Feuerwehr beim Abpumpen von Wasser (Quelle: dpa / Bernd Wüstneck)
Bild: dpa-Zentralbild

Schwere Unwetter - Wenn die Berliner Feuerwehr den Ausnahmezustand ausruft

Im Juni ein Jahrhundertregen, vergangenes Wochenende ein selten schwerer Guss, aktuell wieder Warnungen wegen Dauerregen: Die Berliner Feuerwehr hatte zuletzt Enormes zu leisten. Aber welche Folgen hat eigentlich der "Ausnahmezustand Wetter"?

Alarm bei der Feuerwehr, das ist diesen Sommer starke Routine. Sehr viele Einsätze ist sie bei den schweren Gewittern im Juni gefahren: Etwa 3.100 in rund 26 Stunden - das allerdings ist dann der "Ausnahmezustand", ein extremer Einsatztag. Im Jahresdurchschnitt werden die Berliner Berufs- und Freiwilligen Feuerwehren sonst täglich zu etwa 1.400 Einsätzen gerufen, 1.400 Mal Alarm täglich.

Weil in solchen Extremzeiten nicht alle Notfälle sofort bedient werden können, arbeitet die Feuerwehr die Notmeldungen dann nicht weiter nach Eingang ab, sondern teilt diese Meldungen für ihre interne Koordination in verschiedene Wichtigkeiten ein. "Die überflutete Stadtbücherei, wo wichtige Kulturgüter bedroht sind, hat dann eine höhere Priorität als der überflutete Vorratskeller eines Einfamilienhauses", sagt Feuerwehrsprecher Bernd Bruckmoser rbb|24 zur Erklärung.

Nicht jede Regenwolke ist ein Alarm

Für die Vorsorge bei besonderen Wetterlagen nutzt die Feuerwehr den Deutschen Wetterdienst und die Unwettermeldungen und Regenwarnungen. Aufziehende Regenwolken lösten dabei noch keinen Alarm aus, sagt Bruckmoser. "Aber immer wenn der Wetterdienst warnt, etwa vor Starkregen, gibt der Lagedienst dies an die Feuerwehrdienststellen zunächst nur weiter." Wenn es dann regnet, gebe es zunächst auch keine Besonderheiten, sondern erst dann, wenn es zu einer hohen Auslastung der Feuerwehren für Einsätze komme.

In Zahlen könne man dies nicht ausdrücken, weil es immer davon abhängig sei, ob es an den Stellen dieser Einsätze dann ausreichend Einsatzkräfte gebe. Konzentriere sich der Regen an einer Stelle und die zuständige Feuerwache sowie die angrenzenden und Freiwilligen Feuerwehren seien schon im Einsatz, so werde für diesen Bereich der Alarmzustand ausgelöst.

Ausnahmezustand heißt: nicht mehr der Reihe nach

Die Feuerwehr nutzt diese Alarmierungsstufen zum einen für den Rettungsdienst, wenn also besonders viele medizinische Notrufe eingehen. Sie spricht dann vom "Ausnahmezustand Rettungsdienst". Zum anderen nutzt sie die Alarmierungsstufen für besondere Wetterlagen, überwiegend bei starken Regen- und Schneefällen, wie Bruckmoser erklärt. Und genau dieser "Ausnahmezustand Wetter" herrschte in Berlin etwa zuletzt bei den extremen Regenfällen vor drei Wochen sowie am vergangenen Wochenende. Kurz erklärt: Im Ausnahmezustand geht es nicht mehr der Reihe nach.

Berlin verfügt über 35 Berufs- und 57 Freiwillige Feuerwehren. Unterstützt werden die Feuerwehren vom THW, also dem Technischen Hilfswerk, etwa wenn es unter schwierigen Bedingungen um die Bergung von Menschen oder Autos geht.

Sendung: Inforadio, 25.07.2017, 06.00 Uhr

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