Passanten gehen am 24.07.2015 in Berlin über die Warschauer Brücke (Quelle: dpa/Paul Zinken)
Bild: dpa

Von der Warschauer Straße zum Hermannplatz - Wird die "Party-Tram" M10 noch länger?

Die M10 soll bis nach Berlin-Neukölln verlängert werden. Die Senatsverwaltung für Verkehr will ab Anfang nächsten Jahres mögliche Strecken ausarbeiten lassen. An die "Party-Tram" könnte auch ein vernachlässigter Kiez in Treptow angeschlossen werden. Von Oliver Noffke

Der Berliner Senat will mögliche Strecken für eine Verlängerung der M10 von der Warschauer Straße zum Hermannplatz prüfen lassen. Das geht aus der Antwort der Senatsverwaltung für Umwelt, Verkehr und Klimaschutz auf eine Anfrage der Abgeordneten Gabriele Gottwald (Linke) hervor.

Anfang 2018 soll geprüft werden, welche Streckenführungen möglich sein könnten. Der Senat rechnet, dass diese Vorfeststellung ein bis anderthalb Jahre dauern werde. Wenn mögliche Trassenführungen ausgearbeitet wurden, soll eine sogenannte Vorzugsvariante festgelegt werden. An dieser Entscheidung sollen auch die Bürger beteiligt werden.

Linke will, dass Westen Treptows angeschlossen wird

Die Linkspartei hofft, dass die Verlängerung statt einer direkten Verbindung in einem großen Bogen durch den Karl-Kunger-Kiez in Treptow führen wird. Katalin Gennburg, Abgeordnete für den Bezirk Treptow-Köpenick, sagte rbb|24, dass die schlechte Anbindung des Stadtteils noch auf die Teilung Berlins zurückzuführen ist.

"Der Kiez ist umschlossen von zwei früheren Westbezirken, Kreuzberg und Neukölln, und grenzt an einen ehemaligen Ostbezirk, Friedrichshain." Eine Anbindung durch die Tram würde die Verkehrssituation rund um den Weichselplatz entspannen und die Mobilität Älter Menschen verbessern, von denen rund um die Wildenbruchstraße viele leben würden, sagte Gennburg.

Da die Bevölkerung im Nordwesten Treptows rasant wachse, werde auch eine leistungsfähigere Infrastruktur gebraucht. Dies rechtfertige auch höhere Kosten die der deutlich längeren Bogen durch den Karl-Kunger-Kiez verursachen würde, statt einer direkteren Verbindung, etwa durch den Görlitzer Park, sagte die Linken-Politikerin. "Die Reduzierung der Abgasemissionen bei gleichzeitig steigenden Fahrgastzahlen rechtfertigt somit auch das entsprechende Kostenvolumen."

Achtung, "Party-Tram"!

Die Senatsverwaltung geht davon aus, dass von der Planung bis zur Fertigstellung fünf bis sechseinhalb Jahre verstreichen werden – wenn keine Klagen gegen den Bau eingereicht werden, heißt es.

Momentan laufen bereits Planungen für eine Verlängerung der Linie von der Invalidenstraße am Hauptbahnhof bis zur U-Bahnhaltestelle Turmstraße in Alt-Moabit. Die M10 ist insbesondere auf ihrem Weg durch Berlin-Friedrichshain als "Party-Tram" bekannt, wo sie zwischen Bersarinplatz und Warschauer Straße verkehrt.

Ob eine Verlängerung der M10 zum Hermannplatz sinnvoll wäre, wird unter Stadtplanern und in Internetforen bereits seit Jahren diskutiert. Auch mögliche Streckenführungen wurden bereits vorgeschlagen. Bislang basiert aber keiner dieser Vorschläge auf notwendigen Verkehrsanalysen. Welche Strecke für die Südverlängerung der M10 tatsächlich am wahrscheinlichsten ist, könnte 2019 feststehen.

Mögliche Routen der M10 bis zum Hermannplatz (Quelle: rbb|24)
Bild: rbb|24

Beitrag von Oliver Noffke

Kommentar

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33 Kommentare

  1. 33.

    "Mobilität Älter Menschen " - Die Investoren scharen hier schon mit den Hufen.

  2. 31.

    @rbb Einen Bericht oder eine Reportage über Berlins historisches Straßenbahnnetz fände ich sehr interessant. Könnte auch die Diskussion hier über den Ausbau des ÖPNV bereichern.

  3. 30.

