Eine Bewerberin für eine Polizeiausbildung kriecht bei einem Sport-Eignungstest über eine Matte (Quelle: dpa/Arne Dedert)
Bild: dpa

Zu wenig geeignete Auszubildende - Berliner Polizei verlängert Bewerbungsfrist - zum dritten Mal

Die Berliner Polizei findet offenbar nicht genügend Bewerber, die den Eignungstest für eine Ausbildung bestehen. Die Bewerbungsphase geht nun in die mittlerweile vierte Runde. Die meisten scheitern dabei nicht am Sporttest.

Die Berliner Polizei hat erneut die Bewerbungsfrist für ihren Nachwuchs verlängert - zum mittlerweile dritten Mal. Falls sich jemand für diesen Berufsweg interessieren sollte, besteht nun bis zum 15. September die Möglichkeit sich für einen Ausbildungsplatz im nächsten Frühjahr zu bewerben.

Dass die Frist verlängert wird, entschied die Behörde am Donnerstag. Zuvor war die Frist, die eigentlich am 31. Juli endet, bereits zweimal verlängert worden. "Wir hoffen, dass noch viele Bewerbungen nach den Sommerferien eingehen", sagte Polizei-Sprecher Thomas Neuendorf am Freitag.

"Wer einen Purzelbaum nicht schafft, muss auch mal eine Woche üben"

Bis zum 31. August hatten sich 6.000 Menschen auf einen Ausbildungsplatz für das Frühjahr 2018 beworben. Das reiche jedoch nicht aus, um die geplanten 600 ausgeschriebenen Stellen zu besetzen. Nur einer von zehn bis 15 Bewerbern kommt durch den Auswahlprozess.

Die geringen Erfolgsaussichten sind vor allem auf halbherzige Bewerbungen zurückzuführen, sagte Sprecher Thomas Neuendorf zu rbb|24. Jede vierte Bewerbung scheitere schon daran, dass formale Voraussetzungen ignoriert oder die Anmeldung nicht richtig verstanden werde. Von den verbliebenen Bewerbern scheitern wieder etwa 25 Prozent bei einem Onlinetest, in dem unter anderem Allgemeinwissen abgefragt wird. "Den kann man nun mal nicht einfach so nebenbei auf dem Smartphone in der U-Bahn machen", so Neuendorf.

Am stärksten werde nach einem weiteren Test aussortiert, bei dem unter anderem logisches Verstehen, Deutsch- und Fremdsprachenkenntnisse getestet und die Persönlichkeitsstruktur der Bewerber analysiert wird. Die Durchfallquote liegt bei bis zu 45 Prozent. Immerhin bestehen mehr als 90 Prozent den folgenden Sporttest, der aus einem 2.000-Meter-Lauf und einem Hindernisparcours besteht.

"Ich musste früher noch am Seil hochklettern und habe das mehrmals trainiert, weil ich die Technik nicht konnte", sagte Neuendorf. Das gehört heute nicht mehr zu den Anforderungen. "Wer es aber nicht schafft, über einen Bock zu springen oder einen Purzelbaum zu machen, muss das eben mal vorher üben", sagte er. Schließlich würde noch einmal jeder Zehnte, der es soweit geschafft habe, bei der Überprüfung des Leumunds aussortiert - was unter anderem einen Blick ins Strafregister beinhaltet.

Ausbildungsbeginn bis 39 Jahren möglich

Ein weiteres Mal solle die Frist nicht verlängert werden. Allerdings sind schon bald Bewerbungen für den Herbst 2018 möglich, wenn auch wieder 600 Auszubildende gesucht werden. Erfahrungsgemäß sei die zweite Jahreshälfte bei Bewerbern beliebter, sagte Neuendorf.

Im vergangenen Jahr hatten sich etwa 18.000 Menschen für eine Ausbildung im Jahr 2017 beworben. 2016 waren es rund 13.000. Gesucht wurden vor allem 16- bis 29-jährige Bewerber - und auch Menschen zwischen 30 und 39 Jahren, wenn sie eine Berufsausbildung abgeschlossen und mindestens zwei Jahre hauptberuflich gearbeitet haben.

Sendung: Antenne Brandenburg, 01.09.2017, 11.40 Uhr

Kommentar

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8 Kommentare

  1. 8.

    Das halte ich auch für den wesentlichen Grund des Bewerbermangels. Der Beruf des Polizisten muss, wenn man Besoldung und Leistungsanforderungen (Berlin mal ausgenommen, wo anscheinend die Zugehörigkeit zu einer Migrantengruppe als Qualifkationsmerkmal schon die meisten Hürden beiseite räumt) objektiv gewichtet, schon als ausschließlich für "Überzeugungstäter" geeignet, betrachtet werden.
    Wenn aber dieser Wunsch, dem geltenden Recht Geltung verschaffen zu wollen, von allen anderen beteiligten Gruppen (Staatsanwaltschaft, Richter Politik) mehr oder weniger behindert wird, muss man sich nicht wundern, wenn sich Niemand mehr findet, der sich sinnlos verheizen lassen möchte.

