Zerstörungen durch den Hurrikan Irma auf der karibischen Insel St. Maarten (Quelle: Gerben Van Es /Planet Pix via ZUMA Wire)
Bild: Planet Pix via ZUMA Wire

Potsdamer Klimaforscher warnt - Wir bringen den Planeten aus dem Gleichgewicht

Hurrikan Irma kostete mindestens 30 Menschen das Leben und verursachte Schäden in Höhe von rund 40 Milliarden Euro. Nun warnt der Potsdamer Klimaforscher Hans-Joachim Schellnhuber: Es könnte künftig noch schlimmer kommen. Auch in Europa.

Der Direktor des Potsdam-Instituts für Klimafolgenforschung (PIK), Hans Joachim Schellnhuber, warnt angesichts des Hurrikans Irma vor verheerenden Folgen des Klimawandels auch für Europa. "Das Jahr 2017 zeigt uns auf bitterste Weise, warum die Wissenschaft seit Jahrzehnten vor dem Klima-Chaos warnt: Die Elemente Feuer, Wasser und Luft wenden sich nun gegen uns, weil wir den Planeten aus dem Gleichgewicht bringen", erklärte Schellnhuber am Montag in Potsdam.

Zugleich kritisierte Schellnhuber, dass das Thema Klimawandel im Bundestagswahlkampf nahezu völlig ausgeblendet werde. Stattdessen häuften sich "unnötige Bekenntnisse zu den Geschäftsmodellen von gestern", wie Dieselantrieb, Kohleverstromung und industrielle Landwirtschaft.

Schäden durch extremes Wetter haben sich vervierfacht

Der renommierte Klimaforscher leitet seit Oktober 2016 eine Expertengruppe, die von der EU-Kommission eingesetzt wurde. Sie soll erkunden, wie die Vorgaben des Klimaabkommens von Paris zur Emissionsreduzierung umgesetzt werden können. Der Abschlussbericht soll 2019 vorgelegt werden.

In Deutschland haben sich die Schäden durch extremes Wetter seit den 1980er Jahren fast vervierfacht. Das geht aus den Daten des Versicherers Münchener Rück hervor. Demnach lag in den 1980er Jahren der jährliche Schaden durch schwere Gewitter bei 580 Millionen Euro. Seit 2010 seien es durchschnittlich mehr als zwei Milliarden Euro im Jahr.

Prof. Dr. Hans-Joachim Schellnhuber
Der Potsdamer Klimaforscher Hans-Joachim Schellnhuber zählt international zu den renommiertesten Experten in seinem FachgebietBild: imago/Jürgen Heinrich

Irma kostete dutzenden Menschen das Leben

Der Hurrikan Irma war am Sonntag mit Windgeschwindigkeiten von bis zu 210 Kilometern über das südliche Florida hinweggezogen [tagesschau.de]. Dabei wurden Dächer abgedeckt, Straßen überflutet und Bäume entwurzelt. Umgeknickte Strommasten führten zu massiven Stromausfällen, bis zu 4,5 Millionen Menschen waren davon betroffen.

Irma war zeitweise als einer der stärksten Atlantikstürme überhaupt eingestuft worden. Der Hurrikan hatte in der Karibik rund 30 Menschen das Leben gekostet. Kleinere Inseln wurden praktisch vollständig verwüstet, Kuba von elf Meter hohen Wellen getroffen.

Sendung: Inforadio, 11.09.2017, 11:13 Uhr

Kommentar

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9 Kommentare

  1. 9.

    ...das ist unsere Zukunft, wenn man Klimaforscher und Umweltschützer weiterhin diskreditiert:
    https://de.wikipedia.org/wiki/%E2%80%A6_Jahr_2022_%E2%80%A6_die_%C3%BCberleben_wollen

  2. 7.

    Es KÖNNTE nicht noch schlimmer kommen, es WIRD schlimmer kommen, weil keine Partei den Mut hat, für die nötigen Veränderungen einzutreten. Weil kein Wähler sie dafür wählen würde.

  3. 6.

    Die Auflösung dieses angesprochenen insgesamten "Zu viel" sehe ich in der Auflösung des Satzes:
    "Da, wo (ohnehin) schon viel ist, muss künftig noch mehr werden!"

