Im Licht der untergehenden Sonne leuchten am 20.06.2017 in Berlin der Kleine Müggelsee und der Himmel in einem besonderen Licht (Quelle: dpa/Paul Zinken)
Bild: dpa/Paul Zinken

Kompromiss zum größten Berliner See - Müggelsee wird zum Landschaftsschutzgebiet erklärt

Der Müggelsee ist der größte der Berliner Seen, beliebt bei Wassersportlern und seltenen Tierarten wie dem Fischotter. Um letztere besser zu schützten, wird der gesamte See nun zum Landschaftsschutzgebiet – ein Kompromiss mit Wassersportlern. Von Ariane Böhm

Regine Günther, Senatorin für Umwelt, Verkehr und Klimaschutz, hat am Montag die Schutzverordnung für den Müggelsee unterzeichnet. Vorausgegangen war ein langer Streit. Bereits letzten Sommer legte die Senatsverwaltung einen Plan vor: Der Müggelsee und die angrenzenden Flächen sollten danach Landschaftsschutzgebiet, in Teilen sogar Naturschutzgebiet werden. In letzteren gelten besonders strenge Regeln: Das Betreten bestimmter Bereiche kann sogar gänzlich verboten werden.

Anwohner und Sportvereine hatten daher befürchtet, dass sie in Zukunft dort nicht mehr schwimmen, rudern, Boot fahren oder angeln können – und protestiert.

Sie waren erfolgreich, denn in der neuen Version der Verordnung fallen die Anteile an Naturschutzgebieten deutlich geringer aus: nur kleinere Randbereiche im Süden und Osten des Sees stehen unter Naturschutz. Um seltene Pflanzen und Tiere dennoch besser zu schützen, sollen die Uferbereiche des Müggelsees nicht mehr befahren werden. Dies will die Senatsverwaltung allerdings nicht durch ein Verbot, sondern durch ein freiwilliges Abkommen mit den Sportverbänden regeln.

Es gibt dieses Klischee des Käseglockennaturschutzes: hier die Natur, da die Menschen. Das ist nicht unser Ziel. Wir wollen beide zusammenbringen, allerdings wollen wir eine naturverträgliche Nutzung: also eher ruhig, keine Partyzone, keine Motorboote.

Tilmann Heuser, Bund-Landesgeschäftsführer Berlin

Weg vom Käseglockennaturschutz

Tilmann Heuser, Bund-Landesgeschäftsführer Berlin, ist mit diesem Kompromiss zufrieden. Naturschutz und Wassersport, das schließe sich nicht aus.

Auch Motorboote fahren weiterhin auf dem Müggelsee. Sie dürfen, wie bisher, nur die Fahrrinne in der Mitte des Sees nutzen, sowie die Zufahrten zu den Anlegestellen. Ein generelles Verbot für Motorboote müsste auf Bundesebene geklärt werden, da der Müggelsee Teil der Bundeswasserstraße Müggelspree ist.

Insgesamt sei die neue Verordnung ein guter Ausgleich zwischen den Belangen der Natur und des Sports, sagt Senatorin Günther. Für Segler, Ruderteams und Kanufahrer ändere sich durch die neue Schutzverordnung nicht viel: jeder kann sich auf dem See bewegen, wie er mag. Schwimmwettkämpfe und -Trainings müssen nicht genehmigt werden.

Kompromiss für Natur und Sport

Während der Wassersportsaison zwischen April und Oktober sind auch Regatten oder andere Wettkämpfe grundsätzlich erlaubt. Weil die Bereiche der Naturschutzgebiete in der neuen Verordnung kleiner ausfallen, können Segelregatten in ihren ursprünglichen Routen fahren, auch der Wendepunkt in Ufernähe bleibt bestehen.

