Jede Menge Fahrräder stehen am S-Bahnhof Zehlendorf in Berlin. (Quelle: imago/Stefan Zeitz)
Video: zibb | 24.10.2017 | Rainer Unruh | Bild: imago/Stefan Zeitz

Neue Strategie der Berliner Polizei - Fahrräder mit GPS-Sender sollen Diebe in die Falle locken

Cem Özdemir ist es passiert - und jeder Menge anderer Berliner zuvor: Das Fahrrad ist weg. Geklaut! Bislang kommt die Polizei nur den wenigsten Raddieben auf die Schliche. Das soll sich ändern - durch Lock-Fahrräder, die mit GPS-Sendern ausgestattet sind.

An Bahnhöfen und anderen Orten, an denen viele Fahrräder abgestellt werden, will die Berliner Polizei in Zukunft "Lockfahrräder" einsetzen: höherwertige Räder, die mit GPS-Sendern ausgestattet sind und zum Diebstahl verlocken. Wenn das Fahrrad tatsächlich geklaut wird, kann ein Einsatzteam der Polizei die Diebe verfolgen und hoffentlich festnehmen.

Genaueres will die Berliner Polizei zu ihrer neuen Strategie nicht verraten. Oliver von Dobrowolski von der Zentralstelle für Prävention erklärt, warum: "Weil auch Täterinnen und Täter den rbb schauen, würde ich davon Abstand nehmen, zu erklären, wie oft und wo wir Lock-Fahrräder einsetzen wolllen."

Jeden Tag verschwinden 88 Fahrräder

Über 34.000 Räder wurden im vergangen Jahr in Berlin geklaut - im Gesamtwert von knapp 20 Millionen Euro. Jeden Tag verschwinden in Berlin 88 Fahrräder. Selbst Politiker sind vor Fahrraddieben nicht gefeit: Am Sonntag erwischte es das leuchtend grüne E-Fahrrad von Cem Özedemir (Grüne).

Die Aufklärungsquote von Fahrraddiebstählen in Berlin liegt dagegen bei nur 3,5 Prozent. Jeder sollte sich die Rahmennummer seines Rades aufschreiben, rät die Polizei. Außerdem könne man den Drahtesel polizeilich kodieren lassen und - um ganz sicher zu gehen - zwei unterschiedliche Schlösser nutzen: eins für vorne und eins für hinten.

80 bis 90 Euro für ein sicheres Schloss

Fahrradhändler empfehlen Schlösser mit einer hohen Sicherheitsstufe: "Je dicker das Material ist, desto sicherer sind die Schlösser. Leider sind gute Schlösser auch dementsprechend schwerer", sagt Nikolaus Eggert, Fachverkäufer bei Rad Stadler. Ein weiterer Nachteil solcher Schlösser: der Preis. Laut Eggert muss man für ein gutes Schloss 80 bis 90 Euro ausgeben.

Um Fahrraddiebe abzuschrecken oder sie zumindest nach der Tat einfacher zu identifizieren, fordert die Berliner CDU, Orte mit Überwachungskameras auszustatten, an denen viele Fahrräder parken. Abhilfe könnten auch bewachte Fahrrad-Parkhäuser schaffen. In Bernau und am Potsdamer Hauptbahnhof gibt es sie schon.

Berlin hat noch kein Fahrrad-Parkhaus

In Berlin sind bislang drei Fahrrad-Parkhäuser geplant: Am S-Bahnhof Zehlendorf soll Platz für 160 Räder entstehen. Das Parkhaus soll ohne Personal auskommen - eine Automatik wird die Räder zu ihren Plätzen befördern. Außerdem soll am Bahnhof Gesundbrunnen eine Sammelschließanlage für 40 Fahrräder hinter einem Stahlzaun gebaut werden. Mithilfe einer Chipkarte werden Radbesitzer die Anlage betreten können.

Am dringendsten wird ein Fahrrad-Parkhaus wohl am Ostkreuz gebraucht, wo es kaum legale Stellplätze für die vielen Räder gibt. Der Bezirk hat ein solches Parkhaus schon seit Jahren geplant - doch die Bauarbeiten dafür können erst beginnen, wenn die Deutsche Bahn mit ihrem Umbau von Ostkreuz und Vorplatz fertig ist. Das wird wohl nicht vor 2019 passieren.