    Das ist nicht die Freiheit, die wir uns zugute halten - die Freiheit, dieses, jenes oder ganz etwas anderes zu tun - das ist die kollektive Neurose. Mithin ist es die Pauschalität, dass eine höhere Zahl eine größere Berechtigung hätte als eine niedrigere Zahl. So pauschal gesehen halte ich das für den Inbegriff des Unsinns.

    Wenn wir vom Größen- und Schnelligkeits-Wettbewerb wegkämen und hinkämen zu einem jeweils Spezifischen, was wir angesichts der vorfindbaren Umständen rein persönlich für gut halten, dann kämen wir fast schon von selbst zum zahlenmäßig Geringeren.

    Ein größeres Auto, nur weil der Nachbar eines hat? Ein Auto beschaffen, wo die Bahn doch fast vor der Tür fährt?
    Warum! Doch das muss eben ausgehalten werden ...

  4. 5.

    Alles schon dagewesen - kein Unfug ist zu blöd, um nicht unter der Überschrift "Klimawandel" auf wohlwollenden Medienboden zu fallen: http://www.tagesspiegel.de/wissen/geowissenschaft-mehr-vulkanausbrueche-durch-klimawandel/1805228.html

  5. 4.

    Na toll. Jetzt wenden sich also alle vier Elemente gegen die Menschen. Mal schauen, wann den Herrn (von Damen habe ich eigenartigerweise noch nichts gehört) "Klimaforscher" einfällt, dass auch die Erdbeben eine Folge des Klimawandels sind. Vielleicht durch den erhöhten Druck des reichlicher gewordenen Wassers auf die Kontinentalplatten. Also vorwärts! Vielleicht ist ja ein Nobelpreis drin. Aber nein, der ist ja dann uninteressant, weil die Menschheit ja sowieso untergeht!

  6. 3.

    Dem kann ich nur Zustimmen.Der Mensch lebt im totalem Überfluss u.das Ungleichgewicht findet dabei auch noch statt.Lebensmittel werden hierzulande einfach in die Mülltonne geworfen weil ja das Verfallsdatum überschritten ist.
    Plastikmüll ist ja nur die Spitze des Eisberges. Die Meere werden systematisch verseucht o.leergefischt. Früher wurde i.belächelt weil ich gerne gegen den Strom geschwommen bin.Habe nie einen Führerschein gemacht wozu auch? Bin vor allem kein Vielflieger wegen Billigangebote.Globale Wirtschaft(!)Muß man sich mal auf d.Zunge zergehen lassen.

  7. 2.

    Ich stimme Ihnen je grundsätzlich zu: Dass der Mensch mit seinem Raubbau und der Ressourcenverschwendung seine Lebensgrundlage zerstört, ist nicht zu leugnen. Genauso wenig zu verleugnen ist der aktuelle Klimawandel. Ob aber der Mensch mit seiner verhältnismäßig geringen erzeugten CO2-Menge am Klimawandel schuld ist, ist m.M.n. immer noch nicht zweifelsfrei bewiesen - es gibt eine Menge andere Möglichkeiten dafür, die aber in der Wissenschaft inzwischen nahezu einheitlich abgestritten werden. Es hat für mich ein wenig den Eindruck einer Ersatzreligion. Es gab in der Erdgeschichte weit wärmere Zeiten mit ähnlichem CO2-Gehalt, aber auch Zeiten mit extrem höherem CO2-Anteil in der Luft, ohne dass die Erde zum Glutofen wurde. Meine Meinung: Erdöl wird endlich sein - lasst uns Menschen endlich Alternativen entwickeln, die die Verschwendung beenden und gleichzeitig Schutzmaßnahmen gegen die Auswirkungen des Klimawandels finden - den halten wir ohnehin nicht auf!

  8. 1.

    Aha - mal sehen, ob diese Erkenntnis auch beim guten Bürger ankommt, der sich ja immer noch mit Händen und Füssen dagegen wehrt. Denn wer verzichtet gerne freiwillig in einer konsumgeschwängerten Welt auf seinen ach so wohlverdienten Wohlstand ? Jetzt können wir es aber noch freiwillig tun. Irgendwann werden wir dazu gezwungen (werden müssen) .... Wäre auch gar kein Beinbruch - zumindest bei uns in der westlichen Welt nicht. Schließlich haben wir von Allem mehr als genug und schmeißen auch noch ne Menge weg.

    Ein mir bekannter Mensch, der die Welt lange und viel bereist hat sagt heute: "Ich gebe der Menschheit keine Chance mehr, so wie sie sich verhält"

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