Einsamer Kiefernwald (Quelle Archivbild: imago/Florian Gaertner/photothek.net)
Video: Brandenburg aktuell | 23.10.2017 | Angelika Fey | Bild: imago/Florian Gaertner/photothek.net

Frau gesteht vor Gericht - Ex-Mann nackt in Brandenburger Wald ausgesetzt

Er soll sie nach der Trennung belästigt und ihr nachgestellt haben: Eine 39-jährige Frau hat gestanden, ihren Ex-Mann in einem Brandenburger Wald nackt ausgesetzt zu haben. Zuvor wurde er geschlagen und getreten. Mitangeklagt ist eine weitere Ex des Mannes.

Eine 39-Jährige hat vor dem Landgericht Frankfurt (Oder) gestanden, ihren Ex-Mann nackt in einem Wald ausgesetzt zu haben. Als Grund gab sie ihre von Gewalt geprägte Beziehung zu ihm und ihre aussichtslose Situation an.

Die Ex-Freundin des Mannes wurde noch nicht befragt

Die geschiedene Ehefrau des Opfers beschrieb am Montag beim Prozessauftakt die Tat als spontane und nicht geplante Aktion. Unter Tränen schildert die blonde Frau, wie es im Frühjahr 2015 zu dieser Racheaktion gegen ihren 45-jährigen Ex kam. Die Beziehung sei von Gewalt geprägt gewesen, sie habe immer in Angst gelebt und nach etlichen wirkungslosen Strafanzeigen gegen den Ex keinen Ausweg mehr gesehen. "Er wusste immer wo ich war." Nach der Trennung habe der Mann sie mit Anrufen belästigt und ihr nachgestellt. Die Angeklagte betonte, dass die Aktion aus dem Ruder gelaufen sei.

Mitangeklagt ist eine 37-jährige ebenfalls ehemalige Partnerin des Mannes, sie wurde vom Gericht zunächst noch nicht befragt. Die 39-jährige Ex-Frau sagte aus, zusammen mit der Ex-Freundin den 45-Jährigen ausgesetzt zu haben. Das Opfer erschien zum ersten Verhandlungstag nicht. Die Frau wird voraussichtlich am Freitag als Zeuge gehört werden.

Die Staatsanwaltschaft wirft den beiden Frauen Freiheitsberaubung und gefährliche Körperverletzung vor. Dafür können Haftstrafen von bis zu zehn Jahren verhängt werden.

Vier Fremde bieten Hilfe gegen den Ex an

Um dem Mann einen Denkzettel zu verpassen, sollen die beiden Frauen gemeinsam mit vier Männern dem Opfer im März 2015 in Zepernick (Barnim) aufgelauert, ihn in einen Transporter gestoßen, verprügelt und gefesselt haben. Ihm wurden Schlüssel und Telefon abgenommen.

Einer der vier Männer habe sie wenige Tage vor der Racheaktion angesprochen, als die Ex-Ehefrau des Opfers weinend in ihrem Auto saß. "Er sagte, er hätte Freunde, die gerne jemandem weh tun, beispielsweise einen Finger abschneiden", berichtet sie. Am Tattag sei der fremde Mann dann mit drei weiteren auf einem verabredeten Parkplatz aufgetaucht. Die Ex-Frau habe den Kleintransporter gefahren, die Ex-Freundin sei Beifahrerin gewesen und die Männer hätten den Mann auf die Ladefläche gezogen und später verprügelt.

Nackt im winterlichen Wald ausgesetzt

Anschließend wurde er bei winterlichen Temperaturen in ein Waldstück in Brandenburg gefahren. Die Männer sollen ihm gedroht haben: "Er solle die Frauen in Ruhe lassen, bis 100 zählen, sonst würde er abgeknallt werden", sagt Andrea Laube, Sprecherin des Landgericht Frankfurt (Oder). Danach wurde das Opfer allein gelassen. Verletzt sei er orientierungslos umhergeirrt und hatte laut Anklage, nur mit einer gefundenen Mülltüte bedeckt, ein Auto an einer Landstraße angehalten.

Der Vorsitzende Richter Ulrich Karkmann machte deutlich, dass er der 39-Jährigen Ex-Ehefrau die Darstellung von den mysteriösen Helfern nicht glaubt. Würden die Angeklagten allerdings ein "echtes Geständnis" machen, könnten sie Bewährungsstrafen bekommen, so der Richter. Für den Prozess sind insgesamt drei Verhandlungstage angesetzt. Ein Urteil soll es in gut zwei Wochen geben.

Kommentar

Bitte füllen Sie die Felder aus, um einen Kommentar zu verfassen.

Kommentar verfassen
*Pflichtfelder

Bitte beachten Sie unsereNetiquette zum Kommentieren von Beiträgen sowie unsere Richtlinien zum Datenschutz.

23 Kommentare

  1. 23.

