Gesine Cody (präsentierte beim Gespräch ihre Werkzeuge zum Überleben). (Quelle: rbb/Anne Hoffmann)
Bild: rbb/Anne Hoffmann

Gewappnet für den Ernstfall - Wie sich Prepper auf den Tag X vorbereiten

Beim europäischen Katastrophenschutzkongress beraten Experten am Dienstag in Berlin  darüber, wie die Bevölkerung im Notfall versorgt werden kann. Die sogenannten Prepper wollen sich darauf nicht verlassen. Sie trainieren aktiv für das Überleben im Krisenfall. Von Anne Hoffmann

Gesine Cody macht seit knapp einem Jahr bei der Berliner Prepper-Gruppe mit. Der Begriff ist von dem englischen Verb to prepare abgeleitet, sich auf etwas vorbereiten. Zum Treffen kommt Cody mit einem dicken Rucksack. Daraus zieht sie einen kleineren hervor - ihr EDC, das Every Day Carry. Darin bewahrt sie eine Sammlung nützlicher Dinge für den Notfall auf, für kleinere und größere Katastrophen. Dinge, um sich und anderen helfen zu können. Dazu gehören sich eine Rettungsdecke, ein Universaltaschenmesser, chirurgische Nadeln, Verbandsmaterial. "Ich denke da an eine Situation wie kürzlich in der Londoner U-Bahn", sagt sie. "Eine Explosion, Menschen werden verletzt, viele müssen vor einer Gefahr fliehen."

Ein Kompass für die Orientierung in freier Wildbahn. (Quelle: rbb/Anne Hoffmann)
Bild: rbb/Anne Hoffmann

Die 53-Jährige breitet weitere Utensilien auf einem Tisch aus. Ein Kompass, ein Miniaturgaskocher, eine wachsgetränkte Schnur mit Zündstein und ein sogenanntes LiveStraw, ein rohrförmiger Filter mit antiseptischem Effekt. "Mit dem könnte ich aus jeder Wasserquelle unbedenklich trinken." Außerdem noch Kondome. "Die sind prima, um Wasser zu transportieren!", erklärt Cody. All diese Dinge ständig bei sich zu haben, ist für sie durchaus nicht abwegig.

Vorkehrungen für den totalen Blackout

"Mich hat besonders ein Buch nachhaltig beeindruckt: 'Blackout' von Marc Elsberg. Er beschreibt darin sehr realistisch, was passiert, wenn großflächig der Strom ausfällt." In dem Roman bringen Hacker Europas Stromnetze zum Kollaps. Schon in den ersten zwei Tagen sind die Supermärkte leer gekauft. Nach drei Tagen laufen nur noch vereinzelt Generatoren, etwa auf Intensivstationen von Krankenhäusern. In den meisten Haushalten ist schon nach drei bis vier Tagen kein Trinkwasser mehr vorhanden. Dann geht das Zerren um die Ressourcen los. Das Buch ist unter deutschsprachigen Preppern sehr populär.

In ihrem Zuhause hat Gesine Cody immer einen fertig gepackten Rucksack stehen, der mit umfangreicher Campingausrüstung, warmer Kleidung und Notfallrationen bestückt ist. Etwa 20 Kilogramm ist der schwer. Damit könnte sie im Katastrophenfall viele Wochen überleben. "Ich will autonom sein, mein Leben aktiv gestalten", sagt sie. "Und das was ich tue, soll Sinn für mich und andere machen." Viele Menschen würden sich heutzutage in einer "mental verkehrsberuhigten Zone" bewegen. Das regt sie auf. "Ich brauche Menschen um mich, die eine Philosophie haben, die aktiv sind. Und das habe ich bei den Preppern gefunden." Das seien Leute, die gute Fähigkeiten hätten, sagt Cody.

Eine Rettungsdecke, eine Taschenlampe, ein Taschenmesser und Besteck für das Überleben in freier Wildbahn. (Quelle: rbb/Anne Hoffmann)
Bild: Quelle: Anne Hoffmann

Unangenehme Eventualitäten

So ist sie auch zu Benjamin Arlet gekommen, der die Berliner Prepper-Gruppe gegründet hat. Prepper seien ganz normale Menschen, sagt er. Sie kämen aus allen Schichten, vom Zimmermann bis zum Arzt. "Er/sie denkt in die Zukunft und ist bereit, sich auch mit unbequemen Gedanken und Eventualitäten zu beschäftigen", sagt Arlet. Verantwortung für die eigene Gesundheit und das eigene Leben zu übernehmen, motiviere ihn und andere, sich mit dem Thema zu beschäftigen.

