Carsten Milius (Szene aus: rbb/Haupstadt des Verbrechens)
Bild: rbb

Interview | Neue Polizeiwache am Alex - "Drei Polizisten sind nur ein sehr kleiner Kräfteeinsatz"

Der Berliner Alexanderplatz ist ein Hotspot der Kriminalität. Einer der Ersten am Tatort ist oft der Kriminalbeamte Carsten Milius. Im Interview erklärt er, was die neue Polizeiwache, die seit Donnerstag gebaut wird, bewirken kann – und warum Flüchtlinge Tatverdächtige und zugleich Opfer sind.

rbb|24: Herr Milius, der Alexanderplatz ist der größte Tatort in Deutschland. In den vergangenen Jahren hat sich die Zahl der Straftaten hier verdoppelt. Jetzt startet der Bau einer neuen Polizeiwache auf dem Alex. Was bringt die Einrichtung einer solchen Wache aus Ihrer Sicht?

Carsten Milius: Die Einrichtung der Alexanderplatzwache erhöht natürlich die Präsenz der Polizei vor Ort. Sie ist also nicht mehr nur mit einem einzelnen Wagen vor Ort, sondern ist tatsächlich stationär präsent. Man muss jedoch aufpassen, dass da nicht falsche Erwartungen geweckt werden. Es kann durchaus passieren, dass die Bürger jetzt der Meinung sind, auf dem Alexanderplatz könne nichts mehr passieren, weil genügend Polizei da ist. Tatsächlich wird die Wache ja nur mit drei Beamten besetzt. Das ist mehr eine Anzeigenaufnahme als alles andere. Es sind in dem Sinne keine Einsatzkräfte, die auf dem Alexanderplatz selbst Präsenz zeigen, sondern die bemannen halt die Wache.

Was bringt das?

In erster Linie, denke ich, wird es zu einer Dunkelfelderhellung kommen. Wenn die Polizei vor Ort ansprechbar ist, werden natürlich auch mehr Menschen gleich vor Ort Anzeige erstatten, was sie vielleicht sonst nicht getan hätten. Zum Beispiel bei einem Taschendiebstahl oder bei einer einfachen Körperverletzung, wo man sich zunächst überlegt, lohnt sich überhaupt der Aufwand, zur Polizei zu gehen oder nicht.

Wird es dadurch weniger Straftaten geben?

Das ist höchst spekulativ, das vermag ich nicht vorherzusehen. Auch diese Beamten können natürlich nicht wegschauen, wenn etwas passiert, aber drei Beamte sind gleichzeitig nur ein sehr kleiner Kräfteeinsatz, und sie müssten im Fall der Fälle erst mal Verstärkung einfordern. Aber zumindest ist es eine gute Ergänzung zur verstärkten Polizeipräsenz im Rahmen der sogenannten Alexpräsenz.

Besonders Rohheitsdelikte wie Raub, Körperverletzungen und Bedrohungen sowie Drogendelikte häufen sich, nicht nur am Alex, auch im Kleinen Tiergarten und anderswo. Nach solchen Straftaten sind Sie oft der erste am Tatort. Was erleben Sie dort?

Genau genommen bin ich der erste Kriminalbeamte nach dem Funkwagen. Aber zu Ihrer Frage: Was wir zurzeit feststellen ist eine Häufung von Personen im weitesten Sinne aus der Flüchtlingsszene, die sich dort als Tatverdächtige etabliert haben - im Kleinen Tiergarten speziell auch im Zusammenhang mit dem Drogenhandel. Das hat tatsächlich nach unserer Wahrnehmung zugenommen seit 2015.

Was heißt "aus der Flüchtlingsszene"?

Wir haben festgestellt, beim Kleinen Tiergarten sind es vermehrt Nordafrikaner, die dort als Dealer auftauchen. Das sind natürlich keine Flüchtlinge im klassischen Sinne, sondern nach unserer Vermutung Kleinkriminelle, die auf der Flüchtlingswelle mit nach Deutschland gekommen sind. Während wir auf dem Alexanderplatz, was die Roheitsdelikte angeht, tatsächlich auch viele junge Männer, Jugendliche, Heranwachsende aus den arabischen Ländern haben.

Würden Sie sagen, dass die Zunahme der Straftaten in direkten Zusammenhang mit dem verstärkten Zuzug von Flüchtlingen 2015 gebracht werden kann??

Ob man da so die direkte Linie ziehen kann, kann ich Ihnen nicht sagen. Wir können nur feststellen, dass es diesen Anstieg gibt und auf unserer Erfahrungen vor Ort zurückgreifen - wenn wir vor Ort kommen, wenn wir sehen, wer ist Geschädigter, wer sind die Tatverdächtigen, falls wir welche haben. Am Alexanderplatz haben wir eben regelmäßig Personen aus den arabischen Ländern unter den Tatverdächtigen, aber auch unter den Opfern. Beim Kleinen Tiergarten sind es dagegen nordafrikanische Drogendealer. Und wenn wir dort Körperverletzungsdelikte haben, sind es sehr häufig Streitigkeiten untereinander.