Nur in den Wintermonaten zwischen November und März wird der Müggelsee zur Entspannungszone für Zugvögel, die auf dem Weg in ihre Sommer- oder Winterquartiere eine Pause einlegen. Würden sie aufgeschreckt, könnten sie die Kraft für den Weiterflug verlieren. Um sie zu schützen, müssen Regatten oder Wettbewerbe in diesem Zeitraum gesondert genehmigt werden. Für Heuser vom Bund Berlin geht es jetzt darum, noch im Sommer gemeinsam mit den Sportverbänden einen Plan zu vereinbaren, wie die Zug- und Rastvögel im Winter möglichst wenig gestört werden.

Ich fürchte, dass die Genehmigung der Steganlagen unmöglich wird, wenn kein Abstand zu den Seerosen gehalten werden kann. Und das kann er nicht, hier ist alles voller Seerosen.

Rainer Walz, Bootshausbesitzer

Stege versus Seerosen

Derzeit offen bleibt auch die Situation der Steganlagen. Alle 15 Jahre müssen die Stege neu beantragt werden. Die Senatorin will zusammen mit dem Bezirksbürgermeister von Treptow-Köpenick, Oliver Igel, ein Steganlagenkonzept entwickeln, das die Interessen von Naturschützern, Nutzern und Anliegern zusammenbringt.

Reiner Walz ist skeptisch. Wie viele Bootshausbesitzer hat er Sorgen um dessen Zukunft. Seine Anlegestelle liegt an den Bänken am Müggelsee, umgeben von einem großen Seerosenfeld. Um die Seerosen zu schützen, sieht das Naturschutzgesetz einen Mindestabstand von 10 Metern mit Booten oder anderen Schwimmkörpern vor.

Ob sich für die Stege bald ein Kompromiss findet - oder der nächste lange Streit bevorsteht - wird sich noch zeigen.

 

Beitrag von Ariane Böhm

Kommentar

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Antwort auf [Viola] vom 06.07.2017 um 12:04
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5 Kommentare

  1. 5.

    das planfeststellungsverfahren vor zig jahren für BER hat im demokratischen Verfahren den standort samt flugrouten ergeben. JETZT soll schluss sein mit dem gezanke und vor allem hört auf, ständig neue Argumente auszugraben für den eigenen (meist rein egoistisch) privaten zweck.

  2. 4.

    Es sind eben nicht nur reiche Pinkel betroffen, sondern auch Sportvereine und Kleingartenbesitzer.
    Es ist ja schön wenn Segler Ruderer und Paddler weiterhin den See befahren dürfen, aber die Boote bekommen sie mangels Steeg nicht mehr ins Wasser.
    Dann gibt es so weit ich weiß Kleingärten die nur über das Wasser erreichbar sind, deren Besitzer können dann zu ihren Grundstücken schwimmen. Und diese Besitzer sind selten reiche Pinkel.
    Dann gibt es noch Betreiber von Steeganlagen die Liegeplätze vermieten. Sie und ihre angestellten wären dann arbeitslos.

    Ich wäre dafür festzulegen dass keine neuen Steege gebaut werden dürfen. Die Instandsetzung und der Weiterbetrieb der vorhandenen Anlagen sollte auch festgeschrieben werden.

  3. 3.

    ... clever gemacht. Ich glaube, die Initiative zur Einrichtung des Naturschutzgebietes dient vor allem dazu, die Ausrichtung der geplanten Flugroute über das Müggelsee-Gebiet zu verhindern. Zumindest gibt es nun neue Gegenargumente, die zu auf den Prüfstand zu stellen sind. Nur gut, dass der BER noch nicht fertig ist, so lange lassen sich eben immer noch neue Hürden einrichten.

  4. 2.

    Welch Ironie! Flügzeuge dürfen drüber donnern, aber sich Sorgen um die Vögel machen. Genau mein Humor! Bin übrigens kein Anwohner...

  5. 1.

    na endlich ---gut so
    sollen die Anlieger doch erzürnt sein
    sind eh nur reiche "Pinkel"

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