    Schade (wenn auch erwartbar), dass auch zu diesem Thema die Diskussion meist nur ein Schlagabtausch auf dem Niveau einer Schulhofkeilerei ist: Einige holen die Emanzenkeule raus, andere die Nazikeule, sehr gern kommt auch die Paragrafenkeule zum Einsatz. Und alle wissen natuerlich ganz genau, was damals passiert ist bzw was unterblieb.
    Unter dem Maentelchen, vermeintliche oder tatsaechliche Opfer schuetzen zu wollen, geht es eigentlich wieder vorwiegend darum, sich ueber Leute mit abweichender Meinung zu erheben. - Was fuer eine Verschwendung der an sich grossen Moeglichkeiten solcher oeffentlichen Foren.
    Auf dem bisherigen und noch maximal zu erwartenden Wissensstand ueber die realen Ablaeufe bis 2015 muesste hier doch vorwiegend Thema sein, halbwegs sachlich zu pruefen, welche realen Moeglichkeiten Gewaltopfer egal welchen Geschlechts damals hatten und heute haben, um Ihre Situation zu verbessern.
    Spekulationen, Unkereien und Anwuerfe dagegen helfen m.E. niemandem weiter.

  2. 21.

    Ja klar, da sind auf einmal Männer wie aus dem nichts aufgetaucht und wollten ihr "helfen".
    Die hat wohl gelernt wenn man als Frau weint wird ihr jede Lüge geglaubt.
    Wahrscheinlich hat sie mit der Scheidung auch noch fett abgesahnt (Zugewinnausgleich),
    wie das hierzulande "zum Schutze der Frauen" ja üblich ist.

  3. 19.
    Antwort auf [Kai] vom 24.10.2017 um 18:34

    Offensichtlich ist Ihnen der § 140 StGB "Belohnung und Billigung von Straftaten" nicht bekannt (Freiheitsstrafe bis 3 Jahre). Sonst würden sie hier nicht öffentlich von "cooler Aktion" faseln.

    #Armutszeugnis

    Und daß die Redaktion hier mehrfach solche kriminellen Sprüche durchwinkt, zeugt von fataler Ahnungslosigkeit oder Gleichgültigkeit. Da ist eins so peinlich wie das andere.

  4. 18.

    Das ist ja widerwärtig. Hätte ein Mann diese Selbstjustiz-Nummer durchgezogen, weil seine Ex ihn gestalkt hat (ich kenne Stalking übrigens vorrangig durch Frauen und habe es auch selbt und die Gleichgültigkeit der Polizei erleben dürfen), würde er vor Gericht garantiert nicht mit einer billigen Bewährungsstrafe davonkommen. Werden Feministinnen hier eigentlich auch für Gleichberechtigung demonstrieren?

  5. 17.

    @ 14: Skorpion, sich auf dasselbe Niveau wie der urspruengliche Taeter zu begeben, ist vermutlich gerade der Reiz von Selbstjustiz: Naemlich dann, wenn man zuvor das Gefuehl hatte, UNTER dem urspruengliche Taeter zu stehen - eben von ihm erNIEDRIGt worden zu sein. Die Tat bringt den neuen Taeter also gefuehlt wieder aufwaerts.
    Dass das fuer eine Gesellschaft nicht gut ist, ist mir klar. Nur eben habe ich von vielen Faellen gehoert, wo offizielle Wege der Problemloesung nicht funktionieren. Die Wirksamkeit der Gesetze gegen "Nachstellung" von 2007 bzw 2017 kann ich nicht beurteilen.
    Vor allem scheint mir in Handlungen im Bereich von (ehemaligen) Paarbeziehungen, insbesondere, wenn diese juristisch relevant sein koennten, die psychologische Behandlung der Beteiligten weitaus nachhaltiger als die strafrechtliche. Sie scheitert aber vermutlich oft an der Bereitschaft der Beteiligten und am Mangel an geeigneten Plaetzen.

  6. 16.

    "Natuerlich haette ich auch fuer einen Mann Verstaendnis"

    Ich nicht. Nach dem Text zu urteilen war das eine Art Folter, und das Nacktaussetzen bei Kälte ist ein Mordversuch. Dafür gibt es kein Verständnis von mir, und ich denke auch eine Bewährungsstrafe ist dafür viel zu milde. Die gehören ordentlich verknackt.

    "Ich sehe hier keinen Grund, zwischen verschiedenen Geschlechtern zu unterscheiden. Sie? "

    Nein eben nicht, das ist ja mein Punkt. Aber einige der Schreiber weiter unten machen ganz offensichtlich einen solchen Unterschied, und das macht mir Sorgen. Vor allem die Selbstgerechtigkeit, mit der die eigene Doppelmoral spazieren geführt wird, ist abstoßend.

  7. 15.

    @ 13, Anorak: Natuerlich haette ich auch fuer einen Mann Verstaendnis, der sich gegen fortgesetzte koerperliche oder verbale Gewalt nachhaltig wehrt, falls er zuvor intensiv, aber erfolglos "staatliche" Hilfe gesucht hat.
    Ich sehe hier keinen Grund, zwischen verschiedenen Geschlechtern zu unterscheiden. Sie?

