Mehr als 800 Interessenten für eine Berliner Wohnung (Quelle: rbb/Abendschau)
Video: Abendschau | 08.10.2017 | Rainer Unruh / Untertitelung: rbb|24 | Bild: rbb/Abendschau

Massenansturm nach Inserat - 800 Bewerber für eine Wohnung im Prenzlauer Berg

Eine 80 Quadratmeter große Altbau-Wohnung im Prenzlauer Berg für unter 1.000 Euro Miete? Das gibt's wirklich. Doch binnen weniger Stunden konkurrieren 800 Interessenten um das Kleinod. Am Ende bekommt sie wohl der, der am wenigsten schmutzt. Von Rainer Unruh

Balkon, Holzdielen, Gründerzeitgebäude: Ein Inserat verspricht eine mietpreisgebremste Dreizimmer-Altbau-Wohnung im Prenzlauer Berg. 800 Interessenten melden sich binnen weniger Stunden auf das Angebot des Vermieters. Der hat einen solchen Ansturm nach eigener Aussage in 35 Jahren noch nicht erlebt.

Es drängeln sich die Wohnungssuchenden auf dem Gehweg

Zum Besichtigungstermin drängeln sich dann bei sonnigem Herbstwetter mehrere hundert Wohnungssuchende auf dem Gehweg. Der Hausverwalter sieht nichts von der Sonne an diesem Tag. Er steht an der Haustür und regelt die Zahl derer, die sich die Wohnung auf einmal anschauen können. "So, hier machen wir wieder Schluss". Resolut stoppt er die unentwegt hineinströmenden Menschen. 

Durch für die Bewerber ist hier möglichst nicht Schluss, sondern erst der Anfang erreicht. Obwohl eine Wohnung wie diese – 80 Quadratmeter für unter 1.000 Euro Miete bei bis zu 600 Bewerbern – wie ein Lottogewinn ist. Wenn man sie denn bekommt.

"Wir haben jetzt schon Zahnärzte und Gynäkologen aus Wuppertal und aus Köln mit nachgewiesenem Einkommen von weit über 20.000 Euro netto", berichtet Hausverwalter Ralf Harms. Auch Bundestagsabgeordnete haben sich für diese Wohnung im Superkiez beworben.

Der Vermieter will fair sein – er hält sich an die Mietpreisbremse – und so kommt es zu dem Auflauf. Doch einige Interessenten wundern sich auch. "Das ist ziemlich krass. Aus Frankfurt und Hamburg sind wir einiges gewöhnt. Wir haben gedacht, in Berlin sei es echt leichter, weil früher die Mietpreise deutlich niedriger waren. Aber das hat sich völlig geändert. Es ist erschreckend", so ein Paar, das sich die Wohnung anschaut.

Im Vorteil sind Zweitwohnungssucher

"Es ist die größte Besichtigung, die ich je gesehen habe. Das ist auch ein bisschen unverschämt, man hätte den Termin auch teilen können. Denn so hat man ja kaum die Möglichkeit, sich die Wohnung in Ruhe anzuschauen", sagt eine junge Frau.

Wer bei so vielen Bewerbern die Wohnung bekommen wird? "Die meisten Vermieter trauen keinem Studenten zu, eine Wohnung zu übernehmen", resümiert ein Student desillusioniert. "Es ist absurd, wenn zu einer Wohnungsbesichtigung mehrere hundert Leute kommen", ergänzt ein anderer Bewerber. Er frage sich, ob sich die Besichtigungen überhaupt noch lohnen.

Auch wenn sie alle Regeln einhalten, scheinen Vermieter dennoch ihre Vorlieben zu haben. "Man ist bemüht, einen guten Mieter zu finden. Wenn es dann jemanden gibt, der die Wohnung nur als Zweitwohnung haben will, steht der natürlich auf der Liste ganz weit oben", verrät der Hausverwalter. Wegen der geringeren Abnutzung der Wohnung, heißt es. Der neue Mieter soll in diesem Fall in einer Woche gefunden sein.

Beitrag von Rainer Unruh

Kommentar

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17 Kommentare

  1. 17.

    Asoziale Wohnungsbauverhinderer am Werk! http://www.ronald.de/wordpress/?p=3050

  2. 16.

    Totaler Blödsinn, natürlich gibt's Wohnungen im Prenzlauer Berg (Ortsteil) unter 1.000 Euro.

  3. 15.

    Was ist daran komisch wenn i.anmahne welch Methoden heute geläufig sind um eine Wohnung zu erhalten?Bes.Prenzelberg.Wer i.Mitte lebt,lebt teuer.Bes.im Vorderhaus.

  4. 14.

    Schöner Artikel basierend auf falschen Fakten. Der Vermieter hat die Anzeige 3 Tage auf ImmoScout stehen gelassen und danach allen Interessenten eine persönliche Einladung geschickt. Dann brauch man sich nicht wundern, wenn die meisten vorbeikommen, weil sie dachten es wäre eine normale Besichtigung.
    Aber eine Massenbesichtung provozieren, gleichzeitig auch noch das RBB-Kamerateam einladen und dann am Ende von "Fairness" reden, ist schon ein starkes Stück.

  5. 13.

    Der Preis ist ja mittlerweile nicht mehr exorbitant,sonst würden sich ja nicht so viele bewerben. Komischer Kommentar.

  6. 12.

    Diese Milchbubis u.Mädels wollen ja diese exorbitanten Mieten zahlen.Hauptsache man wohnt im Prenzelberg.Also dann zählt auch fleißig.

  7. 11.