  2. 7.

    Solange Politiker und Justiz die Ausländer-Kriminalität schleifen und die Antifa gewähren lässt und Polizisten dann die Auswirkungen ausbaden müssen, solange bekommen die keine geeigneten Leute. Die wären ja dumm, wenn sie sich für rückgratlose Politiker, die im Ernstfall nicht hinter der Polizei stehen, verschleißen lassen .

  3. 6.

    Fußballspieler, Polizist, Pilot, Tierarzt, Model oder Rennfahrer sind laut Umfrage heute wohl erst einmal die beliebtesten Berufswünsche von Schülern - auch Dank der Medien.
    Allerdings scheint es sich zusehends herumgesprochen zu haben, dass die Berliner Polizei nicht so der beste Arbeitgeber ist (Stichwort Besoldung, Arbeitsbedingungen, Rückhalt) und die Jugendlichen, die eigentlich (mit)die besten sein müssten des Jahrganges suchen/ finden daher woanders eine Perspektive.

  4. 5.

    Als ich mich vor einigen Jahren bei der Berliner Kriminalpolizei bewarb, sortierten die noch im Verhältnis 1:30 aus. 97% wurden abgewiesen. Nicht nach Qualifikation, sondern einfach um die Bewerber in der Masse loszuwerden. Die Feuerwehr tat das auch, die diskriminierten sogar bereits ausgebildete freiwillige Feuerwehrleute bei der Einstellung. Die wollten einfach keinen Nachwuchs.

    Und nun - plötzlich und völlig unerwartet - fehlen Lehrer, Polizisten, Feuerwehrleute und vieles andere. Die Politiker Berlins haben es mal wieder vergeigt, weil sie nicht weiter als zum Ende ihrer Legislaturperiode in die Zukunft blicken wollten. Dabei waren die Geburtenzahlen pro Jahrgang und das Renteneintrittsalter ihrer Angestellten und Beamten doch schon damals bekannt.

    Die Politik hat komplett versagt! Nun stellen sie Nichtpädagogen als Lehrer ein (jeder zweite), weil sie niemanden mehr finden. Was kommt als nächstes? Freiwillige Helfer der Volkspolizei als Hilfspolizisten? Oder greise Volkssturm-Feuerwehrleute mit Löscheimern? Die Berliner Verwaltung und Politik ist im bundesweiten Vergleich wirklich der Rest vom Rest. Hoffnung auf Besserung ist illusorisch. Es wird durch die Personalknappheit nur noch schlimmer.

  5. 4.

    Wenn man die wenigen Bewerber auch noch auf Wartelisten hängen lässt, muss man sich nicht wundern, dass man kein Personal hat.....

  6. 3.

    Seit wann geht es der Berliner Polizei um geeignetes Personal? Richtig, dieses geht sowieso in andere Bundesländer oder in die Wirtschaft ... Neu ist, dass jene, die dann übrig bleiben es nicht wie in den letzten Jahren schaffen ... Aber dieser Müller kümmert sich ja auch eher um die Parkplätze vor seinem Haus als im die Sicherheit der Stadt ...

  7. 2.

    Sehe ich genauso, das Bild zeigt sich in allen Bereichen des öffentlichen Dienstes. Warum sollte man da noch arbeiten? Schlechte Bezahlung, teilweise noch mit Ausstattungen aus den 80ern und langwierige Entscheidungswege. In vielen Bereichen greift die Wirftschaft mit sehr viel attraktiveren Angeboten alles ab. Vorallem an den Hochschulen und Universitäten. Da hat die öffentliche Hand einfach keine Chance. Und sichere Arbeitsplätze gibt es in der Wirtschaft aufgrund es Fachkräftemangels sowieso, da mache ich mir überhaupt keine Sorgen.

  8. 1.

    Weshalb sollten geeignete Menschen zur Berliner Polizei gehen? Diese bewerben sich wie die letzten Jahre auch in anderen Bundesländern mit anständiger Bezahlung, Ausrüstung und Büroräume ... Ich war mal als Zeuge im LKA Tempelhofer Damm ... Dieses Gebäude mit der ESSO-Tankstelle neben dem Pennymarkt und war schockiert über die dortigen Arbeitsverhältnisse ... Aber das interessiert offenbar niemanden weder im Senat noch im Abgeordnetenhaus (wo ist hier eigentlich dieser Tom Schreiber?) ... Aber auch die Presse interessiert sich nicht für die dortigen Zustände ...

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