Gibt es Zahlen, die das belegen?

Da müssten Sie sich an den Polizeipräsidenten wenden, an die Statistikstelle. Die haben wir natürlich nicht beim Bund deutscher Kriminalbeamter.

(siehe nebenstehende Info-Box)

Der Berliner Oberstaatsanwalt Sjors Kamstra hat im rbb erklärt, dass die Notlage einiger Flüchtlinge vor allem von kriminellen arabischen Großfamilien ausgenutzt werde. Sie seien zugleich Täter und Opfer. Sehen Sie das auch so?

Ja, das sehe ich auch so. Es ist eine Form von Perspektivlosigkeit. Wenn wir uns mal den Kleinen Tiergarten anschauen: Ich will das nicht schönreden, aber diejenigen wollen ja auch von irgendwoher Geld bekommen, Geld verdienen, neben den normalen Transferleistungen. Da sind sie natürlich auch eine leichte Beute für gewisse Hinterleute, die Interesse daran haben, sie als Dealer einzusetzen.

Der Alexanderplatz wiederum war schon immer ein Treffpunkt für alle möglichen Leute, und er ist es nach wie vor, weil er so schön zentral liegt. Da strömen alle hin und dort, wo sich viele Menschen unterschiedlicher Couleur treffen, wird es zwangsläufig irgendwann auch zu Gewaltausbrüchen kommen, bedingt durch Drogen, bedingt durch Alkohol, vielleicht auch durch kulturelle Diskrepanzen. Da treffen sich nun natürlich auch Flüchtlinge, und die werden dann natürlich auch Opfer in Auseinandersetzungen, weil sie aufgrund ihres Status' auch leichte Opfer sind. Da gibt es Sprachbarrieren, vielleicht auch kulturbedingte Hemmungen, Dinge bei der Polizei anzuzeigen, und das wird dann ausgenutzt.

Was kann man dagegen tun?

Zumindest was den Kleinen Tiergarten anbetrifft, hat die Berliner Polizei reagiert mit der Einsetzung einer Sonderermittlungsgruppe, um an die Hintermänner ranzukommen. Das ist der richtige Weg. Auf dem Alexanderplatz geht es weniger um den Drogenhandel als vielmehr um die alltägliche Kriminalität, die dort passiert. Wir haben ja einmal zur Bekämpfung des Taschendiebstahls eine Sonderdienststelle beim Landeskriminalamt, die sehr erfolgreich arbeitet, und zum anderen ist die Einrichtung der Alexpräsenz und der Alexwache der Schritt in die richtige Richtung.

Welche Rolle spielen bei Ihrer Arbeit Verständigungsprobleme?

Ja, das ist tatsächlich ein Problem. Die Flüchtlinge kommen natürlich aus sehr unterschiedlichen Ländern. Viele von ihnen sprechen nur unzureichend Deutsch und nur unzureichend Englisch. Wir müssen uns als mit ihnen irgendwie in ihrer Heimatsprache verständigen, das kann dazu führen, dass Ermittlungen unglaublich in die Länge gezogen werden, weil es schwer ist, Dolmetscher zu bekommen.

Ein Beispiel von letzter Woche: Der Geschädigte war ein junger Mann aus Afghanistan, der einen persischen Dialekt sprach. Das Ganze passierte nachts um 4 Uhr, und wir konnten erst um 10 Uhr mit seiner Vernehmung beginnen, weil es so lange gedauert hat, einen Dolmetscher zu finden. Es kann auch vorkommen, dass es zu einer Sprache keinen vereidigten Dolmetscher in Berlin gibt, und das kann dann im Ernstfall dazu führen, dass wir einen Geschädigten wieder nach Hause bringen müssen, dass die Tat nicht ordnungsgemäß ermittelt werden kann. Damit gibt es natürlich auch keine Täterermittlung.

 

Das Interview führte Ute Zauft.

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10 Kommentare

  1. 10.

    Echte (Bürgerkriegs-) Flüchtlinge fliehen innerhalb ihres Heimatlandes (internally displaced) oder in ihr Nachbarland (zB Türkei oder Iran). Denn dort sind sie sicher und die kulturellen Unterschiede sind gering. Auch dort kann man gut leben. Nur wohlhabende und Kriminelle können sich die Transportkosten und die Schlepper bis nach Deutschland leisten. Ginge es ihnen um Schutz in der EU, würden sie in Griechenland oder Italien etc. Schutz suchen. Es geht ihnen aber um den Empfang der Sozialleistungen in Deutschland und um weitere wirtschaftliche oder kriminelle Möglichkeiten, die es hier gibt. Das belegt auch der grosse Anteil junger Männer und Jungs, die nach Deutschland kommen. Es handelt sich bei den allermeisten um sog. Wirtschaftsflüchtlinge. Die hiesigen Arbeitgeberverbände wollen die Löhne weiter drücken. Daher üben sie Druck auf Politik und Medien aus, diese wirtschaftlich motivierten Migrationsbewegungen bei der Bevölkerung in einem positiven Licht darzustellen.

