Werkzeuge für eine Beschneidung (Quelle: Imago/ WHA UnitedArchive)
Bild: imago stock&people

"Schlag ins Gesicht Betroffener" - Verein kritisiert Gerichtsentscheid zu Beschneidung

Die Entscheidung eines Berliner Amtsgerichtes gegen einen Vater, der seinen siebenjährigen Sohn unfachmännisch beschneiden ließ, stößt auf Kritik. Die Einstellung des Verfahrens gegen Zahlung einer Geldauflage durch das Amtsgericht Tiergarten sei eine Verhöhnung von Beschneidungsopfern und ein Schlag ins Gesicht Betroffener, erklärte der Verein Mogis am Mittwoch in Berlin. Mogis ist ein 2009 gegründeter Zusammenschluss von "Betroffenen von Eingriffen in die sexuelle Selbstbestimmung im Kindes- und Jugendalter".

Das Amtsgericht hatte am Dienstag das Verfahren gegen den 46-jährigen Vater wegen gefährlicher Körperverletzung gegen Zahlung einer Geldauflage von 2.500 Euro eingestellt. Die Summe soll jeweils zur Hälfte an den Sohn und an den Deutschen Kinderschutzbund gezahlt werden.

Zur Begründung hieß es, es könne nicht ausgeschlossen werden, dass der Vater das Beschneidungsverbot für seinen Sohn nicht kannte. Der Vater hatte im Januar 2013 einen rituellen Beschneider beauftragt, den Sohn in der Wohnung in Berlin-Friedrichshain zu beschneiden. Dazu habe weder eine medizinische Notwendigkeit bestanden, noch verfügte der 78-jährige Beschneider über eine ärztliche Zulassung. Er ist gesondert angeklagt. Das Kind litt daraufhin ein halbes Jahr lang an Schmerzen im Genitalbereich, hieß es.

Mogis beklagt Relativierung von Kinderrechten

Der Facharbeitskreis Beschneidungsbetroffener von Mogis kritisierte die Einstellung des Verfahrens und sprach von einer Relativierung von Kinderrechten. Die medizinisch nicht notwendige Vorhautamputation habe gleich mehrere gesetzliche Vorgaben missachtet, erklärte Victor Schiering, vom Mogis-Vorstand. "Die ausführende Person war kein Arzt, die Operation fand in keinem sterilen Umfeld statt, der Junge wurde nicht betäubt und es lag kein Einverständnis beider Sorgeberechtigten vor."

Önder Özgeday vom Facharbeitskreis Beschneidungsbetroffener bei Mogis erklärte, die Gerichtsentscheidung zeige, dass auch mit der seit Ende 2012 veränderten Gesetzeslage "Hinterhofbeschneidungen" nicht verhindert werden. Das Strafmaß nannte er lächerlich. Das Gesetz sei "gänzlich gescheitert und muss zurückgenommen werden", sagte Özgeday.

Laut Gesetz dürfen in den ersten sechs Monaten nach der Geburt auch Personen Jungen beschneiden, die von Religionsgemeinschaften dafür vorgesehen sind. Danach muss dies von einem Arzt gemacht werden.

Mogis war 2009 als Verein von "Missbrauchsopfern gegen Internetsperren" gegründet worden und vertritt heute junge Betroffene von "Eingriffen in die sexuelle Selbstbestimmung".

Sendung: Abendschau, 11.10.2017, 19:30 Uhr

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12 Kommentare

  1. 12.

    Nein nein, Markus, Dir geht es sehr gut. Kanst Du unter Antwort 4. (wolfes) nachlesen. Du musst nur fest genug daran glauben, dass es Dir gut geht, und das geling am besten, idem man andere (unbewusst) für sein Leiden verantwortlich macht und an der Täter statt verachtet. Frauen zum Beispiel. Im Judentum und im Islam funktioniert das super!

  2. 11.


    Als selbst Betroffener muss ich der Kritik an dieser Gerichtsentscheidung aus vollem Herzen beipflichten.
    Meine Beschneidung im Kindesalter war das Trauma meines Lebens, das wie ein dunkler Schatten über meinem gesamten weiteren Leben schwebt.
    Noch heute habe ich regelmäßig Albträume. Beim geringsten Anlass, der mich an die Beschneidung erinnert, zieht sich bei mir alles zusammen, mir wird übel, und mich überkommt ein schreckliches, kaum beschreibbares Gefühl aus Angst und Hilflosigkeit. Von den körperlichen u. sexuellen Auswirkungen dieses Eingriffs gar nicht erst zu reden.

