Symbolbild: Dealer verkaufen Drogen im Görlitzer Park in Berlin (Quelle: Imago/ Olaf Selchow)
Video: Hauptstadt des Verbrechens, 05.09.2017, 20:15 Uhr, Olaf Sundermeyer & Jan Wiese | Bild: Imago/ Olaf Selchow

Kriminalitätsbelastete Orte Berlins - Drogengeschäfte für ein kleines Taschengeld

Das Risiko, Opfer einer Straftat zu werden, ist an manchen Orten in Berlin doppelt so hoch wie im Rest der Republik. An besonders kriminellen Orten hat sich die Situation dramatisch verschärft. Den Alltag dort schildern ein Ermittler, ein Staatsanwalt und ein Dealer. Von Olaf Sundermeyer und Jan Wiese.

Der Alexanderplatz ist der größte Tatort in Deutschland. In den vergangenen Jahren haben sich die Straftaten hier verdoppelt. Das zeigt die Auswertung der polizeilichen Statistik zu den zehn besonders kriminalitätsbelasteten Orten (kbO), die dem rbb exklusiv vorliegt.

Vor drei Jahren ist die ohnehin hohe Kriminalität auf dem "Alex" drastisch gestiegen, bis zu 8.644 Straftaten jährlich (2015) wurden dort angezeigt. Ein ähnliches Bild zeigt sich auf der berühmtesten Partymeile Deutschlands entlang der U-Bahn-Linie 1, zwischen der Warschauer Brücke in Friedrichshain und dem Kottbusser Tor in Kreuzberg, ebenso am Kleinen Tiergarten in Moabit. Dort hat sich in den vergangenen Jahren ein zentraler Drogenverkaufsplatz entwickelt.

Die nun vorliegenden aktuellen Halbjahreszahlen lassen aber vermuten, dass die Kriminalität an diesen Orten nicht noch weiter steigt: Die zuletzt dort erhöhte Polizeipräsenz zeigt Wirkung, etwa durch die "Ermittlungsgruppe Kottbusser Tor", deren Arbeit bei vielen Anwohnern im Kiez positiv aufgenommen wird. Auf dem Alexanderplatz sind die Kriminalitätszahlen inzwischen wieder rückläufig.

Besonders Rohheitsdelikte und Drogendelikte häufen sich

Auf Druck des rot-rot-grünen Senats hatte die Polizei im Juni erstmals die zehn Orte öffentlich gemacht, für die sie eine besondere Sicherheitslage erkennt – ohne Zahlen zu nennen. Der rbb veröffentlicht nun erstmals die Daten hinter den Orten, über eine Entwicklung von zehn Jahren. So zeigt sich, dass sich die ohnehin hohe Kriminalitätsbelastung in Berlin – zumindest an diesen öffentlichen Orten – nach 2013 erneut verschärft hat. Bei der Vorstellung der Zahlen der polizeilichen Kriminalitätsstatistik für den Bund hatte Bundesinnenminister Thomas de Maiziere (CDU) im April bereits von einer "besorgniserregenden Verrohung" der Gesellschaft gesprochen.

Diesen Schluss lässt auch der Blick auf einige der besonders kriminalitätsbelasteten Orten in Berlin zu: Dort sind in den vergangenen Jahren besonders die so genannten Rohheitsdelikte in den Fokus der Ermittler geraten, zu denen unter anderem Raubstraftaten, Körperverletzungen und Bedrohungen zählen. Aber auch Drogendelikte haben sich an diesen Orten in den vergangenen Jahren gehäuft.

Berlin ist die gefährlichste Stadt Deutschlands

Für Carsten Milius, dem stellvertretenden Landesvorsitzenden beim Bund Deutscher Kriminalbeamter (BDK), stellt sich die Lage so dar: "Wie am Alexanderplatz gibt es ja auch an anderen Orten in Berlin eine Zunahme solcher Gewaltdelikte. Ich denke da an den Bereich des Bahnhofs Turmstraße. Und das kann man auch ziemlich genau festmachen an dem Zeitpunkt, an dem diese sogenannte Flüchtlingskrise Berlin erreicht hatte."