  2. 9.

    "Dunkelfelderhellung " eine geniale Begriffsschöpfung, sollte im Duden aufgenommen werden.
    " Der Berliner Alexanderplatz ist ein Hotspot der Kriminalität." und warum wird dem mit nur "Drei Polizisten sind nur ein sehr kleiner Kräfteeinsatz" begegnet ? Na gut,wenn dort ein wirklich abschreckendes Polizeiaufgebot aufgeboten würde... wandert die Krimilalität eben an einen anderen Ort. Vor der Wende war es häufig der Stuttgarter Platz, danach eben der Alex. , der Tiergarten, Görlitzer Park usw. Ganz beseitigen wird man solche Schwerpunkte der Kriminalität in einer Großstadt wohl nie , aber mit massiver Polizeipräsenz mit Befugnissen ließen sich solche Problemareale bestimmt eindämmen .
    Erfordert natürlich sehr viel mehr Personal, das aber nicht vorhanden ist

  3. 8.

    Wenn dieses Gebäude leer steht sollte es auch wieder von der Polizei genutzt werden.
    Vielen Dank für Ihren Hinweis.

  4. 7.

    Kriminalität wird nicht vorrangig mit Gebäuden bekämpft. Direkt neben dem Alex gibt es schon seit 1945 eine "kleine" Polizeiwache, das ehemalige Polizeipräsidium!!! Schau mal hier (historisch): https://de.wikipedia.org/wiki/Polizeipr%C3%A4sidium_Alexanderplatz
    oder aktuell hier: https://www.berlin.de/polizei/dienststellen/polizei-in-den-bezirken/direktion-3/abschnitt-32/

    Aber im Wahlkampf ist viel möglich ;) Die personelle und örtliche Kooperation der drei Behörden halte ich für sinnvoll, der Sinn eine Wache für drei Beamte an dem Ort zu BAUEN erscheint mir eher schwach (Vergleiche Argumentation im Artikel! ;) Naja, wird dann hoffentlich "zeitnah" wieder abgerissen und nicht zu einer weiteren Würstchenbude umfunktioniert.

  5. 6.

    Eben weil es ein sehr zentraler Ort ist. Noch etwas zur Güte.Da wird immer nach mehr Bekämpfung von Kriminalität geredet und jetzt will man sich offenbar in diese Richtung bewegen da geht das Gemecker v.einigen gleich wieder weiter.Also was wollt Ihr eigentlich.Kriminelle Machenschaften v.Ort beseitigen u.dafür auch natürlich mehr Polizeibeamte einstellen oder weiterhin nur Zuschauen?

  6. 5.

    Überraschen wollte auch Sie nicht. Konkret werde ich, wie bereits bisher... Herforder, Barre, Becks , Köstritzer oder Paulaner ... wählen. Tuborg, Faxe oder Guinness, da bin ich ganz weltoffen, dürf'n's auch sein.

  7. 4.

    Klar, für drei Beamte muss eine neue Wache auf dem Alex gebaut werden statt z.B. ein Ladenlokal zu mieten etwa bei der BVG ;) Wenn da noch mehr gabaut wird ist auf dem Platz bald kein Platz mehr, um sich da zu treffen. Remember the 80s? "Der Alexanderplatz wiederum war schon immer ein Treffpunkt für alle möglichen Leute, und er ist es nach wie vor, weil er so schön zentral liegt."

  8. 3.

    Winfried, nun ueberraschen Sie mich: Sie werden also Gruen waehlen, weil Ihnen Oezdemirs differenzierter Ansatz zur Integrationspolitik so gut gefaellt?

  9. 2.

    Dieser Artikel ist sehr hilfreich bzgl. kommender Wahlentscheidung(en).

  10. 1.

    Herr Milius hat vollkommen Recht und die Polizei ist momentan unterbesetzt zur Bekämpfung rund um d.Alexanderplatz u.nicht bloß dort.Außerdem spricht nichts aber auch gar nichts gegen eine Wache vor Ort.Klare Kante zeigen u.ansprechbar sein f.die Bürger soll das Ziel sein.Den Arabischen Clans muß mit aller Macht des Gesetzes der Garaus gemacht werden.Diese sind es doch die sich über alles erhaben fühlen und uns verhöhnen.Insbesonders die Polizei.

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