Archivbild: Straßenszene vor der Stadthalle in Cottbus (Quelle: imago/F. Berger)
Video: Brandenburg aktuell | 06.07.2017 | Andreas B. Hewel | Bild: imago/F. Berger

Nach Tod von 22-jähriger Studentin - Cottbuser Uni empört über Abzug ägyptischer Studenten

Nach einem möglicherweise fremdenfeindlichen Vorfall sind elf ägyptische Austauschstudenten von Cottbus nach Berlin umgezogen. Sie kamen damit einem Wunsch ihrer Heimat-Uni in Kairo nach. BTU-Präsident Steinbach spricht von einem "unglaublichen Ereignis".

Der Umzug von elf ägyptischen Studenten von Cottbus nach Berlin hat in der Lausitz heftige Empörung hervorgerufen. Der Präsident der Brandenburgischen Technischen Universität Cottbus-Senftenberg (BTU), Jörg Steinbach, sprach am Donnerstag von einem "unglaublichen Ereignis".

Die Heimatuniversität der Studenten, die German University in Kairo, habe massiv Druck auf die Studenten ausgeübt, Cottbus als Wohnort zu verlassen, so Steinbach in einem rbb-Interview. Als Begründung werde der tödliche Unfall einer ägyptischen Gaststudentin in Cottbus am Ostersamstag angegeben und die laut einer Augenzeugin geäußerten rassistischen Kommentare der Unfallbeteiligten gegenüber dem Opfer.

"Wollten den Ort nicht mehr sehen"

Steinbachs Stellvertreter, Matthias Koziol, sagte dem rbb, dass nicht alle der elf Studenten für den Umzug waren. "Ich habe von einer Betreuerin erfahren, dass zwei Beteiligte, die den Unfall erlebt haben, das zwar ins Gespräch gebracht haben", so Koziol, "aber nicht, weil es ausländerfeindliche Aktivitäten gegeben hätte, sondern weil sie den Ort einfach nicht mehr sehen wollten." Die Ermittlungen der Staatsanwaltschaft wegen Volksverhetzung in diesem Fall laufen noch.

Studenten wohnen jetzt in Schöneberg

Die Universität in Kairo schlussfolgere aus dieser Kombination von Unfall und Verhöhnung des Opfers, dass Cottbus ein unsicherer Ort zum Leben sei, sagte Uni-Präsident Steinbach. Deshalb habe man die Studenten unter Druck gesetzt, in zwei Wohnungen im Berliner Stadtteil Schöneberg umzuziehen.

Durch diese Entscheidung, so Steinbach, werde der Studienerfolg infrage gestellt. Die Studenten könnten nicht mehr in dem Maße betreut werden und seien ohnehin durch den Tod ihrer Kommilitonin einer hohen psychischen Belastung ausgesetzt. Alle Bemühungen vor allem auch des Auswärtigen Amtes, Einfluss auf die Entscheidung aus Kairo zu nehmen, haben laut Steinbach bislang keinen Erfolg gebracht.

Um Imageschaden von der BTU  abzuwenden, habe die Uni mit allen anderen Partnereinrichtungen, vor allem in Ägypten, Kontakt aufgenommen und die Situation erklärt. Laut Steinbach haben die angeschriebenen Universitäten der Cottbuser BTU vollständig ihr Vertrauen ausgesprochen. Man habe die German University, die ihre Studenten aus Cottbus abgezogen hat, soweit isoliert, sagte Steinbach, dass es keinen weiteren Schaden für die BTU Cottbus Senftenberg geben werde.

Unfall an Karsamstag

Die 22-jährige ägyptische Austauschstudentin war in der Nacht zu Karsamstag in der Cottbuser Innenstadt von einem Auto angefahren worden. Sie starb wenige Tage später im Cottbuser Krankenhaus. Die Untersuchungen zu dem Unfall laufen weiter. Laut einer Zeugin war die schwer verletzte junge Frau nach dem Unfall von Insassen des Unfallautos aus Sachsen rassistisch verhöhnt worden.

