Hinweisschild der «Kirche des Fliegenden Spaghettimonsters» mit den Zeiten der sogenannten Nudelmesse in Templin (Quelle: Pastafari.eu)
Bild: Pastafari.eu

Anerkennung als Weltanschauungsgemeinschaft - Pastafaris ziehen jetzt vors Bundesverfassungsgericht

In Brandenburg scheiterte die Kirche des fliegenden Spaghettimonsters in allen Instanzen. Doch die selbst ernannte Glaubensgemeinschaft pocht weiter darauf, Hinweis-Schilder für ihre Messen an den Templiner Ortseingängen aufstellen zu können - wie andere Kirchen.

Seit 2014 lädt die Kirche des fliegenden Spaghettimonsters regelmäßig freitags zur Messe. Hinweissschilder sollen wie die Schilder der kirchlichen Gottesdienste auf die Nudelmesse hinweisen – der Streit um die Schilder ist endlos. Dahinter steckt der Kampf der selbst ernannten Kirche um die Anerkennung als Weltanschauungsgemeinschaft.

Nach ihren Niederlagen in sämtlichen Instanzen in Brandenburg sucht die Kirche des fliegenden Spaghettimonsters nun Bestätigung in Karlsruhe. Dazu legte die antiklerikale satirische Vereinigung am Freitag beim Bundesverfassungsgericht Beschwerde ein, wie der Verein am Montag mitteilte. Die sogenannten Pastafaris zeigten sich überzeugt, dass die Richter "sich eingehend mit der gesamten Materie beschäftigen und in der Folge den Weltanschauungsstatus bestätigen".

Keine Religionsgemeinschaft?

Laut eigener Mitteilung wollen die Pastafari Hinweisschilder aufstellen, wie andere Religionsgemeinschaften auch. Die Gerichte haben bisher abgelehnt, die Spaghettimonsterkirche als Weltanschauungsgemeinschaft anzuerkennen. Vor dem Verfassungsgericht geht es den Pastafari nun um die Begründung der Brandenburger Richter: Es fehle "dem klagenden Verein an einem Bekenntnis zu einer gemeinsamen Weltanschauung" - das sehen die Anhänger der Spaghettimonsterkirche anders.

Das Oberlandesgericht (OLG) Brandenburg hatte Anfang August entschieden, dass die Spaghettimonsterkirche weder eine Religionsgemeinschaft noch eine Weltanschauungsgemeinschaft wie die beiden großen christlichen Kirchen sei. Daher dürfe sie keine Hinweisschilder zu Messen am Ortseingang von Templin aufstellen.

"Gleichberechtigt mit anderen Religionen"

Das OLG schloss sich damit in seiner Begründung dem Urteil des Landgerichtes Frankfurt an der Oder an. Der Verein sei keine Religionsgemeinschaft, weil ihm ein Gottesbezug fehle, hieß es im Urteil. Als Mittel der Religionssatire imitiere und verfremde er Texte und Symbole, die christlicher Religion entlehnt seien, wie etwa das "Monsterunser" oder ein auf das fliegende Spaghettimonster bezogenes "Glaubensbekenntnis". Die darin geäußerte Kritik an Überzeugungen Anderer stelle "kein umfassend auf die Welt bezogenes Gedankensystem im Sinne einer Weltanschauung dar".

Das wird von den Religionssatirikern bestritten. Der von ihnen praktizierte evolutionäre Humanismus sei nicht bloße Satire, sondern eine Weltanschauung, sagte Weida. "Wir sehen die satirisch-kritische Religion als völlig gleichberechtigt mit anderen Religionen." Das solle das Bundesverfassungsgericht nun überprüfen.

In Deutschland mehrere tausend Anhänger

Die Kirche des fliegenden Spaghettimonsters hat ihre Wurzeln in den USA. Sie entstand im Jahr 2005 aus Protest gegen die gleichwertige Behandlung von Evolutionstheorie und der biblischen Schöpfungslehre im Schulunterricht als konkurrierende wissenschaftliche Wahrheiten. In Deutschland hat die Kirche nach eigenen Angaben mehrere tausend Anhänger und macht sich für die Förderung der Wissenschaften stark.

Bei ihren sogenannten Messen, die in Templin an jedem Freitagvormittag stattfinden, verzehren die sich selbst Pastafaris nennenden Anhänger gemeinsam Nudeln und Bier. Ihrer Glaubenslehre nach erwartet sie das Spaghettimonster im Himmel mit einem Biervulkan sowie einer Fabrik, die - je nach sexuellen Vorlieben - Stripper und Stripperinnen herstellt.

 

Sendung: Inforadio, 04.09.2017, 12:40 Uhr

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