  8. 14.

    Ich möchte Ihnen widersprechen. Durch Selbstjustiz kann man eventuell seine Lebensqualität wieder herstellen. Aber seine Würde? Das bezweifle ich. Denn durch Selbstjustiz wird man selbst zum Täter. Macht sich gleich mit dem Täter. So verliert man wohl eher seine Würde. So sehr ich die Verzweiflung der Frauen nachvollziehen kann, so sehr verurteile ich doch ihre Tat. Zumal es inzwischen im StGB einen Stalkingparagraphen gibt. Es tut mir für die Frauen. Aber sie sind von Opfern zu Tätern geworden.

  9. 13.

    Da mein gestriger Kommentar nicht durchkam, hier nochmal: Das Gutheißen von Gewalt kommt hier nicht von Nazis, sondern vom Feminismus. Die Verwechslung liegt auf der Hand, beide Ideologien erklären eine Gruppe von Menschen zum Freiwild.

    Und @Rolf: Würden Sie Ihr doch sehr wohlwollendes Verständnis für die Gewalttäterin genauso zeigen, wenn der Täter ein Mann und das Opfer eine Frau gewesen wäre?

  10. 12.

    Fuer mich entscheidend zur Beurteilung waere, ob die Frau vor der Trennung tatsaechlich Gewaltopfer war, wirkungslose Strafanzeigen aufgegeben hat und nach der Trennung fortgesetzt gedemuetigt wurde. Wenn dies zutrifft - und von solchen Faellen hoert man ja durchaus immer wieder - finde ich die Entfuehrung und Einschuchterung zumindest nachvollziehbar: Seit Jahrzehnten scheinen bei direkter und vor allem indirekter haeuslicher Gewalt Justiz und Polizei nur wenig ausrichten zu koennen. Selbstjustiz scheint da - leider - oft eine von wenigen Moeglichkeiten, um sich Wuerde und Lebensqualitaet wiederherzustellen.
    Oder sind alle Menschen, die berichten, dass die Polizei ihnen in solchen Faellen nicht helfen konnte, AfD-Anhaenger??Wer hier Steine auf die Taeterin wirft, hat offenbar nie selbst solche fortgesetzten Bedrohungen erlebt.

  11. 11.

    Also vom Gutheißen derartiger Straftaten krampfhaft auf eine Partei schließen zu wollen und fast, wie zu erwarten, diese mit einer Zeit von vor 80 Jahren zu verknüpfen, ist schon sehr merkwürdig...da stellt sich eher die Frage, wer hier tatsächlich gefährlich ist.

  12. 10.

    Ich bin entsetzt, dass selbst hier auf seriösen Portalen, auch noch ein gutheißen von Selbstjustiz ausgerufen wird. Geht so schön in Richtung des völkischen Nationalsozialismus, sprich AFD Wählerschaft. Wladimir, dass ist einfach nur dumm und ätzend und hat in der BRD keinen Platz!

  13. 8.

    Sehr geehrter Wladimir, noch haben wir keine russischen Verhältnisse, aber sicher wird sich die Dame über eine warme Soljanka freuen, die Sie ihr ja in den Knast bringen können.

  14. 7.

    Der Denkzettel ist hoffentlich angekommen!!@

    Fesseln und Bedrohen ist grenzwertig, aber das Verfahren werden die Frauen durchstehen müssen.

  15. 6.

    Zu sechst (!) einen Mann verprügeln, verschleppen, demütigen und mit dem Tode zu bedrohen wird von Ihnen beklatscht? Das ist ein starkes Stück! Selbstjustiz ist das letzte, was wir hier gebrauchen können.

    Ich hoffe Sie sind mit Ihrer Ex-Frau im Guten auseinander gegangen!

  16. 5.

    Billigung und Belohnung von Straftaten ist in der Tat "mal wirklich was".

    Auch wenn der Artikel zunächst so aufgemacht ist wie eine Provinzposse, so entpuppt sich das Ganze doch ziemlich schnell als Verkettung schwerer Verbrechen. Die Anklage könnte ebenso Mordversuch lauten. Dass das Ganze nicht geplant sein soll, mit mehreren Helfern und einem Transporter, ist zudem höchst unglaubwürdig und wäre innerhalb prozessualer Aussagen bei einer Lüge Meineid. Aber wenn Sie sich unterhalten fühlen, ist ja alles gut...

    Auch die Tatsache, dass der Mann die Frau belästigt und geschlagen haben soll, legitimiert niemanden (!) zu Straftaten.

    "Neulich", vor etwa 2, pardon, 2.400 Jahren hat mal jemand gesagt: Es ist ein größeres Unrecht, Unrecht zu begehen, als es zu erleiden. Sokrates hieß er.

Das könnte Sie auch interessieren