Carsten Milius warnt allerdings davor, Flüchtlinge generell zu kriminalisieren. So habe man es in seinem Erfahrungsbereich immer mit denselben wiederkehrenden Gruppen krimineller junger Männer zu tun. "Als hier in der Turmstraße das Lageso-Gelände dann eröffnet wurde, kamen mit der Flüchtlingswelle insbesondere nordafrikanische Straftäter hierher, die dort die Drogenszene dominieren", sagt der Ermittler. "Einhergehend damit kam es dann auch permanent zu Gewaltdelikten." Carsten Milius arbeitet beim Kriminaldauerdienst in Berlin Mitte. Alexanderplatz und Kleiner Tiergarten gehören zu seinem Revier. Nach Straftaten wie Raub oder Körperverletzungen ist er oft der erste am Tatort.

Die Metropole Berlin weist unter allen deutschen Städten das höchste Risiko auf, Opfer einer Straftat zu werden: Die Zahl der Straftaten pro 100.00 Einwohner lag in Berlin (16.161) im vergangenen Jahr mehr als doppelt so hoch wie in München (7.909). Und die Aufklärungsquote liegt in Berlin (42 Prozent) deutlich unter dem Bundesdurchschnitt (56,2). Sie liegt auf dem niedrigsten Wert seit zehn Jahren.

Kriminelle Clans setzen Flüchtlinge als Drogenhändler ein

Der Berliner Oberstaatsanwalt Sjors Kamstra stellt fest, dass die Notlage einiger Flüchtlinge vor allem von kriminellen arabischen Großfamilien ausgenutzt wird. Er sieht sie als Opfer und Täter zugleich: "Das sind arme Schlucker in jeder Hinsicht. Sie kommen in eine fremde Welt, sie sind wirtschaftlich an der untersten Ebene angesiedelt." Ihre Situation mache sie zu idealen Arbeitsbienen im durch die Clans dominierten Drogengeschäft, das in der wachsenden Metropole floriert.

"Die arabischen Großclans brauchen den kleinen Händler auf der Straße, der die Portionen übergibt, der das Zeug in den Mund nimmt, der die Bunker verwaltet", sagt Kamstra. "Es scheint aus meiner Sicht nicht unlogisch, wenn man sich Flüchtlingen bedient, die plötzlich einen Ansprechpartner haben, der ihre Sprache spricht, der ihnen sagt: 'Hör mal zu, Transferleistungen, so üppig ist das nicht, du kannst bei mir in kürzester Zeit gegen relatives geringes Risiko viel mehr Geld verdienen!'"

Ein Besuch mit einem Mitglied einer arabischen Großfamilie aus Neukölln am Kottbusser Tor bestätigt die Einschätzung des Staatsanwalts. Der junge Mann nennt sich "Tarek", seinen richtigen Name möchte er nicht genannt wissen. Seit fünf Jahren steckt er für seine Familie im organisierten Drogenhandel.

Die Situation der dealenden Flüchtlinge ist ihm bekannt. "Ein Flüchtling kommt von seinem Land in ein anderes. Hier kann er aber nicht einfach an einem beliebigen Platz dealen. Die Großfamilien packen ihn einfach und sagen: So machst du das für mich. Dann einigen sie sich auf eine Menge, die er für die Familie verkauft, und bekommt dafür ein Taschengeld."

BDK fordert Videoüberwachung

Für die Polizeigewerkschaft BDK führt an besonders kriminalitätsbelasteten Orten wie dem Alexanderplatz kein Weg an einer Videoüberwachung vorbei. Noch gibt es sie nicht, der rot-rot-grüne Senat konnte sich darauf bislang nicht verständigen. Kritik kommt vor allem von der Linken, aber auch Teile der Grünen lehnen eine Videoüberwachung grundsätzlich ab. Innensenator Andreas Geisel (SPD) ist ein Befürworter von Kameras auf dem Alex.