Und wie sieht es mit Untergangsängsten aus? "Angst spielt im selben Maße eine Rolle, wie die Angst vor einem Unfall jemanden dazu bringt, eine Unfallversicherung abzuschließen." Arlet schätzt, dass es in Deutschland bis zu 150.000 Prepper gibt. Genaue Zahlen gibt es allerdings nicht.

Ein Wasserfilter zur Reinigung des Trinkwassers. (Quelle: rbb/Anne Hoffmann)
Bild: rbb/Anne Hoffmann

Auch der Staat bereitet sich auf Katastrophen vor

Jahrelang wurden Prepper belächelt. Abgetan als Spinner und Weltuntergangspropheten. Doch als Bundesinnenminister Thomas de Maizière im August 2016 eine überarbeitete Version des Zivilschutzkonzepts der Bundesregierung vorstellte, sah sich die Szene bestätigt. Der CDU-Politiker empfahl damals, jeder Bürger sollte Lebensmittel für einen Zeitraum von zehn Tagen bunkern. Dass der Staat im Katastrophenfall die Bevölkerung nicht mehr versorgen könnte, sei allerdings ausgeschlossen. Für den Ernstfall hält Deutschland zum Beispiel Erdölreserven vor, um sich für bis 90 Tage selbst versorgen zu können.

"Die Pläne sind hilfreich", sagt Arlet. Ebenso wie die lange Liste von Gegenständen, die das Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe empfiehlt. Taschenlampe, Thermoskanne, Dosenöffner, Verbandsmaterial. "Doch die Mehrheit der Deutschen ist schlecht vorbereitet." Gemeinsam mit einem Freund bietet Arlet Workshops und Trainingsprogramme an. Es gibt auch Kurse mit Wanderungen durch Waldgebiete oder sogenannte Überlebenscamps, die zwei oder mehr Tage dauern. Dabei werden Fragen geklärt wie: Welche Ausrüstung brauche ich? Wie komme ich in der Gruppe klar? Was darf ich im Wald essen und was auf keinen Fall?

Im Ernstfall werden auch Würmer gegessen

Auch Gesine Cody macht regelmäßig bei solchen Kursen mit. "Prepper bringen einander nützliche Dinge bei. Von denen kann ich was lernen", sagt sie. "Und jeder bringt sein Know How mit. Wir unterstützen uns gegenseitig, bauen gemeinsam unsere Fähigkeiten aus." Im vergangenen Winter habe sie bei Minusgraden an einem Camp im Wald teilgenommen. Damals musste sie so viel Holz sammeln, damit es für zwei Nächte ausreichte. Unter einer großen Schutzplane wurde Feuer gemacht und Essen gekocht. Sie hat auch schon mal einen Wurm probiert. "Das war total eklig, muss ich nicht noch einmal haben." Jetzt ist sie Veganerin. Das Gruppenerlebnis und die Nähe zur Natur, seien für sie die wichtigsten Aspekte dieser Aktionen. "Preppen schärft die Wahrnehmung. Egal wo man gerade ist", sagt sie.

Sendung: Zibb, 19.09.2017, 18.30 Uhr

Beitrag von Anne Hoffmann

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11 Kommentare

  1. 11.

    So wie die aussieht, würde meine Oma sich bereits im Weltuntergang wähnen. Kriege verhunzen alles, auch die Frisur...

  2. 10.

    Prepper, AfD, Reichsbürger... haben Sie nicht die Juden und Außerirdische vergessen? Ich bin sicher, da gibt es auch Schnittmengen. Ich glaube, die äußern sich z.B. alle positiv zu erneuerbaren Energien und ein Recht auf Kinderbetreuung.
    Sie verwenden selbst den Begriff "Verschwörungstheorie". Sind es jetzt die Prepper etc, die die Theorien starten oder Leute, wie Sie, die alles, wovon sie nichts verstehen in eine Ecke stellen und mir Vorurteilen auskleiden?

  3. 9.

    Eine offensichtlich paranoide Weltuntergangsapologetin wird durch die Begegnung mit einem Wurm im Rahmen eines Survivalcamps zur Veganerin. Hätte sich der Postillon nicht besser ausdenken können. Filmrechte schon verkauft?

  4. 8.

    Ich hatte einen Rohrbruch und 10 Tage lang kein Wasser, Abwasser ging auch nicht, weil der Rohrbruch San d in den Abwasserkanal gespült hatte. Ohne meine Vorräte an Trinkwasser und Wasser, Fertigmenüs (Epa) hätte es recht dumm ausgesehen. Die 5l Wasser Kanister wurden für die Katzenwäsche benötigt. Bei den Baggerarbeiten wurde auch noch das Hausanschlusskabel getroffen damit war das Haus ohne Strom, die Bauarbeiter konnten nicht mehr arbeiten weil der Strom fehlte. Ein grosses Notstromagregat konnte Abhilfe schaffen und der Strom war nur ca. 6 Stunden ausgefallen aber da merkt man erst einmal was alles nicht mehr geht. Ich kann nur jedem empfehlen sich mit dem Thema Vorratshaltung zu beschäftigen. Es kann einen schneller treffen als man glaubt.