    Eine Verlängerung bis Schlesische Straße wäre ja schon mal ein Anfang, der eine echte Verbesserung bringen würde. Scheinbar sind sich ja über diesen Teil der Verlängerung auch fast alle einig.
    Die infrastrukturellen Lücken der Teilung wären dadurch ein Stückchen kleiner. Denn der Weg über die Brücke ist – gefühlt – lang, und leider immer noch eine Barriere, um als Friedrichshainer mal kurz an den „Schlesi“ oder in den „Görli“ zu schauen.
    Ich freu mich drauf :)

  4. 29.

    Partyzüge brauchen wir hier nicht und schon jetzt haben wir gute Busverbindungen zu U + S Bahn.
    Für Alt Treptow bevorzuge ich die grüne Linie.
    Wer auf die Idee kommt durch diese engen Straßen eine Straßenbahn zu leiten scheint da nicht zu wohnen.

  5. 28.

    mehr Fahrzeuge = mehr öffentlicher raumbedarf...
    schon jetzt ist hier ein erhebliches ungleichgewicht. der ruhende verkehr im bereich MIV benötigt mehr fläche als im zusteht. es mag der wille der autofahrer sein sich umsonst am öffentlichen raum bedienen zu wollen... gerecht ist das nicht.

  6. 27.

    Ich teile Ihre "Logik" nicht - es gibt immer Lösungen nur die werden durch die RRG-Klientel nur nicht angestrebt.
    Fakt ist die Zulassungen von Fahrzeugen werden mehr, bedeutet - der Wunsch nach Individualität ist nach wie vor Willen der Bevölkerung. RRG sind Blocker.

  7. 26.

    Das Angebot richtet sich ja gerade an Menschen, die von der Tram M 10 herkommen und bei der jetzigen Alternative zweimal umsteigen müssen. Von der Straßenbahn bis zur U-Bahn an der Warschauer Straße geht das ja ganz prima, am Kottbusser Tor ist das Ölsardinen-Dasein, was Nico beklagt, tatsächlich vorhanden. Weil eben bei einem Umstieg alle 5 Minuten mit der U-Bahn pulkweise doppelt so viel Menschen auf die Rolltreppe kommen wie bei einem 3 Min. Takt einer Straßenbahn, wäre hier theoretisch Umstiegsstation.

    Der Umstieg am Kottbusser Tor würde jedoch bei der Tram vermieden und das auch aus dem Grunde, weil am Kottbusser Tor sowieso schon eine hochverdichtete Ein- und Ausstiegsstation ist, ganz anders als bspw. am S-Bhf. Westkreuz.

  8. 25.

    "In einer diktatorischen Bestimmer-Gesellschaft schon ..."

    Merkwürdige Logik: Aus einem mögichen Wegfall von Kfz-Stellplätzen an einem bestimmten Orten wird das Verbot des Autofahrens insgesamt an die Wand gemalt, aus der Schaffung eines Straßenbahn-Angebotes heraus wird behauptet, dass andere dadurch in ihrer Verhaltensfreiheit eingeschränkt würden.

    Das glatte Gegenteil ist der Fall: Steht augenblicklich die Wahlfreiheit zwischen den Verkehrsmitteln an vielen Orten faktisch nur auf dem Papier, weil es sie mangelns Angebot faktisch nicht gibt, wird sie durch die Schaffung eines weiteren Angebots erst ermöglicht.

    Jeder Mensch, der Radfahren will, kann dies tun und niemand verbietet es ihm.
    Jeder Mensch, der Autofahren will, kann dies tun und niemand verbietet es ihm.
    Nur die Umstände sind eben andere. Eben auf FAKTISCHE Wahlfreiheit ausgerichtet.

  9. 24.

    In einer diktatorischen Bestimmer-Gesellschaft schon, aber viele Leute lieben es nicht eingepfercht zu werden, den Mief anderer zu inhalieren oder plötzlich SEV zu fahren. Weil riechen ist ja Essen (Aufnahme durch Schleimhäute).
    In Zeiten von Tuberkulose, Masern sollte man schon auf seine Gesundheit achten.
    Viele wollen individuell von A nach B und/oder C kommen, oder dahin abbiegen wo die Bimmel nicht abbiegt.
    Gib den Studenten Kohle - sie würden alle den Führerschein machen und alle Auto fahren...
    Da in Berlin eine immer wachsende Klientel kein Geld hat, macht sie den berufstätigen Autofahrern das CO2-ökologisch madig - nach dem Motto "Wenn ich das nicht kann, sollen die anderen auch nicht". Und da Berlin immer mehr Nichtzahlungsfähige Bewohner zuziehen lässt, haben wir den Salat: RRG.
    Außerdem hängt die Grundeinstellung auch vom Alter, der Gewöhnung, und vom "Blutgeleckt-haben" ab.

  10. 23.

    Das wär gut aber man kann auch von Warschauer Straße bis Hermannplatz die U1 und U8 nutzen

  11. 22.