Die Austauschstudentin gehörte zur der Gruppe von Studenten der German University in Kairo, die an der BTU in Cottbus einen Teil ihres Studiums absolvieren. In den Fall hat sich mittlerweile auch der ägyptische Generalstaatsanwalt eingeschaltet.    

Kommentar

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27 Kommentare

  1. 27.

    Danke für Ihre Sicht auf die Dinge.
    Schon alleine die Aussage Ausländerfeindliche hätten Sie angefahren..... War es nicht ein Unfall, weil die Studentin auf die Straße gelaufen ist. Wie reagieren die Hetzer bei einem Autounfall???
    Sollten sie wirklich sich so wie behauptet wird, dass sie das Opfer verhöhnt haben, was nicht bewiesen ist, dann ist das natürlich übel....

  2. 26.

    Wieder einmal schäme ich dafür deutsch zu sein...was wär Deutschland schön ohne die Wiedervereinigung ging und den Osten ...abschaum..der hinter Gitter gehört undzwar minimum 35 Jahre

  3. 24.

    Cottbus hat seit Jahren ein rechtsextremes Problem. Es ist allen Verantwortlichen der Stadt längstens bekannt und wird ignoriert. Der Vorfall ist das Ergebnis dessen. Die Handlungsweise auch. Alle die gerne wegschauen sind Teil des Problems.

  4. 23.

    2. Versuch: Ich war an diesem Wochenende an der GUC in Kairo und möchte die folgende bisher nicht erwähnte Tatsache anfügen. Nach Auskunft von Professoren vor Ort in Kairo führte hauptsächlich ein nicht genehmigtes Eindringen von Fernsehteams in die privaten Unterkünfte der GUC-Studierenden in Cottbus nach dem Vorfall zur Schürung zusätzlicher Ängste, insbesondere weil dadurch der genaue Wohnort der Studierenden öffentlich bekannt wurde. Insofern beweist die daraufhin den Studierenden von der GUC angebotene Unterstützung für einen Umzug nach Berlin angemessenes Verantwortungsbewusstsein, die Äußerungen der Leitung der BTU Cottbus rufen hingegen eher Ratlosigkeit hervor.

  5. 22.

    Als ob es 'verwerflich' wäre, etwas auf indymedia zu posten... Vllt. ist es nur aus einer bestimmten Haltung heraus als 'verwerflich betrachtet'. Schade, daß 'auf indymedia posten' als Herablassung gemeint ist.

  6. 20.

    Sie sollten, bevor Sie urteilen, erst mal abwarten, ob sich die Geschichte letztlich so überhaupt als wahr herausstellt.

    Es ist einfach zu viel Konjunktiv im Spiel.

  7. 19.

    Ich habe mal geschaut und bin auf einem Artikel des Tagesspiegels gelandet:
    "Studentin aus Ägypten erst angefahren und dann verhöhnt"

    Dort ist viel Konkunktiv eingesetzt:
    "Während sich Passanten und Mitstudenten von Shaden M. um die blutüberströmt am Boden liegende Verletzte kümmerten, der Fahrer sich selbst ruhig verhielt, sollen die Insassen gemächlich herangeschlendert sein. Und sie sollen Sätze wie diesen gesagt haben: „Ja, mir ist klar, dass es bei euch keine Straßen gibt, aber in Deutschland muss man eben auf die Straße gucken.“ Oder: „Verpisst euch doch einfach wieder in euer Land, dann werdet ihr nicht angefahren – scheiß Asylanten.“ Dabei sollen sie gelacht haben."

    Ich halte das für ein beschämdendes Verhalten.
    Für rechtsextrem halte ich es indes nicht.
    Und ob sie wirklich gelacht haben oder diese Sätze vielleicht aus Frust geäußert haben, weil ihnen diese Studentin unachtsam vor das Auto gelaufen ist, ist auch nicht ganz klar.

  8. 18.