Ermittler Carsten Milius erklärt anhand des Treppenschubsers aus der U-Bahn Alexanderplatz, einer Gewalttat, die vor einigen Wochen für Aufsehen gesorgt hatte, die Notwendigkeit der Kameras: "Ohne diese Bilder gäbe es keinerlei Täterbeschreibung. Die Leute werden erst aufmerksam, eine Person tatsächlich die Treppe runterfällt. Diese Zeit reicht dem Täter, um hier im Gewusel unterzutauchen. Und sie werden nie wieder erfahren wer das war. Erst durch die Videoüberwachung hier können wir dem begegnen." Anders als im S-Bahnhof Alexanderplatz und im Bereich der Berliner U-Bahn sind auf dem größten Tatort Deutschlands selbst keine Kameras verbaut.

Beitrag von Olaf Sundermeyer und Jan Wiese

Kommentar

Bitte füllen Sie die Felder aus, um einen Kommentar zu verfassen.

Kommentar verfassen
*Pflichtfelder

Bitte beachten Sie unsereNetiquette zum Kommentieren von Beiträgen.

11 Kommentare

  1. 11.

    Ihrem Zweifel >> ... mit Migration steige automatisch die Kriminalität << ... setze ich entgegen ...
    ... >>Natürlich ist das so !!! Zumindest nominal. <<
    Alles Andere ist blanker Chauvinismus, denn dann ginge man davon aus, die "Neuen" wären die "besseren Menschen",
    a'la Schulz "wertvoller als Gold".

  2. 10.

    Stellenweise war diese Doku tendenziös und wirkte wie AfD-Panikpropaganda, ganz so wie der peinliche Bericht Sundermeyers über möglichst mehr Videoüberwachung vor einiger Zeit. Immerhin wurden hier die grundlegenden verfassunswidrigen Bedenken (durch Dritte...) berücksichtigt. Gerade aber die neuen Erkenntnisse über die Technologien am Südkreuz flossen nicht mit ein. Genau wie damals der "Staatstrojaner" übernimmt die Technik dort weit mehr Aufgaben und zeichnet mehr Daten auf - nicht dass das bei ohnehin vorliegender Verfassungswidrigkeit noch eine Rolle spielen würde.

    Weiter hieß es, man könne in Zukunft die Polizeiarbeit Algorithmen überlassen, rechtlich und ethisch blieb das unhinterfragt.

    Wenn unbelegt behauptet wird, mit Migration steige automatisch die Kriminalität, müssten Sie wenigstens die behaupteten Beweise nennen. So liegt das aber nah an Volksverhetzung. Auch gibt es keine staatsfreien Zonen. Das ist Hysterie.

    Schlecht gemacht, Sundermeyer. Mal wieder.

  3. 9.

    Ja mittlerweile versuchen sich Insbesonders d.Schwarzafrikaner hier ein Territorium zu erobern.Geht gar nicht! Wird auch nicht funktionieren da d.Araber schon immer den Drogenmarkt i.Berlin beherrschen.Aber wie Sie es treffend dargelegt haben sind leider Parkanlagen wie die ehemals schöne Hasenheide nicht mehr auszuhalten.

  4. 8.

    Die Drogenbanden konkurrieren aber mittlerweile auch untereinander,
    Hatte selbst mal gesehen, als ich zu einem Konzert auf dieses RAW Gelände war, dass nach einer Polizei Razzia gegen Schwarz-Afrikaner dann ein paar Minuten später Araber rund um und auf dem Gelände zugange waren

    Bei mir in der Nähe wurde ein kleiner Park vor einigen Jahren gerodet und einsehbar gemacht, um eben gegen die dortige Drogenkriminalität vorzugehen. Das hatte aber nicht lange vorgehalten. Der Park ist nun wesentlich hässlicher und die Drogenszene zu einem Teil wieder zurück.

    Schade - war früher auch gerne in der Hasenheide im Sommer zum Freiluftkino, aber mittlerweile habe ich keine Lust mehr, zwischen Kriminalität und Vermüllung, Glasscherben etc zu laufen. Bis auf Kaufangebote ist zwar nie etwas konkret vorgefallen, aber "schön" ist eben etwas anderes. Da bleibe ich lieber zu Hause und schaue DVD als mich für Geld in eine solche Atmosphäre zu setzen.

  5. 7.