    Was sich mittlerweile abspielt ist unwürdig geworden und Vermieter, die lieber an Zweitwohnungsnutzer vermieten, als die Whg denen zu überlassen die hier LEBEN möchten, ist eine Perversion sondergleichen.
    Aber diese Stadt (nicht deren BERLINER und Menschen, die uns Berlinern nicht ihre Kultur aufdrücken wollen) will es anscheinend - ich wurde in Berlin groß und ich werde diesem unmenschlichen Moloch bald den Rücken kehren, nicht im Groll oder Zorn - eher in der Zuversicht, dass Berlin irgendwann so überfressen ist, dank der Verkäufe an irgendwelche Zocker, Spekulanten und "Heuschrecken" und sich dann nur noch auskotzen wird.

  8. 10.

    Warum hat der nicht gleich geschrieben "suche Zweitwohnungsmieter, der die Kehrwoche einhält", dann wäre gleich klar gewesen, dass man einen wenig anwesenden, sauberen, älteren Schwaben sucht... danke, dass solche Auswüchse öffentlich gemacht werden - vera...en kann man sich auch alleine, dafür braucht man nicht so ein Wohnungsangebot... (hoffentlich macht der Zweitwohnungsmieter ne Ferienwohnung draus :-) )

  9. 9.

    800 Menschen geht schon fast als unangemeldete Demo gegen zu hohe Mietpreise durch. Fehlen nur noch Transparente.

  10. 8.

    " 800 Bewerber für eine Wohnung im Prenzlauer Berg " das ist doch nicht mehr normal, wohin soll dieser Mietpreisirrsinn noch führen ? eine Antwort erwarte ich nciht, ist eh schon alles klar , aber es geht uns gut ? tatsächlich ?

  11. 7.

    Ja,in dem Fall wären die mit Hirn dankbar für das günstige Angebot. Allerdings gibt es auch Idioten,die intelligent sind. Die wird es immer geben,man sollte sich eben nur nicht zu sehr an ihnen abarbeiten. Du wirst ja sicher auch dir genehme Mitfahrer gehabt haben ;)

  12. 6.

    Wer sind die 'Richtigen'? Es geht nicht um Dankbarkeit sondern um Hirn. Wenn günstig kein Kritierium für Anstand ist, ist dann 'richtig' eins für Vernunft?

  13. 5.

    Das ist in der Tat schizophren. Aber immerhin trägt seine Wohnung nicht zur allgemeinen Erhöhung des Mietspiegels bei..

    Allerdings werden in ein paar Jahren die Mieten generell so hoch sein,dass auch eine richtige Mietpreisbremse keinen Sinn mehr macht. Die ist aber eh nur eine verzweifelte Maßnahme die Folgen einer auseinanderdriftenden Gesellschaft zu kaschieren. Ganz andere Problemlösungen sind gefragt.

    @G.
    Nur weil man günstige Preise anbietet,bedeutet das ja nicht,dass auch die richtigen Leute davon profitieren. Es hilft einfach die Idioten unter den Menschen weitgehend zu ignorieren und sich an den dankbaren zu orientieren.

  14. 4.

    Gut vertont. So hört man wenigstens die Musik schön heraus. Bestätigt meinen bisherigen Eindruck vom rbb Fernsehen. Mittlerweile nicht mehr nur schlicht LANGWEILIG sondern ECHT SCHLECHT! Leider kann ich die Großbuchstaben hier nicht im rbb-Stil verdrehen. Vielleicht geht das ja mit dem nächsten Website-Relaunch...

  15. 3.

    Zitat: "Herr, lass es Hirn regnen." JA: Herr, lass Hirn regnen.
    Ich habe lange Mitfahrer zum BIllig-Tarif mitgenommen, bis Selbige empfahlen übliche Preise anzusetzen um Schnorrer fern zu halten. Nachdem Telefon und Mail-Account heiß liefen, weil zu günstig, hörte ich auf. Es wurde zu stressig. Meine Aktion etwas nicht wegen Geld anzubieten, sondern weil es asozial ist allein im Auto lange Strecken zu fahren, ging schief. Dann wurde ich beschimpft, weil manche jetzt teuer, also normal, buchen mußten. Zudem hatte ich Mitfahrer, die sich trotz niedrigem Fahrpreis unmöglich benahmen, vor allem den anderen Mitfahrern gegenüber. Ich nahm nie drei Personen auf der Rücksitzbank - trotz großem Auto- mit, weil zu unbequem, was mir krumm genommen wurde. Fazit: Wenn etwas günstig ist, wächst die Gier und Menschen verhalten sich danach. Eine Enttäuschung, die jeder der etwas besitzt bzw. anbietet, auch Immobilienbesitzer, erfahren muss. Wenn es gerecht zugeht, ist der Umgang auch nicht besser.

  16. 2.

    Ich weiß nicht mehr wie man das alles noch witzig finden kann.
    Und ja Berlin ist richtig asozial geworden in dieser Hinsicht.
    Entweder man ist sehr sehr arm oder sehr sehr reich :/
    Ein Prosit auf die fleißige Michel-Mittelschicht!

  17. 1.

    "Man ist bemüht, einen guten Mieter zu finden. Wenn es dann jemanden gibt, der die Wohnung nur als Zweitwohnung haben will, steht der natürlich auf der Liste ganz weit oben", verrät der Hausverwalter.

    Das ist asozial!
    Der Vermieter will fair sein? Er hält sich an die Mietpreisbremse? Toll...für einen Zahnarzt aus Düsseldorf, der eine Zweitwohnung braucht...

    Herr, lass es Hirn regnen..

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