Obdachloser auf dem Boden (Quelle: Christoph Hardt/Geisler-Fotopres)
Audio: Radioeins | 14.09.2017 | Barbara Eschen | Bild: Geisler-Fotopress

Debatte um Camp in Berlin-Friedrichshain - Diakonie erwartet steigende Zahl an Obdachlosen

Rund 6.000 Menschen leben in Berlin schon jetzt auf der Straße, 20.000 weitere sind zudem ohne Wohnung und kommen bei Freunden oder Verwandten unter. Die Chefin der Berliner Diakonie sieht die Zahl der Obdachlosen steigen.

Die Zahl der Obdachlosen nimmt nach Ansicht von Berlins Diakonie-Chefin Barbara Eschen zu. Das seien die Erfahrungen aus den Beratungsstellen, den Tageseinrichtungen, bei der medizinischen Versorgung und in der Bahnhofsmission, sagte Eschen am Donnerstag im Gespräch mit der rbb-Hörfunk-Welle radioeins.

Derzeit lebten schätzungsweise rund 6.000 Obdachlose auf der Straße; dazu kämen noch bis zu 20.000 Wohnungslose, die bei Freunden oder Verwandten unterkommen, sagte Eschen am Donnerstag dem rbb.

Leergezogene Flüchtlingsnotunterkünfte für Obdachlose

"Die Menschen, die wir jetzt auf der Straße sehen, unter den Brücken und in Zelten, das sind die, die gar nichts haben", so die Diakonie-Chefin weiter.

Die Gründe für die Wohnungslosigkeit seien sehr unterschiedlich. Zugleich gebe es aber auf dem Berliner Wohnungsmarkt immer weniger Wohnungen für Menschen, die Anspruch auf eine Sozialwohnung haben. Menschen würden sich deshalb verschulden und dann zwangsgeräumt und auf der Straße landen. Zudem seien unter den Obdachlosen auch Osteuropäer, die zum Arbeiten in die Stadt gekommen sind, aber keine Wohnung haben.

Eschen bezeichnete die Ankündigung der Berliner Senatssozialverwaltung, im kommenden Winter leergezogene Flüchtlingsnotunterkünfte für Obdachlose zu öffnen, als eine gute Nachricht. Sie hoffe, dass diese Quartiere so nah im Innenstadtbereich liegen, dass sie für die Obdachlosen auch erreichbar sind, so Eschen.

Räumung des Camps in Friedrichshain löst kein Problem

Mit Blick auf die vom Bezirk Friedrichshain-Kreuzberg angekündigte Räumung eines Obdachlosencamps in der Nähe des Szene-Clubs "Berghain" wegen unhygienischer Zustände sagte Eschen, eine Räumung löse das Problem nicht. Im Grunde müsste für jeden obdachlosen Menschen eine individuelle Lösung gefunden werden. Das Sozialamt des Bezirks ist nach Angaben einer Bezirkssprecherin derzeit bemüht, Übernachtungsmöglichkeiten für die betroffenen Campbewohner zu finden.

Sendung: radioeins, Der schöne Morgen, 14.09.2017, 6.40 Uhr  

Kommentar

Bitte füllen Sie die Felder aus, um einen Kommentar zu verfassen.

Kommentar verfassen
*Pflichtfelder

Bitte beachten Sie unsereKommentar-Regeln und Hilfe zu Kommentaren zum Kommentieren von Beiträgen.

3 Kommentare

  1. 3.

    Ja, !iebe reiche Zentrumsbewohner, alle zu uns in die Außenbezirke, Ihr habt wohl noch nicht genug Schaden gemacht?
    Behaltet sie oder sorgt für deren Abschiebung. Wir haben doch noch das Recht, uns zu verteidigen und uns nicht von den Ausgestoßenen und den Immobilienspekulanten unterkriegen zu lassen.

  2. 2.

    Völlig richtig, zumal gerade viele Osteuropäer hierherkommen, weil es ihnen hier immer noch besser geht, als wenn sie z.B. in Warschau auf der Straße leben. „Hier könnten sie ja immerhin Flaschen sammeln."

  3. 1.

    Und warum sollen Quartiere in den äußeren Stadtbezirken nicht möglich sein?
    Ich denke es geht darum, ein Dach über dem Kopf zu haben, minimale hygienische Anlagen und nicht zu erfrieren und nicht darum, einen Wunschplatz schön mittig in der Stadt zu bekommen. Da möchten manche nicht Obdachlose auch gerne wohnen und können es nicht.
    Wer von den Betroffenen arbeitet, kann sich sicher eine Fahrkarte/Sozialticket leisten, um ggf. in die Innenstadt zu fahren und von denen, die nicht arbeiten, sind doch ohnehin etliche in den Bahnen unterwegs zum "Spendensammeln".

Das könnte Sie auch interessieren