    Dieser Staat brüstet sich selbst mit seiner „Menschenwürde“, die in diesem Land herrschen würde. Von dieser Menschenwürde sehe ich nichts. Wo ist denn Menschenwürde, wenn kleinen, wehrlosen Kindern straffrei und nach Lust und Laune am sensibelsten Körperteil Schmerzen zugefügt und einen Teil davon entfernt werden kann zum finanziellen Vorteil profitorientierter Beschneider, Chirurgen oder Kliniken.



  3. 10.


    Auch das deutsche Grundgesetz kann, zum allgemeinen Glück, zwischen Mann und Frau oder zwischen Junge und Mächen nicht unterscheiden. Noch die geringst invasive Form der FGM muss, weltweit, verboten bleiben bzw. werden, etwa auch die milde Sunna (chitan al-inath, sunat perempuan).

    Die Vorhaut, nicht die Eichel, ist der für leichte Berührung empfindlichste Teil des intakten männlichen Geschlechtsorgans (Sorrells, Snyder, Reiss, Ede, Milos, Wilcox, Van Howe: Fine-touch pressure thresholds in the adult penis).

    Die Vorhaut ist sensibler als die menschlichen Lippen oder Fingerspitzen. Aufgrund ihrer sexuellen Empfindsamkeit spielt das Präputium eine bedeutende Rolle im Sexualleben unbeschnittener Männer und belastet jede Vorhautamputation Sexualität, Sexualpartner und Partnerschaft (Frisch, Lindholm, Grønbæk: Male circumcision and sexual function in men and women: a survey-based, cross-sectional study in Denmark).

  4. 9.

    Was an Leons Beitrag ist bitte "rechtsradikale Propaganda"? Er hat benannt, was geschehen ist: die religiösen Lobbyisten haben Druck gemacht, und unsere religiösen Bundestagsabgeordneten sind artig eingeknickt. Gerade als es um so ein ernstes Thema ging. Daran kann man erkennen, wie ernst es diese frommen Abgeordneten mit unseren Grundrechten wirklich meinen. Nämlich gar nicht.
    Ein Gericht, das die Strafe mildert, mit der Begründung, der Verbrecher könnte vielleicht nicht geahnt haben, dass es ein Verbrechen ist, einem anderen Menschen willkürlich Körperteile abschneiden zu lassen, ist WAS anderes als ein vorauseilend gehorsamer Kulturrabatt?

  5. 8.

    Sie und ihresgleichen wie Leon:

    Verschonen sie uns mit ihrer rechtsradikalen Propaganda!

    Ganz besonders wenn es um solche ernsten Themen geht.

  6. 7.

    Wer keine Argumente hat, muss wohl auf Beleidigungen setzen ("Wikipedia-Arzt"). Wer pauschal behauptet, dass die Beschneidung von Mädchen stets und in allen Formen nichts mit der Beschneidung von Mädchen zu tun habe, zeigt allenfalls selber, dass er keine Ahnung hat. Die Genitalverstümmelung von Mädchen existiert weltweit in sehr unterschiedlichen kulturellen Kontexten und daraus resultierenden Praktiken. Viele dieser Formen von Genitalverstümmelung sind sehr wohl mit der von Jungen vergleichbar, sowohl in der unmittelbaren Durchführung wie in den langfristigen Folgen. Bereits auf dem Juristentag 2014 durfte man lesen, welche Auswirkung §1631d BGB hat:

    "Bei der Auslegung von § 226a StGB ist zu beachten, dass nicht alle Veränderungen an weiblichen Genitalien unter „verstümmeln“ zu fassen sind. Dies ist nicht der Fall, wenn der Eingriff mit der Beschneidung von Jungen vergleichbar ist (etwa wenn nur Vorhaut der Klitoris betroffen ist, ohne Amputationen und weitere Verletzungen)."

  7. 6.

    Ihr Kommentar ist der bisher einzig sinnvolle.

    Nicht das Grundgesetz wurde geändert, sondern das Bürgerliche Gesetzbuch hat einen weiteren Paragrafen erhalten, völlig zurecht, nach der übereilten, provinziellen Entscheidung des Kölner Landesgerichts. Und damit sollte ja eben nicht der illegalen Beschneidung Tür und Tor geöffnet werden, wie heir manch jemand andeutete.