    Ich bin selbst Ausländer und war vor zehn Jahren für ein Jahr an der Uni Greifswald,ich bin einmal von einen Typen (mit Glatze)fast übefahren worden , aber ich lebe noch^. Ich müss leider sagen dass es in vielen Gegenden in Ost Deutschland für Ausländer gefährlich werden kann.
    Ich habe aber auch viele normale Leute kennengelert!!

  9. 17.

    Um noch mehr Schaden von der Uni Cottbus abzuwenden sollte geprüft werden ob man den Präsidenten Steinbach nicht aus der Schusslinie nimmt. Empathie scheint an der Uni Cottbus nicht Einstellungsvoraussetzung zu sein.

  10. 16.

    Sie hören nicht auf.. Lesen Sie doch noch einmal den Artikel. Der beginnt mit "Nach einem m ö g l i c h e r w e i s e fremdenfeindlichen Vorfall". Möglicherweise bedeutet das nichts bewiesen ist. Alles basiert auf Mutmaßungen und einer einzigen Zeugenaussage. Ob diese zuverlässig ist mag ich nicht zu beurteilen. Sie aber urteilen über die Stadt Cottbus, die Universität, den Rektor, über die Ihnen völlig unbekannten Insassen des PKW usw., eigentlich über ganz "Dunkeldeutschland". Fragt sich nur, wo hier der Hetzer sitzt, in Cottbus und anderswo oder doch vor der heimischen Tastatur. Und noch etwas : Soweit ich mich erinnern kann, hat das bedauerliche Unfallopfer diesen Unfall selbst verschuldet. Klingt ja in manchen Beiträgen, als wäre sie vorsätzlich umgefahren worden.

  11. 15.

    Rassismus zu verharmlosen schadet der Uni Cottbus. Besser für die Überwindung von Rassismus in der Stadt aktiv werden. Bei der Haltung des Präsidenten würde ich von einem Studium dort abraten. In Cottbus ist das Problem Rassismus in Bildungseinrichtungen allgemein bekannt: "Wenn ich von anderen Kindern in der Schule als Türke, Schwarzer oder Flüchtling beschimpft werde, bin ich manchmal so erschrocken, dass ich spontan nicht weiß, was ich sagen soll", erzählt Cem, der seit diesem Schuljahr ein Cottbuser Gymnasium besucht. Von Freunden, deren Eltern einen Migrationshintergrund haben, weiß er, dass auch sie unter rassistischen Anfeindungen zu leiden haben. Wie schon in der Grundschule, muss Cem auch in seiner neuen Schule mit der "alltäglichen Ausländerfeindlichkeit" klarkommen .... "Zum Teil gehen Lehrer gegen Rassismus vor. Aber manche Lehrer scheinen das Problem nicht so ernst zu nehmen" http://www.lr-online.de/regionen/cottbus/Rassismus-in-Cottbuser-Schulen;art1049,5416581

  12. 14.

    Waren diese Äußerungen wirklich vom Rektor oder doch nur von einem Apparatschik, dem der Umgang mit Menschen und menschlichem Leid abhanden gekommen ist. Keine Empathie oder Klage über das Schicksal einer hoffnungsvollen jungen Frau, die auch noch rassistisch beleidigt wurde. Dafür aber "Bestürzung" über den Imageschaden und die Gefährdung des Studienerfolgs.
    Das ist der eigentliche Imageschaden: Ein Rektor im Stil eines Bezirksverwalters, der sich um seinen Etat und nicht/weit weniger um seine Studenten sorgt. Mein Fazit: Geht nicht zum Studium nach Cottbus, es gibt menschlichere Unis.
    Herr Steinbach sollte sich schämen.
    Und zum RBB: Muss eigentlich jeder .......... seinen unverdaulichen Mist öffentlich senden dürfen ?

  13. 13.

    Was ist denn da eigentlich der "unglaubliche Vorfall"? Eine Studentin, die unter ungeklärten Umständen von einer Bande von Rassisten totgefahren wird? Eine ägyptische Regierung, die ihren Studenten daraufhin zur Vorsicht rät? Oder ein Universitätspräsident, der diese Frage nicht beantworten kann?

