Illustration: Eine junge Frau sitzt in einer Wohnung in Hamburg auf einer Couch und schnaubt sich die Nase (gestellte Szene). (Quelle: Christin Klose / dpa)
Bild: dpa Themendienst

Das hilft gegen die Ansteckung - Endlich wieder Erkältungswelle

Kollektives Husten und Niesen in der S-Bahn – die Erkältungszeit hat in Berlin und Brandenburg begonnen. Das zeigen auch Daten des Robert-Koch-Instituts. So können Sie sich vor einer Ansteckung schützen. Von Robin Avram

In U- oder S-Bahn begleitet der dissonante Schnief-Sound dutzender Tempo-Tröter die Fahrt zur Arbeit. Im Büro haben sich wieder zwei Kollegen krank gemeldet, eine dritte niest geräuschvoll in den Bildschirm. Eine andere erzählt, in ihrer Kinderkrippe fehle fast die Hälfte der Knirpse, Diagnose: akute Rotznase. An solchen Geschichten mangelt es auch in diesem September nicht. Gefühlte Wahrheit: Die Erkältungswelle rollt mit Macht durch Berlin und Brandenburg.

Aber stimmt das auch? Anruf beim Robert-Koch-Institut (RKI). Die Pressesprecherin Susanne Glasmacher beantwortet freundlich alle Fragen, doch eines will sie auch mal loswerden. "Jedes Jahr rufen mich um diese Zeit Journalisten an und berichten, der Krankenstand sei in ihrer Redaktion so schlimm wie nie zuvor." So schlimm wie nie war es aber: nie. Doch zum Glück zaubert Frau Glasmacher dann doch eine Grafik hervor, die den empirischen Beleg für die Husten-Schnupfen-Zunahme liefert. 

In harten Zahlen: Rund fünf Prozent der Erwachsenen und zehn Prozent der Kinder sind in Deutschland momentan erkältet - deutlich mehr als noch vor einigen Wochen. Die zugrundeliegende Bundes-Fieberkurve findet sich auf der Seite grippeweb.rki.de. Sie basiert auf regelmäßigen Angaben von rund 3.300 Freiwilligen, rund jeder zehnte von ihnen wohnt in Berlin. Jeden Montag ploppt in ihrem Postfach eine Mail auf, mit der immer gleichen Frage: Waren Sie in der Vorwoche erkältet? Zuletzt bejahten das deutlich mehr Leute als im Sommer - wie in jedem Jahr, wenn es Herbst wird. Wäre das also geklärt.

Diese Grafik basierten auf Umfrage-Daten der Seite grippeweb.rki.de des Robert-Koch-Instituts. Zu sehen ist, wieviel Prozent der Befragten jeweils in der Vorwoche nach eigenen Angaben erkältet waren. In der Kalenderwoche 36 verzeichnet die Grafik einen deutlichen Anstieg (Quelle: www.grippeweb.rki.de)
Die dicke rote Linie zeigt: Rund 10 Prozent der befragten Kinder waren zuletzt erkältet. Im Juli waren es zeitweise weniger als fünf Prozent, im Februar schonmal 18 Prozent. Die Erkältungskurve bei Erwachsenen verläuft deutlich moderater.Bild: Robert-Koch Institut

Das rät der HNO-Arzt

Ganz so nüchtern-statistisch betrachtet der Hals-Nasen-Ohrenarzt Jan Sasama den Beginn der Erkältungssaison nicht. Im Wartezimmer seiner Zehlendorfer Praxis nahmen in den vergangenen Tagen und Wochen spürbar mehr verschnupfte Patienten Platz. "Das liegt daran, dass sich zuletzt warme und kalte Temperaturen regelmäßig abwechselten", erläutert der Mediziner. Es ist tückisch: Wer zu dünn angezogen ist, friert, wer zu warm angezogen ist, schwitzt - und kann anschließend auskühlen, wenn der Wind weht. "Da setzen sich Virusinfekte schnell fest", sagt Sasama. Also lieber mehrere Kleidungsschichten anziehen.