    Allein mehr Personal bei der Polizei nützt überhaupt nichts und das wissen die Linken auch. Sie wollen die Videoüberwachung permanent verhindern und damit auch die lückenlose Aufklärung von Straftaten im Berliner Straßenbild. Das selbe sieht man bei den geduldeten Straftaten in der Rigaer Str. Gerade die, die in der Tradition der SED und ihres Menschen verachtenden Unrechts Staats DDR stehen, der sich noch ganz anderer Überwachungsmethoden bediente, um unschuldige Abweichler zu drangsalieren und vernichten. Das ist Berliner Realität.

  6. 6.

    Was die Neueinstellungen bei der Polizei anbelangt gibt es hier beim rbb24 einen sehr interessanten Bericht hierzu.Aber auch ich bin längst der Auffassung das wir mehr an Polizeikräften gerade i.der Haupstadt benötigen u.zwar bei bessere Bezahlung.Und bitte ruhig mehr Personen einstellen mit Migrationshintergrund.Vielleicht ändert sich ja dann auch ein bestimmtes Gedankengut bei einigen der hiesigen Polizistinnen/Polizisten.

  7. 5.

    Ich gehe sogar einen Schritt weiter.Cannabis gehört längst nicht zu den gefährlichen Drogen.Wird aber weiterhin so dargestellt.Deshalb plädiere ich für eine Kontrollierte Abgabe an ü.18 jährige z.b.i.der Apotheke. Der illegale Anbau ist hier nicht kontrollierbar,sprich es werden Supstanzen beigemischt d.gefährlich sind.
    Aber viel gravierender ist doch das die Harten Drogen wie Crack z.b.längst Einzug erhalten haben.Heroin weiterhin verkauft wird. Man muß diesen Arabischen Clans endlich mal das Handwerk legen.Denn die sind es die es verbreiten u.sich dabei noch ins Fäustchen Lachen tun.Kassieren beides Sozialhilfe u.nutzen unser Rechtssystem schamlos aus.

  8. 4.

    In Großbritannien gibt es etwa sechs Millionen Überwachungskameras, viele auch von Privat- und Geschäftsleuten. Es konnten Straftaten aufgeklärt werden. Eine deutliche Senkung von Straftaten wurde noch nie nachgewiesen. Zur Kriminalitätsbekämpfung benötigt man tausende mehr Polizisten Tag und Nacht auf den Straßen.
    Von den Innenministern und Innensenatoren von CDU und SPD wurde in den letzten zehn bis zwölf Jahren Personal bei der Polizei abgebaut! Die Wahrscheinlichkeit bei Straftaten ertappt zu werden ist so gesunken. Dies war ein großer Fehler.

  9. 3.

    Großes Lob für diesen Bericht. Zeigt er doch wie dringend notwendig es ist am Alexanderplatz Insbesonders Videoüberwachung einzusetzen.Im übrigen haben die Araber den Drogenhandel in der Stadt schon seit den 80er Jahren im Griff u.es wird zu wenig dagegen unternommen.

  10. 2.

    Die Droge Cannabis ist offensichtlich immer weiter verbreitet. Seit Jahren fahren wir mit der U-Bahn oder laufen nach Zusammentreffen mit Freunden und Bekannten aus Wohnungen oder Restaurants/Bars drei Mal in der Woche (meist Freitag, Samstag, Sonntags) abends zwischen 23 und 1 Uhr nach Hause. In der Gegend Akazienstraße, Eisenacher Straße, Bayerischer Platz, Blissestraße. Ob in Parkanlagen, vor U-Bahnhöfen, an Straßenecken oder von Balkonen; überall riecht man den Rauch von süßlichem Cannabis. So selbstverständlich wie eine Zigarette wird an fast jeder Ecke, jedem Ort Cannabis geraucht. Tendenz steigend.
    Offensichtlich ist den hunderttausenden Konsumenten - allein in Berlin - nicht bewusst dass sie mit ihrem Konsum kriminelle Strukturen unterstützen. Vielleicht sollte man überlegen, ob man in engen Rahmen und kleinen Mengen leichte Drogen entkriminalisiert um Berufskriminellen das Drogengeschäft zu erschweren.

  11. 1.

    Großes Lob für diesen Bericht.

Das könnte Sie auch interessieren