 

Mit Informationen von Rainer Unruh

Kommentar

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15 Kommentare

  1. 15.

    "Der beste Diebstahlschutz sind hochwertige Schlösser wie dieses Faltschloss oder Bügelschlösser. Es schützt vor Gelegenheitsdieben, vor Profis nur bedingt."
    Wer sein Fahrrad derart wie auf dem dazu gezeigtem Foto ( https://www.rbb24.de/content/dam/rbb/rbb/Bilder%20Infoportal-------/2014/2014_06/Fahrradklau_5595.jpg ) zugänglich macht sollte sich nicht wundern wenn es gestohlen wurde. Nach schnellem Abbau des Vorderrades kann die Gabel bequem durch das Gliederschloß herausgezogen werden. Das Vorderrad wieder anbauen und weg ist der Dieb! Angeschlossen kann das Rad nur sicher durch ein Schloß, das in einem geschlossenen Rahmenbereich an einen hochfesten Gegenstand angeschlossen wird. Dabei darf dieser Gegenstand kein offenes Ende aufweisen um das Überhinheben von Fahrrad mitsamt Schloß zu verhindern.

  2. 14.

    Mea Culpa, dass ich nicht den "Antworten"-Button klickte. Es war auf andere Kommentare bezogen.

    Was allerdings aufgrund des Artikelinhalts auch leicht anzunehmen gewesen wäre.

  3. 13.

    "Ach und zum Thema GPS:
    Zu viele Nachteile und Unsicherheiten:"

    Lies den Artikel mal genau. Die Polizei rät nicht dazu Fahrräder mit GPS auszustatten, sondern verteilt Fahrräder die zum Diebstahl attraktiv sind und mit einem GPS ausgestattet sind und von der Polizei überwacht werden. Damit wird der Großteil Deiner Punkte hinfällig.

  4. 12.

    Bitte den Wikipedia-Artikel weiterlesen. Die zitierte Einleitung ist mMn nicht korrekt.
    Honeypots sind im Computerbereich Systeme, die täuschend echt aussehen, aber sehr intensiv beobachtet werden.
    Ziele sind Angreifer zu beobachten und zu identifizieren.
    Ablenkung von den realen Systemen ist eher ein untergeordneter Nebeneffekt.

  5. 11.

    Ach und zum Thema GPS:
    Zu viele Nachteile und Unsicherheiten:
    a) sehr teuer und damit für viele irrelevant
    b) sehr ungenau
    c) kein Signal, wenn das Rad z.B. nach dem Diebstahl auf einen LKW geladen wurde
    d) von Profis sofort zu finden
    e) Wenn unbemerkt der Akku alle ist, ist es auch egal ob das Gerät vorhanden ist.

    Generell kann ein Sicherheitskonzept nicht wirkungsvoll sein, wenn es nur darum geht, hinterher jemanden zu erwischen. Ein wirkungsvolles Sicherheitskonzept verhindert einen Sicherheitsbruch.

  6. 10.

    Nicht gut recherchiert, aus min. 3 Gesichtspunkten:

    a) Die Dicke eines Schloss ist nicht das Relevanteste. Einfach mal nach "Schlagschlüssel" googlen und/oder bei youtube entsprechende Videos suchen. Die Schwachstelle ist in der Regel der Schließmechanismus und nicht die Kette/der Bügel/etc.

    b) Es ist gruselig, wie hier die CDU gleich wieder nach mehr Überwachung schreit. Es gibt einfach keine Statistik, die beweist, dass Überwachung zu mehr Sicherheit führt. Selbst London, die Stadt mit der größten Überwachungsinfrastruktur der Welt, hat mehrfach zugegeben, dass die Kriminalität nicht verschwindet, sondern in die nicht überwachten Randbezirke verdrängt wird. Was soll die Konsequenz sein? Soll die ganze Welt überwacht werden?

    c) Welchen Gewinn soll die polizeiliche Kodierung bringen? Es gibt eine gestanzte Nummer, die das Bike eindeutig Identifiziert. Das reicht aus. Wer sein Bike vermisst, meldet sich bei der Polizei. Wer es nicht vermisst, lässt es.

  7. 9.