Wer außerdem viel Stress hat und zu wenig Obst und Gemüse isst, erhöht sein Ansteckungsrisiko. "Gesunde Ernährung und Vitamine können helfen, die Erkältung zu vermeiden, auch ausreichend Schlaf kann die Gefahr reduzieren", sagt Sasama. Klingt nach einem Tipp von Urgroßmutter - war damals aber schon genauso richtig.

Prickelnder dagegen könnte es sein, Camu-Camu, Acerola-Kirsche und Hagebutte im Reformhaus zu kaufen und zu einem Smoothie zu verrühren. Diese drei "Superfoods" liegen im Vitamin-C-Ranking unserer Kollegen von rbb-Praxis ganz weit vorne - sie enthalten pro 100 Gramm bis zu 40-mal so viel Vitamin C wie eine Orange.

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Das rät der Facharzt für Hygiene

Besonders wichtig, um die Viren fernzuhalten: sauber bleiben. Ernst Tabori, der Direktor des Deutschen Beratungsinstituts für Hygiene, ist eine Koryphäe auf seinem Gebiet. Er selbst wasche sich rund 20-mal am Tag die Hände, sagt der Fachmann - und lasse in den Wintermonaten in der S-Bahn schonmal die Handschuhe an. "Untersuchungen legen nahe, dass man sich mit Handschuhen seltener ins Gesicht fasst", sagt er. Seine Tipps lassen sich so zusammenfassen:

- regelmäßig Händewaschen: Besonders entscheidend, wenn man vorher S-Bahn gefahren ist oder einkaufen war. Am besten aber immer ab ans Waschbecken, wenn man nach Hause oder ins Büro kommt. Ansonsten nach dem Niesen, vor den Mahlzeiten, vor und während der Zubereitung von Essen.

- richtig Händewaschen: Hände gründlich einseifen und etwa 30 Sekunden lang waschen. "Summen Sie einfach zweimal 'Fuchs du hast die Gans gestohlen'", rät Tabori. Wasser und Seife reichen dabei völlig aus, ein spezielles Desinfektionsmittel ist nicht nötig - aber immer dann sinnvoll, wenn man mal keine Möglichkeit hat, die Hände zu waschen. "Zum Beispiel nach dem Besuch einer dieser furchtbaren Toiletten auf der Autobahn-Raststätte", sagt Tabori. Die, bei denen meistens der Seifenspender leer ist.

- Hände vom Gesicht fernhalten: Der Mensch berührt sich im Schnitt täglich etwa 400 Mal am Kopf, im Gesicht oder am Hals - das habe eine Studie aus Kalifornien gezeigt. Dadurch könnten die Erkältungsviren unkompliziert in die Schleimhäute wandern. "Wir können das aber wahrscheinlich gar nicht komplett vermeiden, weil es oft unbewusst geschieht", sagt Tabori. Deshalb wieder: Hände waschen.

- regelmäßig lüften: In geheizten Räumen oder in Großraumbüros vermehren sich Bakterien und Viren rasant. Nicht gut: Die Fenster ständig gekippt zu halten, dann nämlich kühlt der Raum aus. Lieber alle paar Stunden stoßlüften.

- nicht zur Arbeit gehen: "Wer erkältet ist, sollte sich nicht ins Büro schleppen, um allen anderen zu beweisen, dass man erkältet ist, und dann wieder nach Hause gehen - sondern gleich zu Hause bleiben", rät Tabori. Das gelte insbesondere für die ersten Tage der Erkältung, in denen die Ansteckungsgefahr am höchsten ist. 

Seinen dringendsten Rat möchte er dann noch zur bösen, großen Stiefschwester der Erkältung geben: die Influenza. "Ich rate dringend dazu, den Herbst zu nutzen, um sich impfen zu lassen, denn die Impfung braucht 14 Tage, bis sie wirksam ist", sagt Tabori. Das halte er selbst auch jedes Jahr so. Der Lohn des Pikses: Er selbst habe seit mehr als 20 Jahren keine richtige Grippe mehr gehabt.

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