  14. 12.

    Der Präsident sollte sich lieber um die Sicherheit seiner Hochschulangehörigen machen, das Problem ist seit vielen Jahren bekannt. Siehe Zeit-online aus 2009: "Mittlerweile ist die Fremdenfeindlichkeit zum negativen Standortfaktor geworden. Mehr als zehn Prozent der befragten Firmen im Osten bejahen die Frage, ob Xenophobie betriebliche Entscheidungen beeinflusse. Auch die Max-Planck-Gesellschaft, bei der mittlerweile jede zweite neue Stelle aus dem Ausland besetzt wird, berichtet von Absagen hochkarätiger Forscher, die aus Gründen der Sicherheit nicht in einem Labor in Dresden oder Leipzig arbeiten wollen. Daher hilft das MPI für ethnologische Forschung in Halle seinen ausländischen Wissenschaftlern bei der Wohnungssuche, damit sie in sicheren Stadtteilen landen. Das MPI für Mikrostrukturphysik gibt Ausländern Taxigutscheine, damit sie sicher zum Institut kommen, das etwas außerhalb von Halle liegt." Quelle und ausführlicher hier: http://www.zeit.de/2009/30/Kommentar-Dresden-Attentat

  15. 11.

    Verzeihung kkr, aber ich glaube Sie übertreiben schamlos. Dunkelhautige Studenten gab es in den von Ihnen genannten Städten schon vor vielen Jahrzehnten. Man kann sich als Dunkelhäutiger sehr wohl in Dresden, Cottbus und Leipzig bewegen. Ich kenne diese Städte auch sehr gut im Gegensatz zu Ihnen. Und allen anderen sei gesagt, es gibt keinerlei Beweise, dass sich die Insassen des Fahrzeugs auf irgendeine Art und Weise rassistisch über das Unfallopfer geäußert haben. Es wird schon wieder geurteilt, gehetzt und diffamiert ohne überhaupt eine beweisfähige Grundlage zu haben.

  16. 10.

    Ich kann dies Empörung der Uni in Cottbus und deren verhalten nicht nachvollziehen. Das neue Brandenburg und Sachsen ein naziproblem besteht ist fichtenstraße nun kein Geheimnis.

    Ich würde niemanden mit ausländischen Aussehen empfehlen im Cottbus/Brandenburg / Leipzig/Dresden
    ...zu leben

    Das der Umfallhergang gerichtlich noch nicht rechtlich gewürdigt wurde, macht die Situation ja nicht ungeschehen. Ich glaube der Zeugin! Die Uni in Ägypten hat verantwortungsvoll gehandelt und will nur diein höchstmögliche Sicherheit für ihr Studenten.

    Für den Standort der Bildung im Cottbus hat das Ganze einen negativen touch, aber sicherheit geht vor.

  17. 9.

    Ich finde das Statement dazu auch einfach unfassbar :-(
    Da ist eine junge Frau gestorben!
    Man könnte schon den Wunsch haben, dass da mal genauer hingeguckt wird.
    Aber dem Herren scheint es nur um das Image seine Stadt/Uni zu gehen.
    Sorry, aber wer die Nachrichten aus Cottbus im Blick hat, weiß, was da schon los war...
    Ohne einen ehrlichen, wenn auch schmerzhaften, Blick auf die Lage, entwickelt niemand Konzepte, was man tun könnte.
    Und das wäre eigentlich meiner Meinung nach eine Aufgabe der "Denker" der Stadt, sprich der Uni und ihren Studierenden.
    Hallo Cottbus? Liebe Studis? Was los bei Euch?

  18. 8.

    Deine Empörung kann ich nur unterschreiben! Man stelle sich vor, man wird selbst angefahren, dabei schwer verletzt... und wird dann auch noch vom Unfallgegner beleidigt, verhöhnt? Unterste Stufe!
    Aber wer sich schon auf 'Rassismus' einläßt, ist eh' nicht die hellste Kerze auf der Torte...

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