaktion geändert

Beitrag von Mareike Witte

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6 Kommentare

  1. 6.

    "Geklaut" ? "Persos"? Hat das öffentlich-rechtliche Fernsehen nicht auch einen Bildungsauftrag? Jetzt fehlte nur noch "Wir haben geschalten".... In der alltäglichen Umgangssprache sind lässige Ausdrucksweisen ja etwas Normales und nicht unbedingt negativ. Aber in einer schriftlichen Berichterstattung sollte die Wortwahl doch eine andere sein.

  2. 5.

    Banken, Mobilfunkanbieter, POST-IDENT, VIDEO-IDENT usw. müssten die Ausweisnummern sofort beim Erfassen online mit einer zentralen Datei abgleichen können, um gesperrte Dokumente auch wirksam ungültig zu machen.

    Aber es wird nur auf Plausibilität geprüft. Und so bleiben gesperrte Ausweisnummern weiterhin gültig.

    Jetzt müsste der Betroffene bei ALLEN Banken, Mobilfunkanbietern usw. seine Ausweisnummer als ungültig melden, um Missbrauch zu verhindern.

  3. 4.

    Offensichtlich lagen die Papiere nicht in einem Tresor, und wenn doch, sind die Täter ja schnell zu ermitteln, es war die Olsen Bande, ihr Chef, Egon Olsen !

  4. 3.

    Da kann man nur den Kopf schütteln! Werden die Ausweise nicht in einem Tresor aufbewahrt?

  5. 2.

    Gegen die Vorgehensweise einen neuen Ausweis beantragen zu müssen, sollten die Betroffenen sich wehren.
    Der Ausweis wurde beantragt, er ist auszuhändigen. Der Umstand des Diebstahls ist kein Vorgang des eigentlichen Ausweisinhabers, da der Ausweis ihm nicht ausgehändigt wurde.
    Hier wird behördlich versucht, eine Sachlage zu schaffen, der Ausweisinhaber wäre für den Verlust verantwortlich.
    So würde es in einigen Jahren aussehen. Die Behörden sind hier in der Pflicht, nicht der Antragsteller.
    Ohne Empfangsquittung ist der Behörde in der Not. Diese darf nicht übertragen werden.

  6. 1.

    Der Skandal wäre perfekt gewesen, wenn sie jetzt noch recherchiert und geschrieben hätten, wo die entwendeten Dokumente im Amt aufbewahrt wurden...

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