  5. 7.

    @ Der Zuschauer
    >Mich< ... >Institutionen.<

    Beim Katastrophen, wie d. Winter 78/79 hat auch kein Vertrauen auf Staat u. seine Institutionen geholfen.
    Unterbrochene Stromleitungen bedeuteten bei Heizungen, deren Steuerung mittels Elektronik funktionieren, tagelanges frieren, es sei denn, Frau war Queen u. besaß einen Ofen, oder Kamin.
    Und selbst durch einen Sonnensturm könnte die gesamte Stromversorgung weltweit zusammenbrechen.
    Oder hätten Sie am Ende der 80er Jahre, falls Sie damals schon lebten, gedacht, dass es in Europa noch einmal zu einem regional begrenzten Krieg kommen würde, so wie in ex Jugoslawien?

    Wer sich über solche Ereignisse keine Gedanken macht, so wie Sie anscheinend, kann natürlich leicht in Versuchung geraten politische Motive zu konstruieren.

  6. 6.

    Tja nun, ich denke es gibt sogar Tierschutzpartei Wähler, die preppen. Ein verhaltenes Mißtrauen gegenüber stattl. Einrichtung hat wohl jeder irgendwie. Sich auch auf sich selbst zu verlassen ist ja nicht ganz verkehrt.
    Man muss nicht bei jedem Thema zwanghaft eine Schneise nach rechts schlagen. Wirklich nicht.

  7. 5.

    Eventuell gibt es Schnittmengen aber ich würde sagen auch nicht viel mehr als bei anderen Hobbys oder Beschäftigungen.
    Ich persönlich bereite mich vor um im falle des Falles mich eben unabhängig versorgen zu können wenn der Staat mal ausfällt aus welchen Gründen auch immer und nicht weil ich dem Staat total misstraue. Es ist gar nicht mal so unwahrscheinlich das es zb. in manchen Regionen einen Erdrutsch gibt und ganze Teile von der Aussenwelt abgeschnitten sind. Da ist es dann sehr sinnvoll vorgesorgt zu haben um so eventuell auch noch anderen die nicht so klug waren zu helfen.
    Und nur zur Info ich würde nie die Afd wählen und auch nicht die NPD.

    LG von einer jungen vernünftigen Prepperin

  8. 4.

    Hallo, danke für Ihre Frage.
    Es gibt definitiv Menschen, für die die private Krisenvorsorge zu einer, wie Sie es nennen, "Religion" wird, bzw. die sich ungesund viel damit beschäftigen. Es ist auch möglich, dass sich darunter Reichsbürger befinden. Bitte beachten Sie aber, dass diese in der Szene sogenannten "Doomer" A) eine verschwindend geringe Minderheit sind und B) keine Vernetzung zwischen ihnen und denjenigen besteht, die das Thema vernünftig betreiben.

    Wir stehen für eine unaufgeregte Auseinandersetzung mit den Risiken unserer komplexen und daher leider auch anfälligen Infrastruktur, für die persönliche Absicherung dagegen und für die Bewältigung von Krisensituationen zusammen mit den staatlichen und ehrenamtlichen Institutionen (und nicht gegen sie).

  9. 3.

    Ich lese aus dem Text eine gewisse Katastrophenlust und ein tiefes Misstrauen gegenüber staatlicher Kontrolle heraus, die scheinbar das Leben der Prepper bestimmt und steuert.

    Bei einem schweren Reaktorunfall, Atomangriff oder ähnlichem mit anschließender atomarer Verseuchung hilft das alles wenig. Und die ist von allen worst cases, wo Menschen auf sich gestellt sind und nicht mehr auf staatliche Versorgung hoffen können, wohl die wahrscheinlichste.


  10. 2.

    Mich würde interessieren, ob es gewisse Schnittmengen zwischen diesen "Preppern" und AfD-Anhängern oder gar "Reichsbürgern" gibt. Ihnen gemeinsam ist ein offensichtlich stark ausgeprägtes Misstrauen gegen unseren Staat und seine Institutionen. Natürlich ist es immer gut, auf gewisse Situationen vorbereitet zu sein. Aber wenn das zu einer Art "Religion" erhoben wird, dann nimmt das für mich schon verschwörungstheoretische Züge an.

  11. 1.

    Diesem Thema gehört mehr Aufmerksamkeit. Potsdam hatte im August einen Stromausfall und wohl die Wenigsten sind auf so etwas vorbereitet. Kein Strom längere Zeit bedeutet Chaos.

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