    Dass dann ein vermutlich Wikipedia-Arzt daherkommt und Beschneidung bei Jungen teils mit den Genitalverstümmelungen bei Mädchen vergleicht, ist mindestens katastrophal frauenfeindlich.

    Der Beschneider wurde in diesem Fall zu glimpflich behandelt. Sämtliche Vorwürfe des Vereins sehe ich bestätigt und zurecht angemahnt.

    Dennoch liegt die Hauptschuld bei den Sorgeberechtigten. Sie waren und sind noch immer komplett verantwortlich für Vermögens- und vor allem Personensorge ihres Sohnes. Wären die Familienrichter Mitarbeiter im Jugendamt, würden sie jetzt schon rein formal angeklagt werden. Kindeswohl geht vor.

  8. 5.

    Ja, da brauchen wir noch viel mehr Aufklärung! Ein schönes aufklärendes Buch: "Der Pinsel der Liebe - Leben und Werk des Penis" vom niederländischen Professor der Urologie Bo Coolsaet, Kiepenheuer & Witsch Verlag, Köln 1999.
    Eine nette Rezension vom hiesigen Luisenstädtischen Bildungsverein gibt es hier: http://www.luise-berlin.de/lesezei/blz99_05/anno15.htm Daraus:
    "Der profane, gar nicht so ansehnliche, ansehenswerte Pimmel wird zum himmlisch-heiligen St. Phallus. Mit Metaphern wird das Gottesgeschöpf umschmeichelt. Plötzlich heißt der Piepel Der Pinsel der Liebe. O ja, o je! Angst und bange kann einem werden, denkt man an die Malerei, weil man weiß, welch eine Kunst es ist, den Pinsel zu führen. Keine Bange, keine Angst! Der „Prinz im Penisland“, dem nichts am „männlichen Kleinod“ fremd ist, nimmt alle Laien an die Hand. "

  9. 4.

    Ich bin weder Jude noch Moslem und meine 'Eltern waren waschechte Biodeutsche . Trotzdem bin ich beschnitten, der Gesundheit wegen. Die Beschneidung (- sofern es von ausgebildeten Personal vollzogen wird)bei männl. Personen ist absolut harmlos und schon gar nicht gesundheitsschädlich , im Gegenteil - vieles ist daurch besser.
    Bei der Beschneidung von weibl. Personen ist dieses gänzlich anders und wird daher auch seit anders bewertet.
    Wer den Unterschied nicht kennt sollte ... nuhr

  10. 3.

    Bei jeder Beschneidung (Zirkumzision) entsteht dem Körper der Verlust von 10.000 bis 20.000 Nervenendigungen bzw. Tastkörperchen der Typen Meissner, Ruffini, Vater-Pacini, Merkel. Damit entspricht die Jungenbeschneidung der lebenslangen sensitiven Schädigung einer weiblichen Genitalverstümmelung (FGM) vom Typ II (Verstümmelung der Labien) oder einer FGM Typ Ib, das ist die Exzision (nicht der Klitorisvorhaut, sonder) der Klitoris.

    Als irreversible Vernichtung der penilen Strukturen Gefurchtes Band (ridged band) und zumeist auch Frenulares Delta (frenular delta) bedeutet das Wegschneiden der Vorhaut des Penis die Zerstörung der männlichen sexuellen Lustquelle Nummer Eins.

    Völlig altersgemäß sind Kinder (Kind ist Mensch unter achtzehn Jahren) nicht fähig, die lebenslangen nachteiligen Folgen für Sexualität und Partnerschaft abzuschätzen, die sich aus einer Genitalbeschneidung ergeben.

    Ob Junge oder Mächen: Keine Beschneidung unter 18.

  11. 2.

    .....nicht wissen schützt nicht vor Strafe! Immer diese milden Urteile für Moslems.


  12. 1.

    Das Grundgesetz wurde dahingehend geändert, dass die Unversehrtheit des Kindes durch die Beschneidung auf Druck von jüdischen und muslimischen Glaubensgruppen aufgeweicht wurde. Jetzt dürfen die Jungen beschnitten werden und es ist nur eine Frage der Zeit, bis auch die Beschneidung der Mädchen erlaubt wird, denn wir denken und handeln muliti-kulturell! Trauriges Beispiel, trauriges Deutschland!

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