    Haha, Bild Nr 5 in der Bilderserie. "Der beste Diebstahlschutz sind hochwertige Schlösser wie dieses Faltschloss oder Bügelschlösser." Hilft aber nich, wenn man das Rad so bescheuert anschließt, wie auf dem Foto. Schnell das Vorderrad rausnhemen (vermutlich Schnellspanner) und die Gabel durch's Schloss ziehen. Voilá. :D So was sieht man täglich, teure Räder mit teuren Schlössern und man kann sie einfach mitnehmen.

  8. 8.

    "Sie können ihr Rad natürlich selbst mit GPS nachrüsten" Danke für die Info soweit! Allerdings hätt ich da gerne noch etwas mehr! Was gibts für Geräte? Wie teuer ist sowas. Wo bekommt man die her ...

  9. 7.

    Ich bin hier etwas verwundert über einige Kommentare und habe deshalb nachrecherchiert:

    Honigtopf
    "Als (...) honeypot wird eine Einrichtung bezeichnet, die einen Angreifer oder Feind vom eigentlichen Ziel ablenken soll oder in einen Bereich hineinziehen soll, der ihn sonst nicht interessiert hätte." Q: Wikipedia DE

    Genau das geschieht aber nicht, wenn dort ganz normal aussehende Fahrräder wie alle anderen Fahrräder abgestellt und angeschlossen werden.

    Also liegt der Einsatz von Honeypots schon mal gar nicht vor.

    Ich habe auf die schnelle nichts finden können, weshalb diese Ermittlungsmethode, Fahrräder mit Sender auf Parkplätzen abzustellen, rechtswidrig sein soll.

    Es ist ja auch nicht rechtswidrig, wenn Polizisten als Kunden von Rauschgifthändlern auftreten, um diese zu überführen.

  10. 6.

    Was kostet so ein GPS-Gerät und wer bezahlt es???

  11. 5.

    Sehr witzig, dass bei Sekunde 43 bis 45 ein Ausschnitt vom Doberaner Platz in Rostock gezeigt wird. Ist das vielleicht eine Anspielung auf das Startup Fahrradjäger aus der Hansestadt? :-)

  12. 4.

    Mängel an Stell- und Parkplätzen gibt es nicht nur am Ostkreuz. Immerhin ging die Polizei neulich ausnahmsweise gegen falsch geparkte Kfz vor. Doch wann gibt es einen solchen Schwerpunkt auch einmal gegen die Asozialen, die andere Fahrzeuge nutzen?

  13. 3.

    Wenn überhaupt, kann dies nur zur Identifizierung potentieller Straftäter dienen, bei denen man davon ausgehen kann, dass sie zum Diebstahl von Fahrrädern neigen. Da stellt sich die Frage, was das bringen soll. Entwendet eine Person jedenfalls ein solch präpariertes Fahrrad, ist eine Verurteilung wg. Diebstahls ausgeschlossen.

  14. 2.

    @Eric: die Polizei darf auch keine Honeypots einsetzen. Ich wundere mich ebenfalls über diese Meldung.

    Und für Fahrraddiebstahl finden Sie sowas in Ordnung? Das ist aber eine sehr niedrige Hürde. Wannimmer die Polizei was nicht aufklären kann (was sehr oft passiert - Einbruch, Mord, sonstwas) wären dieser Logik zufolge Honeypots legitim. Ne! Ganz und gar nicht!

    MIr fehlt in dem Artikel komplett die Einschätzung eines Rechtsexperten zu diesem zweifelhaften Vorgehen. Ich war selbst schon von Fahrraddiebstahl betroffen, aber die Konsequenz darf nicht sein, auf verbotene "Ermittlungsmethoden" zurückzugreifen, die tatsächlich zu Straftaten verleiten. Und der Begriff "Lock-Fahrräder", den die Polizei verwendet, deutet ganz klar darauf hin!

    Die Konsequenz muss sein, dass die Polizei auch ordentlich ermittelt beim Fahrraddiebstahl. Das tut sie nach meiner Erfahrung ganz und gar nicht!

  15. 1.

    Ich dachte die Polizei dürfe keine 'Honeypots' einsetzten, da diese zu Straftaten verleiten?
    Bei Fahrrändern habe ich nichts dagegen, sonst kann man die Diebe ja praktisch nicht finden. Allerdings sollte man das scharf beobachten, nicht dass das jetzt überall benutzt wird.

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