    Die Leistungsfähigkeit einer Straßenbahnstrecke in dem Fahrtakt der M 10 entspricht dem einer sechsspurigen Autoverkehrsstraße und mindestens einer vierspurigen Fahrradtrasse. Dreimal darf geraten werden, wo ein zu Fuß Gehender besser rüber kommt und was stadtverträglicher ist: Bei einem 3 - 5 Min. Straßenbahntakt, mithin 12 - 20 Bahnen pro Stunde und Richtung ...

    ... oder bei mehreren Tausend Kfz. bzw. mehreren Tausend Radfahrenden pro Stunde und Richtung.

  12. 21.

    " ...der Ausbau des alleinseligmachenden Radwegnetzes sei auch nur ein fieser Vorwand für die noch fiesere Gentrifizierung...."

    Das wundert mich auch, dass Stephen O da so unkritisch ist. Schließlich ist es Mode unter Investoren geworden, nicht nur die einschlägigen Porsches auf ihren PR-Illustrationen abzubilden, sondern selbstverständlich auch Fahrräder, pardon: Bikes der höheren Preisklassen.

    Auch die Minderung des Straßenlärms erhöht den Wohnwert und auch die Grüngestaltung eines Viertels. Daraus zu schließen, dass das nicht sein soll, weil das Mieten nach oben treibt, halte ich für kurzsichtig.



  13. 20.

    1. Super! Anglühen in FRHN, HASH-Stop im Görli mit 5 Minuten Aufenthalt zum Einkaufen und ab in den Reuterkiez = "Simon-Krach-Straße" No. 2!
    2. Wieviele Fahradwege könnten wohl für die Baukosten errichtet werden?

  14. 18.

    Ich empfehle die dunkelblaue Linie, weil sie den direktesten, kürzesten und damit schnellsten Weg zum Hermannplatz ermöglichen würde. Es wäre die ideale Verbindung zur U7 und U8, sowie zu den Einkaufsmöglichkeiten rund um den Hermannplatz. Für den M29er empfehle ich dann den Wiederaufbau der Wiener Brücke (meinetwegen auch ohne Autos) und eine Führung zum S-Bahnhof Treptower Park. Dadurch ergäben sich völlig neue Beziehungen aus dem Norden Kreuzbergs zur Ringbahn und zur S-Bahn auf der Görlitzer Bahn, während die Umwege des M29ers in Kreuzberg im Grunde nur einer Kiezlinie entsprechen, aber eines Metrobusses kaum würdig sind. Später sollte diese Linie ebenfalls auf Straßenbahn umgestellt werden.

  15. 17.

    Über die Stralauer Allee und Elsenbrücke ist eine gute Idee! Aber leider sind die Strassen dahinter sehr eng und Staubelastet. Die Elsenstrasse ist ab dem Parkcenter nur 2 spurig. Ausserdem wird es sehr problematisch wenn dort in ein paar Jahren die Autobahn 100 endet.

  16. 16.

    Das ist Berlin! Zu sonst etwas ist die Stadt nicht in der Lage. Ich werde jetzt dieses Podium verlassen. Das ist nicht mein Umgang. Ihr schlaft alle bis Mittag und dann ab zur Party.

  17. 15.

    Ich frag mich immer wieder warum über die Oberbaumbrücke? DIe sowieso schon Staubelastet ist und die Tram unter der Hochbahn fahrtüchtige Kunstsücke hinlegen muss. Wäre es nicht besser die M10 oder auch M13 über die Stralauer Allee und über die Elsenbrücke durch den Kunger Kiez zu führen? Hier wäre für den Großteil der Strecke sogar ein eigenes Gleisbett möglich. Zudem würde es noch die geplante Nachverdichtung im Rudolfkiez entlasten sowie den 104er vom Treptower Center / S-Bhf Treptower Park Richtung Neukölln.

  18. 14.

    Ich fasse zusammen: Es muß alles so bleiben, wie es ist. Immer. Ewig. Und freue mich darauf, daß Leute Ihres Schlages demnächst auch noch erklären, der Ausbau des alleinseligmachenden Radwegnetzes sei auch nur ein fieser Vorwand für die noch fiesere Gentrifizierung. Und dafür, widerwärtiges Pack wie Westler und andere Zugereiste in die Idylle zu befördern (diese Leute fallen ja in der Regel via Straßenbahn über ein Soziotop her).

    Was halten Sie davon, die Mauer wieder aufzubauen? in der DDR waren die Mietpreise doch so schön stabil (im Gegensatz zur Bausubstanz). Aber Achtung: Von dem Tempo, in dem da in den Siebzigern und Achtzigern neue Straßenbahnstrecken gebaut wurden, können wir heute nur träumen.

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