Die BVG und die Polizei laufen wieder gemeinsam Streife (Quelle: imago/Olaf Selchow)
Bild: imago/Olaf Selchow

Sicherheitsbericht 2016 - Alle 30 Minuten verliebt sich ein Taschendieb in die BVG

Die Zahlen sind gravierend: Knapp 14.000 Mal haben Taschendiebe im vergangenen Jahr in Bus, Tram oder U-Bahn zugeschlagen. Die Zahl der Gewalttaten bleibt dagegen stabil. Die BVG führt das auf mehr Videoüberwachung zurück - die für die Polizei zudem immer interessanter wird.

Bei den Berliner Verkehrsbetrieben (BVG) schlägt im Durchschnitt jede halbe Stunde ein Taschendieb zu. Das geht aus dem vorläufigen Sicherheitsbericht 2016 der BVG hervor [pdf-Download]. 13.869 Fälle sind dort verzeichnet (2008: 2.970). Sprecher Markus Falkner sagte dem rbb am Montag, es handele sich dabei nicht um ein BVG-Phänomen. Vielmehr sei dies eine generelle Entwicklung, die seit mehreren Jahren anhält.

Die BVG sieht aber eine positive Entwicklung bei anderen Straftaten, wie etwa tätlichen Übergriffen. Trotz der deutlich gestiegenen Fahrgastzahlen liege die Zahl der Vorfälle seit einigen Jahren unter dem langfristigen Mittel, heißt es in dem Sicherheitsbericht. "Wenn ich die absolute Zahl der Straftaten in Bus, Straßenbahn und U-Bahn nehme, dann gibt es dort einen Anstieg", sagte Falkner. Rechne man allerdings die Taschendiebstähle heraus, seien die Zahlen relativ stabil geblieben.

Das sei auf die zunehmende Videoüberwachung bei Bus, U- und Straßenbahn zurückzuführen, sagte Falkner. Diese werde auch weiter ausgebaut; ebenso soll die Zusammenarbeit mit anderen Verkehrsunternehmen und der Polizei intensiviert werden, um die Zahl der Straftaten insgesamt zu senken. Das zeigt offenbar erste Erfolge. Die Zahl der Taschendiebstähle sei im Frühjahr 2017 zurückgegangen.

Über eine Milliarde Fahrgäste

Im Jahr 2016 gab es 3.106 Fälle von physischer Gewalt (2008: 3.723). Darunter waren 2.338 Körperverletzungen, 356 Raubdelikte und 84 Sexualdelikte. Die meisten finden in der U-Bahn statt. 555 Mal wurden Mitarbeiter der BVG angegriffen. Die Zahl der Fahrgäste ist in den letzten acht Jahren stark gestiegen: Von 832 Millionen im Jahr 2008 auf 1,045 Milliarden im Jahr 2016.

Der Vandalismus, so Falkner weiter, führe dazu, "dass wir es mit Kosten zu tun haben und dass Fahrzeuge ausfallen, bis sie gereinigt sind". Insgesamt sei auch hier eine positive Tendenz zu verzeichnen. Auch das glaubt Falkner, ließe sich zu großen Teilen auf den Ausbau der Videoüberwachung zurückführen. Laut Sicherheitsbericht verursachten Vandalismusschäden Kosten in Höhe von 3,9 Millionen Euro. Im Jahr 2008 waren es noch 9,8 Millionen Euro.

Mittlerweile sind 97 Prozent aller Busse, 86 Prozent aller Straßenbahnen und 100 Prozent aller U-Bahnen mit Videotechnik ausgestattet. Im Jahr 2016 fragten Ermittlungsbehörden 7.662 Mal die Videodaten an.

Kommentar

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11 Kommentare

  1. 11.

    Jetzt bin ich doch tatsächliche rund vier Stunden mit allen Bahnen durch Berlin gefahren, es war ein Erlebnis. Bestohlen wurde ich nicht, oder hat jemand meinen Hausschlüssel gefunden, der fehlte mir im Anschluss. In Frankfurt/Main bin ich schon häufig mit ÖPNV unterwegs gewesen. Aber das ist natürlich kein Vergleich zur Hauptstadt Berlin, dies kommt einem vor wie ein Ausflug
    in eine andere Welt. Da steckt schon eine Wahnsinns Logistic dahinter, dass das alles klappt. Die Zeiten stimmten ganz genau, da sollte sich die DB, ich fuhr 1. Klasse ein Mal was einfallen lassen, hier stimmte fast nichts.Ich habe kaum Polizei gesehen, dass bei den vielen Menschen auch Gangster oft ein leichtes Spiel haben, das kann man als Beobachter sehen. Ich habe viel nach dem richtigen Weg gefragt, alle waren
    freundlch und haben sich Zeit genommen, mir den Weg zu erklären. Es ist einfach Schade, dass durch die Diebe und Gauner das Herz einer Weltstadt geschädigt wird. Preisgünstig im Vergleich mit Hessen

  2. 10.

    Stammt Ihre Lebensraumtheorie jetzt von Friedrich Ratzel, Adolf Hitler oder Bernd Höcke?

  3. 9.

    Lieber Herr Pelocke,

    die Überschrift kann sicherlich Geschmackssache sein.
    Der Aspekt mehr Kameraüberwachung und eine gestiegene Zahl von Taschendiebstählen ist sicherlich interessant, wir haben aber keine Erklärung. Das fällt vielleicht in die Wirkungsforschung.

    Viele Grüße aus der Redaktion!

  4. 8.

    @RBB+alle: Mich wundert die Überschrift "verliebt sich ein Taschendieb in die BVG". Wenn ich mich verlieben würde, würde ich nicht deren Kunden bestehlen. Interessant ist auch die nachricht, daß die Anzahl der BVG-Fahrgäste von 2008 bis 2016 um mehr als ein Viertel gestiegen ist. Die Erklärung, warum trotz oder wegen der Kameraüberwachung immer mehr Taschen gestohlen werden, reichen Sie bitte nach.

  5. 7.

    Wer seinen Lebensraum nicht gegen all das vagabundierende Gesindel aus aller Herren Länder schützt, muß sich nicht wundern, wenn er ausgeplündert wird. Danke, Frau Kanzlerin.

  6. 6.

    Da muß die Angst ja recht tief sitzen.Daher lieber mit 'nem Stinker durch die Straßen fahrenr.Sonderbar nur das Tausende Menschen täglich mit den"Öffis"fahren und es passiert nichts.
    Vielleicht sollte der Mensch mal wieder den Blick vom Handy lassen.Nimmt dabei auch seine Umwelt besser wahr.

  7. 5.

    > Knapp 14.000 Mal haben Taschendiebe im vergangenen Jahr in Bus, Tram oder U-Bahn zugeschlagen. <
    also rechnerisch 38 x tägl.
    und wer sind diese Taschendiebe ? das fehlt in diesem trockenen Bericht , political correctness ? Angst vor der Nennung
    der Herkunft der Täter ? in früheren Berichten wurden die benannt ; und welche Konsequenzen gibt es für gefasste Täter ?
    keine.. ach so..also weiter so ..>> eine generelle Entwicklung, die seit mehreren Jahren anhält. << und der man polit. nicht gewillt ist entgegenzutreten , ich befürchte, dass es irgendwann zu unschönen Bildern kommen wird, aber dieses " irgendwann " liegt noch weit im Felde...

  8. 4.

    Nur noch Idioten laufen herum traurig was aus unsere Welt geworden ist

  9. 3.

    Schön das die Zahl der Tätlichkeiten stabil bleibt - respekt....

    Es wird immer bekloppter - daher fahre ich auch seit Jahren nicht mehr mit den Öffis.

  10. 2.

    Je mehr Videoüberwachung desto mehr Taschendiebstahl.
    Beeindruckend..... .

  11. 1.

    Für mich die eigentliche Nachricht: >> Sprecher Markus Falkner sagte dem rbb am Montag, es handele sich dabei nicht um ein BVG-Phänomen. Vielmehr sei dies eine generelle Entwicklung, die seit mehreren Jahren anhält. <<

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